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Parkinson-Krankheit, Morbus Parkinson, Primäres und sekundäres Parkinson-Syndrom

Die Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende degenerative Erkrankung im Zentralnervensystem mit den Hauptmerkmalen Bewegungsverlangsamung, Zittern, Muskelsteife und Gleichgewichtsstörungen. Die intellektuellen Leistungen sind nicht obligat herabgesetzt. Das Zittern gilt als typisch für die Krankheit, aber nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson, und umgekehrt gibt es Parkinson-Kranke, die nicht zittern.

Die Beschwerden beginnen meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, und es handelt sich mit 150 bis 200 Fällen auf 100’000 Einwohner um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Bei über 65-Jährigen kommt Parkinson noch öfter vor, so dass aufgrund künftiger demographischer Veränderungen vermehrt mit Betroffenen zu rechnen ist. Männer leiden etwas häufiger an Parkinson als Frauen.

Begriffserklärungen

Parkinson:

Der Londoner Arzt James Parkinson hat typische Symptome der Erkrankung 1817 erstmals beschrieben. daher der Name Parkinson-Krankheit. Heute werden unterschieden: primäres und sekundäres Parkinsonsyndrom.

Primäres Parkinson-Syndrom:

Die Ursache des Untergangs von Nervenzellen im Gehirn ist in Einzelheiten nicht bekannt.

Sekundäres Parkinson-Syndrom:

Die Parkinson-Symptome haben als nachweisbare Ursache eine äussere Einwirkung oder eine Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Syndrom:

Kombination von Symptomen, die für eine Krankheit typisch sind.

Degeneration:

Veränderung der Struktur von Zellen oder Gewebe, Folge ist eine Funktionseinbusse. Adjektiv: degenerativ.

Vegetativ:

Unwillkürlich gesteuerte Körperfunktionen betreffend, z.B. Darmtätigkeit, Pulsfrequenz, Schwitzen.

Ursachen

Primäres Parkinson-Syndrom

Ursache der Symptome ist der irreparable Untergang von gewissen Nervenzellen im Hirnstamm. Dies führt zum Mangel an Dopamin, einer Boten- oder Überträgersubstanz für Nervenimpulse. Der Grund für die Degeneration dieser Nervenzellen ist nicht bekannt; vermutet werden Umwelt- und genetische Faktoren.

Sekundäres Parkinson-Syndrom

In diesem Fall lassen sich die Parkinson-Symptome auf erkennbare Ursachen zurückführen. Als solche kommen in Frage:

Das Krankheitsbild

Die Erkrankung beginnt schleichend. Manche Symptome treten ausgeprägter in Erscheinung als andere und nicht jeder Parkinson-Kranke weist alle auf. Immer vorhanden sind die Bewegungsverlangsamung und dazu mindestens eines von drei weiteren Hauptsymptomen, nämlich Steifheit, Zittern (Ruhetremor) oder Gleichgewichtsstörung.
Begleitsymptome sind oft vegetativer oder psychischer Art.

  • Bewegungsverlangsamung und Bewegungsarmut:
    • Vermindertes Mitbewegen der Arme beim Gehen, Gehen mit schlurfenden kleinen Schritten (s. auch unten), leises und monotones Sprechen, eingeschränkte Mimik und Gestik usw.
    • Oft ist der Beginn einer Bewegung besonders schwierig, so das Anlaufen.
    • Feinmotorik: Das Zuknöpfen von Bluse oder Jacke, Zähneputzen, Schreiben usw. sind erschwert. Typisch in diesem Zusammenhang ist auch die Verkleinerung des Schriftbilds (Mikrographie).
    • In einer so genannten Parkinson-Krise sind die Erkrankten weitgehend bewegungsunfähig (Akinese).
  • Steifheit (Rigor): Passives Durchbewegen der Arme oder Beine stösst auf zähen Widerstand; das Nachgeben der Muskulatur geschieht ruckartig („Zahnradphänomen“).
  • Zittern (Tremor): Der charakteristische Tremor hat zur (veraltenden) deutschen Bezeichnung „Schüttellähmung“ geführt, doch ausgerechnet dieses als typisch geltende Symptom kann bei manchen Erkrankten fehlen.
    Das Händezittern erkennt man hauptsächlich bei Ruhe (Ruhetremor). Bei willentlichen Bewegungen vermindert es sich und verschwindet beim Schlafen. Emotionale Erregung, Ermüdung und der Versuch, es zu unterdrücken verstärken das Zittern. Die motorischen Symptome sind gewöhnlich auf einer Körperseite stärker ausgeprägt. Bei fortschreitender Erkrankung werden auch die Arme und Beine oder der Kopf erfasst.
  • Gleichgewichtsstörung, Körperhaltung und Gangbild (Abbildung): Die Gelenke sind leicht gebeugt, der Rücken ist verstärkt gewölbt (Rundrücken), das Gehen erfolgt langsam und trippelnd. Standunsicherheit und herabgesetzte Reaktionsfähigkeit führen zu wiederholten Stürzen.

