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Zeckenstich-Erkrankungen

Fachbegriff: Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis)

Es handelt sich um zwei verschiedene Krankheiten, die etwas gemeinsam haben, nämlich den Infektionsweg. Zecken stechen in die Haut von Mensch und Tier, um Blut zu saugen, das sie für ihre Entwicklung benötigen. Eine Zecke kann Bakterien oder Viren auf den Menschen übertragen. Jedoch sind nicht alle Zecken infiziert und deshalb führt nicht jeder Stich zu einer Krankheit. Zecken werden bei Temperaturen über zehn Grad aktiv, die meisten Infektionen erfolgen allerdings in der warmen Jahreszeit.

Die Lyme-Borreliose (oder Lyme-Krankheit) wird durch Borrelien, verschiedene Bakterienarten, verursacht. Die Bakterien besiedeln den Darm der Zecke und gelangen im Verlaufe des Saugaktes in den Menschen.
Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist Folge einer Infektion mit dem FSME-Virus. Die Viren leben in den Speicheldrüsen des Parasiten und können schon kurz nach dem Stich übertragen werden.

Bei einem „banalen“ Zeckenstich entsteht innerhalb von Stunden, maximal zwei Tagen auf der Haut eine kleine lokale Entzündung, die einem Insektenstich ähnlich ist. Die Rötung wird selten grösser als 1 cm und verschwindet rasch wieder. Wenn mit dem Stich keine Borrelien oder andere Krankheitserreger übertragen wurden, ist nicht mit weiteren Symptomen zu rechnen.

Ursachen

 

  • Die Überträger: Zecken gehören zu den Spinnentieren und besiedeln die meisten Laub- und Mischwälder mit reichlich Unterholz. Sie werden an Waldrändern und -wegen, aber auch in Parks und Gärten vom Gebüsch, von Sträuchern und Gräsern abgestreift. Sie lassen sich nicht von den Bäumen herunterfallen. Auch von einem Hund können Zecken auf den Mensch übertragen werden.
  • Die Erreger: Mit Borrelien infizierte Zecken kommen praktisch überall vor, wo es überhaupt Zecken gibt, während das FSME-Virus tragende Zecken nur in bestimmten Regionen der Schweiz und Europas anzutreffen sind (Endemiegebiete, siehe Karte auf der Homepage des BAG). Die Höhenlage über Meer hat einen Einfluss auf das Vorkommen der Krankheitserreger. So werden mit dem FSME-Virus befallene Zecken nicht über 1000 m, solche mit Borrelien nicht über 1500 m gefunden. Aber nicht in allen Gegenden überträgt jede Zecke Bakterien oder Viren.
  • Die Durchseuchung von Zecken mit Krankheitserregern ist regional unterschiedlich: Während es bei Borrelien bis zu 50% sein können, trägt nur ein kleiner Bruchteil der Zecken das
    FSME-Virus in sich.

 

Borreliose

Die Borreliose lässt sich in drei Krankheitsstadien unterteilen, wobei allerdings nicht jede Phase durchlaufen werden muss. Der nachstehend dargestellte Verlauf der Krankheit gilt für den Fall, dass keine Behandlung stattfindet. Bei korrekter Therapie wird mehrheitlich nur das erste Stadium durchgemacht. Die Stadien können sich auch überlappen und gelegentlich erkranken verschiedene Organe oder Organsysteme nicht nacheinander, sondern miteinander.
Wer in Amerika einen Zeckenstich erlitten hat, beobachtet oft andere Symptome als die im Folgenden beschriebenen. Das ist darauf zurückzuführen, dass auf dem amerikanischen Kontinent andere Borrelienarten vorkommen.

