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Nierenbeckenentzündung

Fachbegriff: Pyelonephritis

Die Nierenbeckenentzündung oder Pyelitis entsteht durch Besiedelung mit Bakterien. Besser trifft den Sachverhalt der Ausdruck Pyelonephritis, denn die Infektion greift immer auch auf einen Teil des Nierengewebes über. Altgriechisch: πύελος (pyelos) für Becken und νεφρός (nephros) für Niere.

Ungenügend behandelt, kann aus einer akuten Nierenbeckenentzündung eine chronische Krankheit entstehen, evtl. eine Nephritis, die schliesslich zum Nierenversagen führt.

Der von den Nieren produzierte Urin sammelt sich im Nierenbecken. Von hier gelangt er durch die Harnleiter (Ureter) in die Blase, wird dort eine Weile gespeichert und schliesslich durch die Harnröhre ausgeschieden (Abbildung).


Harnwege

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache ist die Infektion durch Aufsteigen von Bakterien aus der Blase, wobei Urinrückstau infolge eines Abflusshindernisses von besonderer Bedeutung ist. Wesentlich seltener gelangen Keime mit dem strömenden Blut oder über Lymphspalten ins Nierenbecken. Nicht-infektiöse Auslöser sind seltener (z.B. Medikamente, Bestrahlung). Eine gesunde Niere wird jedoch ohne zusätzliche, begünstigende Faktoren kaum erkranken.
Begünstigend für die akute Nierenbeckenentzündung:

  • Fremdkörper in den Harnwegen: Dauerkatheter, aber auch Harnsteine oder Tumore.
  • Chronische Blasenentzündung (Zystitis).
  • Abflusshindernisse durch Senkung der Gebärmutter und der Blase, Prostatavergrösserung, Missbildungen. Resturin in der Blase begünstigt in hohem Mass die Vermehrung von Bakterien und eine aufsteigende Infektion.
  • Blasenlähmung bei Querschnittslähmung und Rückenmarkserkrankungen.
  • Schwangerschaft: infolge hormonaler und stoffwechselbedingter Umstellung sowie allenfalls Abflussstörung des Urins und wegen der Gewebsauflockerung.
  • Unterkühlung des Nierenbereichs (z.B. bei Motorradfahrern).
  • Stoffwechselkrankheiten wie Gicht, Zuckerkrankheit. Abwehrschwäche (AIDS, Krebserkrankung), Immunsuppression.

Ursachen von chronischer Nierenbeckenentzündung sind in der Regel wiederholte Infekte infolge einer Harnabflussstörung. Gründe können Fehlbildung der ableitenden Harnwege, Prostatavergrösserung oder Verwendung eines Dauerkatheters sein.

Das Krankheitsbild

Die akute Nierenbeckenentzündung ist eine schmerzhafte, schwere Allgemeinerkrankung, die ganz plötzlich beginnt und sich entsprechend auf die Vitalität auswirkt. Die Krankheit ist charakterisiert durch:

  • Schüttelfrost, hohes Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen.
  • Starker, dumpfer Schmerz in der Nierengegend oder im Rücken, und Verstärkung durch Beklopfen der Nierenregion; gelegentlich Ausstrahlen in den Mittel- und Unterbauch. Eine akute Pyelonephritis bleibt in der Regel auf eine Seite beschränkt, seltener besteht sie beidseits.
  • Häufiger Harndrang, evtl. Schmerzen beim Wasserlösen.
  • Trüber, nicht selten blutiger und manchmal übel riechender Urin, kleine Urinmengen.
  • Symptome von Seite des Verdauungstraktes (Magen und Darm) sind im Rahmen einer Nierenbeckenentzündung häufig. So finden sich Übelkeit, Erbrechen, Blähungen bis zu einer reflektorischen Dünndarmlähmung.

Komplikationen

Nierenabszess, Urosepsis („Blutvergiftung“ durch Bakterien aus den Harnwegen), Bluthochdruck. Diabetiker sind besonders gefährdet hinsichtlich schwerer Verläufe.

