0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Rippenbruch und Brustbeinbruch

Fachbegriff: Rippenfraktur und Sternumfraktur

Der Bruch einer einzelnen Rippe heilt meist problemlos. Mehrfach- und Serienfrakturen sind im Allgemeinen Folge einer komplexen Verletzung. Brüche des Brustbeins sind eher selten und meist kombiniert mit Rippenfrakturen.

Überblick

  • Solitäre Rippenfraktur: Bruch einer einzelnen Rippe. Eine solitäre Rippenfraktur ist zwar schmerzhaft doch bestehen meist keine zusätzlichen Verletzungen.
  • Rippenserienfrakturen: Frakturen mehrerer benachbarter Rippen weisen auf einen schweren Unfall hin und gewöhnlich bestehen anderweitige Verletzungen.
  • Mehrfach- oder Stückfraktur: Ein und dieselbe Rippe hat mehrere Bruchstellen. Auch in diesem Fall liegen grösstenteils noch weitere, überwachungsbedürftige Verletzungen vor.
  • Brüche des Brustbeins sind vergleichsweise selten, meist sind sie kombiniert mit Rippenfrakturen und deshalb hier gemeinsam mit diesen genannt.

Anatomie und Atemmechanik

Die 12 Rippenpaare sind flache, gebogene Knochenspangen, die hinten mit der Wirbelsäule gelenkig verbunden sind und vorne mittels Knorpelbrücken am Brustbein anhaften. Sie bilden den knöchernen Brustkorb. Beim Einatmen heben sie sich und vergrössern das Volumen des Brustkorbs – Luft wird eingesogen. Beim Ausatmen sinken die Rippen in ihre ursprüngliche Stellung zurück, der Brustkasten verkleinert sich und die verbrauchte Luft wird nach aussen gepresst.

Ursachen

Traumatische Ursachen

Solitäre Brüche entstehen durch umschriebenen Stoss oder Schlag – insbesondere auf eine Kante. Serien- und Stückfrakturen kommen dagegen zustande durch massiven Aufprall des Brustkorbs oder des ganzen Körpers (Sturz aus der Höhe, Frontal- oder Seitenkollision).
Auch bei äusserer Herzmassage ist die Krafteinwirkung gross. Sie kann Frakturen von Rippen oder Brustbein zur Folge haben, insbesondere bei älteren Patienten mit starrem Brustkorb oder geschwächter Knochenstruktur (Osteoporose).

Spontanfraktur

Pathologisch (krankhaft) geschwächte Rippen, etwa infolge von Osteoporose oder Knochenmetastasen, brechen bisweilen schon ohne äussere Einwirkung, zum Beispiel durch einen kräftigen Hustenstoss.

Symptome, Folgen und Parallelverletzungen

  • Schmerzen und schmerzbedingte Atemhemmung: Rippen- und Brustbeinfrakturen sind schmerzhaft, insbesondere beim Atmen. Deshalb wird weniger tief durchgeatmet, so dass ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen besteht. Hustenreiz kann auftreten, doch wird das Husten wegen der Schmerzen möglichst unterdrückt.
  • Atemnot: Sie ist nicht obligatorisch, vor allem nicht bei Frakturen einzelner Rippen, kann aber entstehen in folgenden Situationen:
    • Stabilitätsverlust des Brustkorbs: Bei Rippenserienbrüchen, und besonders wenn pro Rippe mehr als eine Fraktur vorliegt (Stückfrakturen), ist das Durchatmen wegen der Instabilität des Brustkorbs mechanisch beeinträchtigt. Dadurch verkleinert sich das Atemvolumen auch wenn der Schmerz medikamentös bekämpft wird.
    • Blut- und Luftansammlung im Brustkorb: Wenn die Lungenoberfläche durch spitze Fragmente einer gebrochenen Rippe verletzt ist, gelangen Blut, Luft oder beides in die Brusthöhle, es entsteht ein Hämatothorax oder Pneumothorax (die Kombination von beiden heisst sinngemäss „Hämatopneumothorax“). Folgen sind Lungenkollaps mit Verminderung des Gasaustauschs (Sauerstoffaufnahme, Kohlensäureabgabe) und Infektionsgefahr.
  • Begleitverletzungen: Von grosser Bedeutung ist ausserdem, was sich hinter einer Fraktur abspielt. Mitverletzungen der im Brustraum liegenden Organe sind von aussen nicht zu erkennen, können jedoch das Leben gefährden. Bei der Verletzung von Herz oder grossen Gefässen, etwa durch einen Frontalaufprall, kommen Symptome von Seiten des Kreislaufs dazu (Herzrhythmusstörungen, akute Herzinsuffizienz, Kreislaufschock); es besteht Lebensgefahr.

Wann braucht es den Arzt

Der starke Schmerz eines unfallbedingten Rippenbruchs führt den Verletzten meist rasch zum Arzt. Ein Verdacht lässt sich schon durch die äussere Untersuchung gewinnen, die Bestätigung der Diagnose erfolgt mittels Röntgenbild.
Nicht dislozierte („verschobene“) und pathologische Frakturen (Spontanfrakturen) werden manchmal erst zufällig – anlässlich einer späteren Röntgenuntersuchung – entdeckt.

Für die Therapie einfacher solitärer Brüche reichen oft Schmerzmittel und eine Bandage.

Entscheidend für die Behandlung von verschobenen und von Serien- oder Stückfrakturen ist, was sich im Inneren des Brustkorbs abspielt – Pneumothorax, Blutung, Herzquetschung, Lungenentzündung. Instabile Serienfrakturen und besonders eine Begleitverletzung von Lunge oder Herz erfordern die Überwachung auf einer Intensivstation. Blut und Luft im Brustraum werden abgesaugt; eine ungenügende Belüftung der Lungen kann maschinelle Beatmung erfordern. Zur Stabilisierung von Serien- oder Stückfrakturen gibt es spezielle Platten, die mit der Rippe verschraubt werden. Durch die Operation wird der Schmerz reduziert und die Dauer der maschinellen Beatmung verkürzt.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.