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Transplantation, Organtransplantation, Organersatz

Bei einer Transplantation werden Zellen, Gewebe oder Organe an einen neuen Ort verpflanzt. Sie sollen dort ihre ursprüngliche Funktion weiterführen und die Lebensqualität des Empfängers verbessern oder ihn am Leben erhalten.

Die Ursprünge

Erste Versuche, Organe zu transplantieren, gab es bereits im 17. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Experimente zur Verpflanzung von Nieren durchgeführt. Schwierigkeiten bereitete – und bereitet auch heute noch – die Abstossungsreaktion, also der Kampf des Immunsystems des Empfängers gegen das als fremd erkannte Organ. 1954 gelang in Boston die erste erfolgreiche Nierentransplantation. Sie wurde allerdings bei eineiigen Zwillingen durchgeführt, was eine grösstmögliche Ähnlichkeit der Gewebe versprach. Der Empfänger lebte danach acht Jahre, bevor er am Herzinfarkt starb.

Die grundlegenden Probleme der Organtransplantation sind bis heute:

  • Das Erhalten der Funktion des transplantierten Organs.
  • Das Verhindern der Abstossung.
  • Das Bekämpfen von Krankheitserregern, die mit dem Organ selbst übertragen wurden oder von aussen in den Empfänger gelangt sind.

Erst in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde der Weg für die Organtransplantation in grösserem Umfang frei. Der Einsatz von bestimmten Antikörpern zur Infektionsbekämpfung sowie die Entwicklung von Kortisonpräparaten und spezifischen Medikamenten zur Unterdrückung der Immunabwehr ermöglichten diesen Fortschritt. Weltweites Aufsehen hat die erste gelungene Herztransplantation durch Christiaan Barnard (Kapstadt) im Dezember 1967 erlangt. In Zürich erfolgte die erste Herztransplantation 1968 durch Professor Åke Senning.

Die Beziehung zwischen Organspender und -empfänger

Grundsätzlich bestehen die folgenden Möglichkeiten im Zusammenhang mit einem Organersatz bei Menschen:

  • Spender und Empfänger sind identisch.
  • Spender und Empfänger sind verschiedene Personen.
  • Das gespendete Organ stammt von einem Tier.
  • Das „gespendete Organ“ besteht aus Fremdmaterial, Metall oder Kunststoff.

Spender und Empfänger sind identisch

Wird Gewebe vom gleichen Menschen entnommen, dem es an anderer Stelle wieder eingesetzt wird, spricht man von Autotransplantation. Probleme der Gewebeverträglichkeit stellen sich in diesem Fall nicht, und daher sind auch keine besonderen Massnahmen zur Verhinderung einer Abstossungsreaktion nötig. Der menschliche Organismus ist derart anpassungsfähig, dass sich eine Vielzahl von Organen zur Autotransplantation eignet.

  • Hauttransplantation: Dies ist der häufigste Anwendungsbereich. Sie kommt in Frage, wenn ein Hautdefekt zu gross ist, um selbst heilen zu können – so nach Hautverlust wegen Unfalls, nach Verbrennungen, nach Entfernung von Hauttumoren und in der plastischen Chirurgie.
  • Knochentransplantation: Zum Auffüllen oder Überbrücken von Knochendefekten erfolgt die Entnahme von Knochenteilen und deren Neueinsetzen am Ort des Bedarfs.
  • Blutgefässe: In der Chirurgie der Herzkranz- und anderer Arterien können Venen- oder Arterienstücke, die am gleichen Körper entnommen wurden, an einer erkrankten Stelle und in neuer Funktion eingenäht werden.
  • Sehnen: Frei entnommene oder einseitig angewachsene Stücke (Transposition) von Sehnen finden in der Hand- und Fusschirurgie Anwendung.
  • Nerven: Abschnitte von peripheren Nerven können in der Wiederherstellungschirurgie am gleichen Individuum frei transplantiert werden. (peripher bedeutet hier: nicht zum zentralen Nervensystem gehörend).
  • Eigenblutspende: Vor einem geplanten operativen Eingriffs lässt der Patient eine bis fünf Blutspenden durchführen; die daraus isolierten roten Blutkörperchen und gegebenenfalls auch Blutflüssigkeit (Serum) können ihm während oder nach der Operation zurück transfundiert werden.
  • Replantation: Dies ist eine Sonderform der Autotransplantation. Der Begriff bedeutet „Wieder-Ansetzen“ eines traumatisch abgetrennten Körperteils, etwa eines Fingers.

Spender und Empfänger sind verschiedene Personen

Die häufig gewordene Transplantation eines Organs von einem Menschen auf einen anderen heisst Allotransplantation. Allotransplantate können lebensrettend sein, wenn ein Organ (Leber, Herz) oder Organsystem (beide Nieren) seine Funktion unwiederbringlich und in hohem Mass eingebüsst hat und kein anderes die verlorene Funktion übernehmen kann.
Beispiele sind Nieren-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Inselzell-, Lungen-, Herz- und Knochenmarktransplantationen (Die Inselzellen sind ein Teil der Bauchspeicheldrüse. Sie bilden das Insulin, welches unter anderem den Blutzuckerspiegel reguliert).

