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Scharlach

Scharlach ist eine weltweit verbreitete, bakterielle Infektionskrankheit. Charakteristisch sind Mandel-, Rachenentzündung und Fieber, Hautausschlag und – in der Rekonvaleszenz – Hautschuppung. Die Krankheit kann mit einer typischen, bakteriellen Mandelentzündung (Angina tonsillaris) mit fleckenförmigen Eiterherden (sog. Stippchen) einhergehen, muss aber nicht.

Bevorzugt tritt Scharlach im Winter und Frühling auf. Betroffen sind hauptsächlich Kinder zwischen dem 3. und 12. Lebensjahr, nur äusserst selten Säuglinge und Personen jenseits des 50. Lebensjahrs. Es ist allerdings davon auszugehen, dass ein grosser Teil von Infektionen mit Scharlacherregern oder anderen Streptokokken (s. unten) infolge wenig ausgeprägter Symptome gar nicht zum Arzt führen und nicht erkannt werden.

Begriffserklärungen

Endemie:

fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Kontamination:

Verunreinigung, Verseuchung. Adjektiv: kontaminiert.

Rezidiv:

Rückfall, wiederholte Erkrankung: Adjektiv: rezidivierend.

Streptokokken:

Es sind grampositive Bakterien, welche keine Sporen bilden. Streptokokken zählen zur normalen Bakterienflora in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers, ohne dass es beim gesunden Menschen zu Krankheitssymptomen kommt. Manchmal verursachen sie jedoch verschiedene Krankheitsbilder wie: Nasennebenhöhlenentzündung, Sinusitis, Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Scharlach, Lungenentzündung, Eiterflechte (Impetigo), Phlegmone (eitrige Bindegewebsentzündungen), Herzentzündung (Endokarditis) und Hirnhautentzündung (Meningitis).Weitere Erkrankungen durch Streptokokken können Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Kindbettfieber, das Toxische Schock Syndrom (TSS) sowie eine Blutvergiftung (Sepsis) sein.

Toxin:

Giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch.

Tröpfcheninfektion:

Übertragung von Krankheitserregern über den „Luftweg“, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.

Ursachen und Risikofaktoren

Der für Scharlach charakteristische Hautausschlag wird durch Toxin von Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen, die weit verbreitet und vielerorts endemisch sind. Die Übertragung der Bakterien erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen). Seltener ist die Ansteckung mit Spielzeug, Geschirr usw., sehr selten durch Kontakt mit eiternden Wunden. Letzteres kommt namentlich in den Tropen und Subtropen vor.

Naher Kontakt und körperliche Anstrengung in geschlossenen Räumen (Sport in Turnhallen usw.) begünstigen die Ansteckung.

Allerdings erkrankt nicht jeder, der mit Streptokokken der Gruppe A infiziert ist. Solche Bakterien – auch toxinbildende und potentiell Scharlach auslösende – leben vorübergehend auf der Haut und Schleimhaut mancher Menschen ohne irgendeine Krankheit hervorzurufen. Art und Schweregrad einer Erkrankung hängen vom Streptokokkentyp ab, aber auch von der Reaktion des betroffenen Organismus. Es gilt als sicher, dass dabei genetische Faktoren massgeblich beteiligt sind, doch sind die Einzelheiten noch nicht geklärt.

Nach Durchmachen von Scharlach verbleibt eine eingeschränkte Immunität, die nur gegen jenen bestimmten Typ von Streptokokken oder dessen Toxine gerichtet ist, welche die konkret durchgemachte Krankheit auslösten. Es sind demzufolge später Erkrankungen durch andere Streptokokken der Gruppe A möglich, die zu erneutem Scharlach, zu Mandelentzündung und/oder bakterieller Angina tonsillaris führen.
Kleinkinder sind bis zum 6. Lebensmonat durch die Antikörper geschützt, die von der Mutter auf sie übertragen wurden.

Das Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt ein bis fünf Tage (selten länger), danach bricht Scharlach ganz plötzlich aus. Symptome sind:

  • Hals- und Kopfschmerzen, Husten, hohes Fieber, Schüttelfrost. Kinder fühlen sich sehr krank; auch Bauchschmerzen und Erbrechen sind bei ihnen nicht selten.
  • Die Halsmandeln können kleinflächige Eiterherde aufweisen, die sog. Stippchen wie bei einer typischen Angina, oder „nur“ gerötet und geschwollen, allenfalls gelblich belegt sein. Der Rachen ist feuerrot, das Schlucken schmerzt. Oft besteht unangenehmer Mundgeruch. Am Hals und unter dem Unterkiefer schwellen die Lymphknoten an.
  • Die Zunge ist anfänglich weisslich belegt; durch das Anschwellen der Geschmackspapillen und Abschilferung des Belags ähnelt ihre Oberfläche nach wenigen Tagen einer Himbeere (sog. Himbeerzunge).
  • Hautausschlag: Nach ein bis drei Tagen beginnt der charakteristische Hautausschlag mit feinen Flecken und Papeln (kleine Erhebungen) zunächst an Rumpf und Hals, später an Beinen und Armen. Bisweilen tritt Juckreiz auf. Im geröteten Gesicht bleiben die Region um den Mund und das Kinn auffällig blass. Fusssohlen und Handflächen sind vom Ausschlag gleichfalls ausgenommen. Feinste Hautblutungen kommen gelegentlich vor und sind als rote Pünktchen erkennbar.
  • Nach vier bis sieben Tagen verblasst der Ausschlag. Einige Tage später schuppt sich die Haut, besonders auffällig an den Handflächen und Fusssohlen.
  • Das Fieber sinkt und klingt nach einer Woche ab.

Nach der Genesung ist eine erneute Erkrankung möglich, als Rezidiv oder durch Neuinfektion mit einer anderen Streptokokkenart.

