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Wurmerkrankungen

Fachbegriffe: Wurminfektionen, Helminthosen
Häufig: Madenwürmer, Spulwürmer, Bandwürmer

Eine Wurminfektion erfolgt durch Wurmeier oder -larven. Diese können sich im menschlichen Organismus zu fortpflanzungsfähigen Parasiten entwickeln, die wiederum Eier legen und sich vermehren. Mit dem Stuhl werden Würmer, Wurmteile oder Eier ausgeschieden. Infektionsquellen sind kontaminierte Nahrung, verunreinigtes Wasser oder direkter Kontakt, z.B. mit Haustieren.

Zu den häufigsten Arten in Europa zählen Maden-, Spul- und bestimmte Bandwürmer (s. unten). Aufgrund der Zunahme von Reisen in tropische Länder kommen auch bei uns immer mehr ungewöhnliche, „exotische“ Wurmerkrankungen vor. Diese werden aber im Folgenden aus Platzgründen nicht beschrieben.

Überblick, Einteilung

Würmer (Helminthen), die Menschen krank machen, durchlaufen typische Entwicklungszyklen, indem aus Eiern Larven und schliesslich Würmer entstehen, wobei manche Larven mehrere Stadien durchmachen. Ein Wirtswechsel ist häufig und der Mensch kann Zwischen- oder Endwirt sein. Wurmeier sind sehr widerstandsfähig und überleben ausserhalb des menschlichen Körpers – je nach Umweltbedingungen – teils mehrere Monate bis Jahre. Wenn sich ein Mensch infiziert, entwickeln sich im Darm in den meisten Fällen Würmer und grösstenteils fehlen dann Symptome oder sie bleiben geringfügig. Gravierender ist der Krankheitsverlauf wenn sich im menschlichen Organismus Larven verbreiten.

Übersicht

  • Fadenwürmer oder Rundwürmer, sog. Nematoden: Zu diesen zählen unter anderem die Maden- und Spulwürmer, die Trichinen und viele Helminthen, die hauptsächlich oder ausschliesslich in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommen. Weltweit haben Nematoden die grösste Bedeutung für Menschen. So gehen beispielweise Schätzungen davon aus, dass ein Viertel der Weltbevölkerung mit Spulwürmern infiziert ist, und dass ca. 50‘000 Menschen jährlich an den Komplikationen der Krankheit sterben.
  • Saugwürmer, sog. Trematoden: Sie werden auch als Egel bezeichnet. Zu ihnen gehören die in wärmeren Regionen vorkommenden Schistosomen, deren Larven durch die Haut eindringen. Die Eier, Larven und Würmer dieser Helminthen können in menschlichen Organen schwere Schädigungen verursachen.
    Zwischenwirte der Trematoden, die Menschen krankmachen, sind Schnecken, in denen sich Larven entwickeln. In Europa heimische Trematoden infizieren auch Wasservögel oder kleine Säugetiere und können nach wiederholtem Kontakt die sog. Badedermatitis auslösen, die aber verglichen mit den zuvor angesprochenen Krankheiten harmlos ist.
  • Bandwürmer, sog. Zestoden: Die wichtigsten sind Fuchs- und Hundebandwurm, Rinder- und Schweinebandwurm. Sie sind seltener bei Menschen als Nematoden, können aber teils schwere Erkrankungen hervorrufen.

Ursachen, Übertragungswege und Risikofaktoren

Wurmeier

In den menschlichen Körper gelangen sie:

  • Durch Verzehr von mit Fäkalien verunreinigter Nahrung, z.B. ungewaschenes Gemüse, Salate und Beeren. So kann Beerensammeln im Wald und unmittelbares Essen zur Infektion mit dem Fuchsbandwurm führen.
  • Durch Mundkontakt mit wurmeierhaltigen Oberflächen: z.B. Küssen eines verwurmten Hundes, Lutschen an den Fingern nach Streicheln oder vergleichbarer Kontakt.
  • Selten über die Atemwege durch kothaltigen Staub.

Wurmlarven

Die Aufnahme von Larven erfolgt überwiegend durch Essen von infiziertem, rohem oder ungenügend gekochtem Fleisch oder Fisch.

In tropischen Regionen

Dort werden weitere Übertragungswege beobachtet.

