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Krätze

Fachbegriff: Skabies

Skabies oder Krätze ist eine übertragbare, durch Milben hervorgerufene Infektion der Haut. Sie kommt weltweit vor und ist sehr ansteckend; ein typisches Merkmal ist intensiver Juckreiz.

Diese parasitäre Erkrankung hat in den letzten Jahren in manchen Regionen wieder an Häufigkeit zugenommen, nachdem sie Mitte des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa fast verschwunden war. Betroffen sind keinesfalls nur sozial benachteiligte Bevölkerungsschichten, die Ausbreitung wird allerdings durch mangelnde Hygiene begünstigt. Bevorzugt tritt Skabies in Gemeinschaftseinrichtungen auf, hauptsächlich in Alters-, Pflege-, Obdachlosen- oder Asylantenheimen, Wohngemeinschaften, Kindergärten und Schulen.

Ursache und Risikofaktoren

Erreger ist die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei oder kurz Scabies), die zu den Spinnentieren gehört und 0,2 bis 0,5 mm Grösse erreicht. Die Parasiten werden durch direkten Kontakt mit einer infizierten Person übertragen, aber auch durch gemeinsam benutzte Handtücher, Bettwäsche oder andere Textilien. Krätze muss also durchaus nicht ein Zeichen für mangelnde Körperhygiene sein. Die weibliche Milbe gräbt sich sofort in die obersten Schichten der Haut ein und bohrt hier gebogene oder gewundene, mehrere Millimeter lange Gänge (Milbengänge), in die sie ihre Eier ablegt. Aus diesen entwickeln sich innerhalb von zwei bis drei Wochen geschlechtsreife Tiere. Der weibliche Parasit lebt bis zwei Monate lang, der männliche lediglich neun bis zwölf Tage. Auf verkrusteter Haut finden sich besonders viele Milben und ein einzelnes übertragenes Weibchen reicht, um die Krankheit auszulösen.

Die Krätzmilben ernähren sich von Lymph- und Zellflüssigkeit sowie Hautzellen und sind damit zum Überleben auf ihren Wirt, den Menschen, angewiesen. Ohne Kontakt zum menschlichen Körper ist ein Überleben bis zu vier Tage möglich, je nach Temperatur und Feuchtigkeit, unter idealen Bedingungen vermutlich sogar bis zu 14 Tage. Trockenheit vertragen diese Parasiten hingegen nicht.

Begünstigend für eine Ausbreitung von Skabies sind: Gegebenheiten in Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere enger, persönlicher Kontakt (auch sexuell) und gemeinsames Benutzen von Textilen wie Bettwäsche und Badetücher.

Das Krankheitsbild

Erstmals Infizierte haben zwei bis sechs Wochen lang keine charakteristischen Symptome. Lediglich die meist schwer erkennbaren Milbengängen oder kleine rötliche Hautknötchen weisen auf die Infektion hin. Ein Weiterverbreiten von Skabies ist aber bereits möglich. Bei wiederholter Ansteckung ist die Inkubationszeit viel kürzer, sie dauert dann nur einen oder wenige Tage, was vermutlich auf immunologische Vorgänge zurückzuführen ist. Die Inkubationszeit ist die Zeitspanne zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome.

  • Hauptsymptom ist allmählich beginnender, dann ausgeprägter Juckreiz an befallenen Hautstellen. Der Juckreiz wird in der Wärme des Betts besonders stark und störend empfunden; nach Abtöten der Milben hält er noch bis zwei Wochen an.
  • Bei genauem Betrachten findet man in der Haut feine, rosafarbene bis bräunliche oder graue, 2 bis 15 mm lange Milbengänge, die gebogen oder gewunden verlaufen. Am Ende kann ein winziges Pünktchen mit blossem Auge oder einer Lupe erkennbar sein. Bevorzugt werden weiche Hautstellen befallen: die Finger und Zehen, hauptsächlich deren Zwischenräume, die Beugeseite der Handgelenke, die vordere Achselfalte, die Nabelregion, der Genitalbereich sowie Gesäss, Fussrücken. Bei Säuglingen sitzen die Milben auch in der Kopfhaut und in den Handflächen, am Hals und bisweilen auch im Gesicht.
  • Auf der Haut bilden sich Bläschen und Knötchen, Schuppen, manchmal auch Krusten. Kratzspuren sind Folge des Juckens; an kleinen Wunden entstehen dann durch bakterielle Infektion (Superinfektion) vielfach eitrige Hautbläschen, sog. Pusteln.
  • Allergische Hautausschläge (Ekzem, Nesselfieber) sind möglich, ebenso lokalisierte Entzündungen um den Sitz der Milben oder bräunlich-rote Knötchen, letztere vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.
  • Das Ausmass der Hautveränderungen ist abhängig von der Abwehrlage des Betroffenen. Oft sieht man sehr wenig, so dass der Verdacht auf Skabies nicht gleich auf der Hand liegt und Verwechslungen mit einem Ekzem möglich sind. Diskret sind die Hautsymptome vor allem bei Menschen, die häufig baden oder duschen, generell bei Älteren sowie bei Patienten, die regelmässig Kortison anwenden müssen.

