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Übergewicht und Adipositas

Adipositas bedeutet Fettleibigkeit. Als adipös, fettleibig oder stark übergewichtig bezeichnet man Menschen mit einem sichtlich zu hohen Gewicht im Verhältnis zu ihrer Körpergrösse. Eine grosse Zahl von Erkrankungen geht auf Fettleibigkeit zurück oder ist indirekt damit verknüpft.

Anlass zur Besorgnis gibt nicht nur die steigende Anzahl übergewichtiger Menschen. Alarmierend ist insbesondere die Zunahme des Anteils übergewichtiger Kinder, die nicht selten bereits an Folgeerkrankungen leiden wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

In der Schweiz sind fast 40 % der Erwachsenen und 20% der Kinder übergewichtig. Dies bewog 2008 den Bundesrat das nationale Programm für Ernährung und Bewegung (NPEB) zu lancieren. Dadurch sollen unter anderem Übergewicht, Adipositas und Essstörungen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen wirksamer bekämpft werden.

Ursachen

  • Übermässige Kalorienaufnahme und Bewegungsmangel: ungesundes Essen und Trinken, verbunden mit geringem Kalorienverbrauch durch Bewegungsmangel stellen ein Bilanzproblem dar. Daraus resultiert die Adipositas, denn überschüssige Energie wird als Fett eingelagert – sie lässt sich nicht sonstwie „loswerden“. Durch Bewegungsmangel werden nicht nur weniger Kalorien verbraucht, zusätzlich nimmt die Muskelmasse ab. Da aber das Muskelgewebe der grösste Energieverbraucher des Körpers ist, wirkt sich Bewegungsmangel in zweifacher Hinsicht nachteilig auf die Energiebilanz aus.
  • Eine fehlgesteuerte Appetit-Sättigungs-Regulation ist oft auf ungesundes Essverhalten in der Kindheit zurückzuführen. Die Fehlsteuerung lässt Übergewicht entstehen und führt dazu, dass das Abnehmen bei bestehender Adipositas so schwer fällt.
  • Genetische Faktoren spielen eine Rolle. So haben ca. 5% der extrem adipösen (BMI über 40) offenbar eine Genmutation, die eine Leptinresistenz vermuten lässt. Leptin drosselt den Appetit, eine Resistenz führt also zu vermindertem Sättigungsgefühl.
  • Endokrinen Drüsen: eher selten (bei 5% der Adipösen) führt eine Fehlfunktion der endokrinen Drüsen (Drüsen mit innerer Sekretion wie Schilddrüse, Hypophyse und Nebenniere) zu Übergewicht.

Übergewicht erkennen

Mit Messband, Waage, Taschenrechner und allenfalls weiteren Geräten lässt sich ermitteln, ob man übergewichtig ist und inwieweit sich daraus Gesundheitsrisiken ergeben. Gebräuchliche Methoden sind:

BMI

Der weitgehend bekannte BMI (Body Mass Index oder deutsch: Körpermassen-Index) bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Körpergrösse und Gewicht. Rechnerische Formel und Interpretation des BMI:

BMI  =  Gewicht in kg  :  (Körpergrösse in Meter)2

  • BMI unter 18,5: Untergewicht
  • BMI zwischen 18,5 und 25: Normalgewicht
  • BMI zwischen 25 und 30: Übergewicht
  • BMI zwischen 30 und 35: Adipositas Grad I (sog. Fettsucht)
  • BMI zwischen 35 und 40: Adipositas Grad II
  • BMI über 40 oder mehr: Adipositas Grad III (extreme Adipositas)

Das Risiko von Gesundheitsschäden steigt beträchtlich ab BMI-Werten über 30.

 

Eine Unzulänglichkeit des BMI liegt darin, dass Körperbau, Alter und Geschlecht nicht einbezogen werden. Man verwendet deshalb nachstehend angeführte weitere Kriterien, um festzustellen, in welchem Ausmass jemand übergewichtig ist, insbesondere im Hinblick auf Gesundheitsrisiken.

Bauchumfang 

Diese Messgrösse ergänzt den BMI, wenn man das individuelle Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten beurteilen möchte. Ob sich übermässig viel Fett in der Bauchregion angesammelt hat (sog. Apfeltyp), wird mit einfachem Messen des Umfangs in Nabelhöhe ermittelt. Folgende Erkenntnisse ergaben sich aus verschiedenen Untersuchungen:

Frauen: Der Bauchumfang sollte weniger als 80 cm betragen. Bei 80 bis 88 cm ist das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten erhöht, bei über 88 cm wesentlich erhöht.

