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Prostatavergrösserung

Fachbegriff: Prostatahyperplasie

Prostatahyperplasie bedeutet Vergrösserung des Organs. Andere Ausdrücke für das gleiche Phänomen sind „Prostata-Adenom“ und oft auch „Prostatahypertrophie“ (s. bei Begriffsbestimmungen). Schon vom 45. Lebensjahr an oder noch früher nimmt die Prostata durch Vermehrung von Drüsen- und anderen Zellen allmählich an Volumen zu. Im Alter von 80 Jahren sind gegen 90% aller Männer mit Prostatabeschwerden konfrontiert.

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Geschwulst, die nichts mit Prostatakrebs zu tun hat – doch kann Krebs auch bei Prostatahyperplasie entstehen.

Zur Anatomie

Die Prostata ist die am Blasenausgang des Mannes gelegene sog. Vorsteherdrüse. Sie umschliesst die Harnröhre und ähnelt bei jüngeren Personen in Grösse und Form einer Kastanie. Ihre Aufgabe ist die Bildung eines grossen Volumenanteils der Samenflüssigkeit (Spermaflüssigkeit).

Begriffserklärungen

Adenom:

gutartige Geschwulst, die hauptsächlich aus Drüsenzellen aufgebaut ist.

Benigne:

gutartig in Bezug auf eine Geschwulst oder auf einen Krankheitsverlauf. Gegenteil: maligne, bösartig.

Hyperplasie, Prostatahyperplasie:

Wachstum eines Organs durch Vermehrung der Anzahl Zellen. Im Fall der Prostata beruht der Vorgang unter anderem auf hormoneller Stimulation.

Hypertrophie:

Wachstum eines Organs durch Vergrösserung der Zellen. Bezogen auf die Prostata handelt es sich nicht um eine Hypertrophie, denn nicht die Grösse der Zellen nimmt zu, sondern deren Anzahl.

Prostatektomie:

Entfernung bzw. Teilentfernung der Prostata. Dies ist das übliche Operationsverfahren in der Behandlung der gutarti-gen Prostatahyperplasie, meist durch die Harnröhre (TUR-P), seltener mittels Eröffnen der Bauchwand.

Radikale Prostatektomie:

völlige Entfernung der Prostata einschliesslich der Samenblasen und der benachbarten (regionalen) Lymphknoten; übliche Behandlungsmethode bei Prostatakrebs.

PSA, Prostata-spezifisches Antigen:

in der Prostata gebildetes und im Blut zirkulierendes Eiweiss, dessen Vermehrung auf Erkrankungen der Prostata, auch auf Prostatakrebs hinweisen kann.

Testosteron:

Testosteron, Dihydrotestosteron: männliches Geschlechtshormon, in den Hoden und in der Nebennierenrinde gebildet. Es ist ein Wachstumsfaktor für das Prostatagewebe, fördert die Spermienreifung und hat viele weitere geschlechtsspezifische Wirkungen.

Urininkontinenz:

die Unfähigkeit, den Blasenverschluss unter Kontrolle zu halten. Folge ist unwillkürlicher Urinabgang.

Ursache

Die Ursache der Vergrösserung ist nicht in allen Einzelheiten geklärt. Da die Prostata zu den Geschlechtsdrüsen gehört, ist ein hormonaler Einfluss nahe liegend. So wird vermutlich einer der Hauptgründe darin liegen, dass die Produktion männlicher Hormone (Testosteron) in der zweiten Lebenshälfte allmählich zurückgeht, während in den Nebennieren weiterhin weibliche Hormone (Östrogene) gebildet werden. Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Hormonen, was den Untergang alter Zellverbände in der Prostata verzögert, während immer noch neue entstehen.

Das Krankheitsbild

Durch die Hyperplasie der zentralen Anteile der Prostata wird die Harnröhre quasi „ummauert“. Dies führt zu einem Abflusshindernis für den Urin und bewirkt mechanische (obstruktive) Symptome, wobei die Grösse der Prostata und das Ausmass der Beschwerden nicht in direktem Zusammenhang stehen. Neben den obstruktiven Symptomen kommt es zu Reizerscheinungen (irritative Symptome) seitens der Muskulatur von Blase, Blasenausgang und Prostata.

