Testosteronmangel beim Mann: Ursachen, Symptome und Behandlung
Müdigkeit, weniger Lust auf Sex, schlechte Laune: Solche Beschwerden werden schnell einem Testosteronmangel zugeschrieben. Doch die Diagnose ist komplexer, als viele denken. Was wirklich dahintersteckt, wie ein Mangel erkannt wird und welche Behandlungen es gibt.
Häufige Fragen zu Testosteronmangel
Die Ursachen können sich direkt in den Hoden befinden, wenn diese nicht genug Testosteron produzieren. Oder das Problem liegt bei Hormondrüsen im Gehirn, wenn die Hoden von ihnen zu wenig angesteuert werden und so die Produktion sinkt. Weitere Faktoren sind Übergewicht, Typ-2-Diabetes und einem allgemein schlechten Gesundheitszustand.
Mögliche Symptome eines Testosteronmangels sind Libidoverlust, Erektionsstörungen, Müdigkeit, Muskelabbau, Stimmungsschwankungen oder eine Zunahme des Bauchfetts. Viele dieser Symptome sind jedoch unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Sicherheit gibt nur eine ärztliche Abklärung mit Bluttest.
Ein anhaltender Mangel kann Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Stimmung beeinträchtigen. Langfristig steigt unter anderem das Risiko für Osteoporose. Nicht jeder tiefe Wert macht jedoch krank oder muss behandelt werden.
Mediziner unterscheiden primären (Hoden), sekundären (Hirnanhangdrüse / Hypothalamus) und funktionellen Testosteronmangel (meist reversibel, oft durch Lebensstilfaktoren oder Alter bedingt).
Gewichtsreduktion, ausreichend Schlaf, Krafttraining und weniger Alkohol können den Testosteronspiegel bei funktionellem Testosteronmangel verbessern. Bei bestätigtem Mangel kommt ärztlich begleitet auch eine Testosteronersatztherapie infrage.
Sie ist nicht für jeden geeignet, etwa bei Kinderwunsch, bestimmten Prostata-Erkrankungen oder erhöhtem Thromboserisiko. Deshalb ist eine ärztliche Kontrolle vor und während der Therapie wichtig.
Was ist Testosteronmangel überhaupt?
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es beeinflusst nicht nur die Libido, sondern fördert unter anderem auch den Aufbau von Muskulatur und Knochendichte, steuert die Fettverteilung und wirkt sich auf die Stimmung und Konzentration aus. Wenn der Testosteronspiegel dauerhaft zu tief ist und gleichzeitig bestimmte Symptome auftauchen, sprechen Mediziner von einem Hypogonadismus, einem Testosteronmangel beim Mann. Das Thema kann für Betroffene verunsichernd wirken – eine ärztliche Abklärung schafft aber Klarheit.
Testosteron: Aufgabe und Mangel – Experte erklärt
Welche Symptome weisen auf einen Testosteronmangel hin?
Testosteronmangel kann sich auf unterschiedliche Weise äussern, wobei manche Anzeichen bereits früh auftreten und andere sich erst über Monate bis Jahre entwickeln. Typische bereits früher auftretende Symptome für Testosteronmangel sind:
- Libidoverlust
- Erektionsstörungen
- Abnahme kognitiver Fähigkeiten
- Schlafstörungen
- Hitzewallungen, Schweissausbrüche und Frösteln
- Stimmungsschwankungen wie depressive Verstimmungen
Körperliche Veränderungen bei anhaltendem Testosteronmangel
Ein länger anhaltender Testosteronmangel kann verschiedene körperliche Veränderungen mit sich bringen:
- Abnahme der Muskelmasse und Kraft
- Zunahme des Körper – insbesondere Bauchfetts
- Rückgang der Knochendichte und dadurch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko
- Entwicklung einer Männerbrust (Gynäkomastie)
- Verringerter Bartwuchs oder Haarausfall
- Verkleinerung der Hoden
- Rückgang der Fruchtbarkeit
Testosteronmangel und Psyche
Testosteronmangel wirkt sich oft auf die Psyche aus. Denn in unserem Gehirn sind viele Rezeptoren, die auf das Hormon reagieren. Zudem beeinflusst Testosteron die Wirkung von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin, die unsere Stimmung steuern. Viele Betroffene von Testosteronmangel beschreiben psychische Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und Reizbarkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
Leben mit Testosteronmangel – Betroffener erzählt
Was kann ähnliche Beschwerden verursachen?