  • Larven von bestimmten Saugwürmern bohren sich direkt durch die Haut und verbreiten sich dann auf dem Blutweg im Körper. Von besonderer Bedeutung sind Schistosomen(Bilharzien), von denen verschiedene Arten existieren, die in Afrika, Südamerika und/oder Teilen von Asien heimisch sind. Zwischenwirte sind Wasserschnecken. Der Infektionsweg via Haut kommt in Europa zwar vor, ist hier aber selten.
  • Manche blutsaugende Insekten übertragen Wurmeier oder -larven.

Krankheitsbilder

Das Krankheitsbild hängt ab von Art und Anzahl der Würmer oder Larven, die aufgenommen wurden oder im Körper herangewachsen sind. Adulte (ausgewachsene) Würmer verursachen
nicht die gleichen Symptome wie Larven. Juckreiz ist allgemein häufig und manche Infektionen lösen Symptome einer Gastroenteritis aus.

Fadenwürmer (Nematoden

Sie werden einige Millimeter bis mehrere Zentimeter lang. Die adulten Würmer leben – mit wenigen Ausnahmen – im Darm; Larven können in verschiedene menschliche Organe eindringen, in Leber, Lunge, Muskulatur usw. Mit dem Stuhl werden Eier und Larven ausgeschieden.

  • Madenwürmer (Oxyuren): Sie sind Ursache der häufigsten Wurminfektionen bei Menschen und mehrheitlich sind Kinder betroffen. Die bis einen Zentimeter langen, weissen Parasiten besiedeln den Dickdarm.
    • Wenn die Weibchen den Darm nachts zur Eiablage verlassen, führt dies zum Leitsymptom des Oxyurenbefalls, dem Juckreiz am After, verbunden mit Hautrötung und Kratzspuren. Selten treten andere Krankheitszeichen auf, z.B. Darmentzündungen.
    • Nach dem Kratzen können die Eier erneut in Mund und Darm geraten (Schmierinfektion) oder sie werden mit kontaminierten Nahrungsmitteln oder Wasser aufgenommen, sogar die Ansteckung durch Wäsche ist möglich. In Gemeinschaftseinrichtungen sind oft mehrere Personen befallen.
  • Spulwürmer (Ascariden) kommen weltweit vor, bei Haustieren – besonders Katzen –, aber auch bei Menschen und Vögeln.
    • Mit dem Stuhl ausgeschiedene Eier bleiben unter günstigen Bedingungen über Monate hinweg infektiös und gelangen mit verunreinigtem Gemüse oder Obst in Menschen.
    • Die im Dünndarm geschlüpften Larven wandern auf dem Blutweg in die Leber. Wenn die Larven früh sterben, bleibt die Infektion unbemerkt. Ansonsten dringen sie via Blut in die Lunge ein und können dann allergische Reaktionen und Bronchitis auslösen. Erreichen Larven über die Bronchien die Luftröhre, werden sie abgehustet und wieder geschluckt.
    • Erst jetzt bilden sich im Dünndarm des Menschen erwachsene 15 bis 40 Zentimeter lange, weisse Spulwürmer. Beschwerden von Seite des Darms treten erst bei starkem Befall auf, z.B. Koliken, Übelkeit, Unterernährung. Selten führt ein Spulwurmknäuel zu einem Dünndarmverschluss.
  • Trichinen (Trichinella spiralis): Trichinen sind weltweit verbreitet, insbesondere bei Schweinen, aber auch bei wild lebenden Säugetieren und Menschen. Die Würmer sind winzig (1,5 bis 4 mm).
    • Der Mensch infiziert sich durch Essen von larvenhaltigem Muskelfleisch, vor allem von Schweinen, heute vermehrt auch von Wildtieren.
    • Im Darm gebärt das ausgewachsene Weibchen Larven, die sich zunächst in der Dünndarmschleimhaut entwickeln (sog. intestinale Phase). Bei guter Resistenz (Widerstandskraft) muss nicht mit einer manifesten Erkrankung gerechnet werden. Wenn Symptome auftreten, handelt es sich um entzündliche bzw. allergische Reaktionen mit Durchfall, Bauchkrämpfen und Erbrechen.
    • Via Lymphe und Blut können die Trichinen in Lunge, Leber und später in die Muskulatur einwandern (sog. extraintestinale Phase). Es sind heftige entzündliche und allergische Reaktionen mit Fieber und Muskelschmerzen möglich. Typisch sind zudem Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen in Gewebe), besonders im Gesicht. Krankheitszeichen seitens Gehirn, Atmung und Herz sind seltener.
    • Sobald die Trichinen abgekapselt in der Muskulatur verharren (chronisches Stadium) – was bereits nach einer Woche geschehen kann – verschwinden die Symptome mit Ausnahme der Muskelschwäche. Die in sog. Pseudozysten abgekapselten Trichinen verbleiben bisweilen Jahrzehnte lang in der Muskulatur.

