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Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die meist unbemerkt oder zumindest harmlos bleibt. Schwerwiegend verlaufen kann sie jedoch beim ungeborenen Kind und bei geschwächter Immunabwehr.

Einleitung

Die Toxoplasmose gehört zu den so genannten Zoonosen; das sind Infektionen, bei denen eine direkte oder indirekte Übertragung von Wirbeltieren auf Menschen möglich ist.

Der Name des Krankheitserregers, Toxoplasma gondii, ist zusammengesetzt aus dem griechischen Wort τόξον (tóxon), was Bogen bedeutet und die äussere Form des Einzellers beschreibt, und dem Namen einer südamerikanischen Trugratte (Gondi oder Gundi), bei der 1908 Toxoplasmen entdeckt wurden. Doch erst 60 Jahre später gelang es, den vollständigen Entwicklungszyklus von Totoplasma gondii aufzuzeigen, der komplex ist.

Begriffserklärungen

Embryo:

Das werdende Kind in seiner frühesten Entwicklungsphase bis zur 12. Schwangerschaftswoche. In dieser Zeit entwickeln sich die Organe.

Fetus, Fötus:

Das Ungeborene von der 13. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. Die Organe wachsen und beginnen, ihre Funktion aufzunehmen.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Antikörper:

Diese „Abwehrstoffe“ sind spezifische Eiweissverbindung, die das Immunsystem als Reaktion auf ein Antigen erzeugt. Sie sind Teil des Immunsystems und gewährleisten die Abwehr von Krankheitserregern, Toxinen und anderen Fremdstoffen.  Wenn die Antikörper jedoch körpereigene Strukturen angreifen und deren Funktion beeinträchtigen, handelt es sich um eine kontraproduktive und vielfach krankmachende Autoimmunreaktion.

Ursache und Risikofaktoren

Toxoplasma gondii ist ein Protozoon, das als Zellparasit in vielen Säugetieren (nicht nur Ratten) und Vögeln weltweit vorkommt. Protozoen sind einzellige Lebewesen, die nur aus dem Zellkern, dem umgebenden Zytoplasma (Zellinhalt) und einer Zellmembran bestehen.

Die Ansteckung erfolgt in erster Linie durch den Verzehr von ungenügend erhitztem Fleisch und durch Schmierinfektion mit Krankheitserregern bei Garten-, Küchen- oder Landwirtschaftsarbeit, bisweilen auch beim Putzen einer Katzentoilette. Im Menschen befällt Toxoplasma gondii bestimmte Zellen des Immunsystems, wird dann mit dem Blut verbreitet und ist später vornehmlich in Muskelgewebe (auch im Herz) und im Gehirn nachzuweisen.

Infiziert sich eine schwangere Frau zum ersten Mal, können Toxoplasmen auf das Kind übergehen. Die Infektion kann eine Fehlgeburt oder gravierende Schädigungen von Embryo oder Fetus zur Folge haben. Ist die Frau hingegen schon mehrere Monate vor Schwangerschaftsbeginn immun, muss nicht mit einer Toxoplasmoseinfektion des Ungeborenen gerechnet werden.

Das Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt vier Tage bis drei Wochen. Bei intaktem Immunsystem läuft die Infektion meist ohne Symptome ab und wird selten wahrgenommen. Gelegentlich schwellen Lymphknoten an oder es treten Symptome einer Erkältung auf, manchmal auch Durchfall.

Eine manifeste Erkrankung wird in der Regel nur bei geschwächter Abwehr beobachtet – insbesondere nach Organtransplantation. Mögliche Symptome sind:

  • Grippeähnliche Krankheitszeichen: Lymphknotenschwellung, Angina, Fieber, Kopfschmerzen, Husten, flüchtiger Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen; ferner Bronchitis, Lungenentzündung.
  • Zentralnervensystem: Benommenheit, Wesensveränderung, Gleichgewichtsstörungen, Hirn- und Hirnhautentzündung.
  • Herz: Myokarditis (Herzmuskelentzündung) mit Rhythmusstörungen.
  • Leber: Hepatitis (Leberentzündung) mit Gelbsucht.
  • Auge: Sehstörungen infolge Entzündung der Netzhaut oder Glaskörpertrübung.