Rund um Testosteronmangel kursieren diverse Halbwahrheiten. Viele der Symptome sind eher unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Beispielsweise kann das Nachlassen der Leistungsfähigkeit und der Libido auch die Folge von chronischem Stress sein. Eine sichere Einordung ist nur mit einer ärztlichen Abklärung und Messung der Blutwerte möglich. Ähnliche Beschwerden wie Testosteronmangel können auch folgende Ursachen haben:
- Schlafmangel und Schlafstörungen
- Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen
- Depressionen oder andere psychische Belastungen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Chronischer Stress
- Metabolisches Syndrom (Kombination aus Adipositas, Bluthochdruck, schlechten Blutfettwerte und gestörtem Blutzucker)
Welche Ursachen hat Testosteronmangel?
Beim Testosteronmangel unterscheidet die Medizin 3 Formen:
- funktionell,
- primär und
- sekundär.
Je nach Form hat der Mangel andere Ursachen. Die mit Abstand häufigste Form des Testosteronmangels ist der funktionelle Hypogonadismus.
Funktioneller Hypogonadismus
Der funktionelle Testosteronmangel tritt häufig im Zusammenhang mit Übergewicht, Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes, diversen Begleiterkrankungen, einem allgemein schlechten Gesundheitszustand und zunehmendem Alter auf. Auch ein ungesunder Lebensstil mit viel chronischem Stress, Schlafmangel und Substanzkonsum kann Testosteronmangel verstärken. Der funktionelle Hypogonadismus ist oft gut umkehrbar, wenn sich die zugrundeliegende Ursache verbessert. Deshalb sprechen Mediziner von funktionell und nicht von primär oder sekundär.
Testosteronmangel im Alter
Ab dem 30. bis 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei Männern kontinuierlich um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr. Bei gesunden Männern bleibt dieser Rückgang meist gering und verursacht keine Beschwerden. Ein klinisch relevanter Testosteronmangel ist daher nicht eine normale oder unvermeidliche Folge des Älterwerdens. Wenn zusätzliche Faktoren wie Übergewicht, Diabetes oder chronische Erkrankungen vorliegen, kann das Alter einen Testosteronmangel zusätzlich begünstigen. Zudem berichten manche Männer zwischen 45 und 65 Jahren von ähnlichen Beschwerden, die umgangssprachlich als «Wechseljahre des Mannes» bezeichnet werden. Diese stehen aber nicht zwingend in Verbindung mit einem Testosteronmangel.
Primärer Hypogonadismus
Beim primären Testosteronmangel liegt das Problem in den Hoden. Sie produzieren zu wenig Testosteron und meist auch zu wenig Spermien. Mögliche Ursachen sind angeborene Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom, eine Hodenverletzung, eine Mumps-Orchitis (Hodenentzündung aufgrund einer Mumps-Infektion), eine Chemo- oder Strahlentherapie oder ein Hodenhochstand.
Sekundärer Hypogonadismus
Die Ursache eines sekundären Testosteronmangels befindet sich in der Hirnanhangdrüse (Hormondrüse an der Basis des Gehirns) oder im Hypothalamus (Verbindung zwischen Nervensystem und Hormonsystem im Gehirn). Diese steuern die Hoden über Hormonsignale an, tun dies aber zu wenig. Mögliche Ursachen sind Tumore im Bereich der Hirnanhangdrüse, ein erhöhter Prolaktinspiegel, bestimmte Medikamente wie Opioide oder seltene genetische Erkrankungen.
Was tun bei Testosteronmangel?
Je nach der Form des Testosteronmangels können Betroffene einiges bewirken. Symptome allein liefern aber noch keine Diagnose – erst eine ärztliche Abklärung mit Bluttest zeigt, ob tatsächlich ein Testosteronmangel vorliegt und welche Ursache dahintersteckt.
Was man selbst beeinflussen kann
Vor allem beim funktionellen Testosteronmangel kann man mit dem eigenen Lebensstil viel erreichen. Die folgenden Massnahmen sind wissenschaftlich am besten belegt und tun gleichzeitig der gesamten Gesundheit gut:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Ausreichend und regelmässiger Schlaf
- Gemässigtes Krafttraining und regelmässige Bewegung
- Reduzierter Alkoholkonsum
- Stressmanagement
- Ausgewogene Ernährung
Wann sollte man den Testosteronspiegel messen lassen?
Ein Test auf Testosteronmangel ist sinnvoll, wenn mehrere der genannten Beschwerden gleichzeitig auftreten und über längere Zeit anhalten, etwa eine Kombination aus Libidoverlust, Erektionsstörungen und ausgeprägter Müdigkeit. Einzelne, isolierte Symptome rechtfertigen dagegen noch keine vorschnelle Selbstdiagnose. Der erste Ansprechpartner ist die Hausärztin, der Hausarzt oder ein Facharzt bzw. eine Fachärztin.
