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Nierenentzündung

Fachbegriff: Nephritis

Nierenentzündung ist ein Sammelbegriff für Krankheiten des Nierengewebes. Sie äussert sich in einer Beeinträchtigung der Blutreinigungs- und Ausscheidungsfunktion; Abbauprodukte des Stoffwechsels werden allmählich ungenügend ausgeschieden.
Die Nierenbeckenentzündung spielt sich primär im Nierenbecken ab und ist in einem separaten Text beschrieben. Sie wird durch Bakterien verursacht.

Begriffserklärung

Glomerulus:

Ein Glomerulus (Mehrzahl: Glomeruli) ist ein Knäuel feiner Blutkapillaren. Es bildet einen Teil des so genannten Nierenkörperchens, in dem durch Filtervorgänge der Urin gebildet wird. Das funktionelle Nierengewebe enthält gegen zwei Millionen solcher Nierenkörperchen.

Glomerulonephritis:

Bei der Glomerulonephritis sind in erster Linie diese Filtereinheiten der Niere betroffen, bei der Nephritis vor allem das umgebende Gewebe.

Nephrotisches Syndrom:

So wird ein Symptomen-Komplex bezeichnet, der Folge ist von verschiedenen Erkrankungen der Glomeruli, unter anderem einer Glomerulonephritis. Es handelt sich um eine schwere Verlaufsform mit Tendenz zum Chronischwerden.

Aufgaben der Nieren

  • Regulierung des Flüssigkeitshaushalts: Dies geschieht durch Steuerung der täglich produzierten Urinmenge.
  • Ausscheiden von harnpflichtigen Substanzen („Entgiftungsfunktion“). Harnpflichtige Substanzen sind Abbauprodukte aus dem Eiweiss- und Muskelstoffwechsel – das sind Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin.
  • Aufrechterhalten des Gleichgewichts der Körpersalze: Der Stoffwechsel vieler Organsysteme, auch der Knochen, ist abhängig von einem richtigen Verhältnis der Körpersalze, insbesondere zwischen Natrium und Kalium sowie zwischen Kalzium und Phosphaten. 
  • Produktion von Hormonen: Darunter befindet sich eines, das langfristig Einfluss auf den Blutdruck hat (Renin) und ein anderes, das an der Bildung roter Blutkörperchen beteiligt ist (Erythropoietin oder EPO).

Ursachen

Die Ursache ist im Einzelnen oft nicht bekannt, denn eine Vielzahl von Faktoren wirkt schädigend auf die Niere:

  • Immunologische und autoimmune Vorgänge sind die häufigste Ursache – auch im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen. Auch Viren und Bakterien wie die Erreger von Scharlach oder Angina tonsillaris (Mandelentzündung) setzen immunologische Reaktionen im Nierengewebe in Gang; nicht die Erreger selbst lösen die Nierenentzündung aus.
  • Medikamente wie Antibiotika, Antirheumatika und andere.
  • Stoffwechselstörungen, insbesondere Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
  • Übergreifen einer Nierenbeckenentzündung auf das funktionelle Nierengewebe.

Das Krankheitsbild

Die Krankheitszeichen variieren je nach Ursache. Aus den Symptomen allein lassen sich keine Schlussfolgerungen hinsichtlich Krankheitsursachen ziehen. Die „klassischen Leitsymptome“ sind: Ödeme, blutiger Urin und Blutdruckanstieg.

  • Bei akutem Verlauf mancher Nierenentzündungen kommt es zu plötzlich auftretenden Schwellungen im Gesicht – insbesondere im Bereich der Augen – oder der Füsse, bedingt durch den Rückbehalt von Flüssigkeit, die im Normalfall über die Nieren ausgeschieden würde.
  • Durch die Nieren ausgeschiedene rote Blutkörperchen färben den Urin rot; ausgeschiedene Eiweisse machen ihn trübe.
  • Rückgang der Urinmenge führt zu Anstieg des Körpergewichts.
  • Anstieg des Blutdrucks (Hypertonie) ist typisch; er äussert sich oft als Kopfschmerz. 
  • Nierenschmerz: dumpfer Nierenschmerz im fortgeschrittenen Stadium. 
  • Blässe der Haut bei vielen chronischen Verläufen.
  • Hautausschläge und Gelenkschmerzen bei Nephritis, die durch Medikamente verursacht wird.
  • Erhöhtes Infekt- und Thromboserisiko beim nephrotischen Syndrom.
  • Allgemeine Krankheitszeichen wie Mattigkeit, Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Temperatur und manchmal leichte Atemnot.

Komplikationen

  • Herzinsuffizienz als Folge der Überlastung des Herzens durch die Hypertonie und gelegentlich durch eine parallel mit der Nierenschädigung verlaufenden Herzmuskelerkrankung.
  • Krampfanfälle.
  • Akute schwere Verschlechterung der Nierenfunktion (akutes Nierenversagen).
  • Chronifizierung: Es kann eine Schrumpfniere mit immer höher ansteigendem Blutdruck und dem tödlich endenden Folgezustand des chronischen Nierenversagens (Urämie) entstehen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Bettruhe und Diät sollten eingehalten werden. Bettruhe entlastet den Kreislauf und hilft, Flüssigkeitsansammlungen auszuschwemmen. Die Diät besteht aus salz- und eiweissarmer Kost mit Obst, Fruchtsäften, Brei, Gemüse, Kartoffeln, Brot. Bisweilen muss die Flüssigkeitszufuhr beschränkt werden.
Das Risiko einer Nierenentzündung lässt sich vermindern, wenn auslösende Krankheiten korrekt behandelt werden, insbesondere Angina (Mandelentzündung), Nierensteine, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Wann braucht es den Arzt

Wenn eine Nierenentzündung nicht auszuschliessen ist, sollte der Arzt konsultiert werden. Er stellt die Diagnose, wozu neben Blut- und Urinuntersuchungen auch Ultraschall, eventuell eine Biopsie (Gewebsentnahme) und Computertomographie (CT) genutzt werden.

Hauptsächliche Ansatzpunkte der Therapie sind:

  • Gegen eine akute bakterielle Infektion: Antibiotika.
  • Gegen erhöhten Blutdruck: Antihypertensiva (Blutdruck senkende Medikamente).
  • Bei immunologischen Vorgängen mitunter Kortisonpräparate.
  • Gegen Ödeme: Wasser ausschwemmende Medikamente (Diuretika).
  • Nötigenfalls kurz- oder langfristige Dialyse („Blutwäsche“).

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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