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Nierenkrebs

Fachbegriffe: Nierenkarzinom, Nierenzellkarzinom

Das Nierenkarzinom ist eine eher seltene Krebskrankheit. Es handelt sich überwiegend um sog. Nierenzellkarzinome, früher Hypernephrome genannt, die meist vom unteren, seltener vom oberen Nierenpol ausgehen (Abbildungen).

In der Schweiz erkranken jährlich um 800 Personen an Nierenkrebs. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Männer sind etwa doppelt so oft betroffen wie Frauen.
Gutartige Tumore (Geschwulst) entstehen in der Niere nur selten; sie bleiben meist symptomlos und im Folgenden wird nicht auf sie eingegangen.

 

Harnwege
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Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind nicht in Einzelheiten bekannt. Als Risikofaktoren werden chronische Niereninsuffizienz, Nikotinmissbrauch, Adipositas sowie unterschiedliche Substanzen vermutet (Trichloräthan, Schwermetalle, Asbest usw.).
In wenigen Fällen von Nierenkrebs lässt sich eine familiäre Häufung oder eine Mutation (Veränderung) an einem Gen nachweisen.

Das Krankheitsbild

Eindeutige Frühzeichen der Krankheit sind selten. Mehrheitlich findet man den Tumor zufällig anlässlich einer Ultraschalluntersuchung. Da diese heute häufiger durchgeführt wird, entdeckt man den Krebs nun öfter in frühen Stadien.

Das erste Symptom ist häufig blutiger Urin, dessen Ausscheidung zumeist schmerzlos ist, aber mitunter sind ihm wurmartige Blutgerinnsel beigemischt. Selten sind Koliken in der Nierengegend. Lendenschmerz oder Druckgefühl in der Nierengegend setzt eine schon grössere Geschwulst voraus. Später wird man auf den Krebs aufmerksam, wenn Metastasen Symptome verursachen, oder weil in der Nierengegend ein Tumor tastbar ist.

Allgemeinsymptome eines fortgeschrittenen Tumorleidens sind Gewichtsverlust, Blutarmut und Blässe, Brechreiz, gelegentlich Fieber, Nachtschweiss und zu hoher oder zu niedriger Blutdruck.

Metastasen: Bei Ablegern, die durch Aussaat von Tumorzellen auf dem Blutweg in anderen Organen entstehen, handelt es sich überwiegend um Lungenmetastasen, Knochenmetastasen, Lebermetastasen, Hirnmetastasen. Bei manchen Erkrankten sind sie zum Zeitpunkt der Diagnose schon in Mehrzahl vorhanden.

Wann braucht es den Arzt

Blutiger Urin – mit oder ohne Schmerzen –, verlangt ärztliche Abklärung.

Diagnose

Für das Erkennen eines Nierentumors und allfälliger Metastasen gibt es mehrere sich ergänzende Methoden: Blut- und Urinuntersuchungen, Ultraschall, Röntgen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie.
Sind Fernmetastasen (in anderen Organen) nachgewiesen, ist die Prognose auch heute noch ungünstig.

Therapie

  • Operation: Wenn der Tumor grösser als 4 cm ist, wird falls möglich die betroffene Niere mit dem Tumor, der Nebenniere und den umliegenden Lymphknoten entfernt. Ein Mensch kann gut mit nur einer gesunden Niere leben. Bei kleineren Tumoren und insbesondere, wenn die Gegenniere nicht gesund ist, wird eine Teilentfernung angestrebt.
  • Bestrahlung wird zur palliativen Therapie bei Metastasen eingesetzt.
  • Chemotherapie hat sich beim Nierenzellkarzinom als nicht wirksam erwiesen.
  • Radiofrequenzablation: Durch einen kleinen Stich in der Haut wird eine stabförmige Elektrode ins Zentrum des Nierentumors vorgeschoben. Deren exakte Platzierung erfolgt unter Ultraschall-, Computertomographie- oder Magnetresonanzkontrolle, worauf der Tumor durch Hitzeabgabe zerstört wird (Radiofrequenzablation). Das Verfahren eignet sich als Alternative, wenn eine operative Entfernung des Tumors nicht möglich ist oder abgelehnt wird, oder ergänzend zu anderen Therapien.
  • Medikamentöse Therapien: Bei der medikamentösen Therapie greifen Medikamente in verschiedene Signalwege des Tumorstoffwechsels ein und wirken so gezielt gegen das entartete Gewebe, den Tumor. Diese Therapien werden meist noch im Rahmen von klinischen Studien, anschliessend an eine Operation angewandt. Die Teilnahme an Studien ist immer freiwillig und wird mit dem Patienten jeweils individuell besprochen. Zu den eingesetzten Medikamenten gehören folgende Wirkstoffe:
  • Immuntherapie mit Interleukin und Interferon: Bei der Immuntherapie wird das Abwehrsystem des Körpers durch die Gabe bestimmter Substanzen (Interleukin und Interferon) so angeregt, dass die Tumorzellen vom eigenen Körper erkannt und angegriffen werden können. Diese Biomodulatoren werden insbesondere beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom eingesetzt.
  • Angiogenese-Inhibitoren: Diese Medikamente hemmen Gefässbildungen und stören dadurch die Durchblutung des Tumors und somit seine Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff. 
  • Tyrosinkinasehemmer: Tyrosinkinasen sind Eiweiße (Proteine), die bei der Signalübertragung innerhalb der Zellen eine wichtige Rolle spielen. Tyrosinkinasehemmer hemmen die Aktivität dieser Eiweiße. Wird der Befehl zur Zellteilung nicht mehr weitergeleitet, kann die Krebszelle nicht mehr wachsen.
  • mTOR: Dies ist ein wichtiges Enzym im menschlichen Organismus, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Wachstum, Versorgung und Entwicklung der gesunden Zellen spielt. Beim Nierenzellkarzinom ist die Aktivität von mTOR jedoch krankhaft erhöht. „mTOR-Hemmer" unterdrücken dessen Aktivität und damit auch das Wachstum der Krebszellen.

Vorbeugen

Vorbeugende Massnahmen sind zurzeit nicht bekannt. Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen (Ultraschall, Urintests) im höheren Lebensalter (etwa alle zwei Jahre) ermöglichen die Früherkennung. Die Prognose ist dann wesentlich besser. In diesem Sinn kann man es als zweckmässig erachten, anlässlich einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung oder einer Prostatakontrolle auch einen Ultraschall der Nieren durchführen zu lassen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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