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Verletzungen vorbeugen, Unfallprophylaxe

Viele Unfälle lassen sich durch das Einhalten von Vorsichtsmassnahmen verhindern. Und sollte doch etwas passiert sein, dämmen erste Massnahmen weitere Schäden ein.

Arme und Beine sind durch ihre exponierte Lage an der Peripherie des Rumpfs äusseren Einwirkungen am häufigsten ausgesetzt. Sie sind die beweglichsten Körperteile und Voraussetzung für Fortbewegung und körperliche Tätigkeit. Ihr Funktionieren ist für die Lebensqualität und das Ausüben der alltäglichen Aktivität bestimmend; beim Sport sind sie unmittelbar in ihrer Leistung messbare Organe.

Auf Verletzungen der Körperhöhlen und des Rumpfs wird in diesem Rahmen nur begrenzt eingegangen, obwohl sie bezüglich Lebensgefahr bedeutungsvoller sein können. Massnahmen zum Vorbeugen von Krankheiten und speziellen Verletzungen finden sich bei den jeweiligen Links.

Aufgrund des Unfallmechanismus unterscheidet man:

Manche Unfälle werden durch Leichtsinn oder Unachtsamkeit geradezu heraufbeschworen. In Turnschuhen auf Bergtour, Motorrad- oder Radfahren ohne Helm, Nichtanlegen der Sicherheitsgurte, Autoraserei, Alkohol am Steuer, Kopfsprung in unbekanntes Gewässer und Schneesport abseits der Piste trotz Lawinengefahr sind fatale Beispiele.

Unfallprophylaxe

Aktive Unfallprophylaxe bezieht sich auf das, was man am eigenen Körper zum Verhindern eines Unfalls vorkehren kann, passive Massnahmen betreffen äussere Schutzmechanismen oder Schutzeinrichtungen in Verkehrsmitteln, aber auch in der Wohnung, auf Strassen, Ausbildung in Erster Hilfe usw.

Sportliche Aktivität fördert körperliche und seelische Gesundheit, Widerstandskraft und Selbstvertrauen, doch gilt es auf den Trainingszustand, die Erholungsfähigkeit sowie bestehende Krankheiten Rücksicht zu nehmen. Entsprechend müssen Trainingsgestaltung und Ausrüstung angepasst werden. Zudem sind klimatische Bedingungen (Pollen, Ozon, Kälte, Luftfeuchtigkeit) zu beachten.

Bei Krankheiten, insbesondere von Herz und Kreislauf oder Gelenken, bei ausgeprägter Adipositas (Übergewicht), bei Diabetes mellitus und anderen ist vor dem Beginn mit neuen Sportarten eine ärztliche Beratung angezeigt.
Akute Infektionen sind ein Grund, für den Moment auf Sport zu verzichten.

Aufwärmen, Einlaufen

Der Organismus braucht einige Zeit, um sich vom Ruhezustand auf Belastungssituationen umzustellen. Lockeres Aufwärmen und Einlaufen von mindestens zehn Minuten stimuliert den Kreislauf und wärmt den ganzen Körper auf. Geschmeidige, elastische und warme Strukturen sind leistungsfähiger und einer plötzlichen Beanspruchung besser gewachsen, als kühle, klamme, verhärtete und untrainierte; sie sind auch widerstandfähiger. „Warmgelaufene Muskeln“ wirken besser zusammen und halten einer geforderten Leistung besser stand.

Dehnen, Stretching

Lockeres, nicht brüskes Dehnen von Muskeln und Gelenken vor sportlicher Betätigung fördert deren Elastizität und Bewegungsspielraum. Das Dehnen wird nach der sportlichen Tätigkeit nochmals durchgeführt, um die Muskeln nach der Anspannung wieder zu lockern.

Ausdauertraining

Jogging, Nordic Walking, Mountain-Biking und Schwimmen sind geeignet. Neben der Skelettmuskulatur werden Herz, Kreislauf und Atmung gefordert. Ausdauertraining stellt deshalb eine wichtige Ergänzung zu Kraftübungen dar. Was nützt die besttrainierte Muskulatur, wenn der Kreislauf (das Herz) nicht Schritt halten kann?

Krafttraining

Es bewirkt eine gezielte Hypertrophie (Grössenzunahme) der geförderten Muskelgruppen; die Muskelmasse nimmt zu, Muskeln werden reissfester und stabilisieren die Gelenke besser, die Resistenz gegen Verstauchungen und Zerrungen nimmt zu. Krafttraining eignet sich aber nicht in jedem Fall. Insbesondere beim Vorliegen von Herz-Kreislaufkrankheiten ist zuvor eine Rücksprache mit dem Arzt nötig.

Osteoporoseprophylaxe

Durch Osteoporose entkalkte Knochen brechen leichter als gesunde. Osteoporoseprophylaxe umfasst körperliche Bewegung und ausreichende Kalziumzufuhr. Generell wird 1 Gramm Kalzium täglich für Personen in der zweiten Lebenshälfte empfohlen, für Frauen nach den Wechseljahren 1,5 Gramm täglich.