Erstes Krankheitsstadium

Nach einer Infektion mit Borrelien entwickelt sich typischerweise (jedoch nur bei einem Drittel aller Fälle) die so genannte Wanderröte der Haut (Erythema migrans). Es handelt sich um einen rot-bläulichen Fleck, der nach einigen Tagen (meist nach 7 bis 10 Tagen) am Ort des Zeckenstichs beginnt, im Zentrum eine Aufhellung aufweist und sich flächig bis zu einem Durchmesser von 5 cm ausweiten kann. Bei Kindern erscheint das Erythema migrans oft am Kopf oder Nacken. Vereinzelt brennt oder juckt es. Zeichen einer Ausbreitung der Krankheit im Körper ist das Auftreten mehrerer derartiger Flecken. In der Schweiz werden jährlich zwischen 200 und 300 Fälle von Erythema migrans beobachtet.
Begleitet wird die Hauterscheinung oft von Allgemeinsymptomen, die einer Grippe ähneln, wie Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Fieber und Nackensteife. Eine spontane völlige Heilung ist jetzt noch möglich.

Zweites Krankheitsstadium

Nach Wochen bis Monaten können verschiedene innere Organe und die Haut von der Infektion befallen sein. Es kommt zu Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Lymphknotenschwellungen, Nervenentzündungen und Lähmungen. Auch Hirnhautentzündung tritt auf, bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen.

Im Stadium 1 oder 2 – also nach wenigen Wochen – werden gelegentlich bereits neurologische Symptome und Herzmuskelentzündung (s. unten) beobachtet.

Drittes (spätes) Stadium

Nach Monaten oder Jahren sind charakteristisch: Hautveränderungen („Pergamenthaut“), chronische Gelenk- oder Herzmuskelentzündung sowie – selten – Nerven- und Hirnschädigungen, rheumatische Beschwerden, Lähmungen.

Post-Lyme-Syndrom

Selten bleibt nach einer Infektion mit Borrelien trotz geeigneter Antibiotikatherapie ein so genanntes Post-Lyme-Syndrom bestehen. Charakteristisch dafür sind monatelang anhaltende Beschwerden wie Gelenk-, Muskel- oder Nervenschmerzen, Gedächtnisstörungen und Müdigkeit.

FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)

Diese virale Infektion verläuft in etwa zwei Dritteln der Fälle symptomlos. Bisweilen entsteht vier Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung ein grippeähnliches Krankheitsbild, das nach einigen Tagen wieder verschwindet. Die Krankheit kann damit ausgeheilt sein. Aber nicht in allen Fällen. Von den Infizierten erleidet etwa jeder siebte nach einer meist kurzen scheinbaren Erholung eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung mit hohem Fieber, Bewusstseinstrübung, Kopfweh, Lichtscheu, Schwindel, Nackensteife, mitunter Nervenlähmungen und epileptischen Anfällen. Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen begleiten diese Krankheitsphase, die wochen- bis monatelang anhalten kann. Die Sterblichkeit beträgt 1%, wobei Kinder aber meistens einen gutartigen Verlauf mit Heilung aufweisen.
Nach schweren Verläufen bleiben vereinzelt Kopfschmerzen, Müdigkeit, Restlähmungen im Gesicht und an den Armen oder Beinen und psychische Veränderungen zurück.

Zwischen 2004 und 2006 hat sich die Zahl der in der Schweiz jährlich gemeldeten Fälle mehr als verdoppelt. Die deutlichste Zunahme war zu verzeichnen in den Kantonen Nidwalden, Waadt, Freiburg, Bern und Luzern. Die Anzahl der Infektionen ging allerdings 2007 wieder deutlich zurück.
Eine spezielle Behandlung der Krankheit gibt es nicht, man kann nur die Symptome bekämpfen. Das BAG empfiehlt aus diesem Grund die FSME-Schutzimpfung für Personen (Kinder ab 6 Jahren), die in einem Endemie- oder Risikogebiet leben (s. bei „Vorbeugen“).

Was man selbst tun kann

  • Zeckenstiche sind schmerzlos und werden vielleicht nicht bemerkt. Nach Aufenthalt an einem Ort, wo infizierte Zecken vermutet werden, sollte man alle Körperstellen gut absuchen, bei Kindern auch den behaarten Kopf.
  • Ist eine Zecke gefunden, fasst man sie am besten mit einer speziellen Zeckenzange (aus der Apotheke) so tief als möglich in der Haut und zieht vorsichtig, bis sie sich löst. Die Zeckenzange ist so geformt, dass sie den Hinterleib des Parasiten nicht zerquetscht, damit während der Manipulation nicht noch zusätzliche Erreger in die Blutbahn gelangen. Anschliessend sollte man die Stichstelle desinfizieren. Eine Zeckenzange besteht aus Plastik. Wenn man nur eine Metallpinzette zur Verfügung hat, wärmt man diese kurz an (Hand, lauwarmes Wasser), denn sowohl Kälte wie Quetschen veranlassen die Zecke dazu, die Krankheitserreger in die menschliche Blutbahn zu entleeren.