Die chronische Nierenbeckenentzündung geht oft ohne oder mit schwer interpretierbaren Symptomen einher: Kopf-, Kreuz- oder Lendenschmerz, Müdigkeit, mässiges Fieber oder erhöhte Temperatur, Übelkeit, ausgeprägter Durst, bisweilen Bluthochdruck und Blutarmut.

Spätfolgen

Tückisch ist die symptomlose, chronische Nierenbeckenentzündung, weil sie die Gefahr der schleichenden Entwicklung einer pyelonephritischen Schrumpfniere und schliesslich eines Nierenversagens birgt.

Was man selbst tun kann

Eine Nierenbeckenentzündung soll nicht selbst behandelt werden, sie erfordert immer einen Arztbesuch. Viel trinken und gewissenhaftes Einnehmen der verordneten Medikamente unterstützen den Heilungsprozess.

Wann braucht es den Arzt

In jedem Fall ist eine Arztkonsultation nötig. Es geht um das Bekämpfen des schmerzhaften, akuten Infekts und gleichzeitig um das Erkennen und Beseitigen der Ursache. Ein weiteres, wichtiges Ziel der Therapie ist das Verhindern einer Chronifizierung und einer Nephritis, die mit dem Risiko des Nierenversagens behaftet ist.

Die akute Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft ist ein Notfall.

Diagnose

Die akute Entzündung weist aufgrund der typischen Krankheitszeichen leicht auf die Diagnose hin, während chronische Verläufe unklarer sind. Als Ergänzung zu den Angaben des Patienten und zum klinischen Bild finden Anwendung:

  • Blut- und Urinuntersuchungen: Im Blut ist bei der akuten Entzündung eine Erhöhung der Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukozytose) nachweisbar; im Urin finden sich massenhaft weisse und rote Blutkörperchen. Bei fortgeschrittenem, chronischem Verlauf besteht eine Vermehrung harnpflichtiger Substanzen im Serum, also von Stoffwechselprodukten, die von den Nieren ausgeschieden werden müssten.
  • Bildgebende Verfahren: Der Ultraschall ist das Verfahren erster Wahl, er dient dem Nachweis von Steinen, Abszessen, Harnrückstau, Prostatavergrösserung. Für besondere Fragestellungen kommen die Röntgen-Kontrastdarstellung der Nieren, die Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie in Frage.

Therapie

Die adäquate Behandlung einer akuten Pyelonephritis ist unerlässlich und hat das Ziel eine Chronifizierung der Krankheit zu vermeiden.

  • Schmerzbekämpfung.
  • Antibiotikatherapie.
  • Bettruhe und viel Flüssigkeit (täglich drei Liter, bei hohem Fieber mehr), eventuell Infusionen.
  • Hand in Hand mit der Therapie oder nach Abklingen des akuten Entzündungsschubs erfolgt das Eliminieren von begünstigenden Faktoren, soweit dies möglich ist. Dazu gehört gegebenenfalls auch das operative Beheben von mechanischen Abflusshindernissen wie (Urinkonkremente, Prostatavergrösserung u.a.m.

Eine durch chronische Infektion zerstörte und funktionslose Niere muss entfernt werden, wenn sie für eine nicht behandelbare Hypertonie verantwortlich ist, oder wenn sie einen Sepsisherd darstellt.

Antibiotikatherapie
Wesentlich ist, sich genau an die Dosierungsrichtlinien zu halten; zum einen, damit das Medikament seine volle Wirksamkeit erlangt, zum anderen wegen der stets drohenden Gefahr, dass Krankheitserreger unempfindlich werden gegenüber dem Medikament (Resistenzbildung).

Vorbeugen

Einigen Ursachen der Pyelonephritis lässt sich indirekt vorbeugen, indem Harnwegsinfekte oder sexuell übertragbare Krankheiten verhindert oder adäquat behandelt werden (s. Link).

Bei Vorhandensein von Risikofaktoren wie Abwehrschwäche, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten oder Schwangerschaft sind Blasenentzündungen besonders sorgfältig zu therapieren, damit daraus nicht eine Nierenbeckenentzündung entsteht.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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