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Prostatakrebs

Fachbegriff: Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. In der Schweiz werden jährlich etwa 6000 Fälle neu diagnostiziert, die Mehrzahl bei Patienten zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Dieses Karzinom ist jedoch nicht die häufigste Krebstodesursache. Die meisten Todesfälle werden bei den Männern durch den Lungenkrebs verursacht.

Eine gutartige Vergrösserung der Prostata, die Prostatahyperplasie, ist ab dem 45. Lebensjahr ebenfalls häufig. Deshalb ist es möglich, dass ein Mann an beiden Erkrankungen zugleich leidet. Krebs kann sich in der Prostata entwickeln:

  • Ohne dass gleichzeitig eine Vergrösserung des Organs (Prostatahyperplasie) vorliegt.
  • Bei bestehender Hyperplasie.
  • Sogar nach Entfernen (Prostatektomie) der Vorsteherdrüse wegen Hyperplasie.

Anatomie

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine am Blasenausgang gelegene Drüse, die beim jüngeren Mann in Grösse und Form einer Kastanie ähnelt und die Harnröhre rings umschliesst. Ihre Aufgabe ist die Bildung des grössten Volumenanteils der Spermaflüssigkeit, die dazu beiträgt, dass die Samenzellen beweglich bleiben.

Begriffserklärungen

Prostatektomie:

Entfernung bzw. Teilentfernung der Prostata. Dies ist das übliche Operationsverfahren in der Behandlung der gutarti-gen Prostatahyperplasie, meist durch die Harnröhre (TUR-P), seltener mittels Eröffnen der Bauchwand.

Radikale Prostatektomie:

völlige Entfernung der Prostata einschliesslich der Samenblasen und der benachbarten (regionalen) Lymphknoten; übliche Behandlungsmethode bei Prostatakrebs.

Palliative Therapie:

Behandlung von Symptomen zur Verbesserung der Lebensqualität bei fortgeschrittener Krankheit und begrenzter Lebenserwartung. Solche Symptome können sein: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Atemnot, psychische Belastung.

PSA, Prostata-spezifisches Antigen:

in der Prostata gebildetes und im Blut zirkulierendes Eiweiss, dessen Vermehrung auf Erkrankungen der Prostata, auch auf Prostatakrebs hinweisen kann.

Punktion:

Einstich zur Entnahme von Flüssigkeiten oder Gewebe zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken. Verb: punktieren.

Testosteron:

Testosteron, Dihydrotestosteron: männliches Geschlechtshormon, in den Hoden und in der Nebennierenrinde gebildet. Es ist ein Wachstumsfaktor für das Prostatagewebe, fördert die Spermienreifung und hat viele weitere geschlechtsspezifische Wirkungen.

Urininkontinenz:

die Unfähigkeit, den Blasenverschluss unter Kontrolle zu halten. Folge ist unwillkürlicher Urinabgang.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Prostatakrebs sind – wie auch jene der gutartigen Vergrösserung – nicht in jeder Hinsicht geklärt. Als sicher gilt, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron Entstehung und Wachstum des Prostatakarzinoms fördert. Umgekehrt erkranken Männer, die seit ihrer Jugend keine Hoden mehr haben, nicht an einem Prostatakarzinom.

Risikofaktoren

  • Veränderungen an den Chromosomen, also an der Gensubstanz und in der Folge familiäre und ethnisch bedingte Häufung. Europäer und Afrikaner erkranken häufiger als Asiaten, woran allerdings auch Umweltfaktoren beteiligt sein dürften.
  • Höheres Alter.
  • Chronische Entzündungen der Prostata, unter anderem durch sexuell übertragbare Infektionen.
  • Studien ergaben, dass tierisches Fett und tierische Proteine das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Vergleichbares gilt für Ernährung ohne Fisch. Hinsichtlich anderer Lebensmittel sind die Resultate widersprüchlich.
  • Auch Umweltfaktoren werden für ein erhöhtes Krebsrisiko verantwortlich gemacht.

Das Krankheitsbild

Der Prostatakrebs wächst im Allgemeinen langsam und bleibt meist längere Zeit symptomlos. Vielfach wird er anlässlich einer Obduktion (Autopsie) als Zufallsbefund entdeckt und der Verstorbene hatte Zeit seines Lebens keine Beschwerden (sog. latentes Karzinom). Von einem okkulten Karzinom spricht man, wenn die ersten Krankheitszeichen auf Metastasen zurückzuführen sind.

Erst mit zunehmender Grösse des Tumors kommt es zu einer rasch einsetzenden Verengung der Harnröhre, was einem mechanischen Abflusshindernis gleichkommt. Die Beschwerden sind dann ähnlich wie bei der gutartigen Prostatahyperplasie: abgeschwächter Harnstrahl und verlängerte Dauer der Harnentleerung, ständiger Harndrang, unvollständige Entleerung der Harnblase (Resturin), eventuell Nachträufeln oder Urininkontinenz. Blut im Urin ist häufiger als bei der gutartigen Prostatahyperplasie.

