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Pneumothorax

Das Wort Pneumothorax ist griechischen Ursprungs und bedeutet freie Luft im Brustkorb (Thorax). Die Lunge kann sich nicht mehr entfalten, bleibt teilweise oder völlig kollabiert (s. Abb.) und die Atemfunktion ist erheblich eingeschränkt. Bei beidseitigem Auftreten funktioniert keiner der beiden Lungenflügel mehr richtig und es besteht Erstickungsgefahr.

Wenn Luft in die Pleuraspalte gelangt (links in der Abbildung), geht der Unterdruck zwischen den Pleurablättern verloren, worauf sich das Lungengewebe durch seine Eigenelastizität zusammenzieht.

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Zur Anatomie der Lunge

Die Innenseite des knöchernen Brustkorbs und die Lungenoberfläche sind je mit einer feuchten, glatten Haut überzogen, den beiden Blättern des Brustfells (Pleura). Diese liegen aufeinander und gestatten beim Ein- und Ausatmen ein reibungsfreies gegenseitiges Gleiten. In der Spalte zwischen beiden Pleurablättern besteht ein Unterdruck. Dieser gewährleistet, dass die Lunge nicht in sich zusammenfällt (kollabiert).

Ursachen und Risikofaktoren

Krankheiten, Unfälle und medizinische Eingriffe können zum Pneumothorax führen.
Abhängig davon auf welchem Weg die Luft in den Brustraum gelangt, unterscheidet man den offenen vom geschlossenen Pneumothorax.

Offener Pneumothorax, Eröffnung des Brustkorbs von aussen

Dieses Vorkommnis setzt eine schwere äussere Verletzung voraus, eine Schuss-, Stich- oder Splitterverletzung des Brustkorbs. Durch die Wunde dringt Luft ein und die Lunge schrumpft wegen ihrer Eigenelastizität zu einem faustgrossen Gewebeklumpen zusammen, der nicht mehr an der Atmung teilnimmt.

Geschlossener Pneumothorax

Beim geschlossenen Pneumothorax ist der Brustkorb äusserlich intakt; die Luft gelangt aus einem Leck der Lungenoberfläche in die Pleuraspalte. Je nach Ursache handelt es sich um einen spontan entstandenen oder einen verletzungsbedingten Pneumothorax.

  • Spontaner Pneumothorax: Er entsteht ohne äussere Einwirkung infolge von Krankheiten der Lunge oder des Brustfells. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Lungenemphysem, Asthma, Zystische Fibrose (Mukoviszidose), Lungenfibrose, Lungenkrebs, Tuberkulose können ein Leck an der Lungenoberfläche entstehen lassen, durch das Luft in die Pleuraspalte strömt.
    Ohne erkennbaren Anlass können auch kleine, oberflächlich gelegene Lungenbläschen (Alveolen) platzen, wodurch Luft austritt, meist aber nur in geringen Mengen. Diese Form von Spontanpneumothorax kommt vornehmlich bei jüngeren, schlanken Erwachsenen vor. Risikofaktoren sind Tauchen und Fliegen.
  • Traumatischer Pneumothorax: Splitter gebrochener Rippen können – ohne dass der Brustkorb äusserlich eine Wunde aufweist – ein Leck in die Lungenoberfläche reissen und dadurch den Luftaustritt herbeiführen. Auch Risse der grossen Luftröhrenäste (Bronchien) sind mögliche Ursachen. Als Verletzungsfolge blutet es in der Regel zusätzlich in den Brustraum, man spricht dann von Hämopneumothorax.
  • Pneumothorax infolge medizinischer Massnahmen: Er entsteht, wenn beim Einlegen eines Venenkatheters im Bereich des Schlüsselbeins versehentlich die Lungenspitze angestochen wird. Auch künstliche Beatmung im Rahmen von Narkose oder Widerbelebung ist eine mögliche Ursache.

Das Krankheitsbild

Beim Spontanpneumothorax tritt typischerweise ein einseitiger, stechender Schmerz im Brustkorb auf, der durch die Atembewegungen verstärkt werden kann und je nach Ort des „Lungenlecks“ in Schulter oder Bauch ausstrahlt. Oft bestehen Reizhusten, beschleunigte Atmung und Atemnot. Wenn die Sauerstoffaufnahme durch die Lungen stark beeinträchtigt ist, verfärben sich die Lippen bläulich. Die Symptome können diskret, manchmal aber auch sehr stark und von Todesangst begleitet sein.