Männer: Der Bauchumfang sollte weniger als 94 cm betragen. Werte zwischen 94 und 102 cm gehen mit einem erhöhten Risiko für die genannten Erkrankungen einher, solche über 102 cm mit einem beträchtlich erhöhten Risiko. (Weitere Erklärungen bei metabolisches Syndrom)

Taille-Hüft-Quotient oder Waist to Hip Ratio (WHR)

Neben den genannten Kriterien (Körpergrösse, Gewicht und Bauchumfang) ist auch die Verteilung des Fettes für das Risiko von Folgekrankheiten bedeutsam. So wurde für Menschen, bei denen sich die Fetteinlagerung hauptsächlich auf den Bauch konzentriert (Apfeltyp) ein höheres Risiko für Diabetes (Zuckerkrankheit) sowie Arteriosklerose („Arterienverkalkung“), Bluthochdruck und deren Folgekrankheiten ermittelt als für Menschen, welche vornehmlich an Gesäss und Oberschenkel zunehmen (sog. Birnentyp).
Aufgrund dieser Beobachtungen interessiert heute auch der Taille-Hüfte-Quotient (THQ), englisch „waist to hip ratio“ (WHR). Der Umfang von Taille (auf Nabelhöhe) und Hüfte wird gemessen und dividiert:

THQ  =  Bauchumfang in Taillenhöhe : Hüftumfang

Dieser Quotient sollte bei Männern unter 1, bei Frauen unter 0,85 liegen.

Gesamte Körperfettmasse

Heute wird ausserdem oft die Körperfettmasse überprüft. Dazu braucht man ein Messgerät, welches den elektrischen Widerstand von Körpergewebe bestimmt. Die Fettmasse lässt sich daraus berechnen, weil Muskulatur, Knochen, Wasser und Fettgewebe unterschiedliche Widerstände aufbauen.

Broca-Index

Der Broca-Index wird nur noch gelegentlich zur Definition von Normal- oder Übergewicht verwendet. Er hat den Vorteil der Einfachheit und errechnet sich so:

Normalgewicht = Körpergrösse in Zentimeter minus 100

Für das Idealgewicht werden bei Männern noch 10 %, bei Frauen noch 15 % abgezogen.

Risiken, Folgen

Die Lebenserwartung von extrem Adipösen ist bis zu 20 Jahren verringert gegenüber der Normalbevölkerung. Eine grosse Zahl von Erkrankungen geht auf Fettleibigkeit zurück oder ist indirekt damit verknüpft:

  • Arthrose der Hüft- und Kniegelenke durch vorzeitigen Gelenkverschleiss an den übermässig belasteten Beinen; Rückenschmerzen
  • Metabolisches Syndrom mit Folgekrankheiten, insbesondere:
  • Depressionen, Leidensdruck (nach missglückten Diäten, Hänseleien)
  • Gallensteine, Leberkrankheiten
  • Thrombosen
  • Erhöhtes Risiko für bösartige Tumoren (Krebs) – besonders Dickdarm, Gebärmutter, Brust- und Prostatakrebs
  • Hormonelle Störungen: Aufgrund der Fettzellen, kommt es zu einem zu hohen Östrogengehalt bei Männern und zu einem hohen Androgenspiegel bei den Frauen. Dies kann bei den Männern zu Potenzproblemen und bei Frauen zu verstärkter Körperbehaarung, Akne, Infertilität oder dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) führen.
  • Erschwertes Atmen, im Extremfall Atemnot bei geringer körperlicher Belastung
  • Nächtliche Atemstörungen (Schlafapnoe).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Ausreichende Bewegung und bewusste Ernährung stehen an erster Stelle. Nicht die Gewichtsreduktion stellt ein Problem dar, sondern das Halten des Zielgewichtes. Deshalb haben Reduktionsdiäten nur Sinn, falls sie Bestanteil eines langfristigen Behandlungskonzeptes sind.

Ohne regelmässige Bewegung kann das Gewicht gewöhnlich nicht stabil gehalten oder reduziert werden. Es muss nicht Leistungssport sein; auch regelmässige Spaziergänge, Wandern und Treppensteigen statt Benützen des Lifts verbrauchen Kalorien. Empfohlen werden täglich 30 Minuten Bewegung, bei der Puls und Atmung sich leicht beschleunigen, ein Gespräch aber noch möglich ist.

