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Ohrgeräusche

Fachbegriff: Tinnitus

Ohrgeräusche sind akustische Sinneswahrnehmungen, die ihren Ursprung im Körper selbst haben, ohne dass es eine entsprechende äussere Schallquelle gibt. Mehr als ein Drittel der Menschen nimmt vorübergehend Ohrgeräusche wahr. Gegen 10% der Bevölkerung haben einen Tinnitus, der sich für sie störend auswirkt und die Hälfte von diesen empfindet eine wesentliche Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Begriffserklärungen

Objektiver Tinnitus :

beruht in der Regel auf konkreten physikalischen Vorgängen, die sich im lebenden Organismus ständig oder zeitweise abspielen. Die wahrgenommenen Geräusche sind teils auch für andere Personen feststellbar. Dabei handelt es sich z.B. um Töne, die mit der Herztätigkeit (Blutstrom) verbunden sind, wie der Pulsschlag in einer Arterie, oder um das Knirschen eines Kiefergelenks oder das Knistern von Haaren im Gehörgang.

Subjektiver Tinnitus :

entsteht ohne Schallquelle und lässt sich von einem Untersucher nicht mithören. Es kann ein Reizzustand im Hörorgan zugrunde liegen, der den akustischen Sinneseindruck autonom produziert, meist bleibt die Ursache indessen unbekannt.

Akuter Tinnitus:

Zeitdauer weniger als drei Monate.

Chronisch anhaltender Tinnitus :

bleibt länger als 12 Monate bestehen. Man nimmt an, dass sich in solchen Fällen die Wahrnehmung des Geräuschs im Gehirn verselbständigt hat, ohne dass von Seiten des Hörorgans noch Fehlinformationen eintreffen.

Kompensierter Tinnitus :

wird zwar zwischenzeitlich noch wahrgenommen, er stört aber kaum oder nicht mehr.

Dekompensierter Tinnitus :

wird als störend oder quälend empfunden und löst Begleitsymptome aus, z.B. psychischer Art.

58b-ohr
Abb.: Anatomie des Ohrs, schematisch

Ursachen

Objektiver Tinnitus entsteht aufgrund oft leicht erklärbarer Vorgänge.

  • Haare im Gehörgang, Ohrenschmalz oder andere Fremdkörper.
  • Knarren oder Knirschen beim Kauen, bei Kieferfehlstellung, beim Bewegen einer arthrotisch veränderten Halswirbelsäule.
  • Schluckgeräusch, Atemgeräusch.
  • Pulsierendes Klopfen steht im Zusammenhang mit der Blutzirkulation im Bereich des Halses und der Schädelbasis. Es entsteht bei hohem Blutdruck (Hypertonie), verengtem Gefäss durch Arteriosklerose oder infolge Missbildungen von Arterien.

Subjektiver Tinnitus beruht auf Reizeindrücken aus dem Innenohr und Bewusstwerdung im Gehirn. Die Einzelheiten sind nach wie vor nicht geklärt. Für den Ursprung im Innenohr spricht das Auftreten nach einer schädigenden Einwirkung auf das Hörorgan. Dass eine Fixierung des falschen Sinneseindrucks im Gehirn stattfinden kann, geht daraus hervor, dass nach therapeutischer Durchtrennung des Hörnervs (was tatsächlich schon geschehen ist) die Geräusche weiterhin wahrgenommen wurden. Unmittelbare Auslöser können sein:

  • Akustisches Trauma, ausgelöst durch hohen Lärmpegel, zum Beispiel beim Schiessen oder in Discos. Es kommt zu unmittelbarem Schaden an den Sinneszellen der Hörschnecke.
  • Durchblutungsstörung des Innenohrs.
  • Stress und weitere psychische Faktoren vermögen Tinnitus hervorzurufen oder ihn zu verstärken.
  • Virusinfekt, Mittelohrentzündung, Entzündung der Ohrtrompete.
  • Alter; degenerative Erkrankungen des Mittelohrs.
  • Schädigung des zentralen Nervensystems durch bestimmte Hirntumore, Menière-Krankheit, Multiple Sklerose, Hirnerschütterung.
  • Medikamente, Gifte, Alkohol, Nikotin.
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenüber- und Schilddrüsenunterfunktion.
  • Anstossen oder Aufschlagen des Kopfs.
  • Verspannungen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule.
    Objektiver Tinnitus entsteht aufgrund oft leicht erklärbarer Vorgänge.

Das Krankheitsbild

Objektiver Tinnitus: Wie es klingt, hängt von der Schallquelle ab. Pulssynchrone Geräusche z.B. sind ein Hämmern, Klopfen, Rauschen oder Zischen, das in Ruhe und beim Einschlafen stört. Andere Erscheinungen lassen sich durch eine bestimmte Kopfhaltung oder Bewegung auslösen. Eine Einbusse des Hörvermögens muss nicht vorliegen.

