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Starrkrampf

Fachbegriff: Tetanus

Tetanus ist eine lebensgefährliche Infektionskrankheit. Der deutsche Name Starrkrampf erklärt bereits, dass sie durch Muskelstarre und Krampfanfälle charakterisiert ist.

Weltweit ist Tetanus eine häufige Krankheit geblieben. Sie fordert in Entwicklungsländern immer noch viele Tote – je nach Quelle mehrere hunderttausend.

In der Schweiz ist Starrkrampf durch umfassende Impfprophylaxe sehr selten geworden. Das Bundesamt für Gesundheit registriert gesamtschweizerisch jeweils eine bis zwei Tetanuserkrankungen pro Jahr.

Typischerweise treten diese wenigen Fälle nach Bagatellverletzungen auf, die den Patienten ursprünglich gar nicht zum Arzt geführt hatten.

Die Sterblichkeit von Tetanus ist allgemein hoch, sie erreicht in Entwicklungsländern bis zu 60%, in der westlichen Welt 20 bis 50%. Die Heilungsaussicht hängt wesentlich von den Möglichkeiten der Intensivbehandlung ab.

Begriffserklärungen

Tetanus:

Tetanus, deutsch Starrkrampf oder gelegentlich Wundstarrkrampf, ist eine Infektionskrankheit. Sie wird hervorgerufen durch Bakterien, die über offene Wunden in den menschlichen Körper gelangen. Giftstoffe (Tetanustoxine), die von den Krankheitserregern ausgeschieden werden, fixieren sich an Nervenzellen und lösen von dort die gefürchteten Krämpfe aus.

Tetanie:

Übererregbarkeit von Nerven und Muskulatur, hervorgerufen durch Alkalisierung des Blutes, verbunden mit einem Mangel an ionisiertem Kalzium im Serum. (alkalisch entspricht basisch)

Toxin:

Giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch.

Virulenz:

Dieser Begriff aus der Infektiologie bezieht sich auf das Ausmass, in welchem ein Krankheitserreger für einen Wirt (Mensch, Tier usw.) krankmachend ist. Adjektiv: virulent.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Injection de rappel:

Impfauffrischung. Das Immunsystem verfügt über eine „Erinnerungsfunktion“ an eine früher stattgefundene Impfung und ist nach einer Injection de rappel in der Lage, innerhalb weniger Stunden wieder eine genügende Menge von Antikörpern bereitzustellen.

Antikörper:

Diese „Abwehrstoffe“ sind spezifische Eiweissverbindung, die das Immunsystem als Reaktion auf ein Antigen erzeugt. Sie sind Teil des Immunsystems und gewährleisten die Abwehr von Krankheitserregern, Toxinen und anderen Fremdstoffen.  Wenn die Antikörper jedoch körpereigene Strukturen angreifen und deren Funktion beeinträchtigen, handelt es sich um eine kontraproduktive und vielfach krankmachende Autoimmunreaktion.

Ursache und Risikofaktoren

Erreger des Tetanus ist eine Bakterienart (Clostridium tetani). Ihre Ruheformen, die so genannten Sporen, kommen fast überall vor, besonders in Kultur- und Gartenerde, Mist, Gülle, im Darm vieler Haus- und Nutztiere und auch des Menschen, aber auch in Staub und Sand. Durch geringste Verletzungen oder durch Verbrennungswunden können Starrkrampf-Erreger in den Körper eindringen. In der Wunde entstehen aus den Sporen virulente Bakterien. Unmittelbare Auslöser der Krankheit sind aber nicht die Erreger selbst, sondern von ihnen ausgeschiedene Toxine, die sich an Nervenzellen fixieren und dann die gefürchteten Krämpfe auslösen.