Fortgeschrittenes Stadium

  • Schmerzen im Beckenboden, Schmerz bei der Urinausscheidung.
  • Knochenschmerzen und/oder Atemnot als Hinweis auf Metastasierung: Das Prostatakarzinom neigt zur Bildung von Knochenmetastasen und Lungenmetastasen, also Krebsablegern in diesen Organen. Entsprechende Symptome wie Knochenschmerzen, besonders im Rücken (Wirbelsäule) und im Becken, sowie Atemnot weisen auf ein fortgeschrittenes Leiden hin. Selten treten sie als Erstsymptome auf.
  • Allgemeine Tumorsymptome: Müdigkeit, Appetit- und Gewichtsverlust, Blutarmut.
  • Akute Harnverhaltung: Unmöglichkeit, Wasser zu lösen trotz prall gefüllter Blase und quälendem Harndrang.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse lassen sich lediglich die folgenden Massnahmen ableiten:

  • Da eine Ernährung mit einem begrenzten Gehalt an gesättigten Fettsäuren und tierischen Eiweissen generell einen relativen Schutz vor Krebs bietet, ist das Bevorzugen von Gemüse, Salat, Obst, pflanzlichem Fett und Fisch empfehlenswert.
  • Vorsorgeuntersuchungen s. unten.

Wann braucht es den Arzt

Wenn Beschwerden beim Wasserlösen auftreten, die mit der Prostata im Zusammenhang stehen können (s. auch Prostatahyperplasie), sollte ein Arzt konsultiert werden.

Regelmässige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, einen Prostatakrebs im Frühstadium zu erkennen und mit Erfolgsaussicht zu behandeln. Was für Frauen selbstverständlich ist, nämlich regelmässige gynäkologische Untersuchungen, gilt analog auch für Männer.

Vorsorgeuntersuchungen im Hinblick auf Krebs sollten ab dem 50. Lebensjahr erfolgen, bei besonderem Risiko (z.B. familiäre Häufung) schon ab dem 45. Jahr.

Diagnose

Die Vorsorgeuntersuchung bzw. die Krebsabklärung umfasst je nach Situation:

  • Abtasten der Prostata vom Darm her, Ultraschall- und Blutuntersuchung (PSA).
  • Bei Krebsverdacht werden mit einer Punktionsnadel durch den Enddarm hindurch mehrere Gewebsproben aus dem verdächtigen Bezirk entnommen (Prostatabiopsie) und mikroskopisch untersucht. Eine vielfach verwendete Punkteskala, der Gleason-Score, stellt den Grad der Bösartigkeit numerisch dar. Gleason 2 entspricht dem prognostisch günstigsten, Gleason 10 dem gefährlichsten Befund.
  • Blasenspiegelung.
  • Verschiedene radiologische Methoden (Röntgen, Magnetresonanz- und Computertomographie, Skelettszintigraphie) dienen dem Nachweis allfälliger Metastasen.

Aufgrund der erhobenen Befunde wird das Stadium der Krankheit ermittelt als Basis für das weitere Vorgehen.

Therapie

Falls der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt wird und die mikroskopische Untersuchung von Gewebe einen wenig aggressiven, voraussichtlich langsam wachsenden Zelltyp ergeben hat (stummer Prostatakrebs, sog. latentes Prostatakarzinom), wird meist die Überwachung bei regelmässigen Kontrollen empfohlen („active surveillance“).

Sobald ein Fortschreiten festgestellt oder wenn das Karzinom in einem späteren Stadium entdeckt wird, ist jedoch die aktive Behandlung angezeigt. Diese beruht auf einem oder auf der Kombination mehrerer der folgenden Verfahren – je nach Alter, Begleitkrankheiten, voraussichtlicher Lebenserwartung und persönlichen Bedürfnissen.

  • Totale Prostatektomie: Ziel ist das operative Entfernen der ganzen Drüse einschliesslich der benachbarten (regionären) Lymphknoten. Die radikale Prostatektomie erfolgt minimal-invasiv („Schlüsselloch-Chirurgie“, Laparoskopie). Zunehmend wird mit Hilfe des da Vinci-Systems (roboterassistiert) operiert. Das Operationstrauma konnte dadurch stark reduziert werden. Zu bemerken ist, dass nicht der „Roboter“ operiert, sondern nach wie vor der erfahrene Urologe. Dank der Computer-assistierten Fernbedienung der Instrumente gestaltet sich aber der Eingriff präziser und schonender.
  • Bestrahlung, Radiotherapie: Sie erfolgt von ausserhalb des Körpers oder von innen. Im letzteren Fall wird die radioaktive Substanz in der Prostata selbst platziert. Eine Kombination beider Techniken ist möglich.

Ergänzende und palliative Verfahren: 

  • Hormonbehandlung: Sie kommt bei Metastasen in Frage, sofern nachgewiesen wurde, dass sich das Wachstum der Tumorzellen durch Neutralisierung der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) bremsen lässt. Diese Therapie wird verschiedentlich mit Bestrahlung kombiniert. 
  • Chemotherapie: Chemotherapie ist eine zusätzliche Möglichkeit, wenn das Karzinom nicht radikal entfernt werden konnte und bei Metastasen.
  • Schmerzbehandlung.

Folgen der Therapie 

  • Sexualfunktionen, insbesondere Erektionsfähigkeit, teils auch Libido können durch alle genannten Behandlungsarten beeinträchtigt werden. Nicht sicher voraussagen lässt sich, ob und in welchem Ausmass dies zutreffen wird. Sicher erscheint bisher, dass minimal-invasive Operationstechniken seltener derartige Folgen nach sich ziehen.
  • Vorübergehende, selten bleibende Urininkontinenz ist möglich, ihr Ausmass jedoch meist gering.
  • Selten: Verengung der Harnröhre (Harnröhrenstriktur) wegen Narbenbildung, die im Verlauf von Wochen oder Monaten nach der Operation entstehen kann. 
  • Reizung von Harnblase und Enddarm mit Harn- und Stuhldrang sowie Verlust kleinerer Blutmengen aus dem Enddarm sind typische, vorübergehende Folgen der Strahlentherapie.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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