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Ringelröteln

Fachbegriff: Erythema infectiosum

Diese virale Infektionskrankheit wird auch Erythema infectiosum oder 5. Krankheit genannt. Charakteristisches Merkmal ist der Hautausschlag, der zum deutschen Namen Ringelröteln führte. Die Erkrankung verläuft meist harmlos; bei Risikopersonen, insbesondere bei abwehrgeschwächten Menschen, besteht allerdings die Gefahr von Komplikationen. Erbsubstanz des Virus kann lebenslang im menschlichen Organismus verbleiben.

Ringelröteln sind weltweit verbreitet und treten in jedem Alter auf. Betroffen sind indessen überwiegend Kleinkinder und Kinder zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr.

Begriffserklärungen

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Erythrozyten:

rote Blutkörperchen.

Hydrops fetalis:

Krankheitsbild beim ungeborenen Kind mit Flüssigkeitsansammlung in Geweben und Körperhöhlen, gelegentlich massiven Ausmasses.

Immunsuppression:

Unterdrückung der körpereigenen Abwehrreaktionen, die körpereigene Abwehr wird eingedämmt. Davon abgeleitet: immunsuppressiv, immunsupprimierend. Entsprechende Medikamente heissen Immunsuppressiva.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Tröpfcheninfektion:

Übertragung von Krankheitserregern über den „Luftweg“, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.

Ursachen und Risikofaktoren

Krankheitserreger ist ein Virus, das Parvovirus B 19, das durch engen Kontakt mit infizierten Personen übertragen wird. Die Ansteckung erfolgt via Atemwege durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) oder durch direkten Kontakt mit Speichel. Des Weiteren ist eine Übertragung mit Blut- und Plasmaprodukten möglich. (Plasma: Blutflüssigkeit ohne Zellen.)

Das Virus vermehrt sich im Knochenmark und zwar in den Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). In der Folge wird die Bildung von Erythrozyten gehemmt, was das Entstehen einer – in der Regel vorübergehenden – Anämie (Blutarmut) erklärt. Vereinzelt ist auch die Entwicklung von weissen Blutkörperchen gestört – insbesondere bei Risikopersonen (s. unten).

Kleine Epidemien kommen vornehmlich im Winter und Frühling in Kindergärten und in Schulen vor. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist immun, sei dies nach durchgemachter Krankheit oder aufgrund einer unerkannt gebliebenen Infektion. Die Immunität dauert vermutlich lebenslang an.

Auch wenn der typische Ausschlag fehlt – was nicht selten vorkommt – sind Infizierte ansteckend. Die Verbreitung des Virus durch Kinder ist bis zu vier Wochen nach erfolgter Infektion möglich. Dies ist von grosser Bedeutung für Schwangere, besonders wenn sie Kinder betreuen (Kindergärtnerinnen, -pflegrinnen oder -ärzte). Wenn eine Schwangere zum ersten Mal mit dem Parvovirus B 19 infiziert wird, kann der Krankheitserreger von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden (s. unten bei Komplikationen.

Das Krankheitsbild

Man schätzt, dass etwa ein Drittel der Infektionen bei Kindern zu keiner oder nur zu einer sehr milden Erkrankung führt, oder es tritt lediglich der Hautausschlag ohne weitere Symptome auf. Eine zumindest leichte, vorübergehende Anämie besteht allerdings immer, doch wird sie mehrheitlich nicht wahrgenommen.

Bei Erwachsenen verlaufen Ringelröteln im Allgemeinen schwerer als bei Kindern. Die Inkubationszeit beträgt fünf bis zehn Tage. Typische Krankheitszeichen sind:

  • Zunächst Fieber, das meist nicht hoch ist und nur kurz andauert, sowie Muskel- und Kopfschmerzen, Frösteln und andere erkältungsähnliche Symptome.
  • Nach zwei bis fünf Tagen erscheint der charakteristische Hautausschlag. Er beginnt mit einer kompakten, schmetterlingsförmigen Rötung und Schwellung beider Wangen (gelegentlich als „Ohrfeigengesicht“ bezeichnet), begleitet von Juckreiz, Brennen und Spannungsgefühl. Lippen und Kinn bleiben typischerweise frei.
    Kurz danach greift der Ausschlag auf Rumpf, Arme, Beine und Gesäss über, wo rötliche, manchmal juckende Flecken und Papeln (kleine Erhebungen) entstehen, die allmählich die Form von Ringen oder Girlanden annehmen. Diese verblassen innerhalb von fünf Tagen, können aber während einem Vierteljahr vorübergehend wieder in Erscheinung treten, besonders bei Hitze, körperlicher oder psychischer Belastung. Nach Verschwinden des Ausschlags ist die Haut bisweilen schuppig und rau.
  • Gelenkschmerzen sind häufig, hauptsächlich an Fingergelenken und Knie. Sie klingen in der Regel bald ab, vereinzelt dauern sie jedoch bis zu zwei Monate an.
  • Das Allgemeinbefinden ist bei Kindern gewöhnlich wenig reduziert.

