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Lagebedingter Schiefkopf im Säuglingsalter

Fachbegriffe: Lagebedingter Plagiocephalus, Nicht-synostotischer Plagiocephalus

Unter einem lagebedingten Plagiocephalus (Schiefkopf) im Säuglingsalter versteht man eine Asymmetrie der Kopfform.

Typischerweise besteht eine Kopfdeformität mit einer einseitigen Abflachung des Hinterkopfes und einem hervortreten der Stirn (Stirnprominenz) auf derselben Seite.
Diese Kopfverformung stellt hauptsächlich ein kosmetisches Problem dar. Die normale Entwicklung des Kindes wird dadurch meistens nicht beeinträchtigt.

Die internationalen Empfehlungen zur Prävention des plötzlichen Kindstodes, die Kinder nicht in Bauchlage schlafen zu lassen, haben zu einem Anstieg dieser Kopfverformung bei Säuglingen geführt.

Begriffserklärungen

Kraniosynostose:

Die Kraniosynostose gehört zu den angeborenen Fehlbildungen. Bei der Kraniosynostose handelt es sich um den vorzeitigen, knöchernen Verschluss einer oder mehrerer Schädelnähte. Dadurch wird das Grössenwachstum des Gehirnschädels beeinträchtigt. Die Entwicklung des Kindes kann ebenso beeinträchtigt sein. Zur Therapie gehört eine Operation am Schädel.

Ursachen und Risiken

Ursachen für diese Kopfverformung sind einerseits pränatal, das heisst, die Kopfverformung ist bereits vor der Geburt entstanden. Meistens ist in diesem Fall die intrauterine Lage des Babys (die vorgeburtliche Lage in der Gebärmutter) hierfür verantwortlich.

Andererseits werden postnatale Gründe, das heisst der verursachende Faktor ist nach Geburt entstanden, für die Fehlform des Kopfes verantwortlich gemacht. Hierzu zählen die Schlaf-und Liegeposition und der kongenitale Torticollis (angeborene Schiefhals).

Folgende Risikofaktoren für einen lagebedingten Plagiocephalus sind bekannt:

  • Männliches Geschlecht
  • Erst-und/oder frühgeborene Kinder
  • Assistierte Geburten (Zange, Vakuum)
  • Mehrlingsgeburten
  • Angeborener Schiefhals (Torticollis)
  • Geringe körperliche Aktivität des Säuglings
    Bevorzugte Schlafposition (immer auf derselben Seite)

Das Krankheitsbild

Aufgrund der Erkenntnisse, dass die Rückenlage die Gefahr des plötzlichen Kindstodes reduziert, liegen Neugeborene vermehrt in Rückenlage. Im Neugeborenenalter können sie jedoch den Kopf noch nicht selbstständig drehen. Die lange Verweildauer in derselben Haltung kann Druck auf den Kopf des Neugeborenen ausüben und so zu der Verformung beitragen.

Typischerweise besteht eine Kopfdeformität mit einer einseitigen Abflachung des Hinterkopfes und einem Hervortreten der Stirn (Stirnprominenz) auf derselben Seite.

Der lagebedingte Plagiocephalus stellt lediglich ein kosmetisches Problem dar. Die weitere Entwicklung der betroffenen Kinder ist meist normal.

Im Alter von ca. 4 Monaten ist das Vorkommen einer solchen Kopfdeformität am häufigsten. Danach verbessert sich die Verformung durch die zunehmende Beweglichkeit und körperliche Aktivität oft spontan bis zum 2. Lebensjahr.

Ein lagebedingter Plagiocephalus kann man nach der 6. Lebenswoche feststellen. Vorher bestehende Kopfdeformitäten haben häufig geburtstechnische Ursachen und normalisieren sich von selbst.

Komplikationen:

  • Bleibende Kopfdeformitäten, welche später psychologische und soziale Probleme verursachen können.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Folgende Massnahmen helfen, einem lagebedingten Plagiocephalus vorzubeugen:

  • Schlafposition: ab einem bestimmten Alter schauen Säuglinge in die Richtung, wo es etwas zu sehen oder hören gibt. Steht das Babybett an der Wand, kann jede Nacht die Kopf-Fuss-Ausrichtung abgewechselt werden.
  • „Beobachtete“ Bauchlage: Tagsüber sollte dem Kinder ermöglicht werden, mehrmals ca. 30 Minuten in Bauchlage zu verbringen. Während dieser Zeit sollte man das Kind aber stets im Auge behalten.
  • Falls das Kind die Schoppenflasche bekommt, darauf achten den Arm zu wechseln.

Wann braucht es den Arzt?

Die Diagnose eines lagebedingten Plagiocephalus muss durch einen Arzt gestellt werden. Insbesondere muss eine vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte (Kraniosynostosen) ausgeschlossen werden. Kraniosynostosen sind selten, können aber zu ernsthaften Entwicklungsstörungen führen und bedürfen weiterführender Diagnostik und Therapie.

Bei der körperlichen Untersuchung werden die aktive und passive Nackenbeweglichkeit getestet, sowie der altersabhängige Entwicklungsstand überprüft. Zudem wird der Kopfumfang, das Gewicht und die Grösse des Kindes gemessen und regelmässig überprüft, um allfällige Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Therapie

Sehr wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist eine ausführliche Aufklärung über die Harmlosigkeit des lagebedingten Plagiocephalus.

Für Eltern ist es wichtig, zu wissen, dass sich die meisten lagebedingten Schiefköpfe innerhalb der ersten zwei Lebensjahre grösstenteils von alleine korrigieren - und zwar mit oder ohne Therapiebemühungen.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Regelmässige Verlaufskontrollen
  • Alternierende (d.h. abwechselnde) Schlafposition
  • Physiotherapie
  • Osteopathie
  • Craniosacraltherapie
  • Falls alle oben genannten Therapien nicht erfolgreich sind, oder es sich um eine ausgeprägte Form des Plagiocephalus handelt, kann eine Orthesenbehandlung notwendig werden. Bei dieser Behandlung wird ein individuell angepasster Helm täglich für mindestens 21 Stunden für zwei bis drei Monate getragen.

Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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