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Verbrennungen und Verbrühungen

Verbrennung und Verbrühung sind durch Hitze verursachte (thermische) Hautverletzungen. Von Verbrennung spricht man bei Schäden durch Flammen, Strahlung (ultraviolette und ionisierende Strahlen) oder Kontakt mit heissen Festkörpern wie Herdplatten. Eine Verbrühung entsteht durch heisse Flüssigkeit oder Dampf.

Das Ausmass der Verletzung ist abhängig von der physikalischen Natur, der Temperatur sowie der Einwirkungsdauer einer Hitzequelle, und von der Grösse der geschädigten Fläche und ihrer Ausdehnung zur Tiefe hin.

  • Leichtere Schädigungen betreffen nur die oberflächlichen Hautschichten. Viele entstehen bei Unfällen in der Küche, mehr als die Hälfte davon sind Verbrühungen.
  • Bei tiefer lokaler Verbrennung sind die Haut in ihrer ganzen Tiefe einschliesslich der Haarwurzeln, Nägel, Schweiss- und Talgdrüsen sowie unter der Haut liegende Gewebe geschädigt.
  • Bei ausgedehnten Brandverletzungen – bezogen auf Fläche und Tiefe – kann die so genannte Verbrennungskrankheit auftreten. Durch lokalen Zelltod (Nekrose) wird eine grosse Menge von Abbauprodukten frei gesetzt, die toxisch wirken. Ausserdem geht viel eiweissreiche Flüssigkeit verloren, was zu Eiweiss- und Flüssigkeitsmangel führt. Die Verbrennungskrankheit ist verbunden mit hoher Infektions- und Schockgefahr und kann zum Multiorganversagen und zum Tod führen.

Ursachen

Unterschiedliche Hitzequellen können zu thermischen Verletzungen führen:

  • Heisser Dampf oder heisse Flüssigkeit, spritzendes heisses Öl oder Fett: Dies sind die häufigsten Ursachen in Haushalt und Industrie.
  • Heisse Gegenstände wie Herdplatten, Töpfe, Öfen.
  • Offene Flammen.
  • Einatmen von Heissluft, heissen Gasen, Flammen (Inhalationstrauma): Neben Hautverbrennung entstehen unmittelbare Schäden in den Atemwegen und Lungen.
  • Elektrische Hochspannung, Blitzschlag: deren Folge sind oft Verbrennungen 4. Grades (Verkohlung).
  • Sonnen- oder Ultraviolettstrahlen: erst- oder zweitgradige Verbrennungen.
  • Reibungshitze: Gerötete Haut, Blasen an den Füssen bilden sich bei längeren Märschen untrainierter Personen oder in neuen Schuhen (typischerweise in der zweiten Rekrutenschulwoche).

 

Symptome und Schweregrade

Im Folgenden werden aufgeführt:

  • die lokalen Folgen einer Verbrennung, die Verbrennungswunde
  • die Auswirkung grosser Verbrennungen auf den ganzen Organismus, die Verbrennungskrankheit.

Die Verbrennungswunde

Bezüglich der Tiefe des lokalen Gewebeschadens unterscheidet man vier „Grade“ mit unterschiedlichen Symptomen:

  • 1. Grad: Eine Verbrennung 1. Grades führt zu Hautrötung, Schwellung und Schmerz. Sie heilt von selbst und ohne Narben. Beispiel ist ein leichter Sonnenbrand.
  • 2. Grad: Solche Verbrennungen sind gleichfalls schmerzhaft; zusätzlich zur Hautrötung entstehen Blasen, in denen sich Gewebsflüssigkeit (Serum) sammelt. Haare und Fingernägel halten noch. Die Haut bleibt vital (Grad 2a) und es erfolgt narbenlose Selbstheilung. Im Stadium 2b erfolgt die Abheilung unter Narbenbildung.
  • 3. Grad: Die Haut ist in ganzer Tiefe zerstört, einschliesslich der Haarwurzeln, Schweissdrüsen, Blutgefässe und Nerven. Fingernägel und Haare fallen unwiederbringlich aus. Auf der verbrannten Haut entstehen grauweisse, bräunliche oder schwarze Flecken und Krusten. Die Schmerzempfindung ist erloschen.
    Verbrennungen 3. Grades gehen insbesondere an den Randzonen praktisch immer in Stellen mit oberflächlicheren (zweitgradigen) Schäden über, die stark schmerzen. Das Risiko einer Wundinfektion ist hoch.
    Bei kleiner Ausdehnung einer drittgradigen Verbrennung löst sich die abgestorbene Haut als tiefer Wundschorf und es entstehen Narben. Grössere Flächen können nicht selbst heilen und bedürfen einer operativen Behandlung.
  • 4. Grad: Verkohlung. Die Körperoberfläche ist hart und schwarz. Unter der Haut liegende Strukturen wie Nerven Blutgefässe, Muskeln und Knochen sind geschädigt, eine Selbstheilung ist nicht mehr möglich.