Bandwürmer (Zestoden)

Sie haben am Kopf Saugnäpfe oder Haken, mit denen sie sich an der Darmwand festhalten. Ihr Körper besteht aus abgeflachten, weisslichen Gliedern, ähnlich breiten Nudeln.

  • Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): In Mitteleuropa kommt er besonders in der Schweiz, in Österreich und Süddeutschland vor, daneben in Osteuropa, Teilen Asiens, und Nordamerikas. Es sind viele Füchse infiziert und da sie vermehrt in besiedelte Gebiete eindringen, ist die Krankheit auch für Menschen von Bedeutung. Die adulten Würmer des sog. kleinen Fuchsbandwurms sind im Vergleich zu anderen Bandwürmern winzig (1 bis 4 mm) und leben im Darm der Endwirte, neben Füchsen gelegentlich auch Katzen und Hunde.
  • Menschen stecken sich durch Essen von verunreinigten Lebensmitteln an, wie Gemüse, Pilze, Früchte (auch Waldbeeren), ungenügend gegartes Fleisch oder aber durch Kontakt mit Haustieren.
  • Nach Aufnahme der Eier schlüpfen im Dünndarm Larven, die mit dem Blutstrom in die Leber, seltener Lunge, Gehirn oder Muskeln transportiert werden. Dort bilden sich Zysten, die viele Bläschen enthalten (alveoläre Echinokokkose), sich tumorartig vergrössern, das umliegende Gewebe zerstören und wie eine Krebsgeschwulst in Nachbarorgane hineinwachsen. Kommt hinzu, dass erst Symptome auftreten, wenn bereits Organe geschädigt sind, insbesondere die Leber, evtl. auch andere Bauchorgane oder sogar die Lunge.
  • Diese gefährliche Erkrankung verläuft ohne Behandlung in über 90% der Fälle tödlich. Durch Verbesserung der Therapie (Operation, Medikamente) konnte die Sterblichkeit auf ca. 20% gesenkt werden. Nach hochgradiger Zerstörung der Leber kann eine Organtransplantation die einzige Heilungsmöglichkeit bieten.
  • Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): In Europa ist er hauptsächlich im Süden anzutreffen, daneben in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas. Endwirte sind Hund, Katze, Fuchs usw. Zwischenwirt, in dem sich die Larven entwickeln, ist der Mensch – neben Rindern, Schafen und Pferden.
    • Nach Aufnahme von Eiern durch Kontakt mit Tieren oder durch Nahrungsmittel können Larven in die Leber eindringen, seltener in Lunge, Gehirn, in andere Organe oder die Bauchhöhle des Menschen.
    • Dort bilden sich bis 12 cm grosse, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten), sog. Echinokokkuszysten, die teils gekammert sind. Viele verkalken und bleiben unbemerkt, andere lösen infolge Gewebeverdrängung Symptome aus wie Schmerzen in der Lebergegend, Gallekoliken, evtl. Gelbsucht, Kopfweh, seltener Krämpfe oder Husten. Dennoch ist die Infektion bedeutend weniger gefährlich als jene mit dem Fuchsbandwurm, da das Geschehen begrenzt bleibt. Wenn Zysten aufbrechen und Flüssigkeit sowie Larven mit dem umgebenden Gewebe in Kontakt kommen, sind allerdings schwere allergische Reaktionen die Folge.
  • Der Fischbandwurm wird bis zu 10 oder sogar 20 Meter lang und lebt im oberen Dünndarm von Menschen. Man findet ihn in vielen Gegenden, auch in Europa.
    • Die Eier gelangen ins Wasser, werden zunächst von kleinen Krebsen und später von Fischen gefressen.
    • Durch Essen von rohem oder ungenügend gekochtem Fisch nehmen Menschen Larven auf, die sich im Darm zu Würmern entwickeln.
    • Die Infektion bleibt meist asymptomatisch, ansonsten sind Durchfall und Erbrechen typisch, daneben vereinzelt eine Anämie (Blutarmut), die darauf zurückzuführen ist, dass der Fischbandwurm Vitamin B12 aus dem Dünndarminhalt aufnimmt.
  • Schweine- und Rinderbandwurm: Sie kommen weltweit vor, hauptsächlich jedoch in Regionen mit ungünstigen hygienischen Verhältnissen. Der Schweinebandwurm kann bis sieben, der Rinderbandwurm bis zwölf Meter messen.
    • Nach Aufnahme von Larven mit Rind- oder Schweinefleisch entstehen im Dünndarm die ausgewachsenen Parasiten. Krankheitssymptome sind meist unspezifisch oder fehlen; es kommen Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit abwechselnd mit Heisshunger, Schwäche und Abmagerung vor. Auf dem Stuhl finden sich bisweilen weisse Wurmglieder, die Eier enthalten, die erneut Rinder oder Schweine infizieren.
    • Gravierender können die Folgen sein, wenn Eier des Schweinebandwurms mit verunreinigten Nahrungsmitteln, Trinkwasser oder mit den Händen aufgenommen werden. Dann entstehen im Menschen Larven, die auf dem Blutweg andere Organe (Muskulatur, seltener Gehirn, Auge usw.) erreichen. Dort bilden sich sog. Zystizerken, das sind Blasen, die den Kopf eines Bandwurms enthalten. Sie können stumm (symptomlos) bleiben, doch nach dem Zerfall von Zystizerken setzt eine massive Entzündungsreaktion ein. Bei Befall des Gehirns (Neurozystizerkose), sind Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Ausfälle von Sensorik (Gefühl) oder Motorik, Meningitis und andere Symptome möglich.

