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Schlafapnoe und Sekundenschlaf

Apnoe (griechisch, ausgesprochen „Apnö“) bedeutet Atemstillstand. Die Wortverbindung Schlafapnoe bedeutet somit „Atemstillstand und Schlaf“. Daraus ergibt sich zweierlei:

  • Während des Nachtschlafs wiederholt auftretender Atemstillstand abwechselnd mit plötzlichem Schnarchen und Aufschrecken. Die einzelnen Atempausen dauern mehr als 10 Sekunden und treten bisweilen im Abstand von wenigen Minuten auf. Dutzende Atemstillstand- oder Schnarchattacken können sich in einer Nacht folgen.
  • Tagsüber verbleiben chronische Übermüdung und als Konsequenz eine ungewöhnliche, plötzliche Einschlaftendenz. Sekundenlange Aussetzer des Bewusstseins heissen Sekundenschlaf und sind Ursache zahlreicher Arbeits- und Verkehrsunfälle. Schlafapnoe hat damit nicht nur für den Schnarcher selbst, sondern auch für die Umwelt grosse medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung.

Bis zu einem Drittel aller Erwachsenen schnarcht gelegentlich. Das ist meistens harmlos und stört zwar die Umgebung, nicht aber den Schnarcher selbst. Sehr häufiges, lautes und unregelmässig hörbares Schnarchen weist auf Schlafapnoe hin.

Folge der Schlafapnoe ist Sauerstoffmangel in Blut und Geweben mit beträchtlichen Risiken. Etwa 3% der Bevölkerung, vor allem übergewichtige Männer über 40 Jahre, leiden daran. Die Schlafapnoe ist immer mit Schnarchen verbunden; die typischen Geräusche entstehen beim Luftholen durch verengte Atemwege.

Ursachen und Risikofaktoren

Obstruktive Schlafapnoe

Die nächtlichen Atempausen entstehen durch Verschluss oder Einengung (Obstruktion) der Luftwege im Rachenraum. Ursachen sind kleine Kieferknochen, vergrösserte Zunge oder Rachenmandeln oder eine ausgeprägte Erschlaffung der Muskulatur. Übergewicht, Alkohol, Beruhigungs- und Schlaftabletten, aber auch das Rauchen begünstigen nächtliche Atemstillstände. Der Sauerstoffmangel setzt eine Weckreaktion in Gang. Unter Schnarchen und Schnappen setzt das Atmen wieder ein.

Zentrale Schlafapnoe

Die „zentrale Form“ der Schlafapnoe geht zurück auf eine fehlerhafte Steuerung im Atemzentrum des Gehirns. Sie kann aufgrund einer Hirnentzündung oder infolge Abbauvorgänge im Hirnstamm entstehen. Die Ursachen sind jedoch allgemein weniger gut bekannt als bei der obstruktiven Form. Zentrale Schlafapnoe tritt im Alter gehäuft auf. Seltener ist anfallsweiser Atemstillstand von Neugeborenen. Diese gefährliche zentrale Schlafapnoe ist vermutlich auf eine Unreife des Atemzentrums zurückzuführen.
Die Kombination von zentraler und obstruktiver Form kommt vor.

Das Krankheitsbild

Charakteristisch sind Atempausen im Nachtschlaf, der durch Schnarchen mit schreckhaftem, unvollständigem Aufwachen immer wieder unterbrochen wird. Der Schlaf ist nicht erholsam, die Betroffenen fühlen sich morgens müde und abgeschlagen, sind unkonzentriert, vergesslich und weniger leistungsfähig. Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Depressionen und Potenzstörungen sind mögliche Begleiterscheinungen. Folge der extremen Müdigkeit sind Attacken von unkontrollierbarem Schlafdrang, so dass Betroffene unvermittelt einnicken – Sekundenschlaf –, insbesondere bei monotonen Tätigkeiten

Risiken

Herz-Kreislaufprobleme: In ausgeprägten Fällen kommen Hypertonie (Bluthochdruck), Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) und Hirnschlag gehäuft vor.
Sekundenschlaf: Gefährlich ist das zwangsweise Einschlafen, wenn es am Steuer eines Verkehrsmittels oder bei der Bedienung von Maschinen geschieht. Begünstigend sind vor allem lange und monotone Fahrstrecken auf Autobahnen und Nachtfahrten oder schlafende Beifahrer.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Bei Übergewicht führt eine deutliche Gewichtsreduktion normalerweise zur Besserung der Schlafapnoe und des Allgemeinbefindens.
  • Nicht Rauchen, insbesondere nicht vor dem Zubettgehen.
  • Ein Glas Rotwein abends beruhigt. Zu viel Alkohol dagegen bewirkt Durchschlafstörungen und nächtlichen Drang zur Toilette. Insbesondere der „Schlummerbecher“ Bier füllt den Magen und wirkt harntreibend – besser, man verzichtet auf ihn.
  • Schlaf- oder Beruhigungstabletten nur ausnahmsweise einnehmen.
  • Manchmal treten die nächtlichen Atempausen nur in Rückenlage auf, daher ist es besser, auf der Seite zu schlafen. Es gibt ein Verfahren, mit dem man vermeiden kann, auf dem Rücken zu liegen: Tennisbälle in das Rückenteil des Schlafanzugs einnähen.
  • Warnzeichen eines drohenden Sekundenschlafs sind:
    • Gähnen, „schwere Augenlider“, Frösteln, Müdigkeit.
    • Am Steuer: Fahrfehler wie Fahren in Schlangenlinie, unregelmässige Geschwindigkeit, ruckartiges Bremsen.
  • Bei drohendem Sekundenschlaf richtig reagieren: das Auto parkieren, sich im Freien bewegen, gymnastische Übung machen, etwas trinken. Wenn vorhanden, einen Beifahrer ans Steuer lassen.

Wann braucht es den Arzt

Anlass für einen Arztbesuch geben:

  • Sehr lautes Schnarchen, Atempausen während des Schlafs.
  • Wiederholte Abgeschlagenheit und Müdigkeit am Morgen trotz ausreichender Schlafzeit.
  • Unkontrollierbarer Schlafdrang beim Autofahren, Arbeiten oder anderen Tätigkeiten erfordert dringend einen Arztbesuch.
  • Schnarchen bei Kindern, insbesondere im Vorschulalter.

In einem Schlaflabor wird untersucht, ob sich der Verdacht auf eine Schlafapnoe bestätigt. Es gibt verschiedene Methoden, die nächtlichen Atemstillstände zu verhindern und die Sauerstoffzufuhr zu verbessern.

  • Vergrösserte Mandeln, Polypen und manche Missbildungen lassen sich mit Operationen beseitigen, doch bringt ein chirurgischer Eingriff nicht immer den gewünschten Erfolg.
  • Bei der Überdruckbeatmung (der effektivsten Behandlungsmethode) werden die Patienten mittels Nasenmaske mit Raumluft beatmet, damit die Atemwege offen bleiben und die Sauerstoffversorgung gewährleistet ist.
  • Sauerstofftherapie wird selten isoliert eingesetzt, sondern in der Regel kombiniert mit der Überdruckbeatmung.
  • Manchen Schlafapnoikern kann mit so genannten Aufbissschienen geholfen werden. Diese werden zwischen Ober- und Unterkiefer gelegt und halten die Atemwege offen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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