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Parodontitis, Parodontose und Gingivitis

Die Begriffe beziehen sich auf Erkrankungen des Zahnhalteapparats, des sog. Parodont. Zu diesem gehören das Zahnfach (Alveole) im Kieferknochen, in dem die Zahnwurzel steckt, das Wurzelzement, die Wurzelhaut und auch das Zahnfleisch. (s. Abb. a) Das Wurzelzement ist eine knochenähnliche Substanz, die den Zahn im Kieferknochen verankert.

Eine Parodontitis ist eine akute oder chronische Entzündung, die schubweise verläuft und mit der Zeit zur Zerstörung des Zahnbetts führt (s. Abb. b). Greift sie auf die Zahnwurzel über, kann ein Abszess entstehen. Bisweilen kommt es zum Verlust von Zähnen. Parodontitis ist eine sehr häufige Krankheit; mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet einmal im Leben daran – zumindest vorübergehend.

Die Parodontitis bleibt aber nicht in jedem Fall auf den Zahnhalteapparat beschränkt, sie kann zur Aussaat von Bakterien in den Körper führen und damit zur Sepsisquelle werden, besonders bei Abwehrschwäche.


127_Zahn, gesund
128_Zahn, Parodontitis

Begriffserklärungen

Parodontitis:

Überbegriff für alle entzündlichen Erkrankungen des Zahnbetts und Zahnhalteapparats (Parodont). Die Nachsilbe „-itis“ steht generell für Entzündung.

Parodontose:

Der heute wenig gebrauchte Ausdruck ist gleichbedeutend mit Parodontitis und hat sich hauptsächlich noch in der Umgangssprache gehalten.

Gingivitis:

Akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs; sie kann allein oder im Rahmen einer Parodontitis auftreten. Das lateinische Wort „gingiva“ bedeutet Zahnfleisch.

Ursachen und Risikofaktoren

Bakterien und viele andere Einflüsse spielen eine Rolle bei der Entstehung der Parodontitis. Ursachen und begünstigende Faktoren sind:

  • Übermässige bakterielle Besiedelung, oft infolge schlechter Mundhygiene. Als unmittelbare Auslöser entstehen dann Zahnbeläge (Plaque) und Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien noch weiter vermehren, vor allem solche, die nicht zur normalen Mundflora gehören.
  • Mechanische Einwirkung wie schlecht sitzende Zahnprothesen und andere.
  • Allgemeinerkrankungen: Zuckerkrankheit, Leber- und Darmerkrankungen, Leukämie (Blutkrebs), AIDS, Down-Syndrom, generell Abwehrschwäche.
  • Vitamin-C-Mangel. Bei früheren Seefahrern war die Parodontitis bekannt unter dem Namen Skorbut; in entwickelten Ländern sollte monatelanger Vitaminmangel heute keine Rolle mehr spielen.
  • Schwangerschaft, bedingt durch die hormonale Gewebsauflockerung.
  • Nikotin und Alkohol.
  • Höheres Alter.
  • Genetische Veranlagung: Sie kann schon in jungem Alter zu aggressiver Parodontitis führen und ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen (Europäische Parodontitis-Genetik Studie).

Das Krankheitsbild

Zahnfleischentzündung kann bereits bei Kindern unter 10 Jahren auftreten und hat gemäss einer schweizerischen Studie bei 11 bis 13 Jährigen ihren Häufigkeitsgipfel. Die schwerste Form der aggressiven Gingivitis und die Parodontitis sind praktisch nur bei jüngeren Erwachsenen zu finden. Diese führen unbehandelt zu raschem Knochenabbau und frühzeitigem Zahnverlust.

Je nach Ursache dominieren Veränderungen am Zahnfleisch, Schmerzen oder wackelnde Zähne das Krankheitsgeschehen. Im Einzelnen handelt es sich um:

  • Schwellung, Rötung, Risse und Bluten des Zahnfleischs (Gingivitis).
  • Mundgeruch, schlechter Geschmack im Mund.
  • Überschiessendes Wuchern von Zahnfleisch oder dessen Rückbildung, was zu Freiliegen der Zahnhälse führt.
  • Frei liegende und schmerzhafte Zahnhälse, Empfindlichkeit auf kalte Luft, Süssigkeiten und Getränke.
  • Austritt von Eiter aus Zahnfleischtaschen.
  • Übergreifen der Infektion auf die Zahnhälse und -wurzeln, Entstehen von Karies.
  • Abbau von Kieferknochen und Zahnlockerung (wackelnde Zähne) als Folge lang andauernder, chronischer Entzündung. Besonders der chronische Verlauf stellt für den Erhalt der Zähne eine schwere Bedrohung dar.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Ebenso wie gegen Karies lässt sich gegen Parodontitis mit geeigneten Massnahmen vieles tun, aber die Prophylaxe beider Krankheiten bedarf lebenslanger Aufmerksamkeit. Besonders wichtig sind die hygienischen Massnahmen, damit nicht ein chronischer Prozess entsteht. Im Einzelnen bedeutet dies:

  • Einwandfreie Zahnhygiene: richtiges Zähneputzen, Reinigung der Zwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen – Einzelheiten dazu siehe bei Karies.
  • Regelmässige Kontrollen beim Zahnarzt, Entfernen von Zahnstein ein- bis zweimal jährlich. Nicht alle Leute bilden den Zahnstein gleich schnell und gleich ausgeprägt.
  • Bei akuter Entzündung: den Mund spülen mit desinfizierenden und entzündungshemmenden Lösungen wie Salbei- oder Kamillentee oder mit Hexidin enthaltenden Lösungen (Apotheke).
  • Zurückhaltender Genuss von Zucker und gezuckerten Lebensmitteln.
  • Lokale Behandlung gemäss Anweisungen des Zahnarztes.

Wann braucht es den Arzt

Jeder länger dauernde Krankheitsprozess am Zahnfleisch bedarf zahnärztlicher Abklärung. Ein ernst zu nehmender Hinweis auf eine Entzündung ist wiederholtes Zahnfleischbluten.

Die Behandlung der Parodontitis und die Instruktion des Patienten sollten so früh als möglich beginnen, damit der Verlust von Zähnen verhindert werden kann. Zahnarzt und Dentalhygienikerin werden Zahnfleischtaschen reinigen, Zahnstein entfernen, die Zähne polieren und Anleitungen zur Zahnpflege geben. Bei Hinweisen auf eine allgemeinmedizinische Ursache der Parodontitis wird der Zahnarzt eine Abklärung beim Hausarzt nahelegen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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