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Schenkelhalsbruch

Fachbegriff: Schenkelhalsfraktur

Knochenbrüche am oberen Ende des Oberschenkels sind besonders bei älteren Menschen häufig (Übersicht, Abb. a). Man unterscheidet Schenkelhalsbrüche im engeren Sinn (Abb. b, c) von den weiter seitlich und unten gelegenen Trochanterbrüchen (pertrochantäre Femurfrakturen) (Abb. d). Bei allen Lokalisationen gibt es verschiedene Unterformen des Frakturverlaufs. Vom Ort und Typ des Bruchs hängt die Therapie ab.

Ältere Frauen erleiden besonders oft Schenkelhalsfrakturen, doch aufgrund der höheren Lebenserwartung nimmt die Häufigkeit dieser Knochenbrüche allgemein zu.

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Ursachen und Risikofaktoren

Sturz oder Aufprall führt zu einer traumatischen Fraktur. Wegen der oft reduzierten Beweglichkeit und Reaktion, wegen Sehstörungen, bereits bestehenden Krankheiten (Herz-Kreislauf) oder wegen Nebenwirkungen von Medikamenten stürzen ältere Menschen häufiger als junge. Bei Jüngeren stehen Verkehrs- und Sportunfälle im Vordergrund.

Eine Schwächung der Knochenstruktur begünstigt das Entstehen von Frakturen:

  • Osteoporose: Durch poröse Knochenstruktur ist die Festigkeit des Skeletts vermindert. Gefährdet sind insbesondere Frauen nach den Wechseljahren.
  • Knochenmetastasen: Durch Krebsableger wird die Knochenstruktur zunehmend aufgelöst.

Eine Fraktur kann unter diesen Gegebenheiten schon bei einem geringfügigen Unfall oder ohne jede Gewalteinwirkung zustande kommen; man spricht dann von pathologischer Fraktur oder von Spontanfraktur.

Symptome

  • Sofortige Gehunfähigkeit ist die Regel, verbunden mit mehr oder weniger intensivem Bewegungsschmerz, der oft in die Leiste lokalisiert wird. Erhaltenes Gehvermögen lässt allerdings einen wenig verschobenen Schenkelhalsbruch (Abb. b) nicht mit Sicherheit ausschliessen.
  • Das verletzte Bein ist meist (jedoch nicht obligat) verkürzt und nach aussen gedreht.
  • In der Hüftregion finden sich manchmal Prellmarken, Schwellung und ein Bluterguss.

Folgen und Komplikationen

Schenkelhalsfrakturen jeden Typs bergen Gefahren. Durch Bettlägerigkeit besteht bei älteren Menschen die Gefahr von Wundliegen, Thrombose, Lungenembolie, Lungenentzündung, Urininfekt sowie psychischem Verfall. Bereits zuvor bestehende Krankheiten (Herz-Kreislauf, Stoffwechsel) erhöhen diese Risiken, so dass die Schenkelhalsfraktur eine mit steigendem Alter zunehmende Sterblichkeit aufweist.
Die seltenen Schenkelhalsfrakturen bei Kindern und Jugendlichen sind ihrerseits mit einem Invaliditätsrisiko durch Wachstumsstörung und Absterben (Nekrose) des Schenkelkopfs belastet.

Was man selbst tun kann

  • Verunfallte so bequem wie möglich lagern, anschliessend einen ärztlichen Hausbesuch anfordern.
  • Alleinstehende und sturzgefährdete Personen sollten über einen Alarmierungsmodus verfügen, zum Beispiel um einen am Handgelenk getragenen Funkruf.
    Das Funktionieren des Notrufs muss regelmässig – am besten monatlich – überprüft werden (Probealarm). Damit lässt sich nicht allein das Gerät testen, sondern auch die Fähigkeit der gefährdeten Person, den Notruf überhaupt auszulösen.

Wann braucht es den Arzt

Der Verdacht auf Schenkelhalsfraktur erfordert immer eine ärztliche Abklärung. Röntgenbilder sind für die exakte Diagnose unerlässlich; die Behandlung erfolgt im Spital.

Entsprechender Verdacht bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen (unter 60 Jahren) muss notfallmässig abgeklärt werden. In bestimmten Fällen – abhängig vom Frakturtyp – ist eine sofortige Operation erforderlich, um die Vitalität des Schenkelkopfs erhalten zu können.

Behandlungsziel ist es, so rasch als möglich wieder Gehfähigkeit zu erreichen. Das korrekte Einstellen und Stabilisieren der Bruchstücke erfolgt durch eine Operation. Je nach Alter des Verletzten, Lokalisation und Form der Fraktur kommen Schrauben, Hüftprothesen, Winkelplatten, Marknägel zum Einsatz.

  • Das Verschrauben (Bruchformen b und c, Abbildung) bewahrt den natürlichen Schenkelkopf, was vor allem bei jüngeren Menschen anzustreben ist. Die Operation sollte wenn immer möglich innerhalb 6 Stunden nach dem Unfall stattfinden, damit der abgebrochene Schenkelkopf nicht Schaden erleidet und abstirbt.
  • Hüftprothesen finden hauptsächlich im höheren Lebensalter Anwendung, wo ein rasches Mobilisieren des Patienten mit voller Belastung wichtig ist.
  • Winkelplattensysteme und Marknägel werden überwiegend bei seitlich gelegenen Frakturen (Trochanterfrakturen, Abbildung d) eingesetzt. Marknägel sind Metallstifte, die von oben her in die Markhöhle des Knochens eingebracht werden.

Die Antikoagulation (medikamentöse „Blutverdünnung“) reduziert das Thromboserisiko, das erhöht ist, solange das verletzte Bein nicht belastungsstabil und der Patient nicht ausreichend mobil ist.

Vorbeugen

  • Stürze vermeiden: „bewusstes Herumgehen“. Vorsicht bei Türschwellen oder Teppichrändern und bei glatten Böden.
  • Für gute Beleuchtung sorgen.
  • Bauliche Risikofaktoren soweit möglich beseitigen, rutschfeste Böden und Einrichtungen zum Festhalten (Handläufe) montieren.
  • Ein Stock unterstützt das Halten des Gleichgewichts. Der Nutzen von Hüftpolstern zum Abfedern von Stürzen ist hingegen umstritten.
  • Verhindern oder Bekämpfen der Osteoporose („Knochenschwund“), da diese Krankheit den Knochen schwächt und für eine Fraktur anfällig macht. Die Kalziumzufuhr nach den Wechseljahren sollte mindestens 1,5 Gramm täglich betragen.
  • Augenärztliche Behandlung, Koordinations- und allenfalls Krafttraining, adäquate Therapie von Herz-Kreislaufkrankheiten und Reduktion von Übergewicht.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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