Für die gesamte Schwere und damit die Gefährlichkeit der Verletzung sind Tiefe (Grad) und Ausdehnung der betroffenen Hautfläche ausschlaggebend. Von diesen Faktoren hängt ab, ob der Gewebsschaden lokal begrenzt bleibt oder sich auf den ganzen Organismus auswirkt und das Brandopfer in Lebensgefahr bringt (Verbrennungskrankheit).

Elektrounfall

Hier ist nicht nur mit Verbrennungen zu rechnen, sondern wegen des Stromdurchflusses durch den Körper auch mit Herzstillstand, Lähmungen und anderen Funktionsstörungen.

Die Verbrennungskrankheit

Ausgedehnte, schwere Verbrennungen ab dem 2. Tiefengrad führen zur Einschwemmung denaturierter (veränderter, zerstörter) Proteine in den Kreislauf sowie zum Verlust von Flüssigkeit, Salzen und Eiweiss. Es entsteht die Verbrennungskrankheit, in deren Rahmen alle inneren Organsysteme in Mitleidenschaft gezogen werden: Atemwege und Lungen, Leber und Nieren, Darm, Zentralnervensystem, Herz, blutbildende Organe. Ausserdem ist die körpereigene Abwehr geschwächt, und die Haut hat ihre wichtigen Schutzmechanismen eingebüsst, so dass Infektionen das Leben bedrohen.

Die Verbrennungskrankheit kann zu einem rasch eintretenden Schock, später zu Sepsis und schliesslich zum Tod an Multiorganversagen führen. Lebensgefahr droht, wenn 5% (Säuglinge) bis 20% (gesunde jüngere Erwachsene) der Körperoberfläche zweit- oder drittgradig verbrannt sind.

Die Ausdehnung der verbrannten Fläche

(Abbildung)
Sie lässt sich bei Erwachsenen mit der „Neunerregel“ abschätzen:

Kopf 9% der Körperoberfläche
Rumpf vorn 18%
Rumpf hinten 18%
Ganzes Bein je 18%
Ganzer Arm je 9%
Handfläche je 1%
Genitalbereich 1%

Für Kinder gelten andere Werte: Der Kopf ist verhältnismässig grösser als bei Erwachsenen und wird bis zum 5. Lebensjahr auf 15% der Körperoberfläche geschätzt, die Arme auf 9,5%, Rumpf und Beine entsprechend etwas tiefer.

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Was man selbst tun kann

Grundsatz: Die erste Massnahme ist sofortiges langdauerndes Kühlen. Die Haut speichert nämlich wegen ihres Feuchtigkeitsgehalts die einmal aufgenommene thermische Energie, so dass die Brandverletzung auch nach Beseitigung der Hitzequelle weiter um sich greift. Dieses „Nachbrennen“ dauert bis zu 20 Minuten, wenn nicht intensiv und lange genug gekühlt wird. 

