Schweizerinnen und Schweizern auf den Puls gefühlt: Die neue CSS-Gesundheitsstudie

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Wie geht die Schweizer Bevölkerung mit Gesundheit und Kranksein um? Das wollte die CSS wissen. Entstanden ist eine spannende soziodemografische Landkarte. Mit Unterschieden zwischen Alt und Jung, Frau und Mann, aber auch zwischen Tessinern, West- und Deutschschweizern.

Die CSS-Gesundheitsstudie wurde im Rahmen der Lancierung der neuen CSS-Kampagne «Hallo Leben» durchgeführt. Im Zentrum steht der Umgang der Schweizer Bevölkerung mit dem Kranksein sowie Einschätzungen und Befürchtungen in Bezug auf mögliche Erkrankungen. Für diese Studie hat die Forschungsstelle sotomo insgesamt 4'217 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz befragt. Eine erste Erhebungswelle wurde Anfang März durchgeführt. Um den Einfluss der Corona-Pandemie auf die Einschätzung von Gesund- und Kranksein berücksichtigen zu können, wurde Anfang Juni eine zweite Erhebungswelle durchgeführt.

Welche Spuren hinterlässt das Coronavirus?

Seit März 2020 dominiert Covid-19 die öffentliche Debatte und stellt das Leben rund um den Erdball auf den Kopf. Trotzdem spielt diese Infektionskrankheit nur eine eher marginale Rolle bei der Einschätzung von Gesundheitsgefahren durch die Schweizer Bevölkerung. Obwohl die Hauptbefragung Anfang Juni 2020 durchgeführt wurde (unmittelbar nach dem Höhepunkt der ersten Welle der Pandemie), ist Covid-19 nur für 0,6 Prozent der Befragten die Krankheit, vor der sie sich insgesamt am meisten fürchtet. Nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen Präventionsmassnahmen ist Covid-19 für die wenigsten Menschen eine direkte oder im eigenen Umfeld erlebte gravierende Krankheitserfahrung.

Insgesamt 38 Prozent sind der Ansicht, dass Pandemien ein grosses Risiko für die Gesellschaft sind. Diese Zahl wirkt bescheiden, wenn sie im Vergleich zu anderen Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit gestellt wird. So geben 72 Prozent an, dass Antibiotika-Resistenzen eine grosse Gefahr für die Gesellschaft darstellen und ebenfalls über die Hälfte (53%) erkennt eine solche in der Belastung des Trinkwassers durch Hormone und Pestizide.

Die vorläufig weitgehende Eindämmung des neuartigen Coronavirus in relativ kurzer Zeit hat offenbar das Vertrauen in die öffentliche Gesundheit, aber auch die Wahrnehmung der persönlichen Resilienz vor Gesundheitsgefahren gestärkt. Dieser Wahrnehmungswandel beschränkt sich dabei nicht nur auf mögliche Pandemien, sondern bezieht sich zum Beispiel auch auf die Gefahr von Antibiotikaresistenzen, die als weniger gravierend wahrgenommen wird als noch drei Monate zuvor.

Junge Menschen fühlen sich häufiger krank

Für die Befragten spielen Krankheiten und Kranksein, auch jenseits des Coronavirus, eine wichtige Rolle im Leben. Jüngere sind insgesamt bei besserer Gesundheit, fühlen sich dennoch häufiger krank. Der Kontrast zwischen Gesund- und Kranksein wird von jungen Erwachsenen intensiver wahrgenommen als von älteren. Krankheit gehört gerade auch für jüngere Menschen zum Alltag. In allen untersuchten Altersgruppen ab 18 Jahren geben über 90 Prozent der Befragten an, schon einmal gravierend erkrankt zu sein. Während bei Jüngeren psychische Erkrankungen, Verletzungen und Infektionen im Vordergrund stehen, beginnen bei Älteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Erkrankungen des Bewegungsapparats zunehmend die Krankheitsbiographie zu prägen. Rund vier Fünftel der über 65-jährigen Befragten sorgen sich zumindest gelegentlich vor bestimmten Krankheiten. Dies tun aber auch zwei Drittel der 18- bis 35-Jährigen. Auch hier zeigt sich ein auffälliger Wahrnehmungswandel: Während sich jüngere Befragte besonders vor Krebs und der damit verbundenen Todesgefahr fürchten, verlagert sich mit fortschreitenden Lebensjahren die Furcht Richtung Demenz und dem damit verbundenen Persönlichkeitszerfall.

Verwundbarkeit der Jüngeren

Nicht nur mögliche Erkrankungen und ihre gesundheitlichen Folgen lösen Ängste aus. Krankheiten bereiten vielen auch Sorgen, weil sie sich vor den Reaktionen durch das Umfeld und die Gesellschaft fürchten. Nur etwas mehr als ein Fünftel ist der Ansicht, dass es in der Schweiz genügend Verständnis für alle Arten von Krankheiten gibt. Besonders verbreitet ist die Furcht vor mangelndem Verständnis bei den Jüngeren. Bei den 18- bis 35-Jährigen geben 58 Prozent an, potenziell eine Krankheit zu verschweigen, weil sie sich vor den Reaktionen fürchten. Bei den über 64-Jährigen sind dies noch 34 Prozent. Das verbreitete Bewusstsein für Erkrankungen und Gebrechen im höheren Lebensalter scheint es für Ältere einfacher zu machen, über ihre Erkrankungen zu sprechen. Für jüngere Erwachsene gehört das Gesundsein dagegen zur Norm. Weil von ihnen erwartet wird, gesund und fit zu sein, sehen sie sich offenbar eher dazu gedrängt, Erkrankungen zu verbergen.

