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Neurodermitis

Fachbegriff: Atopisches Ekzem

Für das gleiche Krankheitsbild gibt es noch verschiedene weitere Bezeichnungen, wie endogenes Ekzem oder atopische Dermatitis.
Es handelt sich um eine chronische Entzündungsreaktion der Haut. Die Erkrankung beginnt oft im ersten Lebensjahr mit dem sog. Milchschorf, der sich überwiegend am Kopf bemerkbar macht. Später, im Kindes- und Schulalter, konzentrieren sich die Ekzeme auf die Beugeseite von Gelenken wie Ellbogen und Knie. Hände, Nacken und das Gesicht können ebenfalls betroffen sein. Nach der Pubertät verschwinden die Hauterscheinungen mehrheitlich; die Tendenz zur Ekzembildung bleibt jedoch bestehen. Im Erwachsenenalter bricht die Krankheit selten erstmals aus.

Das atopische Ekzem zählt zu den häufigsten chronischen Hautkrankheiten. Es gehört zu den anlagebedingten Überempfindlichkeitsreaktionen und tritt vielfach (aber nicht obligatorisch) zusammen mit allergischen Krankheiten auf. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit der Neurodermitis zugenommen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind noch nicht in allen Einzelheiten bekannt, doch gibt es Anhaltspunkte.

  • Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle. Sie führen zur Veranlagung, an Neurodermitis zu erkranken, sind aber erfahrungsgemäss nicht alleinige Ursache.
  • In der Haut erfolgt eine Immunreaktion, die zu typischen Veränderungen führt.
  • Chronische Entzündung, mangelhafte Talgbildung und Trockenheit der Haut.

Ob und in welcher Form die Krankheit dann ausbricht, hängt wesentlich ab von Einflüssen wie:

  • Psyche: Stress, Anspannung, belastende Ereignisse. Stresssituationen sind häufig Auslöser eines Neurodermitisschubs.
  • Unmittelbare Einwirkung auf die Haut: Chemikalien, besonders Reinigungs-, Wasch-, Desinfektions- und Verdünnungsmittel, auch Kosmetika, ferner physikalische oder mechanische Reize.
  • Umwelt: Klima.
  • Hormone: bei Schilddrüsenerkrankungen, während der Schwangerschaft.
  • Allergien auf Pollen, Tierhaare, Hausstaub, Lebensmittel usw. Sie sind nicht Ursache der Neurodermitis, verschlechtern aber deren Verlauf. Vergleichbares gilt für Infekte und Entzündungen.

Das Krankheitsbild

Charakteristika der Neurodermitis sind die chronische Entzündung der Haut und der schubweise Verlauf.

  • Leitsymptom ist der Juckreiz; er quält subjektiv am meisten und der Schlaf kann dadurch erheblich gestört sein.
  • Gewisse Funktionen der Haut sind beeinträchtigt wie Temperaturregulation und Schweissbildung, Speichern von Feuchtigkeit, Talg- und Fettabsonderung. 
  • Im akuten Stadium nässt das Ekzem und die Körperstelle ist geschwollen; es bilden sich Bläschen, Schuppen und Krusten. Eine Verschlimmerung wird vielfach im Spätherbst, Winter oder Frühling beobachtet.
  • Im chronischen Stadium ist die Haut gerötet, rau und wegen der reduzierten Talgproduktion trocken. Es entstehen schnell kleine, schmerzhafte Risse. Durch chronische Entzündung, Kratzen und Infektionen vergröbert und verdickt sich mit der Zeit das Oberflächenrelief der Haut („Nashornhaut“).
  • Typische Lokalisationen des Ekzems bei Kindern und Jugendlichen sind die Beugeseiten von Ellbogen und Knie, der Hals, die Augenlider und das seitliche Gesicht.
    Bei Erwachsenen erscheint das Ekzem an den Händen, am Hals, an Stirne und Lidregion, an den Ohren oder Füssen; vereinzelt juckt es am ganzen Körper.