  • Verbrühungen: allfällige dampfende Kleidungsstücke sofort mit viel kaltem Wasser übergiessen, erst nach Kaltwerden ausziehen und die Kühlung dann direkt auf der Haut fortsetzen.
  • Sofortige lokale Kühlung: Am besten ist laufendes kaltes Wasser. Die Kühlung soll aber nicht länger als 20 Minuten fortgesetzt werden wegen der Unterkühlungsgefahr. Es sollte kein eiskaltes Wasser verwendet werden, ebenfalls um eine Unterkühlung zu vermeiden.
  • Verbinden: nach dem Kühlen einen sterilen Verband mit nicht-klebender Folie oder Verbrennungssalbe anlegen.
    Kein Öl, Fett, Mehl, Puder, Alkohol und keine alkoholhaltigen Desinfektionsmittel zur lokalen Behandlung verwenden.
  • Blasen am besten geschlossen lassen. Bei starker Spannung kann man sie anstechen, wenn dies unter sterilen Bedingungen erfolgt. Dazu nur ein kleines Loch machen und die Flüssigkeit ausfliessen lassen; die verbleibende Blasenhaut schützt den Blasengrund. Darüber legt man einen sterilen Verband an, der Infektionen verhindern soll, denn die Wundflüssigkeit ist ein Nährmilieu für Bakterien.
  • Verbrennungen an Zunge oder Gaumen: ein Eisstück im Mund zergehen lassen, kalte Vollmilch oder andere Flüssigkeit im Mund bewegen, mehrmals wiederholen.
  • Bei ausgedehnten Verbrennungen mit Schockgefahr: Puls und Atmung kontrollieren, gegebenenfalls Schocklagerung bis zum Eintreffen des Arztes.
  • Eine brennende Person wird – analog dem Vorgehen bei brennenden Gegenständen – am besten durch Ansprühen aus einem Feuerlöscher gelöscht. Allerdings sollte der Strahl nicht frontal auf das Gesicht gerichtet werden. Kreislaufkollaps, Erfrierungen oder Reizerscheinungen in den Augen und Atemwegen sind weniger gefährlich als der weiter um sich greifende Brand. Wenn kein Feuerlöscher in der Nähe ist, kann man den Brennenden in eine Decke wickeln; dem Feuer soll so der Sauerstoff entzogen werden. Dies kann schwierig sein, da brennende Personen in Panik um sich schlagen oder davonlaufen – man muss sie also notfalls zu Boden reissen.
  • Elektrounfall: Beim Retten auf Selbstschutz achten. Vor dem Bergen die Stromquelle ausschalten; falls dies nicht möglich ist: den Verletzten an den Kleidern wegreissen, sofern es sich um Niederspannung handelt. Der Helfer sollte ausserdem auf einer isolierenden Unterlage stehen oder Schuhe mit Gummisohlen tragen. Hochspannungsanlagen (über 1000 Volt) sind gekennzeichnet mit speziellen Warnsignalen (Blitz, Totenkopf). Ein hier Verunfallter darf nur durch Fachpersonal geborgen werden.

Wann braucht es den Arzt

Je grösser die verbrannte Fläche und je tiefer die Brandwunde, desto eher muss ein Arzt beigezogen oder sogar notfallmässig die Ambulanz organisiert werden. Das heisst:

  • Bei zweitgradigen Verbrennungen, die das Postkartenformat übersteigen, ist eine Arztkonsultation angezeigt.
    Wenn mehr als 10 bis 15% Körperoberfläche zweitgradig verbrannt sind, ist der Rettungsdienst zu rufen. Verbrennungen bei Kindern, älteren und geschwächten Menschen erfordern schon bei geringerer Ausdehnung eine ärztliche Beurteilung; 5 bis 10 % verbrannte Körperoberfläche können dann bereits lebensgefährliche Folgen haben.
  • Bei Verbrennungen 2. Grades an Gesicht, Gelenken und Genitalien sowie bei jeder Verbrennung 3. Grades.
  • Bei Infektion einer Brandwunde.
  • Bei Rauchgasvergiftung. Rauchgase können die Atemwege schwer schädigen.

Die Therapie besteht in Schmerzbekämpfung, Infektionsprophylaxe (Schutzverbände, Antibiotika) und Flüssigkeitsersatz gegebenenfalls durch Infusionen. Nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe wird chirurgisch entfernt. Der Verschluss grossflächiger Verbrennungswunden erfordert Hauttransplantationen.

Vorbeugen

  • Schutzmassnahmen für Kinder: Gitter am Herd; Kannen, Töpfe und Gefässe mit heissem Inhalt ausser Reichweite halten.
  • Schadhafte Elektrokabel ersetzen.
  • Verhütung von Sonnenbrand: Kleidung, Sonnenschirm, Crèmes mit hohem Schutzfaktor, Sonnenhut.
  • Niemals Wasser in brennendes Öl spritzen, es besteht die Gefahr von Feuerfontänen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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