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Schädel-Hirn-Verletzung

Fachbegriff: Schädel-Hirn-Trauma

Als Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet man Kopfverletzungen mit Beteiligung des Gehirns. Bewusstseinsverlust (Ohnmacht) ist ein Hinweis, aber nicht ein obligates Zeichen. Betroffene sind aufgrund ihrer Mobilität und der Risiken bei Sport und Arbeit oft jung.

Überblick

Verletzungen des menschlichen Kopfs von aussen nach innen:

  • Hautwunden: Platzwunden, Schnitt- und Rissquetschwunden. Reine Hautwunden können stark bluten, sind an sich jedoch meist harmlos und heilen gewöhnlich gut.
  • Verletzungen von Schädelknochen: Man unterscheidet Frakturen des Schädeldachs oder Kalottenfrakturen (Abb. a, b), der Schädelbasis sowie Gesichtsschädelbrüche (Kiefer, Jochbein, Nasenbein und weitere).
  • Primäre Hirnverletzungen: Sie entstehen im Moment des Unfalls. Es handelt sich um Hirnerschütterung, um Quetschung (Kontusion), bei offenen Schädelhirntraumen auch um Verlust von Hirnsubstanz.
  • Sekundäre Hirnverletzungen: Sie sind auf ein Geschehen zurückzuführen, das sich nach dem Unfall, oft erst im Spital entwickelt. Als Folge einer innerhalb von Stunden oder Tagen zunehmenden Blutung ins Schädelinnere oder einer Hirnschwellung wird die Hirnsubstanz zusammengepresst und verlagert (Abb. c).

Im Folgenden werden Frakturen des Schädeldachs und Verletzungen am Gehirn dargestellt, nicht jedoch die vielgestaltigen Knochenbrüche des Gesichtsschädels und deren Folgen.

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Ursachen

Ursachen sind stumpfe Gewalteinwirkung, wie ein grober Aufprall des Kopfs, oder ein örtlich umschriebenes (lokalisiertes) Geschehen, etwa ein Stein- oder Hammerschlag oder eine Schussverletzung.

Durch stumpfe Gewalt entstehen

  • An der Haut: Quetschungen oder Rissquetschwunden.
  • Am Schädelknochen: Kalotten- und Basisfrakturen.
  • Im Schädelinneren: Hirnerschütterung, Hirnquetschung, Einrisse von Blutgefässen mit dem Risiko eines nachfolgenden Blutergusses.

Das lokalisierte Einwirken eines spitzen Gegenstands führt zu 

  • Hautwunden.
  • Offenen Kalottenfrakturen, eventuell mit Verlagerung von Bruchstücken nach innen (Impressionsfraktur, Abbildung a).
  • Offenen (penetrierenden) Hirnwunden.

Symptome

Die nachstehend beschriebenen Symptome lassen eine Schädelhirnverletzung vermuten. Äusserlich erkennbare Verletzungen ermöglichen indessen oft keinen Rückschluss auf den Schweregrad des Schädel-Hirn-Traumas.

  • Sofort eintretende Bewusstseinsstörung: Sie ist das Leitsymptom einer primären Hirnverletzung. Es gibt verschiedene Tiefengrade von leichter Benommenheit bis zum Koma (tiefe Bewusstlosigkeit mit Verlust jeder Reaktion). Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit können wenige Minuten (Hirnerschütterung) bis viele Tage andauern (Hirnquetschung). Bei der Hirnerschütterung sieht man keine pathologischen (krankhaften) Veränderungen am Gehirn; bei der Quetschung ist das Gewebe sichtbar beschädigt. Der K.o.-Schlag beim Boxen entspricht günstigenfalls einer Hirnerschütterung.
  • Mit zeitlicher Verzögerung (sekundär) eintretender Bewusstseinsverlust oder Vertiefung einer von Anbeginn bestehenden Bewusstseinstrübung: Im Verlauf der Zeit wird der Verletzte nicht wacher, sondern seine Bewusstseinslage verschlechtert sich. Dieses Symptom weist auf einen sich weiter ausbreitenden Schaden, also eine sekundäre Hirnverletzung, hin. Ursachen sind steigender Druck im Schädelinneren („Hirndruck“) und Kompression des Gehirns durch Blutung (Abb. c) oder Hirnschwellung.
  • Erinnerungsverlust (Amnesie): Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit besteht ein Erinnerungsverlust (Amnesie) für den Unfallhergang, die Geschehnisse danach, seltener auch für eine kurz davor liegende Zeitspanne. 
  • Nervenausfälle: Sie betreffen die Körpermotorik im Sinn von Lähmungen und äussern sich auf der Gegenseite der Hirnverletzung. Ausfälle der Sensibilität (des Oberflächengefühls der Haut) sind anfangs schwerer zu erkennen. 
  • Pupillenveränderung: Die Weiterstellung einer Pupille im Vergleich zum anderen Auge, eine so genannte Pupillendifferenz, kann auf eine Blutung ins Schädelinnere hinweisen, und zwar auf der Seite der grösseren Pupille.
  • Blutung aus der Nase, aus dem Mund, aus den Ohren erregt Verdacht auf eine Fraktur des Gesichtsschädels oder der Schädelbasis.
  • Austritt von klarer oder hellroter Hirnflüssigkeit (Liquor) aus Nase oder Ohren deutet auf eine offene Verbindung zum Schädelinneren hin. Sie entsteht durch Frakturen der vorderen oder seitlichen Schädelbasis.
  • Störungen von unwillkürlich gesteuerten (vegetativen) Körperfunktionen: Erbrechen kann sofort oder verzögert auftreten, auch während tiefer Bewusstlosigkeit. Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusstörungen und Stoffwechselentgleisungen können vorübergehend sein, aber auch noch Jahre nach dem Unfall bestehen bleiben.

