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Plötzlicher Kindstod

Fachbegriffe: Sudden Infant Death Syndrome, SIDS

Unter dem plötzlichen Kindstod auch Sudden Infant Death Syndrome oder SIDS genannt, versteht man das plötzliche, unerwartete Versterben eines Säuglings in den ersten 12 Lebensmonaten, ohne dass in der Autopsie und in der Vorgeschichte oder der Auffindungssituation des Kindes eine Ursache für den Tod gefunden werden konnte.
Es handelt sich demnach beim plötzlichen Kindstod um eine Ausschlussdiagnose.

Die Ursache für SIDS ist unklar: Jedoch wurden einige Risikofaktoren ermittelt, mit denen SIDS vermehrt aufzutreten scheint.

Im Jahr 1992 hat die American Academy of Pediatrics (AAP) die Empfehlung herausgegeben, Säuglinge in Rückenlage schlafen zu lassen. Dadurch konnte die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes massiv verringert werden.

So starben in der Schweiz im Jahr 1992 bei 86‘910 Geburten noch 84 Kinder am plötzlichen Kindstod. Im Jahr 2011 verstarben bei 80‘808 Geburten nur noch 13 Kinder am plötzlichen Kindstod. Die SIDS-Rate der Schweiz gehört im internationalen Vergleich zu den tiefsten.

Ursachen und Risikofaktoren

Auch nach jahrelanger Forschung zu den Hintergründen des plötzlichen Kindstods, bleiben die Ursachen weiterhin unklar wobei höchstwahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Dies wird im Folgenden ausgeführt.

Es wurde beobachtet dass alle gesunden Kinder im Neugeborenen Alter Atempausen machen. Durch die Atempausen steigt die Konzentration des Kohlendioxid (CO2) im Körper an. Dies ist ein starker Reiz für den Atemreflex, sprich zu atmen.
Man fand heraus, dass bei den an SIDS verstorbenen Kindern dieser Atemreflex ausblieb. Dadurch kam es zu einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie) und schliesslich zum Herzstillstand. Weshalb der Atemreflex ausgeblieben ist, ist bisher nicht bekannt.

Einerseits werden Durchblutungsstörungen im Hirnstamm als möglich Ursachen postuliert aber auch genetische Veranlagungen oder Prozesse in der Reifung des Nervensystems und des Gehirns sind Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Beobachtet wurde bisher ebenfalls, dass Jungen etwas häufiger betroffen sind als Mädchen.
In den Wintermonaten kommt es häufiger zu SIDS-Fällen als im Sommer.
Zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat ist die Gefahr für einen plötzlichen Kindstod am Grössten. 80 Prozent der Todesfälle ereignen sich vor dem sechsten Lebensmonat. Mit zunehmendem Alter wird das Risiko für den plötzlichen Kindstod kleiner.

Obwohl die genaue Ursache nach wie vor unklar ist, konnten einige Risikofaktoren evaluiert werden. Diese werden unten aufgelistet. Seit Fachleute und Ärzte die Eltern auf diese Gefahren aufmerksam machen, konnten die Fallzahlen des plötzlichen Kindstodes deutlich reduziert werden.
Dennoch bleibt der plötzliche Kindstod zwischen dem 14. Lebenstag bis zum vollendeten ersten Lebensjahr die häufigste Todesursache im Kleinkindalter in den industrialisierten Ländern.

Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod:

  • Zigarettenrauchexposition (in der Schwangerschaft und/oder nach Geburt)
  • Schlafen im elterlichen Bett
  • Zu warme Umgebung
  • Bauchlage/Seitenlage
  • Weiche Matratze, Kopfkissen, Fellunterlage
  • Frühgeburtlichkeit, geringes Geburtsgewicht
  • Mehrlinge
  • Wintermonate
  • Männliches Geschlecht
  • Geringe Schwangerschaftskontrolle, tiefer sozioökonomischer Status
  • Sehr junge Mütter
  • Nicht geimpfte Kinder sterben häufiger als geimpfte Kinder

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Folgende Massnahmen beim Säugling können helfen, das Risiko für den plötzlichen Kindstod zu minimieren:

  • Schlafen auf dem Rücken, auf einer festen Unterlage, im eigenen Bett
  • Rauchfreie Umgebung (bereits während der Schwangerschaft)
  • Keine Überwärmung: Schlafzimmertemperatur 18 Grad, keine zu warmen Decken, besser nur ein in der Grösse passender Schlafsack, keine Kopfbedeckung, keine Fellunterlagen und Kissen
  • Stillen im 1. Lebensjahr
  • Nuggi, falls das Kind gewohnt ist mit dem Schnuller zu schlafen, kein Zwang ausüben.
  • Bedsharing (Schlafen im gleichen Bett wie die Eltern) nicht empfehlenswert speziell bei Rauchern und bei Säuglingen unter drei Monaten.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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