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Trigeminusneuralgie

Trigeminus heisst der aus drei Hauptästen bestehende Gesichtsnerv. Das lateinische Wort bedeutet Drilling, der griechische Ausdruck Neuralgie lässt sich übersetzen mit Nervenschmerz. Anfallsweise oder permanent auftretende Schmerzattacken des Trigeminus gehören zu den intensivsten, die einem Menschen widerfahren können.

Der Nerv umfasst sensible und motorische Anteile. Der sensible Anteil vermittelt das Oberflächen- und Tiefengefühl der Haut von der Stirn bis zum Kinn, des Auges und der Schleimhäute von Nasen- und Mundhöhle. Motorische Fasern versorgen die Kaumuskulatur.

Die Neuralgie tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf:

  • Essentielle oder idiopathische Trigeminusneuralgie: Es treten wenige Sekunden (ausnahmsweise Minuten) dauernde anfallsweise Schmerzattacken auf. Wenn sie von Muskelzuckungen begleitet sind, werden sie auch als „Tic douloureux“ bezeichnet.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Der Schmerz hält lange an, hat bohrenden Charakter und ist Symptom oder Folge einer übergeordneten Krankheit.

Ursachen

Über die Ursache der essentiellen Trigeminusneuralgie ist wenig Gesichertes bekannt. Anatomische Veränderungen am Nerv sind nicht auszumachen. Bei den in der Regel älteren Patienten lässt sich häufig eine mechanische Reizung des Nervs durch Kontakt mit einem Blutgefäss an der Schädelbasis nachweisen. Inwieweit dies eine Übererregbarkeit hervorruft, bleibt aber nach wie vor ungeklärt, da sich auch bei Menschen ohne neuralgische Attacken Nerv und Blutgefäss dicht nebeneinander liegen.

Die symptomatische Trigeminusneuralgie tritt als Folge einer Grundkrankheit auf, die den Nerv mechanisch schädigt. Es kann sich um multiple Sklerose, Hirnnerven- und Hirntumore, Herpes Zoster, Hirnschlag, Frakturen (Knochenbrüche) oder Metastasen an der Schädelbasis handeln.

Die Schmerzattacken können bei beiden Formen der Trigeminusneuralgie einen unmittelbaren, oft geringfügigen Auslöser (Trigger) haben wie Bewegen des Mundes, Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, oder es liegt ihr eine äussere Einwirkung zugrunde wie Berühren des Gesichts oder Kältereiz (kalte Flüssigkeit, Kaltluft). Spontane Anfälle kommen ebenfalls vor.

Das Krankheitsbild

Die beiden Formen der Trigeminusneuralgie lassen sich trotz klinischer Gemeinsamkeiten unterscheiden und sind im Folgenden vergleichend dargestellt.

Die essentielle Trigeminusneuralgie (Tic douloureux)

Sie ist häufiger und trifft Menschen in der zweiten Lebenshälfte, Frauen öfter als Männer. Leider kann sie sich mit dem Alter verschlimmern und über einen grösseren Teil des Gesichts ausbreiten.

  • Der Schmerz schiesst blitzartig ein und dauert einige Sekunden, in Ausnahmefällen wenige Minuten. Er wird als brennend, bohrend, stechend oder elektrisierend charakterisiert. Die Erkrankten verspüren ihn in der Haut oder in der Tiefe, auch in den Schleimhäuten, in der Zunge oder den Zähnen, so dass manche zunächst den Zahnarzt aufsuchen.
  • Nach kurzer Zeit können weitere Attacken folgen (Anfälle in Salven), oder es stellt sich ein schmerzfreies Intervall von Wochen oder Monaten ein.
  • Oft zuckt die Gesichtsmuskulatur zusammen, was zur Bezeichnung Tic douloureux geführt hat.
  • Betroffen ist überwiegend die untere Hälfte des Gesichts, meist einseitig, in 3% doppelseitig.
  • Die Sensibilität ist im schmerzhaften Bereich manchmal abgeschwächt oder übersteigert, so dass schon die leichteste Berührung ängstlich vermieden wird. Für viele Menschen ist der Zustand dermassen quälend, dass Selbstmordgedanken aufkommen.
  • Vegetative Begleiterscheinungen des Anfalls sind Rötung der Gesichtshaut und des Auges, Tränen-, Speichel- und Nasenfluss, erweiterte Pupillen.
  • Die Motorik (das Kauen) ist nicht beeinträchtigt.

Die symptomatische Trigeminusneuralgie

Neben dem plötzlich einschiessenden besteht oft ein andauernder Grundschmerz. Wer immer an einer der bei „Ursachen“ genannten Krankheiten leidet, kann betroffen sein, also Personen jeden Alters und beider Geschlechter. Befall beider Gesichtsseiten ist häufiger als bei der idiopathischen Form.

  • Blitzartiger, Sekunden bis wenige Minuten dauernder Schmerz. Der Charakter des Dauerschmerzes wird eher als dunkel oder dumpf beschrieben; auch die Augenregion und die Stirn können betroffen sein.
  • Die Sensibilität (das Oberflächengefühl) ist meist herabgesetzt.
  • Der motorische Anteil des Nervs kann mitbeteiligt sein, was sich als einseitige Schwäche oder Lähmung der Kaumuskulatur (schiefes Kauen) äussert.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Gegen die essentielle Neuralgie sind keine aktiv vorbeugenden Massnahmen bekannt; vereinzelt lassen sich auslösende Faktoren vermeiden.
Bei symptomatischer Trigeminusneuralgie kann die Therapie einer auslösenden Krankheit zur Besserung führen.

Wann braucht es den Arzt

Die ärztliche Untersuchung ergibt, ob es sich um eine essentielle oder eine symptomatische Neuralgie handelt. Oft wird eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Schädels gemacht, insbesondere um einen Tumor ausschliessen zu können.

Behandlung

  • Medikamente: Sie stehen am Anfang der Therapie. Es handelt sich um zentral krampflösend wirkende Substanzen, wie sie auch bei Epilepsie gebräuchlich sind (Generika: Gabapentin, Carbamazepin, z.B. Tegretol®). Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfweh, Allergie und andere sind möglich und besonders unter der nötigen Dauertherapie unangenehm. Ausserdem sind diese Medikamente weniger geeignet für Patienten mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen.
  • Infiltration (Umspritzen des Nervs) mit Medikamenten und Hitzekoagulation: Es wird versucht, die schmerzauslösenden sensiblen Nervenfasern auszuschalten unter Schonung der motorischen Anteile.
  • Mikrochirurgische Operationen bezwecken die Entlastung des Nervs von drückenden Strukturen, z.B. von einer Knochenspange oder von einem Blutgefäss.
  • Bestrahlung: Das Gamma-Knife gestattet eine gezielte Bestrahlung des Nervs im Schädelinneren. Das Verfahren ist nicht mit einem Operationsrisiko belastet und daher auch geeignet für Menschen, die unter Antikoagulation („Blutverdünnung“) stehen. Eine Besserung der Beschwerden ist nach einigen Wochen bis Monaten zu erwarten; ein späteres Wiederauftreten der Neuralgie ist möglich. Bei ausbleibendem Behandlungserfolg lassen sich die oben genannten Verfahren anschliessen, umgekehrt kann die Gamma-Knife-Behandlung auch nach Versagen anderer therapeutischer Bemühungen eingesetzt werden.
  • Die Behandlung der Grundkrankheit steht bei der symptomatischen Neuralgie im Vordergrund.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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