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Thrombose und Venenentzündung

Fachbegriff: Phlebitis und Thrombophlebitis

Als Thrombus wird ein Blutgerinnsel bezeichnet, das an der Innenwand eines Blutgefässes, seltener des Herzens, entsteht. Der Vorgang beginnt mit dem Verklumpen von Blutplättchen, denen sich Gerinnungseiweisse und -faktoren anlagern. Die so entstehende Schicht aus geronnenem Blut, der Thrombus, verengt das Gefässlumen oder verschliesst es ganz. Dieses Ereignis heisst Thrombose.
Thrombosen treten überwiegend in den Venen der Beine und des Beckens auf. Bei Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und bei Herzrhythmusstörungen kann es in gleicher Weise zur Bildung von Thromben in Arterien oder im Herz kommen.

Drei Eigenschaften zeichnen einen frischen Thrombus aus:

  • Er „wächst“, das heisst es lagern sich ihm in Strömungsrichtung des Blutes weitere Schichten von Blutbestandteilen an.
  • Er hat keinen soliden Zusammenhalt, sondern tendiert zum „Abbröckeln“. Löst sich ein Thrombus ganz oder in Teilen von seinem Entstehungsort ab und schwimmt er mit dem Blutstrom davon, nennt man ihn „Embolus“. Der Embolus bleibt schliesslich in einem kleineren Blutgefäss stecken – oft in einer Gefässverzweigung – und unterbricht dort schlagartig die Blutzufuhr zum versorgten Organ oder Gewebe. Damit hat eine Embolie stattgefunden, eine gefürchtete und allen Thrombosen gemeinsame Komplikation.
  • In einer Vene wirkt er als Entzündungsreiz

Begriffserklärungen

Thrombus:

An der Innenseite von Blutgefässen oder des Herzens abgelagertes Gerinnsel. Der Thrombus kann die Zirkulation unmittelbar unterbrechen, aber er kann sich auch vom Ort seiner Entstehung ablösen und mit dem Blutstrom davon schwimmen. Verb: thrombosieren.

Embolus:

Ein abgelöster und im Blutstrom fortgetragener Thrombus. Im weiteren Sinn ist jeder Fremdkörper in der Blutbahn ein Embolus.

Embolie:

Embolie bezeichnet den plötzlichen Verschluss einer Arterie durch ein Partikel, das mit dem Blutstrom herangeschwemmt wurde. Ein solches Partikel besteht meistens aus einem anderswo entstandenen Blutgerinnsel (Thrombus), das sich ganz oder stückweise von seinem Entstehungsort ablöst und im Blutstrom davon schwimmt. Adjektiv: embolisch.

Venöse Embolie:

Die Lungenembolie ist das Beispiel. Der Thrombus bildete sich in einer Bein- oder Beckenvene.

Arterielle Embolie:

Der Thrombus entsteht im Herz; nach seiner Ablösung wird er in eine Arterie des Gehirns, eine Arterie von inneren Organen, von Arm oder Bein geschwemmt.

Phlebitis:

Die Entzündung einer Vene aus irgendeiner Ursache.

Thrombophlebitis:

Venenentzündung infolge einer Thrombose.

Antikoagulation:

„Blutverdünnung“, medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung.

Ursachen und Risikofaktoren

Normalerweise bleibt das Blut in den Gefässen und im Herz flüssig. Voraussetzung für das Entstehen einer Thrombose sind eine Störung der Blutzirkulation, eine Schädigung der „Innentapete“ von Venen, Arterien oder Herz oder eine Aktivierung von Gerinnungsfaktoren.