Training der Wahrnehmung und der Reaktion

Insbesondere bei Kindern lässt sich durch begleitetes Beobachten von unterschiedlichen Verkehrssituationen und -gegebenheiten, von Gefahren im Haushalt und in der Natur die Wahrnehmung derart schulen, dass das Bewegen im Verkehr, der Umgang mit Geräten, das Eingehen von Risiken usw. bewusster geschieht und sicherer wird.
Für Fahrzeuglenker werden Kurse zum Training der Fahrsicherheit angeboten.

Risiken vermindern

Im Haushalt und für bestimmte Berufs- oder Sportarten gibt es typische Verletzungen. Viele Verhaltensweisen und Schutzmassnahmen sind geeignet, das Gefährdungspotential zu reduzieren: Helm, Schutzbrille, Nackenstütze, Sicherheitsgurte, Knie- oder Ellbogenschoner, Beinschiene, Schutzhandschuhe, Sicherheitsbindung und vieles mehr. Nachfolgend einige typische Beispiele:

Haushalt

  • Kindern immer wieder die Gefahren zeigen und erklären.
  • Rutschsichere Schuhe und Unterlagen verwenden, etwa bei Leitern. Gefährliche Kletterübungen unterlassen, wie auf Fensterbrett oder auf Kisten steigen, Hocker und Stühle aufeinander stellen statt eine Leiter anzulegen. Pausen machen.
  • Stolperfallen beseitigen, also keine Kabel, Eimer usw. herumstehen oder liegen lassen. Aufstehende Teppichränder glätten.
  • Elektrounfälle: vor dem Reinigen von Elektrogeräten den Stecker herausziehen; grundsätzlich kein Kontakt von Wasser mit Strom. Steckdosen sichern, elektrische Geräte nicht länger als nötig eingeschaltet lassen. Geräte nicht selbst reparieren, ausser man sei Profi.
  • Verbrennungen: heisse, brennende und leicht entflammbare Gegenstände nicht unbeaufsichtigt lassen und nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren. Pfannen soweit möglich auf die hinteren Platten stellen und den Kochtopfstiel für Kinderhände unerreichbar machen.
  • Vergiftungen im Haushalt: Medikamente, Chemikalien und Putzmittel müssen angeschrieben sein, damit keine Verwechslungen entstehen. Leben Kinder im Haushalt: die genannten Substanzen unerreichbar aufbewahren und keine giftigen Pflanzen halten oder diese einzäunen.

Stürze bei älteren Menschen

Menschen im höheren Lebensalter sind aus verschiedenen Gründen mehr sturzgefährdet als Junge. Das Sturzrisiko lässt sich vermindern mit geeigneten Schuhen, mit Hilfsmitteln z.B. Stöcken und fahrbaren Stützgestellen (Gehwagen, Rollator). Gefahrenquellen in der Wohnung beseitigen wie rutschende Teppiche und freiliegende Kabel. Akzeptieren, dass nicht mehr alles so schnell wie früher geht, Zeit ist ein lange verdientes Privileg älterer Menschen.

Bissverletzungen

Fremde Tiere nicht anfassen. Vorsicht ist auch eigenen Tieren gegenüber angezeigt, insbesondere wenn sie beim Fressen sind oder Junge haben. Sogar Meerschweinchen und Schildkröten können empfindlich zubeissen.

Augenverletzungen

Gegen Augenverletzungen Schutzbrille tragen wo Funken sprühen oder Splitter fliegen, ebenso beim Arbeiten mit ätzenden Flüssigkeiten. Bei gewissen Sportarten, insbesondere beim Kampfsport, auf den Schutz der Augen achten, so beim Fechten (Fechthelm). Schreibstifte, Stöcke, Messer und ähnliche Gegenstände mit nach unten gerichteter Spitze tragen, bei Nichtgebrauch Schutzhüllen anbringen. Werkzeuge, Messer und Scheren für Kinder unerreichbar aufbewahren und nur unter Aufsicht damit arbeiten lassen.

Verkehr

Helme, Sicherheitsgurte und Kopfstützen verwenden, kein Alkohol im Verkehr, Vorsicht mit müde machenden Arzneimitteln, kein Fahren in übermüdetem Zustand. Bei bekannter Neigung zu Sekundenschlaf kein Fahrzeug lenken.

Schwimmen

  • Nicht mit vollem Magen und nicht ohne vorheriges Abkühlen ins Wasser springen.
  • Kein Kopfsprung, wenn die Wassertiefe unbekannt ist. Der Aufprall des Kopfs auf ein unter der Oberfläche liegendes Hindernis kann zu Verletzungen der Halswirbelsäule und im schlimmsten Fall zu Tetraplegie führen.
  • Kleinkinder mit Schwimmflügeln versehen und nicht unbeaufsichtigt am Wasser spielen lassen.
    Schwimmbäder, Teiche, Brunnen und Gruben mit Gittern oder Zäunen absichern.

Wenn doch etwas passiert sein sollte...

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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