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Sehnenscheidenentzündung

Fachbegriff: Tendovaginitis

Sehnenscheiden sind Bindegewebshüllen, welche die Sehnen ernähren und ihnen ein annähernd reibungsfreies Gleiten ermöglichen. An der Beugeseite (Unterseite) der Finger umschliessen sie wie Röhrchen die Sehnen und führen deren Bewegungsrichtung. Am Hand- und Fingerrücken (Oberseite) und um die Achillessehne entsprechen die Sehnenscheiden mehr einem lockeren, verschiebbaren Überzug.

Mechanische Reize, rheumatische Vorgänge (s. Rheuma) und bakterielle Infektionen können zur Entzündung von Sehnenscheiden führen, wobei sich wegen ihres unmittelbaren Kontakts dann oft auch die Sehnen selbst entzünden. Der Ausdruck „Tendovaginitis“ entspricht dem Befall dieser beiden Strukturen. Er stammt von den lateinischen Wörtern „tendo“ (Sehne) und „vagina“ (Hülle, Scheide); die Wortendung „-itis“ bedeutet Entzündung.

 

Ursachen

Es gibt zwei Formen der Sehnenscheidenentzündung, die sich in ihren Ursachen grundsätzlich unterscheiden:

  • Mechanische Reizung, rheumatische Prozesse: Überwiegend sind Stellen betroffen, wo der Sehnenverlauf eine Ablenkung erfährt, also an den Streck- und Beugeseiten von Gelenken. Forciertes Bewegen oder wiederholte, gleichförmige Tätigkeit wirken schädigend, die Sehnenscheide wird aufgeraut und entzündet sich.
  • Infektion: Bakterien gelangen durch eine Verletzung (Biss, Stich) in die Sehnenscheide und vermehren sich hier; die Sehnenscheide füllt sich mit Eiter. Betroffen ist hauptsächlich die Beugeseite der Finger.

Das Krankheitsbild

Leitsymptom ist in jedem Fall der Schmerz – zunächst beim Bewegen, später auch in Ruhe. Der Körperteil mit dem betroffenen Gelenk wird instinktiv ruhig gehalten. Charakteristisch sind Schwellung, gerötete und überwärmte Haut, manchmal fühlbares Knirschen und Reiben der Sehne.

Nicht-infektiöse, rheumatische Sehnenscheidenentzündung

  • Der Vorgang kann akut einsetzen oder chronisch verlaufen. Die Entzündungszeichen sind relativ schwach ausgeprägt.
  • Druck auf die Sehne ist schmerzhaft.
  • An der Streckseite des Handgelenks erkennt man die Entzündung an einer teigigen Verdickung der Sehnenscheide, die das Gleiten der Sehne behindert. Manchmal besteht ein fühlbares Knirschen und Reiben der Sehne.
    Der Handrücken ist geschwollen, gelegentlich ist die Haut gerötet und überwärmt.
  • Achillessehne: Beidseits zeigt sich eine teigige Schwellung und Rötung, das Gehen ist behindert, in der Regel besteht ein Schonhinken.
  • Fieber oder Unwohlsein und andere allgemeine Krankheitszeichen fehlen.

Infektiöse, eitrige Sehnenscheidenentzündung

  • Sie tritt auf in der Hohlhand und an der Beugeseite der Finger. Der Zustand heisst auch Sehnenscheidenphlegmone und ist eine schwere Erkrankung, nicht nur wegen akuter Sepsisgefährdung, sondern auch wegen möglicher Spätfolgen an der Hand.
  • Die geringste Bewegung oder Berührung des betroffenen Fingers ist schmerzhaft, in Ruhe besteht gelegentlich ein „Klopfen“.
  • Der ganze Finger ist gerötet und prall geschwollen. Die Schwellung greift auf den Handrücken über, hier besteht aber kein Druckschmerz.
  • Am Vorderarm sieht man die längs verlaufenden roten Streifen entzündeter Lymphgefässe, das Zeichen einer drohenden Sepsis („Blutvergiftung“).
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl sind nicht selten.

Was man selbst tun kann

Mit Ruhigstellen, Kühlen und einer entzündungshemmenden Salbe kann versucht werden, Entzündungen auf der Streckseite des Handgelenks und im Bereich der Achillessehne selber zu behandeln. Je früher mit diesen Massnahmen – insbesondere mit dem Ruhigstellen – begonnen wird, desto eher ist eine Heilung möglich. Bewegen soll man erst wieder, wenn die Entzündung abgeklungen ist, was nach zwei Wochen der Fall sein sollte.

Eine akute, schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung in der Hohlhand oder an der Beugeseite eines Fingers erfordert eine notfallmässige ärztliche Beurteilung; bis dahin kann man den klopfenden Schmerz durch Hochhalten der Hand und kühle Umschläge zu mildern versuchen.

Wann braucht es den Arzt

Bei anhaltendem, starkem Schmerz oder Rötung und Überwärmung auf den Beugeseiten der Finger, bei Fieber oder dem ominösen roten Streifen am Vorderarm ist der Arztbesuch dringlich.

Wenn nicht von einer Infektion auszugehen ist – insbesondere an den Streckseiten der Hände und an der Achillessehne –, genügt in der Regel das Ruhigstellen des betroffenen Gelenks durch einen starren Verband (Gips- oder Kunststoffschiene). Entzündungshemmende Medikamente (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) ergänzen die Therapie. Reichen diese Massnahmen nicht aus, kommen lokale Injektionen mit einem Kortisonpräparat in Frage. Daneben finden auch Ultraschall- oder Elektrotherapie sowie Akupunktur Anwendung. Ob eine rheumatische Grundkrankheit zugrunde liegt, ergeben allenfalls separate Untersuchungen, unter anderem des Blutes.

Infektion einer Sehnenscheide: Eine Eiteransammlung in einer Sehnenscheide muss operativ entleert werden, da die Sehne durch den Eiter angegriffen wird und absterben kann. Die Nachbehandlung besteht im Ruhigstellen mit einer Schiene und Hochlagern des Arms sowie in einer Antibiotikabehandlung. Eine ergotherapeutische Rehabilitation der Hand- und Fingerfunktion schliesst sich an.

Vorbeugen

  • Schutz vor Überlastung: Generell sollte man versuchen, gleichförmige, sich ständig weiderholende Handbewegungen zu vermeiden und wenn möglich beide Hände abwechselnd zu benutzen. Regelmässige Ruhepausen und Lockerungsübungen tragen dazu bei, chronische Sehnenscheidenentzündungen durch Überbeanspruchung oder Fehlhaltung zu vermeiden. Insbesondere betrifft dies Sekretärinnen, Küchenpersonal, Musiker, Sportruderer oder -kletterer und Motorradfahrer.
  • Richtige Körperhaltung und ein optimal gestalteter Arbeitsplatz sind geeignet, eine Überlastung von Hand und Unterarm zu umgehen, zudem verhindern sie allgemeine Haltungsschäden und Rückenschmerzen.
  • Beim Sport ist besonders die Achillessehne ein „wunder Punkt“. Auf das Erlernen eines rationellen Bewegungsablaufs und gegebenenfalls auf Kälteschutz ist zu achten; Stretching und Aufwärmen tragen zu fliessenden und koordinierten Bewegungen bei.
  • Verletzungen mit Infektionspotential vermeiden: Wo möglich Schutzhandschuhe tragen. Die Haut eincremen, damit keine Risse und Schrunden entstehen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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