Erste Zeichen

  • Verzögerter Beginn des Wasserlösens, abgeschwächter, dünner Harnstrahl trotz verstärktem Pressen, dementsprechend verlängerte Dauer der Blasenentleerung.
  • Nachträufeln von Urin im Anschluss an das Wasserlösen.
  • Häufiger Harndrang, vor allem auch nachts.
  • Imperativer Harndrang ist eine Reizerscheinung seitens der Blase, die sich im unwiderstehlichen Zwang zu sofortigem Wasserlösen äussert.
  • Schmerz beim Urinieren ist selten

Fortgeschrittene Prostatahyperplasie

  • Unvollständige Blasenentleerung: Trotz verstärktem Druck lässt sich die Blase nicht mehr völlig entleeren. Es bleibt „Resturin“ in der Blase zurück, dessen Volumen 0,5 Deziliter, im Extremfall bis 1,5 Liter betragen kann. Grosse Mengen verursachen Druck im Unterbauch und das unangenehme Bedürfnis, ständig Wasser zu lösen. Man hält immer Ausschau nach der nächsten Toilette. Resturin ist nicht harmlos: Die Blase wird zunehmend ausgeweitet, das Entstehen von Blasensteinen (Harnsteine) und chronische Harnwegsinfekte werden begünstigt.
  • Urininkontinenz: Seltener als das Nachträufeln ist wiederholter Urinabgang aus der nicht mehr vollständig entleerbaren Blase (Überlaufblase).
  • Blut im Urin: Aus Einrissen in der überdehnten Blasenwand kann es bluten und der Urin ist dann rötlich gefärbt.
  • Akute Harnverhaltung: Unmöglichkeit, Wasser zu lösen trotz prall gefüllter Blase und quälendem Harndrang. Dies ist eine dramatische Notfallsituation, die sich in jedem Erkrankungsstadium ereignen kann, am ehesten jedoch in weit fortgeschrittenen Fällen. Prostatavergrösserung ist aber nicht die einzig mögliche Ursache einer Harnverhaltung. Vorübergehend die Entleerung der Blase verunmöglichen können auch: eine akute Entzündung der Drüse (Prostatitis), ein in der Ausflussbahn eingeklemmter Blasenstein, geronnenes Blut in der Harnblase (Blasentamponade), eine Rückenmarksverletzung, eine Diskushernie, der Zustand unmittelbar nach Unterleibsoperation und psychische Gründe.

Komplikationen und Folgen

  • Wenn die Blase permanent überfüllt ist, kann der Urin bis in die Nieren zurück gestaut werden, was zur Ausweitung von Harnleitern und Nierenbecken, zu chronischer Nierenbeckenentzündung und im Endstadium zu Nierenversagen führt (s. Abbildung). Weitere Komplikationen sind Prostataabszess, Sepsis bzw. Urosepsis, wenn Bakterien aus infizierten Harnwegen ins Blut gelangen.
  • Leistenbruch, Hernie. Immer wiederkehrendes forciertes Pressen beim Wasserlösen führt zu übermässiger Belastung der Bauchwand, so dass Hernien eine häufige Folgeerscheinung sind.

132_Prostata, Topographie
133_Prostata, Dynamik

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Eine Prostatavergrösserung lässt sich grundsätzlich nicht verhindern; angesichts ihrer Häufigkeit liegt sie im Rahmen des normalen Alterungsvorgangs. Aber rechtzeitige Massnahmen reduzieren die unangenehmen Begleiterscheinungen und das Komplikationsrisiko.

  • In einem wenig fortgeschrittenen Stadium können Medikamente auf Pflanzenbasis den Reizzustand der Blase mildern, zum Beispiel Brennnesselwurzelextrakte und Kürbissamen. Es liess sich jedoch nicht nachweisen, dass pflanzliche Mittel die Gewebsmasse der Prostata reduzieren, so dass längerfristig meist andere Medikamente (siehe unten) oder eine Operation notwendig werden.
  • Verstärkt werden Prostatabeschwerden durch langes Sitzen, stark gewürzte Speisen, Alkoholgenuss, Verstopfung, Kälte – Faktoren, die man bisweilen eliminieren kann.
  • Die sexuelle Aktivität muss nicht eingeschränkt werden.

Hausmittel und Massnahmen bei gestörter Blasenentleerung

  • Warme Kräuterpackungen (Heublumen, Leinsamen) auf den Unterleib legen.
  • Sitzbäder mit Zinnkraut und versuchen, die Blase zu entleeren. 
  • Warmes Fussbad; dem Wasser eine Handvoll Salz und Holzasche beimischen.