Zusätzliche Befunde bei umschriebener oder scharfer Verletzung

Bei einer Impressionsfraktur sind knöcherne Bruchstücke ins Schädelinnere verlagert. Reicht die Wunde tief, können auch die Hirnhäute zerrissen sein. Das Gehirn liegt dann frei; es besteht eine offene Hirnwunde, ein penetrierendes Schädel-Hirn-Trauma. Die Schwere der Situation ist sofort erkennbar. Dennoch tritt bei einer umschriebenen, penetrierenden Hirnverletzung nicht unbedingt Bewusstlosigkeit auf, wenn der Schaden lokalisiert bleibt und keine oder nur eine geringe Drucksteigerung im Schädelinnern zustande kommt.

Spätfolgen

Schwere Hirnverletzungen sind mit einer Reihe möglicher Spätfolgen belastet. Dazu gehören:

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und intellektueller Abbau, Schwindelanfälle.
  • Beeinträchtigung des Sprechvermögens (überwiegend motorische Aphasie), des Sprachverständnisses (überwiegend sensorische Aphasie), des Sehens (Gesichtsfeldausfälle, Sehbehinderung) und des Hörens.
  • Teilweise oder komplette Lähmungen.
  • Traumatische Epilepsie („Narbenepilepsie“).
  • Nach offenen Hirnverletzungen und Schädelbasisfrakturen: Abszesse im Inneren des Schädels und Fisteln („Verbindungsgänge“).

Was man selbst tun kann

Bewusstlose sind völlig auf fremde Hilfe angewiesen, und es ist Aufgabe der Helfenden, sofort den Transport in ein geeignetes Spital zu organisieren. In der Zwischenzeit ist darauf zu achten, dass der Verunfallte nicht an Erbrochenem oder Blut erstickt.

Bewusstlosigkeit unterscheidet sich vom normalen Schlaf dadurch, dass der Verunfallte nicht weckbar und dass der Hustenreflex erloschen ist. Erbricht ein Bewusstloser, kann er an Mageninhalt ersticken, der unausgehustet in die Atemwege fliesst.

Stabile Seitenlagerung des Verletzten soll das Ersticken verhindern, indem sie das Ausfliessen von Blut oder Mageninhalt aus dem Mund ermöglicht (Abbildung).

  • Bei Bewusstlosigkeit mit erhaltener Atmung, den Patienten in die Bewusstlosen Lagerung (Seitenlagerung) bringen.
  • Bei Bewusstlosigkeit ohne erkennbare Atmung, sofort erste Hilfe gemäss BLS-AED-Schema leisten. (30 Thoraxkompressionen, gefolgt von 2 Beatmungsstössen. Falls die Beatmung nicht durchführbar ist, soll mit 100 Thoraxkompressionen pro Minute fortgefahren werden, bis ein AED oder die Rettungseinheit eintrifft.)
Seitenlagerung

Wann braucht es den Arzt

Sowohl stumpfe wie scharfe Schädelhirnverletzungen erfordern eine ärztliche Abklärung. Neben Überprüfung der neurologischen Funktionen gehören dazu Röntgenaufnahmen des Schädels und bei Bewusstseinstrübung ein Computertomogramm (CT). Bewusstlose werden auf einer Intensivstation betreut, damit die lebenswichtigen Funktionen lückenlos überwacht und unterstützt und sekundäre Komplikationen rechtzeitig erkannt werden können.

Operativ behandelt werden:

  • Offene Wunden.
  • Blutungen ins Schädelinnere (Abb. c). Zweck der Operation ist die möglichst schnelle Druckentlastung des komprimierten Gehirns.
  • Frakturen: Operiert werden nach innen gedrückte Bruchstücke des Schädeldachs (Abb. a), ausserdem manche Frakturen am Gesichtsschädel (Kiefer, Jochbein). Frakturen der vorderen Schädelbasis mit offener Verbindung zum Nasenrachenraum werden mit mikrochirurgischen Techniken durch die Nase versorgt.

Nachbehandlung

Aufwändig, aber nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma unerlässlich ist die Neurorehabilitation, die unter anderem berufliche und gegebenenfalls schulische Massnahmen umfasst. Ziel ist es, so viel Selbstständigkeit als möglich zurück zu gewinnen, sowohl in körperlichen als auch in geistigen Belangen.
Dazu ist eine multidisziplinäre Betreuung erforderlich; sie reicht von Neuropsychologie über Logopädie (Sprachschulung), Ergo- und Physiotherapie bis zur Sozialarbeit.

Durch intensive Therapie ist bis zwei Jahre nach dem Unfall noch eine Besserung zu erwarten, später wird sie unwahrscheinlicher.

Vorbeugen

Vorbeugend wirkt das Tragen eines Schutzhelms bei entsprechendem Risiko (Sturzhelm, SUVA-Helm). (Unfallprophylaxe).

Weiterführende Informationen, Adressen

Auskunft über zahlreiche regionale Vereinigungen hirnverletzter Menschen in der ganzen Schweiz erteilt:

  • FRAGILE Suisse
    Badenerstrasse 696
    8048 Zürich
    Tel. 044 360 30 60
    www.fragile.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 16.10.2017

 
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