Internet als Quelle der Verunsicherung

Diese Verwundbarkeit zeigt sich auch im Umgang mit Krankheitssymptomen. Hierfür ist noch heute für alle Altersgruppen die Hausärztin oder der Hausarzt eine der wichtigsten Informationsquellen (72%). Bereits an zweiter Stelle (46%) steht jedoch bei allen Altersgruppen das Internet. Dieses liefert mit wenigen Klicks Zugang zu riesigen Mengen an Informationen zu Symptomen und Krankheiten. Doch das Internet ist nicht nur zu einer zentralen Informationsquelle bei Gesundheitsfragen geworden, sondern noch mehr zu einer Quelle der Verunsicherung. Fast 60 Prozent geben an, dass sie sich durch Angaben aus dem Internet schon falsch informiert fühlten. Ganz besonders trifft dies auf die 18- bis 25-Jährigen zu. Drei Viertel von ihnen haben schon schlechte Erfahrungen mit Internetrecherchen zu Symptomen und Krankheiten gemacht.

Tessiner konsultieren schneller einen Arzt als Deutschschweizer

Während in der Deutschschweiz rund die Hälfte bei unbekannten Symptomen zunächst abwartet, ob sie von alleine verschwinden, tun dies nur 37 Prozent der Menschen in der Romandie und nur ein Viertel in der italienischsprachigen Schweiz. Interessant ist auch die Haltung zum Thema lebensverlängernde Therapien: Fast die Hälfe der Befragten (48%) ist der Ansicht, dass im schweizerischen Gesundheitssystem eher zu viel auf lebensverlängernde Massnahmen mit teuren Therapien gesetzt wird, während nur 13 Prozent der Ansicht sind, dass aus Kostengründen auf Behandlungen verzichtet wird, die eigentlich angezeigt wären. Es zeigt sich dabei allerdings ein deutlicher Sprachgraben. Während in der Deutschschweiz eine Mehrheit (52%) der Ansicht ist, dass punktuell mit Therapien übertrieben wird, ist in der lateinischen Schweiz nur etwas mehr als ein Drittel dieser Ansicht.

Respekt vor seelischen Erkrankungen

Die Studie zeigt, dass neben der körperlichen Dimension von Krankheiten auch der mentale Aspekt in vielerlei Hinsicht eine zentrale Rolle spielt. Geht es um Folgen der am meisten gefürchteten Erkrankungen, sind es die geistig-seelischen Folgen, die noch vor der Todesgefahr am meisten Nennungen erhalten. Insbesondere für jüngere Menschen und dabei vor allem für jüngere Frauen spielen psychische Erkrankungen eine zentrale Rolle in ihrer Krankheitsbiographie. Während sich ältere Menschen ganz besonders vor Demenzerkrankungen mit ihren seelischen Folgen fürchten. Wenn es um Krankheiten geht, für die aus der Sicht der Befragten in der Schweiz zu wenig Verständnis besteht, stehen psychische Erkrankungen mit 61 Prozent Nennungen vor Schmerzerkrankungen (36%) mit Abstand an erster Stelle. Das vielleicht bemerkenswerteste ist, dass im Juni 2020 - mitten in der Coronakrise, deutlich mehr Menschen psychische Erkrankungen (63 als Gefahr für die Gesellschaft einschätzen als Pandemien (39%).

Weitere Erkenntnisse im Überblick

  • 33 Prozent würden sich sicher und weitere 30 Prozent eher gegen Covid-19 impfen lassen, falls ein Impfstoff vorhanden wäre. Die Impfbereitschaft ist vor allem bei älteren Personen, die sich heute bereits gegen Influenza impfen lassen, gross.
  • Auch in Zeiten von Fitness-Trackern und Smart-Watches bleibt die konventionelle Waage die klar am weitest verbreitete Form des Messens gesundheitsrelevanter Daten (46%). Weitere 15 Prozent wiegen sich mit einer App-gestützten Waage. Beliebt und oft mit positiven Folgen für das Gesundheitsverhalten ist auch das digitale Aufzeichnen der eigenen Schritte.
  • Das Vertrauen ins schweizerische Gesundheitssystem ist insgesamt sehr hoch. Dies gilt insbesondere in Bezug auf den Zugang zu Medikamenten und Therapien (72%) und Qualität des medizinischen Personals (70%). Allerdings fürchtet eine relativ grosse Minderheit Einschränkungen bei der Deckung von Behandlungskosten (36%), bei Transparenz und Informationen (29%) und bei der Einfachheit der administrativen Abläufe (23%).

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