Es gibt Patienten, die jahrelang Sexualfunktionsstörungen haben und noch nie ein Testosteronwert bestimmt bekommen haben.
Wie läuft die Diagnose ab?
- Blutentnahme am Morgen: Da der Testosteronspiegel im Tagesverlauf schwankt und am Morgen am höchsten ist, erfolgt die Blutentnahme in der Regel nüchtern und vor 11 Uhr.
- Bestätigung durch zweite Messung: Weil einzelne Messungen durch Tagesform oder Stress verfälscht sein können, empfehlen Fachgesellschaften, einen tiefen Wert durch eine zweite Messung an einem anderen Tag zu bestätigen.
- Mitbestimmung von LH und FSH: Diese Hormone zeigen, ob die Ursache eher in den Hoden (primär) oder in der übergeordneten Hormonsteuerung (sekundär) liegt.
- Hinweis auf funktionellen Testosteronmangel: Liegen LH und FSH im Normbereich und zeigt sich keine strukturelle Schädigung an Hoden oder Hirnanhangdrüse, deutet dies auf einen funktionellen Testosteronmangel hin – vor allem, wenn gleichzeitig Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder weitere Begleiterkrankungen vorliegen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Befund können weitere Abklärungen folgen, etwa eine Bildgebung der Hirnanhangdrüse oder ein Fruchtbarkeitstest.
LH und FSH – was ist das?
LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) werden in der Hirnanhangdrüse gebildet und steuern die Hoden an: LH regt die Testosteronproduktion an, FSH die Spermienbildung. Sind die Hoden selbst geschädigt, steigen LH und FSH an, weil der Körper versucht, gegenzusteuern. Liegt die Störung dagegen in der Hirnanhangdrüse oder im Hypothalamus, bleiben LH und FSH trotz tiefem Testosteron eher tief oder unauffällig normal.
Wann ist eine Testosterontherapie sinnvoll?
Eine Testosteronersatztherapie kommt infrage, wenn ein Mangel gesichert ist. Sie ist jedoch nicht für jeden geeignet und sollte immer unter ärztlicher Kontrolle mit regelmässigen Verlaufskontrollen erfolgen. Vorsicht ist geboten:
- Bei bestehendem Kinderwunsch: Testosteron von aussen kann die körpereigene Spermienbildung unterdrücken, da der Körper fälschlicherweise einen ausreichenden Hormonspiegel erkennt und die natürliche Hodenfunktion herunterfährt.
- Bei bestimmten Prostata-Erkrankungen bzw. auffälligen PSA-Werten: Testosteron kann das Wachstum von hormonabhängigem Prostatagewebe fördern, weshalb vorgängig eine urologische Abklärung sinnvoll ist.
- Bei unbehandelter, schwerer Schlafapnoe: Testosteron kann die Atmung während des Schlafs beeinträchtigen und bestehende Atemaussetzer verstärken.
- Bei bereits erhöhtem Hämatokrit (Blutdichte) bzw. Erythrozytose: Die Therapie regt die Blutbildung zusätzlich an und kann das Blut weiter eindicken, was das Thromboserisiko erhöht.
- Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhtem Thromboserisiko: Da Testosteron unter anderem über die Blutbildung wirkt, ist hier eine besonders sorgfältige ärztliche Abwägung und Überwachung nötig.
Testosteron als Medikament zugeführt hemmt die Spermienproduktion.
Behandlungsformen einer Testosteronersatztherapie
Für die Behandlung stehen verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung: Gel oder Pflaster zur täglichen Anwendung auf der Haut, kurzwirksame Injektionen im Abstand von wenigen Wochen sowie langwirksame Depot-Injektionen, die nur alle paar Monate verabreicht werden müssen. Auch Tabletten sind erhältlich, spielen in der Praxis aber eine kleinere Rolle. Welche Form im Einzelfall passt, hängt von Ursache, Alltag und persönlichen Vorlieben der betroffenen Person ab.
Mögliche Nebenwirkungen einer Testosteronersatztherapie
Neben den risikoreicheren Nebenwirkungen, bei denen Vorsicht geboten ist, kann eine Testosteronersatztherapie auch weitere, meist unbedenkliche Nebenwirkungen mit sich bringen:
- Zunahme von Akne und fettiger Haut
- Gutartige Vergrösserung der Brustdrüsen (Gynäkomastie)
- Reizung und Schmerzen am Anwendungsort bei Spritzen sowie Rötungen bei Gels
- Teilweise verstärkte Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen