Wie uns die Nackenmuskulatur vor lebensgefährlichen Einflüssen schützt

Nackenmuskulatur als Schutz der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule – beweglichster Teil der Wirbelsäule und gleichzeitig äusserst verletzlich. Dieser Spagat erfordert komplexeste Arbeit der Nackenmuskulatur, denn sie schützt uns vor lebensgefährlichen äusseren Einflüssen. Das bringt aber auch mit sich, dass sie häufig verspannt.

Die Anatomie der Halswirbelsäule ist eine ganz besondere. Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich nicht augenfällig von den anderen Abschnitten der Wirbelsäule. Muskeln und Bänder umgeben und stabilisieren diese. So weit, so gut. Besonders ist jedoch ihre extreme Beweglichkeit. Die Form der sieben Halswirbel ermöglicht Bewegungen in alle Richtungen. Nur nach hinten kann man nicht schauen – zumindest ist das nicht der Normalfall.

Was muss der Nacken tragen?

Die Antwort dazu scheint im ersten Moment relativ einfach: Rund 5kg Kopfgewicht. Diese ruhen auf dem obersten Wirbel, dem Atlas. Wie der Name auf Altgriechisch sagt, «trägt» und «erduldet» er den Kopf, ermöglicht aber durch seine besondere Form auch die Nickbewegung. Sein Nachbar, der darunter gelegene Axis, lässt die Drehbewegung zu. Dieser sehr kleine Bereich der Wirbelsäule ermöglicht so schon 70% der Bewegungen der Halswirbelsäule. Alle restlichen Wirbel tragen zur Vor- und Seitenneigung sowie zur Rotation bei.

Tatsächlich sind aber die Kräfte, die durch Stoss-, Brems-, und Zugbewegungen auf den Nacken einwirken, die weitaus grössere Herausforderung als die reine Last des Kopfes. Denn es ist die Halswirbelsäulenmuskulatur, die 80% der Einwirkungen abfängt.

Muskeln und Bänder als Schutzkorsett

Zum Schutz der Halswirbelsäule legen sich drei Schichten Nackenmuskulatur und Bänder wie ein Korsett um den so sensiblen Bereich. In unglaublich komplexer Zusammenarbeit ermöglichen diese nicht nur die dreidimensionalen Bewegungen, sondern schützen zudem das kleinste Segment – also Wirbel zu Wirbel – bis hin zum ganzen Rücken vor äusseren Einflüssen. Eine dynamische Bewegung oder ein ungeplanter Stoss schädigt so nicht das lebenswichtige Rückenmark oder austretende Nerven.

Wie komplex das Muskelsystem um die Halswirbelsäule ist, wird bei Kleinkindern besonders deutlich – immerhin brauchen sie sechs Monate bis die Nackenmuskulatur entwickelt ist. Viele Muskeln sind dabei in der Lage, verschiedene Bewegungen gleichzeitig auszuführen. Dazu gehören beispielsweise das gleichzeitige Stabilisieren und Bewegen oder Drehen und seitlich Neigen.

Nackenverspannungen als Schutzmechanismus

Kommt ein unerwarteter Einfluss von aussen, verspannt die Halswirbelsäule relativ schnell. Dabei handelt es sich im ersten Moment also um eine Schutzreaktion und hilft dem Körper also.

Gerade im Trapezius als grosser Rückenmuskel, der für viele verschiedene Bewegungen zuständig ist, spüren wir Verspannungen relativ deutlich. Tatsächlich sind es aber gerade auch die tiefliegenden Nackenmuskeln, wie der musculus splenius capitis oder auch die Kiefermuskulatur, die oft verspannen. Sie hängen anatomisch und auch in ihrer Funktion mit anderen Bereichen am Kopf zusammen.

Wie der Nacken mit Augen, Ohren und dem Gleichgewicht zusammenhängt

Seitlich treten zwischen den Wirbelköpern Nerven aus. Sie sind im Bereich der Halswirbelsäule für Augen, Ohren, Gleichgewichtsorgan, Geruch und vielem mehr verantwortlich. Ausserdem versorgen sie Nacken und Schultern. Nerven, aber auch die Nackenmuskulatur, sind also stark verknüpft mit Kiefer, Augen und dem Gleichgewichtsorgan.

So kann es passieren, dass die tiefe Nackenmuskulatur verspannt und so zum Beispiel für Tinnitus verantwortlich ist. Oder die Kiefermuskulatur verspannt und führt zu Schwindel. Mit diesem Hintergrund scheint es verständlich, dass ein extrem verspannter Nacken Kopfschmerzen oder Gleichgewichtsstörungen mit sich ziehen kann. Möglich ist das aber auch umgekehrt: Ein eingeschränktes Sehvermögen kann zu Nackenverspannungen führen.

Komplexe Anatomie erfordert komplexe Anforderungen

Klar ist also: Die Halswirbelsäule ist in der Lage, komplexeste Anforderungen zu meistern. Tagtäglich wird Sie aber bei den meisten wenig gefordert – im Gegenteil, denn sie wird über Stunden in der gleichen Position gehalten – und verspannt.

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