Komplikationen 

  • Bakterielle Infektion der Haut in Form von eitrigen Ausschlägen (Pyodermien), Abszessen oder einem Erysipel.
  • Ekzem, das nach abgeheilter Skabies bestehen bleibt.
  • Schwere Verläufe durch starke Vermehrung der Milben bei Kindern und Menschen mit Abwehrschwäche oder bei bereits vorher bestehenden Hautkrankheiten.
    Bei Abwehrschwäche (auch chronischen Krankheiten) kommt eine spezielle Form vor, die sog. Scabies norvegica oder crustosa, mit äusserst vielen Milben und mit Hauterscheinungen, die einer Psoriasis ähnlich sind. Diese Form von Skabies ist besonders stark ansteckend.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Möglichst wenig kratzen, um eine bakterielle Infektion zu vermeiden.
  • Regelmässiges Duschen und Vollbäder in warmem Wasser führen zum Absterben der wärmeempfindlichen Larven und Nymphen, den Vorstufen der Milben. Ärztlich verordnete Massnahmen lassen sich dadurch unterstützen aber nicht ersetzen.
  • Wäsche mindestens einmal täglich wechseln.
  • Unterwäsche, Bettwäsche, Waschlappen, Handtücher usw.: Waschen bei 90 Grad oder bei min. 60 Grad (während min. 20 Min.), um die Milben abzutöten. Wäsche, die diesen Temperaturen nicht standhält, wird während 4 bis 7 Tagen in Plastiksäcken gelagert. Krätzmilben und ihre Larven verhungern und die Wäsche kann dann bei schonenden Temperaturen gereinigt werden.
  • Mäntel, Federbetten usw.: min. 7 Tage auslüften lassen.
  • Matratzen, Teppiche, Polstermöbel und -kissen etc.: mit dem Staubsauger absaugen (spezielle Filter verwenden) und während 7 Tagen an einem geeigneten Ort lagern, wenn möglich auslüften.
  • Prophylaxe: sorgfältiges Einhalten und Überprüfen von hygienischen Bedingungen in Gemeinschaftseinrichtungen. Vermeiden von direkten, körperlichen Berührungen mit Erkrankten. Bei der Pflege Handschuhe verwenden, langärmlige Kleidung tragen und diese regelmässig wechseln.

Wann braucht es den Arzt

Jeder Verdacht auf Krätze erfordert eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls die Behandlung. Als Anhaltspunkt gilt namentlich das Vorhandensein von Juckreiz bei mehreren Personen einer Gemeinschaftseinrichtung (Altersheim, Wohngemeinschaft, Schule, Familie usw.). Alle Mitglieder werden untersucht und alle, die engen persönlichen Kontakt zu Erkrankten pflegten, auch dann behandelt, wenn sie (noch) keine Symptome haben.

Diagnose

Für den Nachweis entnimmt man aus einem Hautknötchen oder einem Gang eine Probe und untersucht diese oder Hautschuppen mikroskopisch.

Therapie

Das Isolieren von Erkrankten verhindert das Weiterverbreiten von Skabies.
Der Körper wird nach einem Ganzkörperbad gut getrocknet und dann mit einer speziellen Creme oder Lotion mehrfach behandelt. Die Hände, auch Stellen unter den Nägeln und der Nagelfalz, erfordern besonders gute Beachtung. Bakterielle Superinfektionen bedürfen meist zusätzlich einer antibakteriellen Therapie.

Kleine Kinder reagieren empfindlich auf einige wirksame Krätzemittel, entsprechende Vorsichtsmassnahmen sind deshalb zu beachten.

Der Arzt muss den Erfolg der Behandlung kontrollieren. Erst nach erfolgreicher Elimination der Milben können Betroffene wieder uneingeschränkt Kontakt mit anderen Personen aufnehmen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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