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Schweres, Akutes Atemnotsyndrom, Severe Acute Respiratory Syndrome, SARS

SARS ist die Abkürzung des englischen Ausdrucks für eine schwere atypische Lungenentzündung. Als Erreger von SARS gilt ein Corona-Virus, das im März 2003 identifiziert werden konnte. Ihren Anfang genommen hatte die Krankheit aber bereits im November 2002, in der Region von Guangdong in China. Von dort wurde das Virus nach Hongkong verschleppt und dann weltweit verbreitet. Der Arzt Dr. Carlo Urbani, der auf die neuartige Lungenentzündung aufmerksam machte und mit zur Identifikation des Erregers beitrug, starb selbst an SARS.

Gemäss Aufzeichnungen der WHO von August 2003 waren bis im Juli jenes Jahres weltweit über 8‘000 Menschen erkrankt und 912 verstorben. Die Sterblichkeit lag je nach betroffener Region zwischen 6 und 20% (Mittel 10%). Im Juni 2003 hatte die Zahl der Neuerkrankungen allerdings so stark abgenommen, dass die Epidemie als beendet erklärt werden konnte. Nach Juli 2003 kam es zwar noch zu vier begrenzten Ausbrüchen, aber drei davon waren auf Infektionen in Versuchslabors zurückzuführen.

Gebiete und Länder, in denen SARS 2002/03 auftrat und wo es zu zahlreichen Todesfällen kam, sind: China (vor allem Hongkong, Guangdong), Taiwan, Singapur, Vietnam (Hanoi) und Kanada. In weiteren Regionen Asiens wurden ebenfalls Erkrankte registriert, doch blieb es bei vereinzelten Todesfällen. SARS gab es ferner in den USA und auch in Europa, wo jedoch „lediglich“ ein Mensch an der Krankheit verstarb.

Ein erneuter Ausbruch von SARS oder einer vergleichbaren Krankheit ist jederzeit möglich, denn das Virus wurde in verschiedenen Tieren Asiens nachgewiesen.

Ursache und Risikofaktoren

Beim Erreger von SARS handelt es sich um ein 2003 neu entdecktes Virus, das die Bezeichnung SARS Coronavirus (SARS CoV) erhielt. Welche Tiere als Reservoir dienen ist nicht bekannt. Als natürlicher Wirt gilt vor allem eine Fledermausart, daneben kommen manche andere wildlebende Tiere und Hauskatzen in Frage. Nicht geklärt ist nach wie vor, wie die Übertragung der Erreger vom Tier auf den Mensch abläuft.

Die Ansteckung von Mensch zu Mensch findet in erster Linie durch Tröpfcheninfektion statt, also über die Atemwege. Nicht ausschliessen lässt sich die Kontakt- oder Schmierinfektion durch Speichel, Fäkalien und mit den Händen. Auch eine Übertragung mit der Luft über grosse Distanzen hinweg oder via Klimaanlagen ist denkbar.

Risikofaktoren, die besonders eine schwere Erkrankung begünstigen, sind höheres Alter und reduzierter Gesundheitszustand. Es starben aber auch manche junge Menschen an SARS.

Das Virus hat die Fähigkeit ausserhalb des menschlichen oder tierischen Köpers für neun Tage infektiös zu bleiben. Durch Desinfektionsmittel wird es jedoch inaktiviert und ebenso, wenn es während einer halben Stunde Temperaturen von 60 Grad ausgesetzt ist.

Keine Ansteckungsgefahr besteht nach bisheriger Kenntnis durch infizierte Menschen, die noch nicht erkrankt sind, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Infektionskrankheiten. Dies und strikte Hygienemassnahmen haben ganz offensichtlich dazu beigetragen, dass die Epidemie im Jahr 2003 verhältnismässig schnell eingedämmt werden konnte.

Das Krankheitsbild

Die Inkubationszeit (Dauer von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome) beträgt zwei bis zehn Tage. Das Krankheitsbild ähnelt zunächst einer saisonalen Grippe, nimmt aber dann oft einen schwereren Verlauf. Charakteristisch sind:

  • Schnell ansteigendes, hohes Fieber, über 38 Grad.
  • Trockener Husten, Halsentzündung und -schmerzen, Heiserkeit.
  • Atemnot, Kurzatmigkeit, Lungenentzündung, evtl. ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome), das sog. akute progressive Lungenversagen, auch Schocklunge genannt.
  • Weitere häufig auftretende Symptome sind: Kopf- und Muskelschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Hautausschlag, Verwirrtheit.

Nach wenigen Tagen ist eine kurzfristige Besserung möglich, die jedoch gefolgt wird von erneutem Auftreten schwerer Symptome. Patienten, welche sich von der Krankheit erholen, tragen aber meist keine bleibende Beeinträchtigung davon.

Komplikationen

Bleibende Lungenfunktionsstörung, die insbesondere bei schon vorbestehender Lungenkrankheit vorkommt.
Todesursache ist in der Regel ein Lungenversagen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Wenn SARS erneut auftritt – was auch für die Schweiz letztendlich nicht auszuschliessen ist – sind folgende Vorsichtsmassnahmen zu beachten:

  • Händehygiene, insbesondere gründliches Händewaschen nach dem Benutzen von Sanitäreinrichtungen und vor dem Essen. Durch das Waschen werden die Viren jedoch nicht inaktiviert, deshalb müssen die Hände nach Kontakt mit (potentiell) Erkrankten desinfiziert werden.
  • Auf Händedruck zur Begrüssung verzichten.
  • Sich nicht in Menschenansammlungen aufhalten; gegebenenfalls eine geeignete Mund-Nasenmaske tragen.
  • Gefahrenregionen wenn irgend möglich meiden.

Wann braucht es den Arzt

Sobald SARS wieder aufkommt, muss jeder Verdacht abgeklärt werden. Ein solcher gilt in einem Epidemiegebiet als begründet, wenn die drei bzw. vier charakteristischen Symptome, Fieber, Husten sowie Halsschmerzen und Atemnot, vorhanden sind und der Kontakt mit SARS-Kranken naheliegend ist. Epidemie: gehäuftes Auftreten einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit.

Die Diagnose wird mittels Röntgenaufnahme der Lunge und speziellen Labortests gesichert.

Eine kausale Therapie steht nach wie vor nicht zur Verfügung; es werden die Symptome behandelt. Bei schwerer Erkrankung hat man allerdings in einigen Fällen das Viren hemmende Mittel Ribavirin und auch Kortikosteroide eingesetzt.

Unerlässlich ist die Expositionsprophylaxe, also das Verhindern der Verbreitung von SARS durch Isolation erkrankter Personen (Quarantäne) und durch strikte Hygienemassnahmen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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