Antibiotikaresistenz: Was sind die Folgen?

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Zu häufiger Einsatz von Antibiotika in der Medizin hat zu widerstands­fähigeren Bakterien geführt. Bereits heute sind Todesfälle in Verbindung zu Antibiotikaresistenz eine führende Todesursache. Wie Sie sich und andere schützen können.

Wundermittel Antibiotika

Vor rund 80 Jahren kam mit Penicillin das erste Antibiotikum auf den Markt und erleichterte den Umgang mit bakteriellen Infektionen massgeblich. Antibiotische Medikamente töten Bakterien ab oder stoppen deren Wachstum. Oft tödliche Infektionen, wie Lungenentzündungen stellten dank Antibiotika nicht mehr dieselbe Gefahr dar.

Die Entdeckung des Penicillins war einer der grössten Fortschritte in der Medizingeschichte.
Priv.-Doz. Dr. Roger Vogelmann & Prof. Dr. med. Matthias Ebert

Resistente Bakterien

Allerdings verbrauchen sich Antibiotika, da Bakterien Resistenzen entwickeln. Resistenzgene gehören zum natürlichen Abwehrsystem von Bakterien und sie gab es bereits lang vor menschlicher Antibiotikatherapie. Experten beobachten jedoch eine rasante Zunahme der Resistenzgene vor allem bei jenen Keimen, die in engem Kontakt zum Menschen leben. Zunehmend sind Erreger auch multiresistent, also gleich gegen mehrere Antibiotika widerstandsfähig. Infektionen lassen sich so sehr schwer oder gar nicht mehr behandeln.

Resistenz kann tödlich enden 

Wird eine Infektion nicht fachgerecht behandelt, führt sie in vielen Fällen zum Tod. Mittlerweile ist Antibiotikaresistenz eine der führenden Todesursachen weltweit. Wissenschaftler gehen von ca. 4.95 Millionen jährlichen Todesfällen aus, die in Verbindung zu antibiotikaresistenten Bakterien stehen. Dabei sind ärmere Regionen, insbesondere Subsahara-Afrika, deutlich stärker betroffen. In der Schweiz schätzen Experten, dass jedes Jahr 300 Personen aufgrund resistenter Bakterien sterben. 

Besonders gefährdete Personen

Personen mit Immunschwächen oder Implantaten erleiden häufiger Infektionen mit kaum behandelbaren Bakterien. Denn bei solchen Risikopatienten besteht eine grössere Gefahr, dass es von einer Besiedlung, auch Kolonisation genannt, zur Infektion kommt. Bei der Besiedlung befinden sich die Bakterien auf der Haut oder Schleimhaut des Menschen und vermehren sich. Zur Infektion und Erkrankung kommt es, sobald die Bakterien in den Körper des Menschen eindringen.

Spitalinfektionen

Immungeschwächte Personen befinden sich darüber hinaus öfters im Umfeld von Spitälern. Dadurch haben sie mehr Kontakt mit kranken Menschen, weshalb auch die Gefahr mit resistenten Erregern in Kontakt zu kommen, grösser wird. Medizinerinnen und Mediziner sprechen dabei von Spitalinfektionen.

Woher kommt Antibiotikaresistenz?

Dass immer mehr Bakterien widerstandsfähig gegenüber Antibiotika werden, haben sich Menschen zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben. Die Mittel werden zu häufig und unsachgemäss eingesetzt, warnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Vor allem vor der Entdeckung von Antibiotikaresistenzen, war ein ungehemmter Einsatz in der Humanmedizin an der Tagesordnung. Mittlerweile ist der Antibiotikaverbrauch zwar rückläufig, aber trotzdem noch problematisch.

Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung

Weitaus bedenklicher ist der massive Einsatz in Agrar- und Fischwirtschaft. Aufgrund der äusserst niedrigen Preise sind Antibiotika meist billiger als Hygienemassnahmen oder Einführung adäquater Haltungsformen bei Tieren. Die Antibiotikagaben führen zu resistenten Keimen in den Tierställen und Fischfarmen. Durch den Konsum tierischer Produkte gelangen die Keime dann in unseren Organismus. Fachleute fordern deshalb, den Antibiotika-Verbrauch zu senken.

Antreiber Globalisierung

Tiere und Menschen können sich resistente Erreger gegenseitig und untereinander übertragen. Bei Bakterien besteht die Gefahr, dass Resistenzeigenschaften an andere Bakterien weitergegeben werden. Dadurch und aufgrund der erhöhten Reisetätigkeit im Zuge der Globalisierung verbreiten sich resistente Bakterien weltweit. Experten sprechen von einer Globalisierung des bakteriellen Ökosystems. Wir stehen also vor einem weltweiten Problem.

Was Sie tun können:

  • Antibiotika nur gegen bakterielle Infektionen anwenden. Gegen Viren nützen Antibiotika nichts.
  • Die Medikamente nur einnehmen, wenn sie der Arzt verordnet. Nie auf eigene Faust behandeln.
  • Verordnete Antibiotika nur in der vorgeschriebenen Dosierung einnehmen.
  • Antibiotikatherapien nie frühzeitig abbrechen, auch wenn die Krankheitssymptome bereits verschwunden sind.
  • Übrig gebliebene Medikamente entsorgen und nicht aufbewahren, um sie später einzunehmen.

Resistenz bekämpfen mit neuen Antibiotika

Während sich resistente Erreger rasant ausbreiten, kommt die Forschung zu neuen Antibiotika nur schleppend voran. Neue Antibiotikagruppen helfen bei der Behandlung von Infektionen durch resistente und vor allem multiresistente Bakterien. Dadurch wirken sie dem Resistenztrend entgegen.

Stand der Forschung

Jedoch ist die Grundlagenforschung zu neuen Präparaten sehr teuer und die Gewinnaussichten sind begrenzt. Denn einerseits sind die Preise niedrig und andererseits werden neue Wirkstoffe immer zuerst zu Reserveantibiotika. Diese werden nur eingesetzt, wenn alle herkömmlichen Wirkstoffe versagen. Die Forschung ist für die Pharmaindustrie unattraktiv, weshalb neue Antibiotikagruppen nicht in Sicht sind.

Resistenz verhindern: was Sie tun können

Andere Wege müssen her, um dem Resistenztrend entgegenzuwirken. Wichtig ist es Infektionen zu verhindern und den Einsatz von Antibiotika zu begrenzen. ABS (Antibiotic Stewardship) ist ein US-Amerikanisches Projekt zur Vermeidung von Resistenzen in Krankenhäusern. Zur Umsetzung möglichst begrenzter und kurzer Antibiotikatherapien werden Pflegende stärker eingebunden und Experten hinzugezogen.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Bei ansteckender Infektionserkrankung Abstand halten zu anderen und zu Hause auskurieren.
  • Wunden sauber halten und schützen. Dadurch wird der Eintritt von Bakterien und somit eine Infektion verhindert.
  • Bakterien werden vor allem als Kontaktinfektion übertragen. Deshalb: Regelmässig die Hände waschen – nach jedem Toilettengang, vor dem Kochen, vor dem Essen etc.
  • Fleisch und Fisch getrennt von Lebensmitteln zubereiten, die nicht gekocht werden (Kochen tötet Keime ab). Danach Messer, Brett und Hände gründlich mit heissem Wasser und Seife reinigen.

Quellen:

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