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Verstopfung

Fachbegriff: Obstipation

Obstipation oder Verstopfung bedeutet zu seltene oder behinderte Darmentleerung. Weniger als drei Stuhlentleerungen in der Woche, oft verbunden mit erschwertem Stuhlgang, gelten als Obstipation. Der Begriff ist jedoch nicht eindeutig definiert.

Einleitung

Die normale Häufigkeit des Stuhlgangs variiert zwischen dreimal täglich und dreimal pro Woche und wird gesteuert durch das vegetative (selbständig tätige) Nervensystem.
Der Begriff Verstopfung ist nicht eindeutig definiert. Unterschieden werden verschiedene Arten:

  • Bezogen auf den zeitlichen Ablauf: akut, vorübergehend oder chronisch bzw. anhaltend.
  • Bezogen auf die Ursache: funktionell oder organisch bedingt.

Ursachen

Alle denkbaren Ursachen für Verstopfung sind nicht aufzählbar. Sie sind sehr vielfältig, nicht immer liegt eine Erkrankung des Darms (selbst) vor.

Unspezifische Ursachen

Auf nervöse Impulse, seelische Einflüsse oder Nahrungsmittel kann der Darm mit Verstopfung oder mit Durchfall reagieren.

  • Darmträgheit ist eine häufige Ursache der chronischen Obstipation und betrifft hauptsächlich Frauen, Kleinkinder oder ältere Menschen. Sie ist bisweilen anlagemässig bedingt, meist bleiben die Gründe unklar. Obstipation in der Schwangerschaft kann ebenfalls in diesen Zusammenhang gestellt werden.
  • Medikamente sind in der Lage, die Stuhlpassage zu verzögern. Bekannt für diese Nebenwirkung sind insbesondere Morphin und andere Opiate, Eisenpräparate, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Parkinsonmedikamente, Diuretika, ferner der Missbrauch von Abführmitteln.
  • Psychosomatische Reaktion: Kurzzeitige, vorübergehende Verstopfung bei Stress, Hektik und anderweitigem Unbehagen (typisch am ersten Tag im Militärdienst oder nach Umzug in eine andere Gegend).
  • Bewegungsarmut und ungünstige Ernährung: Besonders gilt dies für ballaststoffarme Nahrung, ungenügende Flüssigkeitszufuhr oder ungewohnte Ernährung auf Reisen. In individuell unterschiedlichem Ausmass wirken verschiedene Nahrungsmittel oder Zutaten stopfend, zum Beispiel Schokolade oder Kakao, Bananen, Heidelbeeren, weisser Reis, gewisse Gemüse oder Früchte, Kekse, starker Schwarztee, Zimt.

Darmerkrankungen

  • Divertikulose, Colitis ulcerosa. Zu reflektorischen Darmstillstand führen Blinddarmentzündung, Divertikulitis, Perforation (Durchbruch) im Magen-Darmtrakt, Nierensteine.
  • Organische Verengung des Darms (Passagehindernis) durch Tumore oder grosse Polypen. Im höheren Lebensalter erweckt eine ohne erklärbaren Grund neu auftretende, anhaltende Verstopfung immer den Verdacht auf Dickdarmkrebs. Im Extremfall geht die Verstopfung in einen Darmverschluss (Ileus) über.
  • Schmerzhafte Erkrankungen am Darmausgang (Analerkankungen) wie Schleimhautrisse (Analfissur) oder Hämorrhoiden führen zu Verstopfung, indem Betroffene die Stuhlentleerung willkürlich zu vermeiden suchen.
  • Lageveränderungen des Enddarms mit Verlegung der Passage: Darmvorfall.

Neurologische, entzündliche und allgemeine Erkrankungen

  • Akute Obstipation: mögliche Begleiterscheinung von fieberhaften Erkrankungen und von Bettlägerigkeit. Im Weiteren führen Nierenstein- und Gallensteinkoliken sowie Bauchfellentzündung jeglicher Ursache zu reflektorischem Darmstillstand.
  • Chronische Obstipation: oft Folge von Gallenblasen- und Magenleiden, Schilddrüsen- und anderen hormonalen Störungen, Leberzirrhose, Sklerodermie, ferner von neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Paraplegie (Querschnittlähmung), Parkinson-Krankheit, Hirnschlag.

