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CSS Versicherung

Medikamente

Der Medikamentenmarkt ist sehr stark reguliert. Die CSS Versicherung misst zusätzliche Regulierungen an deren Fähigkeit, möglichst marktähnliche Mechanismen zuzulassen. Heute bestehen bei der Medikamentenpreisbildung jedoch noch verschiedentlich Fehlanreize oder unklare Regulierungen (z.B. starre Margenordnung, willkürlicher Innovationszuschlag, unklare Anwendung von Auslandpreisvergleich (APV) und therapeutischem Quervergleich (TQV), fehlende Preis-Dynamik, keine jährliche Überprüfung der Preise durch das BAG etc.): Diese fehlenden oder falschen Anreize führen dazu, dass Medikamente in der Schweiz im Vergleich zum Ausland nach wie vor teuer sind und dass u. a. weniger Generika abgesetzt werden.

Die CSS unterstützt deshalb die politischen Anstrengungen, die Medikamentenpreisbildung in der obligatorischen Grundversicherung einem marktnahen Mechanismus zuzuführen und mehr wettbewerbliche Dynamik in die Preise im Medikamentenmarkt zu bringen. Eine Hauptforderung der CSS Versicherung ist dabei die jährliche Überprüfung sämtlicher Medikamentenpreise. Diese Massnahme wird auch von der vom Bundesrat eingesetzten Expertengruppe „Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung“ verlangt.

Insbesondere der Generikaanteil ist in der Schweiz gering. Die CSS unterstützt die Anstrengungen des Bundesrates und die Forderung der Expertengruppe, das Festpreissystems im patentabgelaufenen Bereich einzuführen. In der Grundversicherung (OKP) soll ein Festpreis für austauschbare Medikamente festgesetzt werden, deren Patente abgelaufen sind. Patientinnen und Patienten, die ein anderes Medikament mit demselben Wirkstoff wünschen, dessen Preis über diesem Festpreis liegt, bezahlen die Differenz selbst, sofern keine medizinische Gründe für das teurere Präparat sprechen. Diese Massnahme erhöht die Attraktivität von Generika, die gegenüber Originalpräparaten benachteiligt sind.

Die CSS strebt eine Abgeltung des Vertriebsanteils an, welche kanalspezifisch mit den Leistungserbringern verhandelt wird. Der Arzt hat z.B. ein beschränktes Angebot an Medikamenten und damit tiefere Lagerkosten. Die Logistik- und Kapitalkosten der Spitalapotheke hingegen sind bereits Bestandteil der Pauschalen der stationären Spitalleistungen. Diese Unterschiede könnten mit Hilfe von Verträgen zwischen den Leistungserbringern und den Krankenversicherern optimal tariflich abgebildet werden. Gleichzeitig bieten vertragliche Lösungen den Vorteil, dass zusätzliche Leistungen bei der Medikamentenabgabe gemäss ihrem Mehrnutzen abgegolten werden können. Als Beispiel für eine solche Zusatzleistung kann die Abgabe von Generika bei Therapiebeginn genannt werden. Mit den Verhandlungen der Leistungsorientierten Abgeltung (LOA V) arbeitet die CSS auf eine solche Lösung hin.

Der aktuelle Zulassungs- und Preisfestsetzungsprozess für Medikamente stützt sich heute nur auf Unterlagen ab, welche von der Antragstellerin eingereicht werden. Empfehlungen der Eidgenössischen Arzneimittelkommission sind im aktuellen Setting nicht bindend. Zudem muss das BAG keine Rechenschaft über seinen Entscheid ablegen. Aktuell kann gegen einen Entscheid des BAG nur die antragstellende Firma eine Beschwerde führen. Die Krankenversicherer als Kostenträger können somit nicht im Sinne ihrer Kunden reagieren, wenn ein Medikament trotz umstrittener WZW in den Leistungskatalog aufgenommen wird oder einen Preis erhält, welcher als zu hoch und nicht gerechtfertigt erachtet wird. Die CSS spricht sich darum wie die Expertengruppe dafür aus, dass bei der Medikamentenpreisfestlegung ein Beschwerderecht für die betroffenen Stakeholder (Versicherer, Konsumenten / Patienten) eingeführt wird.

Die CSS Versicherung unterstützt zudem nachfolgende von der Expertengruppe vorgeschlagene Massnahmen im Arzneimittelbereich: Einführung des Kostengünstigkeitsprinzips, Abschaffung des Innovationszuschlags für neu zugelassene Arzneimittel, Gesetzliche Förderung der Parallelimporte von Arzneimitteln sowie die Verpflichtung der Apotheker und der selbstdispensierenden Ärzte, Generika abzugeben.

Weitere Informationen zum Thema Medikamente finden Sie in unserer gesundheitspolitischen Publikation „im dialog“ 1/2016