CSS Gesundheitsstudie 2026: Doppelt so viele Men­schen wie im Vorjahr nutzen KI zur Selbst­diagnose

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Der Anteil der Menschen, die KI-Chatbots nutzen, um Krankheitssymptome einzuordnen, ist innerhalb eines Jahres von 20 auf 42 Prozent gestiegen. Das zeigt die aktuelle CSS Gesundheitsstudie. Erstmals seit Beginn der Studienreihe zählt die Bevölkerung zudem das Ernährungsverhalten ebenso häufig zu den wichtigsten Krankheitsfaktoren wie die genetische Veranlagung. Unter den Lebensstilfaktoren, die als Gesundheitsbelastung wahrgenommen werden, sticht bei den jungen Erwachsenen der Konsum von Social Media, Nachrichten und Videos heraus: 44 Prozent empfinden diesen als belastend für ihre langfristige Gesundheit.

Bereits zum achten Mal hat das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der CSS untersucht, wie es der Schweizer Bevölkerung geht, was sie belastet und wie sich ihr Umgang mit Gesundheit verändert. Befragt wurden 2’459 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Die Altersgruppen gliedern sich in junge Erwachsene (18 bis 35 Jahre), Personen zwischen 36 bis 65 Jahren und über 65-Jährige.

Die erfreuliche Nachricht: Nach dem Tiefstand im Vorjahr fühlen sich die Menschen in der Schweiz wieder etwas gesünder. 66 Prozent bezeichnen sich als sehr gesund oder gesund, 34 Prozent eher angeschlagen oder krank (Vorjahr: 62 Prozent versus 38 Prozent). Bei der Frage, welche Aspekte des eigenen Lebensstils die Gesundheit belasten, wird schlechter oder mangelnder Schlaf am häufigsten genannt (38%), gefolgt von Bewegungsmangel (35%) und beruflichem Stress (33%).

Vier von zehn Personen nutzten KI-Chatbots zur Selbstdiagnose

KI-Chatbots werden bei Gesundheitsfragen zunehmend genutzt. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 42 Prozent einen Chatbot befragt, um Krankheitssymptome einzuordnen, etwa doppelt so viele wie im Vorjahr (20%). Die Nutzung ist dabei über alle Altersgruppen hinweg sprunghaft angestiegen: Unter den jungen Erwachsenen liegt der Anteil inzwischen bei 62 Prozent. Bei den über 65-Jährigen hat ein Drittel (30%) im letzten Jahr KI-Chatbots zur Selbstdiagnose genutzt. Ein Jahr zuvor waren es in dieser Gruppe erst 10 Prozent.

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung (28%) zählt KI-Chatbots zu ihren wichtigsten Informationsquellen bei körperlichen Symptomen, deutlich mehr als im Vorjahr (18%). Bei psychischen Symptomen ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gestiegen (von 11% auf 16%). Nach wie vor werden Ärztinnen und Ärzte, das Internet sowie das persönliche Umfeld jedoch deutlich häufiger zu den wichtigsten Informationsquellen gezählt. Dies könnte darauf hinweisen, dass KI-Chatbots zwar an Bedeutung gewonnen haben, jedoch für viele eher als zusätzliche Informationsquelle statt als Ersatz.

Junge Erwachsene empfinden digitalen Medienkonsum belastend

Beim Blick auf die einzelnen Altersgruppen fällt jedoch ein anderer Lebensstilfaktor besonders auf: der digitale Medienkonsum. Bei den 18- bis 35-Jährigen geben 44 Prozent an, dass sie diesen als belastend für ihre Gesundheit wahrnehmen. Bei den 36- bis 65-Jährigen ist das nur bei 19 Prozent der Fall, bei den über 65-Jährigen sind es gar nur 8 Prozent. Bei keinem anderen Lebensstilfaktor ist der Unterschied zwischen den jungen Erwachsenen und den beiden anderen Altersgruppen so gross.

Auch beim Umgang mit emotionaler Belastung zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen: 70 Prozent der jungen Erwachsenen neigen dazu, sich zurückzuziehen, wenn es ihnen emotional nicht gut geht. Bei den über 65-Jährigen sind es 55 Prozent. Über die vergangenen Jahre haben sich tendenziell weniger Menschen an ihr Umfeld gewandt, wenn es ihnen psychisch nicht gut geht. Mit 50 Prozent ist der Anteil so tief wie noch nie seit 2022 (57%).

Besonders für Personen, die sich einsam fühlen und die KI-Chatbots generell für private Anliegen nutzen, scheinen Chatbots die Rolle einer Vertrauensperson einzunehmen. 27 Prozent von ihnen geben an, dass sich das Gefühl von Einsamkeit durch den Austausch mit einem KI-Chatbot manchmal verringert hat. Fast jede fünfte Person (18%), die KI für private Anliegen nutzt, hat einem Chatbot ausserdem bereits Dinge anvertraut, die sie noch keinem Menschen erzählt hat.

Ernährung gilt als ebenso wichtig für die Gesundheit wie die Gene

Erstmals seit Beginn dieser Studienreihe schätzt die Bevölkerung das Ernährungsverhalten ebenso häufig als wichtigen Krankheitsfaktor ein wie die genetische Veranlagung – jeweils 59 Prozent der Befragten zählen diese zu den wichtigsten Einflussfaktoren, ob jemand gravierend krank wird.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Ernährungsempfehlungen nur teilweise umgesetzt werden. Diese Empfehlungen umfassen etwa frische statt verarbeiteter Lebensmittel, ausreichend Obst und Gemüse, wenig Alkohol sowie ein massvoller Fleischkonsum. Besonders die Empfehlungen zum Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln stellen eine Herausforderung dar: Nur jede fünfte Person kommt laut eigener Einschätzung auf die täglich empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse (22%).

Als häufigste Hürden für eine gesündere Ernährung werden eingespielte Gewohnheiten (39%), fehlende Motivation (36%) und Zeitmangel (35%) genannt. Im Umgang mit hochverarbeiteten Lebensmitteln sieht die Bevölkerung den Staat mit in der Verantwortung: Drei von vier (76%) befürworten eine Kennzeichnungspflicht für den Verarbeitungsgrad.

Der Anspruch, sich gesund zu ernähren, kann jedoch selbst zur Belastung werden: Fast jede zweite Person setzt sich deswegen unter Druck (45%). Gleichzeitig hat mehr als die Hälfte (59%) wegen des eigenen Essverhaltens zumindest gelegentlich ein schlechtes Gewissen gegenüber sich selbst. Besonders häufig betrifft dies junge Erwachsene.

Nicht nur der Ernährung, sondern auch dem Lebensstilfaktor Bewegung misst die Bevölkerung häufiger als im Vorjahr eine grosse Bedeutung für die Gesundheit bei. Mehr als die Hälfte (52%) zählt mangelnde Bewegung inzwischen zu den wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Krankheiten.


Für weitere Informationen


Kontakt Sotomo

Sarah Pannen, Studienleiterin Sotomo
Telefon 044 515 91 34
E-Mail: sarah.pannen@sotomo.ch