  • Örtliche Verlangsamung oder Stillstand des Blutstroms:
    • In Venen ist dies der Fall bei Übergewicht und Bewegungsmangel, beispielsweise durch Bettlägerigkeit wegen schweren Krankheiten oder nach Operationen. Andere Faktoren sind Krampfadern (häufig), Lähmung von Extremitäten, Tragen eines Gipsverbands, langes Sitzen, Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), Aneurysmen. Enges und unbewegliches Sitzen auf Langstreckenflügen kann Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen und Lungenembolien bewirken – auch nach dem Ende des Fluges. Das Vorkommnis ist so typisch, dass dafür der Begriff „Economy-class-Syndrom“ geprägt wurde. Bei vorhandenen Risikofaktoren ist mit dem Arzt die prophylaktische Antikoagulation zu besprechen
    • Im Herz kann das Blut in Teilen der Vorkammern „stocken“ und thrombosieren, wenn diese sich nicht mehr richtig kontrahieren (zusammenziehen), so bei Vorhofflimmern.
  • Schädigung und Entzündung der Gefässwand oder der Innenauskleidung des Herzens: Eine Thrombose begünstigende Schädigung der Innenwand entsteht:
    • In Venen durch Injektionen (Einspritzen), Verweilkanülen und Venenkatheter oder durch anderweitige Verletzungen wie Druck und Quetschung.
    • In Arterien durch Arteriosklerose und Verletzungen. Rauchen fördert die Arterienverkalkung (auch der Herzkranzgefässe) und begünstigt dadurch das Entstehen von Thrombosen und Infarkt. Diabetiker haben ebenfalls ein grösseres Thromboserisiko.
    • Im Herz durch einen Infarkt.
  • Erhöhte Gerinnungsneigung: Einige Blutkrankheiten, Verbrennungen, ausgeprägter Flüssigkeitsmangel und Schwangerschaft erhöhen die Gerinnungsbereitschaft des Bluts. Besonders gefährdet sind auch Raucherinnen, welche Ovulationshemmer („die Pille“) nehmen.
    Ohne vordergründig erkennbare Ursache können wiederholt auftretende Bein- und Beckenvenenthrombosen ein Hinweis sein auf ein noch nicht erkanntes Karzinom, überwiegend im Bereich des Verdauungstrakts (besonders Bauchspeicheldrüse) oder der Lungen.
  • Familiär gehäufte Tendenz zu Thrombosen kommt vor.

Krankheitsbild und Komplikationen

Oberflächliche Thrombose der Beinvenen, Thrombophlebitis

Die Thrombose zieht eine Venenentzündung (Thrombophlebitis) nach sich. Diese äussert sich in lokalem Schmerz, Überwärmung und Rötung, Schweregefühl und teigiger Schwellung (Ödem). Man kann die thrombosierte Vene manchmal unter der Haut als harten schmerzhaften Strang tasten. Oft schwellen auch Wade und Fuss an. Es besteht das Risiko einer Lungenembolie. Dieses ist besonders gross, wenn sich eine oberflächliche Thrombose ins tiefe Venensystem ausbreitet.

Thrombose der tiefen Beinvenen

Symptome sind pralle Schwellung der Wade und des Fusses, Spannungs- oder Berstungsgefühl, ziehende Schmerzen, die sich bei Bewegung verstärken, Pulsanstieg, Fieber und Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Das Bein verfärbt sich bläulich. Das Risiko für eine Lungenembolie ist hoch.
Folgezustand: Manchmal kommt es im Anschluss an eine Thrombose der tiefen Beinvenen zu einer chronischen venösen Insuffizienz, früher postthrombotisches Syndrom genannt. Dabei handelt es sich um eine fortbestehende Rückflussbehinderung des Bluts aufgrund bleibender Zerstörung der Venenklappen. Der Stoffwechsel im umgebenden Gewebe ist beeinträchtigt. Es resultieren permanente Schwellung, Krampfadern, eine chronische Entzündung der Haut mit bräunlicher Verfärbung und es können Geschwüre entstehen.

Thrombosen in den Beckenvenen

Sie sind besonders tückisch, da sie nicht immer Symptome verursachen, bis es überraschend zu einer Lungenembolie kommt. Alarmierend ist jedoch das bis zur Leiste hinauf in seiner ganzen Länge geschwollene Bein. Thrombosen der Beckenvenen treten vorzugsweise bei Bettlägerigkeit, nach Operationen, bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen im Bauchraum sowie im Wochenbett auf.