Was man selbst tun kann

An einer Wurminfektion erkrankte Personen scheiden Würmer, Wurmteile oder Eier aus. Peinliche Hygiene, insbesondere sorgfältiges Händewaschen und Nagelreinigen nach dem Stuhlgang sowie Auskochen der Unterwäsche und der Handtücher unterbrechen den Infektionsweg und verhindern ein sich wiederholendes Anstecken. Entsprechendes gilt für die Desinfektion der Toiletten nach Gebrauch.

Wann braucht es den Arzt

Bei Verdacht auf eine Wurminfektion ist immer eine Arztkonsultation angezeigt.

Die Diagnose ergibt sich aus den Symptomen und dem Nachweis von Wurmteilen oder Eiern im Stuhl, allenfalls nach „Sammeln“ am Darmausgang mittels Klebestreifen. Allerdings lassen sich Eier und Wurmteile nicht immer bereits bei den ersten Krankheitssymptomen finden. Der Nachweis von Larven (z.B. von Bandwürmern) gelingt in der Regel nur mittels bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computer-, evtl. Magnetresonanz-Tomographie. Es existieren auch verschiedene Bluttests.
Wenn ein Kind betroffen ist, empfiehlt es sich, auch den Rest der Familie untersuchen zu lassen.

Therapie

Die Entwurmung erfolgt medikamentös.
Bandwurmzysten werden soweit möglich operativ entfernt, unter Umständen ist zusätzlich die Einnahme von Arzneimitteln nötig.

Vorbeugen

  • Fleischwaren und Fisch unbekannter Produktion nicht roh essen, insbesondere nicht in Regionen mit niedrigen Hygienestandards. Eine sorgfältige Zubereitung ist nötig, z.B. gutes Durchgaren, genügendes Räuchern oder Tiefgefrieren. Eine weitere Massnahme ist die Nahrungsmittelkontrolle (Fleischschau).
  • Gemüse, Salat, Pilze und Beeren vor dem Verzehr gut waschen.
  • Hygienemassnahmen: Händewaschen nach dem Gang auf die Toilette; Wartung von Sanitäranlagen.
  • Haustiere (nicht nur Hunde und Katzen) regelmässig auf Würmer untersuchen und wenn nötig entwurmen. Das Schmusen mit dem Tier und das Sich-Lecken-Lassen reichen aus für eine Ansteckung und sollten daher auf jeden Fall bei fremden Tieren unterbleiben.
  • Kontakt mit anderen Menschen, die Würmer haben, vermeiden, besonders unter Kindern.
  • In tropischen und subtropischen Regionen werden die Empfehlungen ergänzt durch weitere für Tropenreisende geltende, prophylaktische Massnahmen. Spezieller Rat gilt für die Bilharziose (Schistosomiasis): Die Egel leben in stehenden Gewässern Asiens, Afrikas, Zentral- sowie Südamerikas und können schon durch kurz dauernden Kontakt übertragen werden. Es ist deshalb dringend zu empfehlen, in den betreffenden Regionen nicht in stehenden Gewässern zu baden und direkten Kontakt der Haut mit Erde zu vermeiden. Weitere Massnahme in Tropen: Bekämpfung von Mücken und Fliegen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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