Die Problematik der Allotransplantation

  • Allgemeiner Gesetzlicher Rahmen: Mit Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes am 1. Juli 2007 sind in der Schweiz die medizinischen, rechtlichen, ethischen und psychologischen Aspekte der Transplantationsmedizin umfassend geregelt worden. Zweck des Gesetzes ist der Schutz der Würde, Persönlichkeit und Gesundheit von Spender und Empfänger. Die Spende von menschlichen Organen, Geweben oder Zellen ist unentgeltlich, jeder Handel mit Organen ist verboten.
  • Toter Organspender: Dies ist die häufigste Form der Allotransplantation.
    • Nach Eintritt des Todes eines potentiellen Spenders unterliegt die Organentnahme strengen Auflagen: die vorgängige Einwilligung des Verstorbenen oder von dessen Angehörigen ist zwingend erforderlich. Der Wille der verstorbenen Person hat dabei Vorrang (Art. 8 des Transplantationsgesetzes). Ist dieser nicht bekannt, dürfen die nächsten Angehörigen den Entscheid fällen. Sind keine Verwandten oder sonstige Vertrauenspersonen vorhanden oder erreichbar, ist eine Entnahme unzulässig.
    • Als verstorben gilt ein Mensch, dessen Hirn einschliesslich des Hirnstamms irreversibel ausgefallen ist (Hirntod). Keiner der Ärzte, die den Tod feststellen, darf dem Transplantationsteam angehören.
    • Stets warten mehr Patienten auf eine Transplantation, als Organe zur Verfügung stehen. Die Zuteilung von Organ und Empfänger erfolgt gemäss dem neuen Transplantationsgesetz durch die Nationale Zuteilungsstelle in Bern unter Berücksichtigung der Dringlichkeit und des medizinischen Sinns einer Transplantation, der Chancengleichheit sowie der Wartezeit.
  • Lebender Organspender: Die Lebendspende von Organen, Geweben und Zellen erweitert die Chancen für eine rechtzeitige Transplantation. Eine verwandtschaftliche Beziehung oder sonstige emotionale Bindung zwischen spendender und empfangender Person ist oft gegeben, wird vom Gesetz aber nicht verlangt.
  • Akzeptable biologische Verträglichkeit (Histokompatibilität): Bei weitem nicht jedes Spenderorgan eignet sich für jeden Empfänger. Durch Gewebetypisierung muss deshalb vor der Operation die Verträglichkeit des zur Transplantation vorgesehenen Gewebes sicher gestellt sein. Bei genetischer Nähe zwischen Spender und Empfänger (Eltern, Kind, Geschwister) sind die Probleme der Verträglichkeit oft geringer als zwischen fremden Individuen.
  • Abstossungsreaktion nach erfolgter Operation: Auf das Organ eines anderen Menschen reagiert der Empfänger lebenslang wie auf einen Fremdkörper, also mit Abstossung und Zerstörung. Menschen mit Fremdorganen müssen daher zum Verhindern einer Organabstossung fortwährend Medikamente (so genannte Immunsuppressiva) einnehmen, welche die Immunabwehr unterdrücken. Dazu sind regelmässige ärztliche Kontrolluntersuchungen nötig. Bei der extrem seltenen Organspende zwischen eineiigen Zwillingen (sog. syngene oder gleichgenetische Transplantation) ist die Abwehrreaktion nur schwach ausgeprägt.
    Eines der am meisten belastenden Risiken – auch bei korrekt angewendeter Immunsuppression – bleibt das schleichende oder chronische Versagen des verpflanzten Organs, das bisher nur hinausgezögert, aber nicht verhindert werden kann. Es gibt Menschen, denen wiederholt ein gleiches Organ transplantiert werden muss.
  • Folgen der Immunsuppression: Der Organempfänger ist durch die Immunsuppression (Therapie mit Immunsuppressiva) anfälliger für jede Infektionskrankheit. Zudem können Krankheitserreger, insbesondere der Herpesvirusgruppe sowie Toxoplasmen, die mit dem gespendeten Organ übertragen wurden, reaktiviert werden und eine Erkrankung auslösen.
    Nach Jahren ist ausserdem mit einer höheren Rate von Krebskrankheiten zu rechnen.
  • Ausschlusskriterien für eine Transplantation: Nicht transplantiert wird bei Gewebsunverträglichkeit und aufgrund allgemein-medizinischer Kriterien wie sehr hohes Alter, fortgeschrittenes Krebsleiden, Organversagen bei gleichzeitig bestehender schwerer Lungen- oder Herzkrankheit, Demenz, nicht beherrschbare Infektionen.

Das Spendeorgan stammt von einem Tier

Man nennt dieses Verfahren Xenotransplantation oder heterogene Transplantation. Herzklappen von speziell gezüchteten Schweinen oder Rindern werden durch aufwändige Techniken für den Menschen verträglich gemacht. Anwendungsbereich sind in der Herzchirurgie die sog. biologischen Herzklappen. Eine Immunsuppression ist in diesem Fall nicht nötig, wohl aber die Antikoagulation („Blutverdünnung“).

Einpflanzung von Fremdmaterial aus Metall oder Kunststoff

Solche Materialien haben sich vor allem in der Orthopädie, in der Herz- und Gefässchirurgie bewährt. Man zählt den Einsatz industriell hergestellter Komponenten aber nicht zur Transplantationschirurgie im engeren Sinn und spricht daher nicht von Transplantaten, sondern von Endoprothesen, zum Beispiel Hüft-, Knie-, Gefässprothesen, künstlichen Herzklappen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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