Symptome

Der Ausdruck Verstopfung spricht für sich. Die Betroffenen leiden an unregelmässigem, seltenem und oft schmerzhaftem Stuhlgang. Bauchschmerzen, Blähungen sowie Völlegefühl sind unangenehme Begleiterscheinungen. Koliken, Übelkeit und Erbrechen können eine akut auftretende Verstopfung begleiten.

Bei chronischem Verlauf besteht häufig das Gefühl, man habe sich nicht genügend entleert. Hochgradige Eindickung des Darminhalts führt zu hartem Stuhl. Bisweilen entsteht im Enddarm ein kompakter „Kotstein“, der nicht selbst hinaus gepresst werden kann, als Fremdkörper wirkt und die Symptome eines Darmverschlusses hervorruft.

Was man selbst tun kann

  • Äusserlich: Bauchdeckenmassage oder als Hausmittel warme Bauchwickel, kalte Apfelessigauflage.
  • Ausreichend körperliche Bewegung fördert die Darmperistaltik und ist überdies geeignet, Stress abzubauen.
  • Faserreiche und fettarme Kost: Gemüse, Salat, Früchte, Vollkornprodukte.
  • Genügend trinken, ca. 1,5 Liter täglich, bei Fieber und Schwitzen mehr.
  • Regelmässiger Gang zur Toilette („Darmerziehung“), Stuhldrang nicht unterdrücken.
  • Gegebenenfalls Verzicht auf stopfende Nahrungsmittel, insbesondere Schokolade, Kakao.
  • Hausmittel zum Einnehmen:
    • 2 bis 3 Dörrpflaumen ohne Stein über Nacht in Wasser einlegen, morgens nüchtern essen, eventuell auch das Wasser trinken.
    • Feigen, Apfel- oder Pflaumenmus.
    • Sauerkrautsaft – eventuell vermischt mit einem Esslöffel Apfelessig.
    • 1 bis 2 Löffel Leinsamen oder Weizenkleie mit viel Wasser (mindestens ½ Liter). Vorsicht mit Kleie: Ohne reichlich Wasser kann Kleie sich im Darm zu einem Klumpen zusammenballen und die Obstipation verstärken, ausserdem besteht die Gefahr von vermehrten Blähungen.
  • Glyzerinzäpfchen weichen harten, eingedickten Stuhl im Enddarm auf und machen ihn gleitfähig. Das Gleiche gilt für kleine Einläufe (Fertigpackungen aus der Apotheke).
  • Kurzfristig und wenn neben der Verstopfung keine weiteren „Bauchsymptome“ (s. unten, „Wann braucht es den Arzt“) bestehen, können Abführmittel eingesetzt werden. Präparate unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung sind erhältlich.

Wann braucht es den Arzt

Eine ärztliche Untersuchung ist angezeigt, wenn Obstipation in Kombination mit folgenden Beschwerden auftritt:

  • Akut, mit heftigen Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.
  • Änderung der Stuhlgewohnheiten in der 2. Lebenshälfte, Verstopfung abwechselnd mit Durchfall und Zunahme des Bauchumfangs trotz gleichzeitigem Gewichtsverlust.
  • Wiederholte oder anhaltende Änderung von Stuhlfarbe oder -beschaffenheit.
  • Blut, Schleim am Stuhl oder am WC-Papier, bleistiftartig dünne Stühle.
  • Harte, eingedickte Kotbrocken im Enddarm (Kotsteine), die nicht selbst entfernt werden können, sowie andere Behinderungen der Entleerung, z.B. bei Darmvorfall, Hämorrhoiden, Analfissur.

Diagnose

Der Arzt wird in erster Linie abklären, ob sich ein organischer Befund ausschliessen lässt. Es geht dabei insbesondere um Krebserkrankungen des Darms, neurologische Krankheiten oder Lageveränderungen wie Darmvorfall. Dazu nötig sind das Austasten des Enddarms (rektale Untersuchung, eine Darmspiegelung, Ultraschall und allenfalls weitere bildgebende Verfahren.
Die Bestimmung der Transitzeit des Darminhalts kommt in Frage, wenn klare organische Veränderungen am Darm nicht erkennbar sind und medikamentöse und diätetische Massnahmen zu keinem Ergebnis geführt haben. Nach Schlucken röntgendichter Kapseln lässt sich deren Durchlauf im Darm radiologisch verfolgen.

Therapie

Ein längerer Einsatz von Abführmitteln sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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