Da Borrelien erst am Ende des Saugaktes in Haut und Blutbahn gelangen, verhindert schnelles Auffinden und Entfernen der Zecke unter Umständen eine Infektion. FSME-Viren können demgegenüber bereits zu Beginn des Saugens übertragen werden.

Auf das Bestreichen mit Öl ist unbedingt zu verzichten. Auch sollte man die Zecke nicht stark drücken oder quetschen, weil sie sonst ihren Speichel in die Blutbahn entleert.

Wann braucht es den Arzt

Eine Arztkonsultation empfiehlt sich, wenn nicht die ganze Zecke entfernt ist und bei jedem Verdacht auf Infektion mit Borrelien oder FSME-Viren. Zurückgebliebene Teile erkennt man an schwarzen Pünktchen unter der Haut, die überwiegend von selbst herausfallen.

Verdacht auf eine Borreliose besteht, wenn die Hautrötung an der Stichstelle mehr als 5 bis 10 mm gross ist oder wenn diese Rötung länger als drei Tage bestehen bleibt. Das Gleiche gilt beim Auftreten von unklaren Allgemeinsymptomen nach einem Zeckenstich, auch wenn dieser drei oder vier Monate zurückliegt. Es kann sich dahinter eine bis anhin nicht bemerkte Infektion verstecken.
Die Borreliose wird mit Antibiotika behandelt, hauptsächlich um Komplikationen (Herzmuskelentzündung, neurologische Symptome) zu verhindern. Mit der Therapie ist alsbald nach Feststellen eines Erythema migrans oder anderer Symptome einer Borreliose zu beginnen. Die Mehrzahl der Patienten spricht gut auf die Behandlung an, doch können bis zum endgültigen Verschwinden der Krankheitszeichen Monate vergehen.

Bei FSME sind Antibiotika unwirksam, da es sich um eine Virusinfektion handelt. Die Therapie besteht im Bekämpfen der Symptome mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten.

Vorbeugen

Schutz vor Zeckenstichen ist das Entscheidende. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen.

  • Kleidung: Gefährdete Hautflächen, insbesondere Arme und Beine, werden mit möglichst gut schliessender Kleidung bedeckt, damit keine Zecken auf die Haut gelangen. Glatte Stoffe sind günstig, da sich Zecken dort schlecht festhalten können und auf heller Kleidung sind die Parasiten leichter erkennbar. Kleider lassen sich zusätzlich mit Zeckenschutzmitteln behandeln.
  • Repellentien auf exponierte Stellen sprayen (Hände, Hals).
  • Das Unterholz beim Wandern oder Joggen meiden, besonders wenn man kurze Hosen trägt.
  • Nach einem Ausflug den Körper sogleich nach Zecken absuchen.
  • Impfung gegen FSME-Erkrankungen: Sie wird vom BAG für Personen empfohlen, die in Risikogebieten wohnen, insbesondere bei hoher Infektionsgefahr (Orientierungsläufer, Jogger, Waldarbeiter, Kinder in Spielanlagen und Parks). Die Grundimpfung erfolgt mit drei Injektionen im Abstand von einigen Monaten, sie erzielt einen hohen Grad an Schutzwirkung. Eine Auffrischimpfung ist nur noch alle 10 Jahre nötig. Die Kosten werden in Endemiegebieten von der obligatorischen Grundversicherung getragen.
    Gegen Borreliose gibt es (noch) keine Impfung.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Bundesamt für Gesundheit (BAG)
    3003 Bern
    Tel. 031 322 21 11
    www.bag.admin.ch
  • Liga für Zeckenkranke Schweiz
    Sekretariat
    CH-3000 Bern
    Tel: 076 394 25 58
    www.zeckenliga.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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