Komplikationen

Sie kommen hauptsächlich bei vorbestehenden anderen Krankheiten oder Immunschwäche vor, ansonsten sind sie selten.

  • Arthritis: schmerzhafte Arthritisschübe treten vor allem bei Erwachsen auf und können sich während Monaten oder sogar Jahren wiederholen.
  • Leberentzündung (Hepatitis), Hirnhaut- oder Hirnentzündung (Meningitis oder Enzephalitis), Herzmuskelentzündung.
  • Chronische und/oder schwere Anämie: Ein Risiko für rezidivierende (wiederkehrende) Anämie und für sog. aplastische Krisen besteht bei Personen mit bereits vorher bestehenden Blutkrankheiten. Aplastische Krise bedeutet Blutarmut mit sehr stark eingeschränkter oder völlig ausbleibender Bildung von roten Blutkörperchen. Gefährliche Verläufe mit schwerwiegenden Folgen wurden bei Immunsupprimierten beobachtet.
  • Fehlgeburt, fetale Erkrankungen: Nach Erstinfektion im ersten oder zweiten Drittel der Schwangerschaft kommt es bisweilen zur Übertragung der Viren auf das ungeborene Kind und später zur Anämie (Blutarmut) und Herzinsuffizienz. Folge kann dann eine Fehlgeburt (Abort) sein oder – bei Überleben des Fetus – ein sog. Hydrops fetalis, eine Flüssigkeitsansammlung in Geweben und Körperhöhlen. Das Risiko ist zwischen der 13. und 24. Woche am höchsten.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Da es sich um eine Virusinfektion handelt, gibt es keine kausale (ursächliche) Therapie – sie ist aber in der Regel auch nicht erforderlich. Gegen Juckreiz helfen Puder oder kühlende Gels, schuppende Haut nach Verschwinden des Ausschlags wird mit Feuchtigkeit spendenden Lotionen gepflegt.

Vorbeugen

Spezifische Schutzmassnahmen gibt es nicht; eine Impfung ist nicht verfügbar. Hygienemassnahmen sind die einzigen Möglichkeiten zur Prophylaxe.
Personen mit besonderem Komplikationsrisiko sollten den direkten Kontakt mit Erkrankten meiden; dies gilt auch für Schwangere, die nicht immun gegen Parvoviren sind.

Wann braucht es den Arzt

Eine Arztkonsultation ist erforderlich:

  • Bei schwerem Verlauf und Komplikationen.
  • Wenn eine Schwangere Kontakt mit einer an Ringelröteln erkrankten Person hatte.
  • Wenn bei vorbestehender Immunschwäche oder Blutkrankheit der Verdacht auf Ringelrötelninfektion besteht.

Diagnose

Eine typische Ringelrötelnerkrankung ist problemlos durch die körperliche Untersuchung zu diagnostizieren. Falls nötig können Labortests durchgeführt werden. Letztere sind auch sinnvoll, wenn bei einer nicht immunen Schwangeren ein unerklärlicher Hautausschlag auftritt, oder wenn in ihrem näheren Umfeld jemand an Ringelröteln erkrankt ist. Gegebenenfalls sind dann regelmässige Kontrollen (Ultraschall usw.) bis in die Spätschwangerschaft angezeigt.

Therapie

Sie beschränkt sich auf das Behandeln der Symptome. Bei aussergewöhnlicher Anämie können rote Blutkörperchen transfundiert werden.

Schwangere und ungeborenes Kind: Das Feststellen eines Hydrops fetalis ist keine Indikation für eine Abtreibung, es besteht die Möglichkeit einer Austauschtransfusion via Nabelschnur. Dabei werden durch die Gabe von Blutkonserven defekte oder fehlende Erythrozyten (rote Blutkörperchen) des Kindes ersetzt. Bei sehr ausgeprägtem Hydrops fetalis lässt sich zwar auch so ein gewisses Restrisiko für eine Fehlgeburt nicht ausschliessen, bei Überleben kommt das Kind aber nach bisherigen Erfahrungen gesund zur Welt. Ein geringfügiger Hydrops bildet sich von selbst zurück.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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