Thrombotische Verschlüsse von Arterien

Der Verschluss einer Arterie bewirkt ungenügende Sauerstoffversorgung im betroffenen Gebiet, was zu Funktionseinbussen oder zum Zelltod führt. Der totale Verschluss einer grossen Arm- oder Beinarterie ist begleitet von plötzlichem starkem Schmerz, fehlendem Puls, Blässe und Abkühlung (ähnlich wie bei einer Embolie). Es droht das Absterben des betroffenen Körperteils. Die Thrombose in einer Herzkranzarterie (Koronararterie) führt zum Herzinfarkt; eine verschlossene Hirnarterie hat einen Hirnschlag, eine Apoplexie, zur Folge.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Körperliche Aktivität fördert die Blutzirkulation in den Beinen und beugt Krampfadern sowie Thrombosen vor. Für Menschen, die beruflich lange an Ort stehen (etwa Verkaufspersonal) und Risikofaktoren haben (Übergewicht, Krampfadern), werden Kompressionsstrümpfe empfohlen, und zwar auch im Sommer. Wer lange sitzt (im Büro, bei Reisen im Flugzeug oder Auto), sollte sich regelmässig die Beine vertreten oder Gymnastik machen und die Beine zeitweise hoch lagern. Auch Kneipp-Anwendungen wirken prophylaktisch.
  • Nicht rauchen, namentlich wenn Ovulationshemmer eingenommen werden.
  • Bei ausgeprägten Krampfadern ist eine Operation empfehlenswert. Eine entfernte Krampfader kann nicht mehr thrombosieren.
  • Hausmittel wie kühlende Quark- oder Alkoholwickel, können zusätzlich zu den vom Arzt verordneten Massnahmen angewendet werden.

Wann braucht es den Arzt

Bei Thromboseverdacht ist die rasche Behandlung wichtig, damit sich der Zustand nicht weiter ausdehnt, ferner um einer Embolie und lokalen Folgezuständen zuvorzukommen.
Zum Nachweis der Venenthrombose an Bein oder Arm dient neben dem klinischen Befund und der Vorgeschichte der Ultraschall (Duplex-Sonographie).

Therapie

Für Menschen mit Risikofaktoren ist generell eine kurz- oder langfristige Antikoagulation unter ärztlicher Kontrolle in Erwägung zu ziehen. Im Übrigen richtet sich die Therapie nach Ort, entzündlicher Reaktion, Ausbreitung und Alter der Thrombose.

  • Antikoagulation: Bei Thrombosen der tiefen Bein- und Beckenvenen ist eine sofortige Antikoagulation (Verabreichung gerinnungshemmender Medikamente) unerlässlich. Oft sind dazu Hospitalisierung und Bettruhe nötig.
  • Lokalbehandlung: Bei oberflächlichen Thrombosen in Bein oder Arm genügt manchmal eine Lokalbehandlung und das Herumgehen wird empfohlen, um die Blutzirkulation zu aktivieren.
  • Das medikamentöse Auflösen von Blutgerinnseln (Thrombolyse) bleibt frischen Fällen vorbehalten, was sowohl für Verschlüsse von Venen wie Arterien gilt, und unterliegt einer Reihe einschränkender Vorbedingungen. Bei einem Herzinfarkt kann die Schnelligkeit der Thrombolyse lebensrettend sein, wünschbar ist ein Zeitintervall von nicht mehr als einer Stunde bis zum Beginn der Behandlung.
  • Katheterdilatation: Thrombotische Verschlüsse von Arterien lassen sich bisweilen durch Ausweitung mit einem Gefässkatheter wieder durchgängig machen.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Herzstiftung
    Schwarztorstrasse 18
    Postfach 368
    3000 Bern
    Tel: 031 388 80 80
    www.swissheart.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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