Überlastung bei pfle­genden Angehörigen: Umgang & Tipps

Ein junger Angehöriger hilft einem älteren Herrn zuhause und giesst ihm eine Tasse Tee ein.

Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Ohne diese Arbeit wäre für viele pflegebedürftige Menschen ein Leben zu Hause nicht mehr möglich. Gleichzeitig kann die Betreuung und Pflege verständlicherweise auch überfordern. Wir geben hilfreiche Tipps für pflegende Angehörige und zeigen, wie man sich vor einer Überlastung schützen kann.

Angehörige pflegen

Laut Schätzungen des Bundesamtes für Gesundheit leisten rund 600'000 Personen in der Schweiz unbezahlte Arbeit für die Betreuung und Pflege von nahestehenden Personen. Diese Arbeit von betreuenden Angehörigen ist unglaublich wertvoll und entspricht einer jährlichen finanziellen Entlastung der öffentlichen Hand von rund 3,7 Milliarden Schweizer Franken.

Mehrfachbelastung als grosse Herausforderung

Eine Pflegesituation als Angehörige oder Angehöriger zu bewältigen, kann jedoch körperlich wie auch emotional sehr herausfordernd sein. Insbesondere, wenn eine Mehrfachbelastung besteht durch Berufstätigkeit, eigene Familie, Hobbys und weitere Verpflichtungen.

Netzwerk aufbauen

Um eine Überlastung zu vermeiden, ist es essenziell, wichtige Fragen so früh wie möglich zu klären und sich über mögliche Anlaufstellen zu informieren. Zur Entlastung können beispielsweise Spitex-Dienste, Alterswohnungen mit oder ohne Pflegeleistungen, Mahl­zeitendienste, Notrufuhren oder Fahrdienste beitragen. Ein unterstützendes Netzwerk bietet ebenfalls eine grosse Entlastung.

Persönliche Beratung durch Gesundheits­coaches

Auch die CSS unterstützt pflegende Angehörige – mit einem Beratungs­angebot. In der «Beratung für pflegende Angehörige» vermitteln CSS-Gesundheitscoaches, wie sich bei der Pflege und Betreuung die eigene Gesundheit schützen lässt. Im persön­lichen Gespräch zeigen Fachpersonen mögliche Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten auf, um die Betreuungssituation zu verbessern.

Umfeld oder profes­sionelle Hilfe einbeziehen

Sowohl das persönliche Umfeld als auch professionelle Dienste und Organisationen sind häufig unabdingbar. Wichtig dabei ist, die Aufgaben verbindlich zu definieren. Falls mehrere Personen involviert sind, ist eine gute Kommunikation zentral. Alle Beteiligten sollen sich ihrer Aufgabe bewusst sein.

Informationen bei der Wohngemeinde einholen

Welche Angebote bietet die Gemeinde an? Gibt es eine Beratungsstelle für Altersfragen? Bestehen Angebote wie Aktivitäten, Mittagstische oder Besuchsdienste? Wo befindet sich das nächste Alters- und Pflegezentrum?

Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige

Auch Selbsthilfegruppen können Halt geben. Durch den gegenseitigen Austausch spüren pflegende Angehörige, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind, und sie profitieren von den Erfahrungen anderer.

Tipps zur Entlastung von pflegenden Angehörigen

  • Achten Sie auf Ihre Selbstfürsorge. Nur wenn es Ihnen selbst gut geht, können Sie sich gut um andere kümmern. Fragen Sie sich deshalb: Was tut mir gut? Was mache ich gerne? Notieren Sie Ihre Antworten und planen Sie diese bewusst in Ihren Alltag ein.
  • Gönnen Sie sich Auszeiten im Alltag. Chronischer Stress belastet Körper und Geist. Unterbrechen Sie diese Phasen deshalb mit Pausen, auch mit kurzen: Trinken Sie in Ruhe einen Kaffee, blättern Sie in einer Zeitschrift oder unternehmen einen Spaziergang. Gönnen Sie sich, falls möglich, auch einmal eine Auszeit von mehreren Tagen am Stück.
  • Sie müssen nicht alles allein regeln. Pflegen Sie den Austausch mit Angehörigen und anderen Helfenden. Besprechen Sie die Situation und teilen Sie die Aufgaben klar zu: Wer könnte Sie wann und womit weiter entlasten?
  • Pflegen Sie Ihre Beziehungen. Treffen Sie sich mit Freundinnen, Freunden und Bekannten, besuchen Sie einen Kurs oder pflegen ein Hobby. Tun Sie Dinge, die Ihnen Freude bereiten. Wenn solche Aktivitäten immer am gleichen Wochentag stattfinden, sind sie besser planbar und verbindlicher.
  • Wählen Sie Beziehungen bewusst. Reflektieren Sie: Welche Beziehungen tun mir gut? Mit wem verbringe ich am liebsten eine unbeschwerte Zeit? Könnten Sie sich vorstellen, in einer Selbsthilfegruppe über Ihre Situation zu sprechen?
  • Teilen Sie Ihre Energie ein. Fragen Sie sich: Was kann ich beeinflussen? Und was nicht? Nutzen Sie Ihre Energie bewusst.
  • Nehmen Sie Positives wahr. Auch in schwierigen Situationen kann es schöne Augenblicke geben. Halten Sie abends drei besondere Momente in einem Dankbarkeitstagebuch fest.
  • Hinterfragen Sie Glaubenssätze. Prüfen Sie Sätze wie: «Ich schaffe es allein», «Ich habe es meinem Partner doch versprochen» oder «Es wird von mir erwartet». Fragen Sie sich stattdessen: Wie geht es mir bei der Betreuung? Wie viel bin ich bereit zu tun? Was ist meine Motivation?
  • Seien Sie freundlich zu sich selbst. Auch wenn nicht alles gelingt: Erinnern Sie sich regelmässig daran, dass Sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln.


Quelle

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