Bewusste Ernährung bedeutet kontrollierte Kalorienaufnahme, Verzicht auf fette und süsse Speisen sowie Bevorzugen von Gemüse, Salat und Früchten. Auf eine genügende Trinkmenge von mindesten 1,5 bis 2 Litern pro Tag ist zu achten. Berücksichtigt werden muss, dass Wein, Bier und süsse Getränke Träger versteckter Kalorien sind. So enthält 1 dl Bier oder Fruchtsaft rund 50 Kilokalorien (kcal) entsprechend 209 kJ, 1 dl Wein 60 bis 70 kcal oder rund 250 kJ. Besonders bei Jugendlichen scheint der Konsum von Süssgetränken ein wesentlicher Grund von Übergewicht zu sein.

Bleibende Erfolge erzielt man beim Abnehmen in der Regel nur, wenn die Ernährung in Schritten geändert wird, die der Betreffende selbst als sinnvoll empfindet, nicht mit rigorosen Diäten. Gesund und langfristig von Erfolg gekrönt ist praktisch nur die kalorienreduzierte Mischkost. Wenn Diäten eingehalten werden, dürfen sie nicht einseitig und langweilig sein. So wird auch der sog. Jojo-Effekt (ein paar Wochen ab- und danach wieder zunehmen) vermieden, der für den Körper mehr Nach- als Vorteile hat.

Neben dem Erkennen und Reduzieren versteckter Fette (Wurst, Backwaren) sollte eine geeignete Kohlehydratzusammensetzung in der Nahrung gewählt werden. Nach dem Konsum von Lebensmitteln, welche den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und danach absinken lassen (zum Beispiel Weissbrot schneller als dunkles, Marmeladebrot schneller als Käsebrot), stellt sich bald wieder Hunger ein. Vielfach wird dann mehr und öfter gegessen.

Vorschläge zum Abnehmen finden sich beim Stichwort Ernährung. Weitere sind:

  • Vor dem Essen ein Glas Wasser trinken; dies dämpft das Hungergefühl.
  • Jeweils nur kleine Portionen nehmen und eine Pause machen, bevor eine weitere Portion gegessen wird.
  • Wer langsam kaut, isst in der Regel weniger und wird doch satt.
  • Durch das Führen eines Esstagebuchs lässt sich das eigene Essverhalten kritisch unter die Lupe nehmen.
  • Wut und Trauer nicht mit Essen kompensieren, sondern vorerst versuchen, auf anderen Wegen das Gleichgewicht wieder zu finden (Musik hören, Lesen, Kinobesuch, Sport, Malen).
  • Für übergewichtige Kinder und Jugendliche gibt es verschiedene Lernprogramme. Geeignet sind auch Gruppentherapien.

Wann braucht es den Arzt

Eine Gewichtsreduktion lohnt sich! Bereits eine Gewichtsreduktion von 10 Kg senkt das Sterberisiko um 20% und durch das Übergewicht bedingte Krebsfälle vermindern sich um 40%. Bei einem BMI von 30 oder mehr ist es Zeit, den Arzt aufzusuchen, der unter anderem abklären wird, ob bereits eine Folgekrankheit vorliegt. Er und die Ernährungsberaterin helfen, grobe Ernährungsfehler aufzudecken, zu korrigieren und geeignete Bewegungsangebote zu finden. Bei einem BMI über 40 hilft oft nur noch die Adipositas-Chirurgie.

Vor dem Beginn mit Sport wird Menschen, die stark übergewichtig sind oder während Jahren sportlich inaktiv waren, eine ärztliche Untersuchung und Beratung empfohlen.

Bei deutlich übergewichtigen Kindern werden mindestens einmal pro Jahr folgende Werte überprüft: Blutdruck und Blutzucker, Bauchumfang, Blutfette und BMI.

Heute werden zahlreiche Medikamente und Methoden angepriesen,(gelöscht chrirurgische) welche das Abnehmen ermöglichen oder erleichtern sollen. Viele haben Nebenwirkungen, teilweise sogar beträchtliche. Abmagerungsmittel obskurer Herkunft öffnen Tür und Tor für teure und manchmal gefährliche Behandlungen. Es ist deshalb empfehlenswert, sich vom Arzt beraten zu lassen und gemeinsam mit ihm die Risiken gut abzuwägen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 18.05.2017

 
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