Eine Übertragung der Toxoplasmen auf das ungeborene Kind ist verhältnismässig selten, kann jedoch fatal verlaufen, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft erstmals infiziert. Wenn der Erreger den Embryo schädigt, kommt es oft zu Tot- oder Fehlgeburt (Abort). Überlebt das Ungeborene oder erfolgt die Infektion später in der Schwangerschaft, sind Schädigungen möglich, deren Folgen teils erst nach Monaten oder Jahren offensichtlich werden:

  • Hydrozephalus („Wasserkopf“), Krämpfe, Verlangsamung der geistigen Entwicklung, Intelligenzdefekt, radiologisch Verkalkungen im Gehirn.
  • Allgemeine Gedeihstörung, Anämie.
  • An den Augen: Missbildungen, Erkrankungen der Netzhaut (Chorioretinitis) mit Narbenbildung, Sehstörungen und sogar Erblindung, die noch nach vielen Jahren auftreten können.

Die durchgemachte Krankheit hinterlässt eine Immunität, die sich durch Blutuntersuchungen bestätigen lässt. Jedoch können Ruheformen der Toxoplasmen latent (versteckt) im Körper verbleiben und bei Abwehrschwäche reaktiviert werden. Dies ist möglich bei medikamentöser Unterdrückung der Immunabwehr (insbesondere bei Immunsuppression nach Transplantation) oder im Rahmen von AIDS. Die Krankheit spielt sich dann vielfach am Zentralnervensystem ab und gegebenenfalls am transplantierten Organ.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Das Befolgen allgemein bekannter Hygienemassnahmen schützt auch vor Toxoplasmose:

  • Gründliches Händewaschen nach Gartenarbeit, nach Kontakt mit rohem Fleisch, mit Haustieren oder deren Ausscheidungen.
  • Obst, Salat und Gemüse vor dem Essen gut waschen.

Da es keine Impfung gegen Toxoplasmose gibt und eine Erstinfektion in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen haben kann, werden für Schwangere die Empfehlungen noch strenger gefasst:

  • Fleisch (auch Geflügel) immer gut durchbraten oder kochen, kein rohes oder ungenügend gegartes Fleisch essen. Das Erhitzen auf 50 Grad während mindestens 20 Minuten tötet die Krankheitserreger ab; bei höheren Temperaturen kann die Zeit verkürzt werden.
  • Küchengeräte nach der Verarbeitung von rohem Fleisch oder Innereien gründlich reinigen.
  • Bei Gartenarbeit Gummihandschuhe tragen, danach sowie nach Kontakt mit Spielsand oder mit rohem Fleisch die Hände mit Bürste und Seife reinigen.
  • Keine Rohwurst (zum Beispiel Mettwurst) essen. Verschiedentlich wird empfohlen, sogar auf den Genuss von Salami und Bündnerfleisch zu verzichten. Die Infektionsgefahr bei diesen Lebensmitteln ist jedoch nicht gesichert, möglicherweise ist die Art und Dauer von Räuchern oder Pökeln entscheidend.
  • Katzen nur mit Dosen- oder gekochtem Fleisch füttern, den Kotkasten nicht in der Küche platzieren und ihn von einer anderen Person reinigen lassen oder beim Säubern Gummihandschuhe tragen.

Wann braucht es den Arzt

Die Krankheit verläuft in der Regel so leicht, dass eine ärztliche Behandlung nicht nötig ist.
Schwangere: Der Arzt gibt Merkblätter ab, wie eine Infektion verhindert werden kann (die Massnahmen entsprechen den oben genannten).

Die Diagnose erfolgt mittels Bluttests, namentlich mit Antikörper- oder gegebenenfalls Erregernachweis.

Für die Therapie stehen Antibiotika zur Verfügung. Behandelt werden in der Regel nur immungeschwächte Personen nach Ansteckung mit Toxoplasmen oder nach deren Reaktivierung.
Aufgrund neuer Erkenntnisse empfiehlt das BAG, Schwangere bei Verdacht auf Erstinfektion nicht mehr medikamentös zu behandeln. Dies insbesondere weil sich gezeigt hat, dass sich eine Übertragung der Toxoplasmen auf das Ungeborene dadurch offenbar nicht verhindern lässt.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Bundesamt für Gesundheit (BAG)
    3003 Bern
    Tel. 031 322 21 11
    www.bag.admin.ch
  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)
    3003 Bern
    Tel. 031 323 30 33
    www.bvet.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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