Komplikationen

Während der Scharlacherkrankung selbst können gefährliche Komplikationen auftreten. Dank Antibiotikatherapie sind Komplikationen und Spätfolgen jedoch heute wesentlich seltener als früher.

Spätfolgen

Sie sind auf immunologische Vorgänge zurückzuführen und treten eine bis fünf Wochen nach Abklingen des Scharlachs auf.

  • Rheumatisches Fieber mit Arthritis, Entzündung des Herzmuskels und der Herzklappen, (s. dazu auch weiter unten sowie im Text rheumatische Erkrankungen), bisweilen Hauterscheinungen in Form von Knötchen.
  • Glomerulonephritis, Nierenentzündung: Sie heilt in der Regel folgenlos.

Was man selbst tun kann

Bettruhe sollte zu Beginn eingehalten und das Kind während mindestens 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie isoliert werden. Körperliche Schonung ist auch für Jugendliche und Erwachsene angebracht und auf sportliche Betätigung sollte verzichtet werden solange Symptome vorhanden sind.
Hausmittel können jederzeit zusätzlich zur ärztlich verordneten Therapie angewendet werden. Bewährt haben sich:

Gurgeln

Dazu geeignete Lösungen sind zum Beispiel:

  • Salbeitee; evtl. eine Prise Salz zugeben, es verstärkt die Wirkung.
  • 2 Teelöffel Honig und 3 Teelöffel Apfelessig, aufgelöst in 2 dl warmem Wasser.
  • 15 Tropfen Kamillenölextrakt in einem Glas Wasser.

Kalte Halswickel

Die Auflage jeweils so anbringen, dass sie vorne von Ohr zu Ohr reicht, aber nicht den Nacken bedeckt. Mit einem Wollschal umwickeln und 20 bis 30 Minuten belassen. 

  • Quarkwickel: dazu Quark auf ein dünnes Tuch streichen und wie dargestellt anbringen (s. Abb.).
  • Zitronenwickel: gewaschene Zitrone in Scheiben schneiden, in ein dünnes Tuch einwickeln. 
  • Zwiebelwickel: 1 bis 2 Zwiebeln zerschneiden, in ein Tuch einwickeln und kalt auflegen.
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Bei Husten

  • Honig als Hustenmittel wird auch in der Schulmedizin verwendet, seine Wirksamkeit ist erwiesen. Milch erhitzen (nicht kochen), 1 bis 2 Teelöffel Honig darin auflösen und trinken.
  • Hustensirup: 1 Liter Wasser, 250 Gramm Kandiszucker und 2 grosse gehackte Zwiebeln zusammen aufkochen, dann absieben; alle 2 Stunden einen Esslöffel Sirup einnehmen.

Bei Fieber

Essigsocken oder Essigwickel um die Waden legen und viel Tee trinken.

Weitere Informationen und Hausmittel enthält das Buch „Hausmittel sinnvoll einsetzen“ (ISBN 978-3-033-01334-6), das hier bestellt werden kann. (145 Seiten).

Wann braucht es den Arzt

Der Verdacht auf Scharlach oder Angina erfordert eine Arztkonsultation.

Ein notfallmässiger Arztbesuch ist angezeigt bei:

  • Fieber über 40 Grad.
  • Benommenheit, Krämpfe, Nackensteife.
  • Hautblutungen.

Diagnose

Die Diagnose basiert auf den typischen Symptomen und auf dem Resultat eines Schnelltests, was in der Regel ausreicht um die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie zu beurteilen. Bei Unklarheiten gibt der kulturelle Nachweis Sicherheit (Anzucht der Streptokokken auf speziellen Nährböden).
Tests für Antikörperbestimmungen (Nachweis von Abwehrstoffen im Blut) sind verfügbar um das Vorliegen einer Folgeerkrankung (rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis) abzuklären.

Therapie

Wenn Verdacht auf Scharlach besteht, werden meist Antibiotika gegeben, um die gefürchteten Spätkomplikationen zu verhindern.

Das verordnete Antibiotikum ist auf jeden Fall über den vollständigen Zeitraum von zehn Tagen einzunehmen, auch wenn Fieber und Hautausschlag bereits verschwunden sind.

Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass auch Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A, die mit milden Symptomen und ohne Hautausschlag einhergehen, Komplikationen und Spätfolgen nach sich ziehen können. Demzufolge sind adäquate Behandlung und Kontrollen auch bei Mandelentzündungen ohne Hautausschlag erforderlich.

Kinder mit Scharlach können bereits einen Tag nach Beginn der Antibiotikabehandlung wieder Kontakt zu anderen Personen haben. Wenn auf die Einnahme von Antibiotika verzichtet wird – was allerdings wegen der möglichen, schweren Komplikationen zumindest bei Kindern nicht ratsam ist –, dauert die Ansteckungsgefahr bis zum Verschwinden der Symptome an, also ca. drei Wochen. Während dieser Zeit sind Erkrankte zu isolieren.

Zwei bis fünf Wochen nach Heilung ist eine Nachkontrolle angezeigt. Wichtig ist diese im Hinblick auf die folgenschweren Spätkomplikationen wie Nierenentzündung (Glomerulonephritis), Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankungen, rheumatisches Fieber.

Vorbeugen

Eine Schutzimpfung existiert nicht. Die Möglichkeiten zum Vorbeugen einer Infektion bleiben somit beschränkt auf Hygienemassnahmen. Zu berücksichtigen ist, dass manche Streptokokkenarten auch durch Spielzeug, Geschirr oder Lebensmittel übertragen werden.

Hinsichtlich der Prophylaxe von Folgeschädigungen sei auf die vorangehenden Ausführungen (Antibiotikatherapie) verwiesen.

Weiterführende Informationen und Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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