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Wirbelbruch

Fachbegriff: Wirbelfraktur

Wirbelbrüche kommen an den Wirbelkörpern und an den Bogenstrukturen vor. Bei schweren Verletzungen besteht die Gefahr einer Verschiebung der Bruchstücke, was zu einer Schädigung des Rückenmarks führen kann.

Einleitung

Bezüglich der gegenseitigen Lage ihrer Bruchstücke unterscheidet man nicht verschobene von verschobenen (dislozierten), bezüglich der verbleibenden Stabilität der Wirbelsäule stabile und instabile Frakturen (Abbildungen a und b). Bei letzteren sind grösstenteils auch die Bänder verletzt und es besteht die Gefahr einer sofortigen oder zunehmenden Verschiebung der Bruchstücke, was zur Schädigung des Rückenmarks führen kann, schlimmsten Falls zu einer Querschnittlähmung.

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Anatomie

Wenn man die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule miteinander vergleicht, haben die Wirbelknochen in ihrem Aufbau gemeinsame Elemente, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Form. An den Bewegungen der Wirbel untereinander sind die folgenden Strukturen sowie die Bänder und Muskeln beteiligt.

  • Vorne liegt der trommelförmige Wirbelkörper, der die Tragfunktion erfüllt und sich vom hinten anschliessenden Wirbelbogen abgrenzen lässt.
  • Der Wirbelbogen nimmt mit seinen Gelenkflächen und Bändern die Zugbelastungen auf und umhüllt schützend das Rückenmark.
  • Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, denen eine Pufferfunktion zukommt.

Ursachen

Traumatische (unfallbedingte) Frakturen

Im Bereich der oberen Wirbelsäule (Halswirbelsäule) entstehen sie durch einen Aufschlag des Kopfes, wenn der Hals zu stark gebeugt, gestreckt oder verdreht wird, oder durch ein Schleudertrauma. Typische Beispiele sind: Kopfsprung ins seichte Wasser, Reit-, Fahrrad- oder Motorradunfall. Die mittleren und unteren Abschnitte erleiden Verletzungen durch Sturz auf das Gesäss („Achsenstoss“), durch direkte Krafteinwirkung auf den Rücken oder durch gewaltsame Bewegung wie Verdrehen, Überstrecken oder forciertes Beugen

Pathologische (krankheitsbedingte) Frakturen

Frakturen pathologisch veränderter Wirbel ereignen sich durch ein geringfügiges oder ganz ohne ein ursächliches Trauma. Man spricht dann von Spontanfrakturen.

  • Bei schwerer Osteoporose ist das Auftreten von Spontanfrakturen eines oder mehrerer Wirbelkörper nicht selten. Die Wirbelkörper sinken auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Höhe zusammen. Betroffen sind überwiegend Frauen nach den Wechseljahren.
  • Wirbelmetastasen (Ableger einer bösartigen Geschwulst) destabilisieren gleichfalls die Knochenstruktur. Auch dadurch ereignen sich pathologische Frakturen, spontan oder durch minimale Beanspruchung, die eine gesunde Wirbelsäule nicht schädigen würde.
  • Chronische, entzündlich-rheumatische Erkrankungen können die Knochenstruktur mit den Jahren ebenfalls schwächen, so dass Brüche bereits durch geringe Gewalteinwirkung zustande kommen.

Brüche mehrerer Wirbel

Sie entstehen sowohl durch Unfälle, als auch bei pathologisch veränderten Knochen (Spontanfrakturen).

Nebenverletzungen

Sie sind typisch beim Ganzkörpertrauma, bei Spontanfrakturen muss nicht mit ihnen gerechnet werden.

Symptome

  • Leitsymptom ist der Rückenschmerz, der sich bei Bewegung oder durch Beklopfen verstärkt. Er ist am intensivsten bei frischen unfallbedingten Frakturen und kann eine völlige Blockierung der Wirbelsäule zur Folge haben. Demgegenüber nehmen Personen, die an chronischen Rückenschmerzen leiden, eine Spontanfraktur bisweilen gar nicht wahr.
  • Oft besteht das subjektive Gefühl des Stabilitätsverlusts. Man kann sich nicht mehr aufrichten.
  • Rückenmarkbeteiligung: Im Anschluss an eine massive Rückenverletzung lautet immer die erste Frage: „Können die Beine noch bewegt werden und ist das Gefühl in der unteren Körperhälfte vorhanden?“ Diese Fragen beziehen sich auf die am meisten gefürchtete Begleitverletzung von Wirbelbrüchen, die Schädigung des Rückenmarks mit einer teilweisen oder vollständigen Lähmung unterhalb der Verletzung (Querschnittlähmung, Paraplegie und Tetraplegie).
  • Blutung: Frische Wirbelfrakturen können stark bluten. Wenn ein grösserer Bluterguss im Bereich der Wirbelsäule entsteht, ist oft ein reflektorischer Stillstand der Darmtätigkeit die Folge, was zu einem überblähten Bauch und zu Verstopfung führt.
  • Buckelbildung, Kleinerwerden: Durch Spontanfrakturen bei älteren Menschen nimmt die Krümmung des Rückens nach vorne mehr und mehr zu. Es entsteht ein Buckel (Abbildung), und zusammen mit der fast immer vorhandenen degenerativen Verschmälerung der Bandscheiben wird die Wirbelsäule kürzer, der Mensch kleiner. (degenerativ: durch Abnützung entstanden).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Man kann von aussen kaum beurteilen, ob ein Wirbelbruch vorliegt oder nicht. Lässt er sich nicht ausschliessen, erfolgt der Transport am besten durch ausgebildete Helfer, die wissen wie der Verunfallte zu lagern ist. Dadurch vermindert sich das Risiko einer durch unzweckmässigen Transport bedingten Schädigung des Rückenmarks.

Prophylaxe der Osteoporose bedeutet zugleich Verminderung des Risikos einer spontanen Wirbelfraktur.

Wann braucht es den Arzt

Insgesamt umfassen die ärztlichen und pflegerischen Untersuchungen und Massnahmen ein breites Spektrum und sie erfordern vielfach Spitalbehandlung. Pathologische Frakturen können bisweilen zu Hause behandelt werden.
Neben Röntgenbildern wird zur genaueren Darstellung des Schadens oft die Computer-Tomographie (CT) oder die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) eingesetzt.
Bei Frakturen durch schweren Unfall ist mit der Verletzung weiterer Organe zu rechnen (Rippenbrüche, Pneumothorax, Nierenriss und andere).

Die Behandlung hängt ab von der Art des Knochenbruchs (stabil – instabil, Ausmass) und von einer allfälligen Schädigung des Rückenmarks. Stabile Frakturen lassen sich funktionell mit frühzeitiger Physiotherapie behandeln.
Patienten, die eine instabile Fraktur – mit oder ohne Lähmungserscheinungen – erlitten haben, weisen bezüglich Rehabilitation die günstigere Prognose auf, wenn die Wirbelsäule operativ aufgerichtet und in physiologischer Stellung verfestigt wird.
Bei pathologischen Frakturen gilt es, die auslösende Grundkrankheit in den Therapieplan mit einzubeziehen.
Ein neues operatives Verfahren ist das Einspritzen von Knochenzement in einen zusammengebrochenen Wirbelkörper (sog. Kyphoplastie). Dieser wird möglichst zu seiner ursprünglichen Grösse aufgerichtet und stabilisiert mit dem primären Ziel der Schmerzfreiheit. Der Eingriff ist jedoch nicht für jede Fraktur und jeden Ort geeignet.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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