0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 

Territorialitätsprinzip

Im Krankenversicherungsgesetz gilt das Territorialitätsprinzip. Die CSS bedauert dies, denn insbesondere die Qualität von Leistungen könnte durch offene Grenzen gefördert werden. Die Ergebnisqualität gewisser ausländischer Leistungserbringer übersteigt jene in der Schweiz bei weitem. So werden beispielsweise in der Martini-Klinik in Hamburg pro Jahr rund 2200 Prostataentfernungen mit minimalinvasiver Methode und drei Robotern durchgeführt. Bei 93,5 Prozent aller operierten Patienten bleibt dabei die volle Kontinenz erhalten, deutschlandweit liegt der Erfolg gerade mal bei 56,7 Prozent. In der Schweiz stehen 23 Roboter für diese Operation zur Verfügung. Die führenden Spitäler operieren aber gerade mal rund 100 Fälle pro Jahr. Das Überangebot führt zu hohen Fallkosten sowie geringen Fallzahlen und damit zu einer fraglichen Qualität. In Hamburg hingegen dürfen Patienten durch höhere Fallzahlen und Routine mehr Qualität erwarten. Auch die solidarische Gemeinschaft profitiert: Durch die günstigeren Preise wird die obligatorische Krankenpflegeversicherung weniger belastet. Eine Öffnung der Grenzen würde den Wettbewerb begünstigen. In der Schweiz müssten sich die Anbieter dem Wettbewerb mit dem Ausland stellen und bei transparenter Ausweisung der Qualität der Leistungen spezialisierte Zentren bilden. Für die grenzüberschreitende Versorgung braucht es Rahmenbedingungen. Patienten müssen wissen, warum sie für gewisse Leistungen besser ins Ausland gehen sollten; es braucht Qualitätstransparenz in der Schweiz wie auch im Ausland. Weiter müssen Notfall- und Grundversorgung in der Nähe gewährleistet sein. Für spezialisierte Bereiche könnte die Öffnung den Wettbewerb in der Schweiz befeuern und zu einer Konzentration der Angebote und damit höherer Behandlungsqualität führen. Es soll kein Zwang bestehen, sich im Ausland behandeln zu lassen. Der Patient kann selbst entscheiden. Nur so können wir Qualitätsmedizin fördern und davon profitieren.

Weitere Informationen zum Thema Territorialitätsprinzip finden Sie in unserer gesundheitspolitischen Publikation „im dialog“ 3/2016.