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Zehendeformitäten

Unterformen: Hallux valgus, Hammerzehe, Krallenzehe

 

Hallux valgus, Hammer- und Krallenzehe sind häufige Deformitäten. Bei Frauen treten sie deutlich öfter auf als bei Männern.

Beim Hallux valgus besteht – von oben gesehen – eine seitliche Achsenabweichung der Grosszehe, die das normale Ausmass von 10 Grad übersteigt (Abb. a).

Hammer- und Krallenzehe betreffen die Zehen II bis V. Es handelt sich um eine Streckung oder Überstreckung des Grundgelenks nach oben und eine starre Beugung im Mittel- und oft auch im Endgelenk nach unten (Abb. b). Zwischen Hammer- und Krallenzehe wird bisweilen nicht präzis unterschieden.

 

Hallux valgus und Spreizfuss, typische Deformierung
Krallenzehe

Ursachen und Risikofaktoren

 

Deformierte Zehen stehen fast immer in Zusammenhang mit anderen Fussdeformitäten. Zum Hallux valgus führen Abflachung des Quergewölbes am Vorfuss, also der Spreizfuss, und Druck durch das Schuhwerk sowie Zug der Strecksehne. Der Hallux valgus zwängt seinerseits die benachbarten Zehen II und III in eine Fehlstellung, was das Entstehen von Hammer- und Krallenzehen fördert.

Begünstigend wirken:

  • Allgemeine Bindegewebs- und Bänderschwäche.
  • Zerstörung des Grundgelenks der Grosszehe durch Arthrose und Gicht.
  • Muskel- und Nervenverletzungen.
  • Neurologische Störungen.
  • Chronische Entzündungen, insbesondere die chronische Polyarthritis.

 

Symptome

Hallux valgus

Diese oftmals gut sichtbare und dann ästhetisch störende Fehlstellung der Grosszehen (Abb. a) ist mehrheitlich beidseitig und überwiegend bei Frauen anzutreffen.

  • Schmerzen durch Druck des Schuhwerks und bei Bewegungen im Grundgelenk, besonders wenn dieses versteift ist. Heftige, akute Schmerzschübe werden bei Arthrosen und Gicht beobachtet. Die Beschwerden entsprechen nicht immer dem äusserlich erkennbaren Ausmass der Abweichung. So kann schon ein geringgradiger Hallux valgus extrem schmerzhaft und umgekehrt eine schwere Deformierung nur von geringen Beschwerden begleitet sein.
  • Ein Knochenauswuchs (Exostose) an der Innenseite des Gelenks führt zu Beschwielung und chronischem Reizzustand der Haut und auch des darunter liegenden Schleimbeutels (Bursitis).
  • Die benachbarten Zehen werden zur Seite abgedrängt, wobei vor allem die II. Zehe in eine Hammerstellung gerät (s. unten).
  • Beim sog. Hallux rigidus führt eine Arthrose des Grosszehengrundgelenks zur Versteifung, aber nicht obligatorisch zu einer Fehlstellung.

Hammer- und Krallenzehen

Zwischen Hammer- und Krallenzehe wird bisweilen nicht präzis unterschieden. Das Grundgelenk ist nach oben überstreckt, das Mittel- und oft auch das Endgelenk sind nach unten gebeugt. Über dem starr fixierten, gebeugten Mittelgelenk (Abb. b), seltener auch über dem Endgelenk, entstehen ein schmerzhaftes Hühnerauge und eine chronische Entzündung, bedingt durch den Druck und das Scheuern der Schuhe. Wenn die Haut aufbricht, kann ein schlecht heilendes Geschwür entstehen, besonders bei Zuckerkrankheit und Durchblutungsstörungen des Fusses.

 

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Schuhe: genügend weit, keine hohen Absätze. Im Bereich schmerzhafter Druckstellen kann der Schuhmacher das Oberleder von Serienschuhen zur Druckentlastung ausweiten.
  • Training der Fussmuskulatur: Geeignet sind abwechselnder Zehen- und Fersengang sowie Barfussgehen.

Die nachfolgenden Behelfe und Massnahmen sollten erst nach Rücksprache mit dem Arzt oder Orthopädietechniker eingesetzt werden; sie wirken in erster Linie schmerzlindernd, in begrenztem Rahmen auch korrigierend.

  • Schuheinlagen: Einlagen unter den Fussgewölben (Längs-, Quergewölbe) gleichen einen Senk-Spreizfuss mindestens teilweise aus, was zu besserer Zehenstellung und zur Schmerzlinderung führt.
  • Ballenrolle („Abrollrampe“): Das ist eine orthopädische Zurichtung an der Schuhsohle, welche beim Gehen eine günstigere Dynamik des Vorfusses und damit Schmerzlinderung bewirkt. Die Abrollrampe kann an geeigneten Serienschuhen durch einen orthopädischen Schuhmacher angebracht werden.
  • Nachtschienen versprechen wenig Erfolg zur Korrektur eines Hallux valgus. Sie können jedoch in der Nachbehandlung eines operativen Eingriffs vorübergehend angezeigt sein.

Wann braucht es den Arzt

Ein Arztbesuch erfolgt, wenn die Schmerzen nach konservativen Behandlungsversuchen nicht nachlassen, oder aus ästhetischen Gründen. Im Weiteren braucht es den Arzt bei akuten Entzündungszeichen oder bei einer eiternden Hautwunde. Diesbezüglich sind Diabetiker besonders gefährdet.

Therapie

Konservativ: Im frühen Stadium eines Hallux valgus, oder wenn von einer Operation abgeraten werden muss, kann eine spezielle Schiene versucht werden, die das Fortschreiten der Fehlstellung begrenzen soll.

Operative Eingriffe haben zum Ziel, durch die Korrektur der Fehlstellung die Schmerzen zu beseitigen und die Ästhetik des Fusses zu verbessern. Dazu gibt es vor allem für den Hallux valgus Operationsverfahren in grosser Zahl, ohne oder mit Versteifung des Grosszehengrundgelenks. Das ausschliessliche Abtragen des seitlichen Knochenauswuchses, der sog. Exostose, bringt keine Stellungsverbesserung.
Bei Hammer- und Krallenzehen muss das Mittelgelenk oft versteift werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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