Die Symptomatik beim traumatischen Pneumothorax wird dominiert durch die ursächlichen Verletzungen. Rippenbrüche sind äusserst schmerzhaft; demgegenüber bleibt ein Pneumothorax nach Venenkatheter (s. oben) vom Patienten oft unbemerkt.

Komplikationen

  • Gefährlich ist der Spannungspneumothorax. Wenn viel Luft aus einem Leck der Lungenoberfläche zwischen die Pleurablätter eindringt, jedoch nicht mehr entweichen kann, entsteht im Brustraum ein Überdruck, der das Herz und die grossen Blutgefässe zur Gegenseite drängt und dort die Lunge komprimiert (zusammenpresst). Auf den Überdruck weisen gestaute, durch die Haut sichtbare Halsvenen hin. Es droht ein Schock mit schwerster Atemnot und Lungenversagen.
  • Eine weitere Komplikation ist die Ansammlung von Blut oder Eiter in der Pleuraspalte (Hämopneumothoras bzw. Pyopneumothorax).

Lebensgefahr besteht bei Überdruck im Brustraum (Spannungspneumothorax) sowie bei doppelseitigem Pneumothorax.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Nach durchgemachtem Spontanpneumothorax: eine Bronchitis vermeiden oder gegebenenfalls adäquat behandeln lassen, allenfalls mit dem Rauchen aufhören, kein Gerätetauchen während min. sechs Monaten nach dem Ereignis.
  • Generell: nicht Rauchen.
  • Einhalten der Therapierichtlinien bei Bestehen von Lungenkrankheiten, die mit erhöhtem Risiko für Spontanpneumothorax einhergehen; körperliche Schonung soweit nötig.

Wann braucht es den Arzt

Ein Pneumothorax muss ärztlich beurteilt und eventuell behandelt werden. Bei plötzlichem Schmerz im Brustkorb und gleichzeitig auftretender Atemnot ist daher eine notfallmässige Arztkonsultation angezeigt – dies gilt auch für jüngere Personen.

Diagnose

Ein erfahrener Arzt ist in der Lage, schon durch Beklopfen des Brustkorbs und Abhören der Atemgeräusche mit dem Stethoskop einen Pneumothorax zu erkennen. Dessen Ausdehnung lässt sich im Röntgenbild dokumentieren.

Therapie

  • Konservative Behandlung: Beim Spontanpneumothorax mit geringem Luftaustritt genügen oft Schmerzmittel, bei Bedarf Sauerstoff und das Abwarten der spontanen Resorption (Aufsaugen, Aufnahme und damit Elimination) der ausgetretenen Luft. Das Rückfallrisiko ist allerdings hoch.
  • Pleuradrainage: Wenn viel Luft in den Brustraum ausgetreten ist und/oder wenn Überdruck besteht, wird die Luft notfallmässig mit einem von aussen eingebrachten Plastikschläuchlein abgesaugt. Die Pleuradrainage ist beim traumatischen Pneumothorax praktisch immer nötig und besonders, wenn dieser mit einer Blutung in den Pleuraraum verbunden ist (Hämopneumothorax). Je nach Menge der ausgetretenen Luftmenge muss die Drainage unter Dauersog einen bis mehrere Tage belassen werden, vor allem wenn Luft aus dem Lungenleck „nachsickert“.
  • Operation: Sie ist seltener nötig. Die Oberfläche eines geplatzten Lungenbläschens wird genäht oder mit Laser „verschweisst“; bei grösseren geschädigten Arealen wird ein entsprechender Teil der Lunge entfernt (Lungensegmentresektion). Beides geschieht heute oft auf minimal-invasivem Weg (thorakoskopisch, „Knopfloch-Chirurgie“).
  • Künstliches Verkleben der Pleurablätter: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist das Einbringen von Substanzen in den Pleuraraum, welche die Lungenoberfläche mit der Wand des Brustkorbs verkleben (Pleurodese). Das Kollabieren der Lunge soll dadurch verhindert werden. Dieses Verfahren war beim wiederholten Spontanpneumothorax verbreitet, findet aber angesichts der schonenden minimal-invasiven, chirurgischen Möglichkeiten heute bei jugendlichen Personen seltener Anwendung.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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