Für den subjektiven Tinnitus, also die im Ohr selbst generierten Geräusche, gilt:

  • Er kann mit einem allmählichen Hörverlust irgendwelcher Ursache (Altersschwerhörigkeit, akustisches Trauma, Menière-Krankheit) oder mit einem Hörsturz einhergehen. Manche Erkrankte haben das Gefühl, es sei Watte im Ohr.
  • Dauertöne sind Pfeifen, Piepsen, Rauschen, Klingeln, Zischen, Summen, auch Knarren, Trommeln, Sägegeräusche usw.
  • Das Geräusch ist ständig vorhanden oder tritt nur aus bestimmtem Anlass auf. Der Ton ist andauernd, an- und abschwellend oder pulsierend. Seine Lautstärke kann durch Müdigkeit, Stress, laute Beschallung, andere äussere oder innere Einwirkung variieren.
  • Eines oder beide Ohren sind betroffen, eventuell mit unterschiedlicher Lautstärke. Ein Druckgefühl in den Ohren kann dem Auftreten des Tinnitus vorausgehen. Tageszeitliche Schwankungen werden beschrieben.
  • Eine Angewöhnung bis zur Akzeptanz kommt vor und wird auch therapeutisch angestrebt (z.B. Retraining, s. unten). Der Leidensdruck soll sich dadurch vermindern.
  • Ein spontanes vorübergehendes Aussetzen oder völliges Verschwinden des Tinnitus ist jederzeit möglich. Günstigenfalls werden die akustischen Signale im Gehirn schliesslich „weggefiltert“ und nicht mehr registriert – ähnlich wie viele Menschen das Rauschen einer Klimaanlage nach einiger Zeit nicht mehr realisieren.

Folgen

Anhaltender Tinnitus kann quälender sein als Schwerhörigkeit. Insbesondere bei laut empfundenen Ohrgeräuschen ist die Lebensqualität eingeschränkt. Häufige Folgen sind Schlafstörungen, Nachlassen der Konzentration, Depressionen und Ängste.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Gegen übermässigen Lärm beim Beruf, im Militär und in Discos: Gehörschutz tragen. Seit 1985 schlägt sie SUVA Schallgrenzwerte für Musikveranstaltungen vor.
  • An der Stereoanlage hilft der Regler „Volume“ (Lautstärke reduzieren).
  • Dem Gehör Ruhephasen ohne akustische Berieselung gönnen.
  • Ein Medikament, das die Ursache des Tinnitus beseitigen könnte, existiert nicht. Es gibt jedoch zahlreiche Arzneimittel, welche die Auswirkungen quälender Ohrgeräusche vermindern.
  • Eine Vielzahl von Empfehlungen Betroffener zeigt, dass es kein allgemein wirksames Verfahren gibt. Man muss die geeignete Methode selbst ermitteln. Es werden verschiedene Entspannungstechniken und andere Arten psychischer Bewältigung empfohlen, wozu die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe hilfreich ist.

Wann braucht es den Arzt

Eine rasche ärztliche Untersuchung ist angezeigt, wenn zusammen mit dem Ohrgeräusch ein Hörsturz auftritt, ebenso bei gleichzeitigem heftigem Schwindel, und wenn ein akutes, akustisches Trauma die Ursache war.

Diagnostisch werden je nach vermuteter Ursache verschiedene Hörtests verwendet und das Nervensystem, der Allgemeinstatus und die Halswirbelsäule untersucht.

Ziel einer Therapie ist das Verhindern eines chronischen Verlaufs. Die Behandlung sollte so früh als möglich beginnen und richtet sich hauptsächlich nach den individuellen Bedürfnissen und dem Ansprechen. Die Therapieangebote sind jedoch so vielschichtig wie die Ursachen der Krankheit und das geeignete Vorgehen lässt sie sich oft nur empirisch ermitteln.

  • Behandlung von Hypertonie und Arterienerkrankungen, durchblutungsfördernde Medikamente, die auf das Herzkreislaufsystem stabilisierend wirken sowie kieferorthopädische Massnahmen.
  • Weitere Arzneimittel unterschiedlicher Art: Psychopharmaka, Beruhigungsmittel im weiteren Sinn usw.
  • Physikalische Verfahren wie Behandlung mit elektromagnetischen Feldern oder Sauerstoffüberdruck.
  • Autogenes Training, Hypnose, Homöopathie und Akupunktur.
  • Gewöhnungs-Therapie: Verschiedene Methoden bezwecken, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche zu beeinflussen.
    • „Masker“ oder „Noiser“ sind einem Hörgerät ähnlich und geben ein Geräusch ab, das den Tinnitus übertönen und dadurch aus dem Bewusstsein verdrängen soll. Eine Anpassung durch Spezialisten in Zusammenarbeit mit Ärzten ist erforderlich.
    • Die sog. Tinnitus-Retraining-Therapie umfasst vier Bereiche: umfassende Aufklärung über das Krankheitsbild, psychologische Betreuung, Entspannungsmethoden und Einsatz von Geräten zur Modulation der Geräusche. Auch hier ist eine Zusammenarbeit von Spezialisten nötig.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweiz. Tinnitus Liga STL, Sekretariat
    Frau Judith Massera
    Ziegelgut 18
    CH - 7206 Igis
    Telefon: 081 330 85 51
    www.tinnitus-liga.ch
  • Selbsthilfe Schweiz
    Laufenstrasse 12
    4053 Basel
    Tel. 061 333 86 01
    www.selbsthilfeschweiz.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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