Folgen, Komplikationen

Entzündete Stellen – hauptsächlich wenn sie nässen – können sich mit Bakterien, Viren oder Pilzen infizieren. Eine besondere Empfänglichkeit besteht für Eitererreger und für das Herpesvirus. Insbesondere während eines Schubs sollten Neurodermitiker den Kontakt mit Fieberbläschen, Varizellen- und Herpes-Zoster-Ausschlägen meiden.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Nicht kratzen. Das Kratzen verschlimmert die Hauterscheinungen und erhöht die Infektionsgefahr. Den Juckreiz erleichtern können sanftes Streicheln mit einer weichen Bürste, Mentholpuder oder Kampferlösungen.
    Am besten Leinen- oder Baumwolltextilien tragen; rein synthetische Kleidungsstücke und Wollfasern meiden. Mischgewebe aus Baumwolle und Kunstfasern wird oft auch gut vertragen.
  • Hautpflege
    • Sparsamer Umgang mit Seife, da sie die Haut entfettet und austrocknet; grundsätzlich Seife verwenden, deren pH etwa jenem der Haut entspricht (pH 5,5). 
    • Rückfettende Ölbäder: Den Badezusatz kann man selbst herstellen, indem man 1 Esslöffel Olivenöl mit zwei Tassen Milch vermischt. Darauf achten, dass Wasser zum Baden und Händewaschen nicht heiss, sondern nur lauwarm ist.
    • Salben oder fettende Emulsionen ohne Zusätze wie Konservierungsstoffe oder Parfum verwenden und nicht zu dick auftragen, besser mehrmals täglich. 
    • Feuchte Umschläge oder das Einreiben von Ringelblumensalbe tragen manchmal zur Rückbildung der Hautentzündung bei.
    • Beim Putzen Handschuhe tragen, um direkten Hautkontakt mit Chemikalien zu vermeiden.
  • Lebensstil: Stressarme und geregelte, ausgeglichene Lebensweise anstreben. Autogenes Training und andere Entspannungstechniken helfen, den chronischen Juckreiz besser zu ertragen.
  • Diätetische Massnahmen: Strenge „Neurodermitisdiäten“, wie das strikte Weglassen von Zucker, Fleisch oder anderen Nahrungsmitteln, sind in der Regel nicht sinnvoll. Wenn es dadurch zu mangelhafter Versorgung mit Eiweissen, Mineralien oder Vitaminen kommt, wird sich das Ekzem vielmehr verschlechtern. Gelegentlich bringt der Verzicht auf scharf gewürzte Speisen und alkoholische Getränke Besserung. 
  • Bei bekannter Allergie: die Allergene soweit möglich meiden. Besonders häufig sind Kontaktallergien auf Modeschmuck, Salben oder Cremes, Kosmetika, Leder usw.
  • Nicht rauchen und sich nicht in rauchgefüllten Räumen aufhalten, denn Zigaretten-,
    Zigarren- und Pfeifenrauch wirken sich ungünstig aus.
  • Klimawechsel (Meer oder Hochgebirge) hat oft einen günstigen Einfluss.
  • Langes Stillen von Kindern mit erblicher Vorbelastung kann die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Neurodermitis oder Allergien verringern.

Wann braucht es den Arzt

Bei eitrigen Ekzemen ist ein Arztbesuch angezeigt, ebenso wenn sich ein Ekzem bedeutend verschlechtert und zusätzlich Fieber auftritt. Bisweilen sind Antibiotika nötig, um zu verhindern, dass später störende Narben entstehen.

Blut- und Allergietests ermöglichen es, die Diagnose zu sichern und Anleitungen zur Therapie zu geben.

Therapie

Aufgrund der Vielzahl auslösender Faktoren, die in Frage kommen – insbesondere aus der
Umwelt –, wird die Behandlung individuell gestaltet.

  • Lokale, äusserliche Anwendung: teer-, harnstoff-, zink- oder allenfalls kortisonhaltige Präparate. Neuerdings werden mit Tacrolimus enthaltenden Salben gute Resultate erzielt. Mit dieser Substanz lässt sich eine bedeutende Nebenwirkung von Kortison umgehen – nämlich die Verdünnung der Haut. Allerdings gibt es auch für Tacrolimus Anwendungseinschränkungen.
    Auf infizierte Hautstellen (eitriges Sekret oder Bläschen), werden infektionshemmende Salben aufgetragen.
  • Systemisch („innerlich“, im Organismus wirkend): juckreizstillende Medikamente (meist Antihistaminika) und das antiallergisch wirkende Kortison in Tablettenform.
  • Licht- und Klimatherapie lassen sich ebenfalls zur Behandlung einsetzen, daneben Akupunktur oder Akupressur. 
  • Chronische Entzündungen an Zähnen und in Nasennebenhöhlen usw. beeinflussen den Verlauf der Neurodermitis ungünstig und werden mit behandelt.

Weiterführende Informationen Adressen

  • Selbsthilfeschweiz
    Laufenstrasse 12
    4053 Basel
    Tel: 061 333 86 01
    www.selbsthilfeschweiz.ch
  • aha! Allergiezentrum Schweiz
    Scheibenstrasse 20
    3014 Bern
    Tel. 031 359 90 00
    www.aha.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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