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Neuronitis vestibularis, Einseitiger Vestibularisausfall

Fachbegriffe: Neuropathia vestibularis, Neuritis vestibularis, Unilaterale Vestibulopathie

Bei der Neuronitis vestibularis handelt es sich um eine akute meist einseitige Funktionsstörung des Gleichgewichtorgans. Die Neuronitis vestibularis ist nach dem benignen Lagerungsschwindel und dem Morbus Menière die dritthäufigste Ursache für peripher-vestibuläre Schwindelformen.

Bemerkbar macht sich die Neuronitis durch plötzlich auftretende, über Stunden andauernde Drehschwindelattacken mit Erbrechen und Augenzittern (Nystagmus).
Der Hörsinn ist von der Neuronitis vestibularis nicht betroffen, es liegen also keine Einschränkung des Hörvermögens oder Ohrgeräusche (Tinnitus) vor.

Trotz des zu Beginn dramatisch erscheinenden Krankheitsbildes, ist die Prognose der Neuronitis vestibularis gut. Bleibende Schäden sind selten. Nach einigen Tagen bis zu mehreren Wochen sind die Beschwerden in den meisten Fällen wieder abgeklungen.
Durch Mobilisation, Gleichgewichtsübungen und Medikamente lässt sich der Heilungsprozess beschleunigen.
Rezidive (Rückfälle) sind seltener als beim paroxysmalen Lagerungsschwindel.

Begriffserklärungen

Genetische Prädisposition:

Dabei handelt es sich um eine erblich bedingt erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bestimmte Krankheit entwickeln wird.

Phobischer Schwankschwindel:

Hierbei handelt es sich um eine Schwindelform, die häufig unter Belastungssituationen auftritt ohne aber von Symptomen wie Übelkeit oder Erbrechen begleitet zu sein. Die betroffenen Personen verspüren eine Gangunsicherheit und Schwank Gefühle. Häufig entwickelt sich ein Schwankschwindel nach paroxysmalen Lagerungsschwindelattacken.

Nystagmus:

Dabei handelt es sich um ein Augenzittern mit unkontrollierten, rhythmisch verlaufende Bewegungen der Augen. In der Regel tritt der Nystagmus in Verbindung mit Schwindel auf und deutet auf ein krankhaftes Geschehen im Zentralnervensystem (ZNS) oder dem Gleichgewichtsorgan hin, kann aber auch angeboren sein.

Peripher-vestibulärer Schwindel:

So wird Schwindel bezeichnet, der seinen Ursprung im Vestibularorgan, also im Gleichgewichtsorgan hat. Die häufigsten Krankheitsbilder mit peripher-vestibulärem Schwindel sind: der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, die Neuronitis vestibularis und der Morbus Menière.

Kortison oder Cortison:

Dies ist ein natürliches Hormon der menschlichen Nebennierenrinde. In verschiedenen chemischen Abwandlungen als Medikament eingesetzt hat es stark entzündungshemmende und auch Schmerz lindernde Eigenschaften. Nachteile nach längerer und höheren dosierten Anwendung sind: Verminderung der Infektabwehr, Osteoporose, Hautveränderungen, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Blutdruck- und Blutzuckeranstieg.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Neuronitis vestibularis sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet werden Virusinfektionen des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis) oder Durchblutungsstörungen desselben Nervs.

Risikofaktoren für eine Neuronitis vestibularis:

  • Alter, das Erkrankungsmaximum liegt zwischen der 3. und 6. Lebensdekade
  • Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer
  • Bestehende Virusinfekte (z.B. Herpes, Varizellen)
  • Gehäuftes Auftreten im Herbst und Frühjahr

Komplikationen

Eine Neuronitis vestibularis kann folgende Komplikationen mit sich bringen:

  • Entwicklung eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (in ca. 15% der Fälle)
  • Entwicklung eines phobischen Schwankschwindels
  • Bleibendes Funktionsdefizit des Gleichgewichtsorgans, kann zu Schwindel bei Kopfbewegungen und Schwankgefühlen beim Gehen führen
  • Verletzung durch Stürze aufgrund des Schwindels
  • Starkes Erbrechen

Das Krankheitsbild

Betroffene Personen leiden an plötzlich auftretenden, heftigen über Stunden und sogar Tage andauernden Drehschwindelattacken. Zudem treten starkes Erbrechen, Schweissausbrüche sowie unwillkürliches Augenzittern (Nystagmus) und eine Fallneigung zur kranken Seite hin auf.
Die Patienten sind durch die starken Schwindelsymptome im Allgemeinbefinden sehr beeinträchtig und sind oft nicht in der Lage, selbständig oder auch gestützt zu gehen.

Deshalb ist vor allem zu Beginn der Erkrankung Bettruhe angeraten.
Mit der Zeit (Tage bis Wochen) bessern sich die Beschwerden und verschwinden im Verlauf wieder.
Ein Unsicherheitsgefühl, speziell bei schnellen Kopfbewegungen kann aber noch einige Zeit bestehen bleiben.

Ein neu auftretendes Ohrgeräusch (Tinnitus) oder ein Hörverlust gehört nicht zur Symptomatik der Neuronitis vestibularis.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Leider gibt es keine präventiven Massnahmen, um solche Schwindelattacken zu verhindern.

Wann braucht es den Arzt

Die Diagnose sollte durch einen Arzt gestellt werden, insbesondere da es wichtig ist, andere gravierendere Diagnosen auszuschliessen.

Bei der ausführlichen körperlichen Untersuchung wird der Nystagmus durch gezielte Manöver provoziert.

Falls der Schwindel zusammen mit folgenden Symptomen auftritt, sollte man sofort einen Arzt oder eine Notfallstation aufsuchen:

  • Doppelbilder oder Verlust des Sehvermögens
  • Schwäche in Armen oder Beinen
  • Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Bewusstseinsverlust
  • Probleme beim Gehen
  • Taubheitsgefühle
  • Schmerzen in der Brust oder veränderter Herzschlag

Diese Symptome könnten auf einen möglichen Schlaganfall oder eine Herzerkrankung hindeuten.

Therapie

Initial ist Bettruhe angesagt. Medikamente gegen Übelkeit helfen, die Symptome zu lindern. Kortison fördert die Heilung indem es die Entzündung bekämpft, ist aber bezüglich seiner Evidenz (=bewiesene Wirksamkeit) umstritten.

Sobald sich der Patient etwas besser fühlt, ist die Mobilisation wichtig, idealerweise unter physiotherapeutischer Anleitung. Denn es ist wichtig, möglichst bald wieder körperlich aktiv zu sein und in den Alltag zurückzufinden. Ein Schonverhalten sollte vermieden werden.

Die Krankheit dauert länger, wenn versucht wird, dem Schwindel aus dem Weg zu gehen. Dies hat damit zu tun, dass das Gehirn lernen kann, mit der neuen Situation umzugehen (zentrale Kompensation). Doch diese Anpassungsleistung geschieht nur, wenn die Möglichkeit dazu gegeben ist.

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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