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Rheuma, Rheumatische Erkrankungen

Rheumatismus umfasst entzündliche und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, inklusive Rumpfskelett. Betroffen sind Knochen und Gelenke, Muskeln und Bindegewebestrukturen, auch von Haut, Augen und inneren Organen wie Gefässwände oder Herzklappen.

Begriffserklärungen

Antirheumatikum:

Schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Medikament, das besonders bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt (Mehrzahl Antirheumatika). NSAR bedeutet „nicht steroidales Antirheumatikum“, also ohne Kortison.

Arthritis:

Entzündung eines Gelenks, bisweilen hervorgerufen durch eine Autoimmunreaktion, manchmal in Zusammenhang mit einer viralen oder bakteriellen Infektion. Der Übergang zu Arthrose kann fliessend sein.

Arthrose:

schmerzhafter, destruktiver (zerstörender) Vorgang an einem Gelenk durch Abnützung, als Folgezustand einer anlagemässigen Deformation, nach unfallbedingtem Gelenkschaden oder nach Arthritis.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Bindegewebe:

Es kann als „Gerüst“ des Körpers bezeichnet werden, da es in allen Organen vorkommt. Bindegewebe besteht aus Zellen und einer Grundsubstanz, die aus Eiweissen, Kohlenhydratverbindungen und unterschiedlichen Fasertypen aufgebaut ist – je nach Bindegewebstyp.

Degenerativ:

Durch Verschleissvorgänge bewirkt.

Extremitäten:

Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.

Kollagenose:

Generalisierte Erkrankung des Bindegewebesystems hauptsächlich verursacht durch immunologische oder autoimmune Vorgänge.

Kortison oder Cortison:

Dies ist ein natürliches Hormon der menschlichen Nebennierenrinde. In verschiedenen chemischen Abwandlungen als Medikament eingesetzt hat es stark entzündungshemmende und auch Schmerz lindernde Eigenschaften. Nachteile nach längerer und höheren dosierten Anwendung sind: Verminderung der Infektabwehr, Osteoporose, Hautveränderungen, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Blutdruck- und Blutzuckeranstieg.

Polyarthritis:

Erkrankung vieler Gelenke. Die der Arthritis beigefügte griechische Vorsilbe πολύ- (poly) heisst „viel“ oder sinngemäss „vielfach“.

Rheuma:

Das griechische Wort ρεύμα  (Rheuma) bedeutet Strömung, Fliessen.

Spondylarthrose:

Degenerative Veränderungen an den Rückenwirbeln, insbesondere an den kleinen Wirbelgelenken.

Spondylitis:

Entzündung eines Rückenwirbels, vom griechischen σπόνδυλος (Spondylos), der Wirbel, abgeleitet. Die Nachsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Syndrom:

Kombination von Symptomen, die für eine Krankheit typisch sind.

Vaskulitis:

Entzündungsvorgänge in der Wand von kleinen und/oder grossen Blutgefässen. Damit verbunden sind oft auch Muskelschmerzen, Kopfweh und andere Beschwerden. Mehrzahl: Vaskulitiden. Abgeleitet vom lateinischen vasculum, das (Blut-)Gefäss. Die Endsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Weichteilrheumatismus:

Entzündliche Vorgänge und/oder Abnützungserscheinungen, die an praktisch allen Bindegewebsstrukturen vorkommen können, an Haut, Knorpel, Nerven, Blutgefässen, Herzklappen, Narben, Sehnen sowie an Muskeln.

Übersicht

Rheumatismus und die Kurzform Rheuma sind Sammelbegriffe für Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arme, Beine) und des Rumpfskeletts (Wirbelsäule, Brustkorb, Beckenring). Die betroffenen Strukturen bestehen grösstenteils aus Bindegewebe. Neben Knochen und Gelenken können auch Bindegewebsstrukturen von Haut, Augen und inneren Organen wie Gefässwände oder Herzklappen sowie Muskeln krankhafte Veränderungen aufweisen.
Je nach Manifestationsort werden präzisierende Begriffe verwendet wie Gelenkrheumatismus, Weichteilrheuma, rheumatische Muskel- oder Gefässkrankheiten usw.

Der griechische Arzt Hippokrates beschrieb um 400 v. Chr. Symptome von Rheuma und versuchte sie zu erklären. Der Ausdruck „Rheumatismus“ wurde indessen erst im 16. Jahrhundert geprägt und im 17. Jahrhundert wurden die ersten rheumatischen Krankheiten und deren Ursachen genauer erforscht.

Man nimmt an, dass etwa 30% aller gesundheitlichen Störungen auf rheumatische Krankheiten zurückzuführen sind; die Kosten und Folgekosten (Invalidität) sind immens. Rheuma hat somit eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung.

Die Krankheiten sind nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden. Es gibt Rheumaformen, die sich bereits im Kindesalter manifestieren, insbesondere juvenile Arthritis und rheumatisches Fieber. Die chronische Polyarthritis hat einen Häufigkeitsgipfel um das 45. Lebensjahr, Arthrosen sind am häufigsten in der 2. Lebenshälfte.

Die rheumatischen Erkrankungen umfassen gemäss internationaler Klassifikation rund 100, in breiterer Sichtweise etwa 400 Krankheitsbilder, die teils ähnliche Ursachen, Symptome und Verlaufsformen haben. Es bestehen daher unterschiedliche Möglichkeiten für die Klassifizierung und diese ist bis heute uneinheitlich geblieben. Geläufig ist folgende Einteilung:

Ursachen und Risikofaktoren

Vieles ist nach wie vor Gegenstand von Diskussionen und Untersuchungen. So unterschiedlich die Krankheiten im Einzelnen sind, so uneinheitlich sind deren Ursachen: akute Entzündungsprozesse, Abnützungsvorgänge durch Fehlbelastung, unzweckmässigen Gebrauch sowie altersbedingten Verschleiss, Fehlernährung mit Übergewicht, Autoimmunreaktionen und infektiöse Prozesse, genetische und auch Umweltfaktoren. Ausserdem können verschiedene Ursachen zusammenwirken, so dass die Zuordnung einer rheumatischen Erkrankung zuweilen problematisch wird.

Leitsymptome

  • Schmerzen, z.B. Gelenkschmerzen oder Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkung.
  • Sichtbare Deformierung von Skelettabschnitten, Destruktion (Zerstörung) von Gelenken.
  • Symptome, die mit dem Bewegungsapparat nicht in direktem Zusammenhang stehen sind Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen und Darmbeschwerden, aber auch neurologische Ausfälle oder Reizerscheinungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln; evtl. Hautveränderungen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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