Das Krankheitsbild

  • Inkubationszeit: Sie ist abhängig von der Schnelligkeit und dem Ausmass der Giftbildung und dauert 7 bis 21 Tage (selten nur 3 Tage, ausnahmsweise bis 3 Monate). Zunächst sind die Symptome unspezifisch: Kopf- und Gliederschmerzen, Frösteln, aber auch Schwitzen und Müdigkeit.
  • Muskelstarre: Mit dem Ausbruch der Erkrankung tritt bei voll erhaltenem Bewusstsein eine unwillkürliche Starre und Steifigkeit der Muskulatur auf, zuerst im Bereich der Kaumuskeln. Durch das Zusammenklemmen der Kiefer (Kieferklemme) und Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur verändert sich der Gesichtsausdruck in auffälliger, „grinsend-weinerlicher“ Weise. Die Starre greift auf Nacken-, Rücken- und Bauchmuskulatur über, in geringerem Ausmass auch auf Arme und Beine. Starker Sekretfluss kann zu Aspiration (Einatmen von Speichel) führen, Starrkrampf der Atemmuskulatur zum Tod durch Ersticken.
  • Krampfanfälle: Durch geringste Umgebungsänderungen ausgelöst (Licht, Berührung, Geräusche, Luftzug), aber auch spontan, treten über die Starre hinaus extrem schmerzhafte Anfälle von Muskelverkrampfung auf, die Sekunden bis wenige Minuten dauern und sich in kurzen Abständen wiederholen. Die Krampfanfälle sind so stark, dass das Atmen verunmöglicht wird. Bei forcierter Überstreckung des Rückens nach hinten treten Wirbelbrüche auf.

Wann braucht es den Arzt

Impfprophylaxe

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen aktualisiert regelmässig den schweizerischen Impfplan und publiziert die Empfehlungen zu Tetanus- und zu anderen Impfungen.

  • Die erste Tetanusimpfung wird in der Regel als Kombinationsspritze verabreicht, die auch gegen Diphtherie und Keuchhusten schützt (DTP-Impfstoff). Der Impfplan sieht vor:
    • Für Säuglinge drei Dosen DTP zur Grundimmunisierung („Anfangsimpfung“) im Alter von 2, 4 und 6 Monaten.
    • Zwei Auffrischimpfungen bis zum Alter von 7 Jahren. 
    • Eine 6. Impfung wird empfohlen für das Alter zwischen 11 und 15 Jahren
    • Danach jeweils eine Auffrischimpfung im Alter von 25, 45 und 65 Jahren. Nach 65 Jahren soll wieder alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung erfolgen.
  • Die Impfung gegen Tetanus gehört zu den am besten verträglichen. Lokale Reaktionen wie Hautrötung, Schwellung und leichter Schmerz an der Injektionsstelle sind möglich, mässig erhöhte Körpertemperatur und grippeähnliche Allgemeinsymptome selten. Diese Nebenwirkungen verschwinden jedoch innerhalb weniger Tage wieder. Komplikationen (Allergie, Erkrankung von Nerven) sind nur ganz vereinzelt in medizinischen Fachartikeln beschrieben.
  • Bei potentiell tetanusauslösenden Verletzungen – auch Bagatellverletzungen – wird der Impfschutz in der Regel bereits dann aufgefrischt („Injection de rappel“), wenn die letzte Impfung mehr als 5 Jahre zurückliegt.

Therapie

Die Behandlung eines manifesten Tetanus erfolgt auf einer Intensivstation und umfasst im Wesentlichen:
Muskelrelaxation („Krampflösung“), Sedation (Dämpfen durch Beruhigungsmittel), gegebenenfalls Behandlung der Wunde, maschinelle Beatmung und Gabe von Tetanusimmunglobulin („Heilserum“), künstliche Ernährung mittels Infusion und Magensonde, Verabreichung von Antibiotika. Mit letzteren lassen sich zwar nicht die Toxine neutralisieren, aber die Menge toxinbildender Bakterien wird reduziert.

Vorbeugen

  • Schutzhandschuhe tragen bei Arbeiten im Garten, Wald oder Stall.
  • Auch kleine Wunden immer mit einem Desinfektionsmittel reinigen.
  • Impfung: Den Impfausweis selbst regelmässig überprüfen. Es wird empfohlen, alle 20 Jahren und nach 65, alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung zu machen. Ein ausreichender Impfschutz verhindert die Erkrankung.

Weiterführende Informationen, Adressen:

  • Bundesamt für Gesundheit (BAG)
    3003 Bern
    Tel. 031 322 21 11
    www.bag.admin.ch
  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)
    3003 Bern
    Tel. 031 323 30 33
    www.bvet.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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