Weitere Informationen und Hausmittel enthält das Buch „Hausmittel sinnvoll einsetzen“ (ISBN 978-3-033-01334-6), das hier bestellt werden kann. (145 Seiten).

Die akute, vollständige Harnverhaltung ist ein Notfall.
Hausmittel dürfen nur so lange versucht werden, bis der Arzt eintrifft. Dieser wird die Blase durch Einlegen eines Katheters entleeren, oder wenn dies nicht geht „von oben“ durch Punktion der überfüllten Blase oberhalb des Schambeins. Punktion bedeutet Einstich zur Entnahme von Flüssigkeit zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken.

Wann braucht es den Arzt

Empfohlen wird eine jährliche Kontrolle der Prostata jenseits des 50. Lebensjahrs, auch wenn keinerlei Beschwerden bestehen, damit eine eventuell bösartige Veränderung (Prostatakrebs) in einem frühen Stadium erfasst wird.

Zur Abklärung einer Prostatahyperplasie erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem Arzt, gefolgt vom Abtasten der Prostata vom Darm aus, Urinuntersuchungen sowie gegebenenfalls Ultraschalluntersuchungen (Messung des Harnstrahls, der Drüsengrösse und allfälliger Restharn). All diese Untersuchungen sind nicht schmerzhaft. Aus den ermittelten Daten und der medizinischen Gesamtsituation lässt sich die Therapie festlegen.

Operation, Prostatektomie

In fortgeschrittenen Fällen, insbesondere bei Harnverhaltung, Blutungen, Inkontinenz, Rückstau von Urin in die Nieren und bei Blasensteinen kann der Wirkungseintritt von Medikamenten nicht abgewartet werden. Dann ist die Prostatektomie angezeigt. Sie ist nach wie vor therapeutischer Goldstandard, d.h. das Verfahren erster Wahl. Die Operation besteht in der Entfernung des um die Harnröhre gelegenen, einengenden Teils der Drüse (partielle Prostatektomie) und erfolgt überwiegend durch die Harnröhre (transurethral, sog. TUR-P). Bei extremer Vergrösserung oder vielen Blasensteinen benötigt der Zugang zur Prostata einen Bauchschnitt und die Eröffnung der Harnblase von oben.

Alternativen zur Prostatektomie

Die Behandlung erfolgt durch die Harnröhre, kann in geeigneten Fällen ambulant geschehen und hat nur wenige Risiken, aber teils auch weniger dauerhafte Erfolge als eine Prostatektomie.

  • Lasertherapie: Sie ist bei hohem Blutungsrisiko eine Alternative zur TUR-P, besonders geeignet bei Patienten, bei denen auch während des Eingriffs nicht auf eine ausreichende Antikoagulation („Blutverdünnung“) verzichtet werden kann. Der Harnfluss ist sofort verbessert. Der Nachteil des Verfahrens liegt darin, dass das Gewebe zerstört wird und nachher nicht mehr auf allfällig vorhandene krebsig entartete Zellen untersucht werden kann.
  • Thermotherapie: Anders verhält es sich bei alleiniger Erwärmung des Prostatagewebes durch Mikrowellen oder Radiofrequenz bzw. Hochfrequenzstrom (sog. TUNA oder transurethrale Nadelablation). Die Wirkung tritt nach Tagen bis Wochen ein, weil die abgestorbenen Zellen vom Körper nur allmählich abgebaut und beseitigt werden. Bei ungenügendem Resultat ist eine Wiederholung des Eingriffs möglich.

Nach einer Prostataoperation

Die Samenflüssigkeit fliesst bei der Ejakulation meist in die Harnblase und nicht mehr nach aussen, was Zeugungsunfähigkeit zur Folge hat. Die Ejakulation bleibt „trocken“. Dies ist häufiger der Fall nach einer Operation, selten nach Laser- oder Thermotherapie. Eine negative Auswirkung der Operation auf die Erektionsfähigkeit (Erektionsschwäche) ist selten; diese Erscheinungen werden eher durch gleichzeitige, altersbedingte Vorgänge bewirkt. Noch seltener kommt es zu vorübergehender oder dauernder Urininkontinenz.

Auch nach einer Operation wegen gutartiger Prostatahyperplasie ist später das Auftreten von Prostatakrebs noch möglich. Deshalb sind weitere urologische Kontrollen dringend empfohlen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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