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  • Schmerzen und Störungen der Sensibilität: Gelenk- und Rückenschmerzen, Missempfindungen oder Sensibilitätsstörungen (Störungen der Oberflächenwahrnehmung).
  • Verlangsamung des Denkvorgangs: Der Denkprozess ist verlangsamt und die Aufmerksamkeit wechselnd stark herabgesetzt. Je nach Ursache bleibt die intellektuelle Leistungsfähigkeit dabei intakt oder sie ist vermindert (s. nachfolgenden Punkt).
  • Psychische Veränderungen. Depression, Antriebsarmut, Wesensveränderung und Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit bis zur Demenz kommen vor, z.B. bei ausgeprägter Arteriosklerose oder nach Schädel-Hirn-Verletzung.
  • Veränderung von Sprache und Mimik. Die Sprache ist leise, monoton und verlangsamt, oft unverständlich. Das Gesicht verliert an mimischem Ausdruck und wirkt maskenhaft.
  • Vegetative Symptome: Dazu gehören übermässiger Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Beeinträchtigung der Temperaturregulation, manchmal vermehrtes Schwitzen, gesteigerte Talgproduktion (Salbengesicht), Blutdruckstörungen, Verstopfung, Störungen der Sexual- und der Blasenfunktion (unwillkürlicher Urinabgang).

Die Symptome führen in individuell unterschiedlichem Ausmass zum allmählichen Verlust der Selbstständigkeit, schliesslich zur Invalidität mit Bedarf eines Rollstuhls und zu immer aufwändigerer Betreuung.

Papst Johannes Paul II (Karol Wojtyla) litt in den letzten Jahren seiner Amtsführung unter vielen dieser Symptome. Durch seinen Bekanntheitsgrad war er geradezu ein Beispiel für die Parkinson-Krankheit, bewahrte aber trotz körperlicher Einschränkungen eine bis zum Tod anhaltende geistige Präsenz.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Spaziergänge und regelmässige krankengymnastische Übungen helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und so lange als möglich zu erhalten. 
  • Psychosoziale Betreuung – auch im Rahmen von Selbsthilfegruppen –, Ergo- und Physiotherapie.
  • Bettlägerige Kranke bedürfen einer sorgfältigen Pflege, damit sich nicht Komplikationen wie Wundliegen (Dekubitus), Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte und andere einstellen.

Da die Ursachen des primären Parkinson-Syndroms nicht bekannt sind, lassen sich keine Angaben zur Prophylaxe machen. Dem sekundären Parkinson-Syndrom kann teils vorgebeugt werden durch eine Lebensweise, die auslösende Faktoren möglichst wenig begünstigt, siehe oben bei „Ursachen“.

Wann braucht es den Arzt

Symptome, die auf Parkinson hindeuten, beurteilt der Arzt. Zunächst ist abzuklären, ob sich für die Erkrankung eine Ursache finden lässt, die behoben werden kann, etwa durch Absetzen von Medikamenten, die als Auslöser in Frage kommen. Eine Rückbildung der Symptome ist in solchen Fällen möglich.

Die Diagnose wird aufgrund der Symptomatik und mittels neurologischen Untersuchungen gestellt. Computertomographie und Magnetresonanztomographie werden in erster Linie eingesetzt, um Ursachen des Parkinson-Syndroms zu erkennen oder um andere Krankheiten auszuschliessen.

Therapie 

  • Die Parkinson-Erkrankung lässt sich medikamentös behandeln. Wird frühzeitig mit einer optimalen Therapie begonnen, können das Ausmass der Beschwerden vermindert und das Voranschreiten verlangsamt werden. Bei später und ungenügender Behandlung ist die Prognose schlechter.
  • In gewissen Fällen besteht die Möglichkeit von mikrochirurgischen Eingriffen am Gehirn zur Abschwächung der Symptomatik.
  • Physio- und Ergotherapie, bei Sprachbehinderung auch logopädisches Training.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Selbsthilfe Schweiz
    Laufenstrasse 12
    4053 Basel
    Tel: 061 333 86 01
    Zentraler Auskunftsdienst: Tel. 0848 810 814
    www.selbsthilfeschweiz.ch
  • Parkinson Schweiz
    Gewerbstrasse 12a
    Postfach 123
    8132 Egg ZH
    Tel: 043 277 20 77
    www.parkinson.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.04.2017

 
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