Cholin: Wirkung, Lebensmittel, Tagesbedarf & Supplemente
Cholin ist wichtig für Gehirn, Nerven, Zellmembranen und Fettstoffwechsel. Wie hoch ist der Tagesbedarf, welche Lebensmittel liefern Cholin und wann sind Supplemente sinnvoll? Eine evidenzbasierte Einordnung.
Häufige Fragen zu Cholin
Cholin ist ein lebensnotwendiger, vitaminähnlicher Nährstoff. Der Körper kann einen Teil davon selbst in der Leber bilden. Diese Eigenproduktion reicht jedoch nicht immer aus. Daher muss Cholin zusätzlich mit der Nahrung aufgenommen werden.
Cholin wird für den Aufbau von Zellmembranen, den Transport von Fetten aus der Leber und die Bildung des Nervenbotenstoffs Acetylcholin benötigt. Dieser ist unter anderem an Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Muskelsteuerung beteiligt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA nennt für Erwachsene eine angemessene Zufuhr von 400 mg Cholin pro Tag. In der Schwangerschaft sind es 480 mg, während der Stillzeit 520 mg täglich.
Cholinreiche Lebensmittel sind beispielsweise Eier, Fleisch (v.a. Leber), Fisch und Milchprodukte. Pflanzliche Quellen sind Erdnüsse, Sojabohnen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Kohlgemüse, Nüsse und Samen.
Dafür gibt es bisher keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Cholin ist zwar am Fettstoffwechsel beteiligt, führt aber nicht automatisch zu einem stärkeren Fettabbau oder Gewichtsverlust.
Gesunde Erwachsene können Cholin normalerweise über eine abwechslungsreiche Ernährung in ausreichender Menge aufnehmen. Eine individuelle medizinische Abklärung kann in der Schwangerschaft, bei einer veganen Ernährung oder bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll sein.
Cholin: Was es ist es überhaupt und weshalb ist es wichtig?
Cholin ist ein lebensnotwendiger, vitaminähnlicher Nährstoff. Es wurde 1849 erstmals in tierischer Galle entdeckt und zeitweise als Vitamin B4 bezeichnet. Heute gilt Cholin nicht mehr als Vitamin, da der Körper es selbst herstellen kann. Ob unser Körper selbst genügend Cholin produzieren kann, hängt unter anderem von der Ernährungsweise, dem Alter, Geschlecht und anderen Faktoren ab. Daher ist wichtig, dass wir Cholin ausreichend über unsere Lebensmittel aufnehmen.
Cholin ist kein Wundermittel, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres normalen Stoffwechsels. Entscheidend ist deshalb nicht eine möglichst hohe Zufuhr, sondern eine bedarfsgerechte Versorgung.
Was macht Cholin in unserem Körper?
Cholin ist weniger bekannt als andere Vitamine oder Mineralstoffe und kommt in unserem Körper in ganz unterschiedlichen Verbindungen und in unterschiedlichen Funktionen vor: In Form von Phosphatidylcholin, bekannter als Lecithin, ist es ein zentraler Bestandteil der Membranen, die jede Körperzelle umgeben. Aus Cholin bildet der Körper auch den Nervenbotenstoff Acetylcholin. Dieser spielt eine wichtige Rolle für die Reizübertragung, das Gedächtnis, Aufmerksamkeit und die Steuerung unserer Muskeln.
Cholin ist ein wichtiger Baustein für die Lebergesundheit
Beim Fettstoffwechsel spielt Cholin eine Rolle beim Transport von Fetten aus der Leber. Bei einem ausgeprägten Cholinmangel kann sich daher Fett in der Leber ansammeln. Wie gut der Körper Cholin verwerten und selbst bilden kann, hängt auch von anderen Nährstoffen ab. Besonders Vitamin B12 und Folsäure spielen dabei eine wichtige Rolle. Fehlen diese Nährstoffe, kann dies die körpereigene Cholinproduktion beeinträchtigen.
Der Körper kann Cholin sowohl selbst herstellen als auch über die Nahrung aufnehmen. Mit einer gezielten Auswahl an Lebensmitteln ist eine bedarfsdeckende Aufnahme einfach möglich.
Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Cholin?
Cholin ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten. Besonders ergiebig sind tierische Lebensmittel wie Eier (vor allem das Eigelb), Leber, Fleisch und Fisch. Auch Milch und Milchprodukte tragen zur Versorgung bei.
Gute pflanzliche Cholin-Quellen sind:
- Erdnüsse
- Sojabohnen
- Edamame
- Tofu
- Leinsamen
- Bohnen und andere Hülsenfrüchte
- Vollkornprodukte
- Alle Arten von Nüssen und Samen
- Kohlgemüse
Auch Lebensmittel mit geringeren Gehalten leisten über mehrere Tage hinweg einen wichtigen Beitrag.
Angaben für Cholin-Gehalte verschiedener Lebensmittel (jeweils pro 100 g):
| Lebensmittel | mg Cholin |
|---|---|
| Eier | 335 mg/ 100 g, (Zusatzangabe: ca. 150 mg in einem Ei) |
| Leber (Rind) | 419 mg |
| Rindfleisch | 137 mg |
| Kabeljau | 83 mg |
| Hering (Atlantik) | 179,4 mg |
| Vollmilch | 14,3 mg |
| Joghurt, nature | 15,2 mg |
| Frischkäse | 27,2 mg |
| Baumnuss | 39,1 mg |
| Erdnuss | 52,4 mg |
| Sojabohnen | 115,1 mg |
| Tofu | 27,4 mg |
| Kürbiskerne | 63,1 mg |
| Brokkoli | 40,1 mg |
| Rosenkohl | 40,6 mg |
| Blumenkohl | 39,1 mg |
| Weizen (ganzes Korn) | 61,4 mg |
| Weizenbrot | 26,5 mg |
| Haferflocken | 32,2 mg |
Wie viel Cholin benötigen wir?
Da nicht genügend Daten für einen exakten Cholin-Bedarf vorliegen, hat in Europa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit «EFSA» (European Food Safety Authority) für die Cholinzufuhr bei Erwachsenen ab 15 Jahren eine «angemessene Zufuhr» in Höhe von 400 mg Cholin pro Tag festgelegt. Für Schwangere werden 480 mg und für Stillende 520 mg pro Tag empfohlen. Diese Empfehlungen sind Orientierungsgrössen. Wer an einem einzelnen Tag weniger Cholin aufnimmt, entwickelt nicht automatisch einen Mangel. Entscheidend ist die Ernährungsweise und Cholinzufuhr über einen längeren Zeitraum hinweg. Ein ausgeprägter Cholinmangel ist bei gesunden Menschen selten.
Warum benötigen Schwangere besonders viel Cholin?
Während einer Schwangerschaft steigt der Cholinbedarf, weil nicht nur der Körper der Mutter, sondern auch die Plazenta und das ungeborene Kind mit allen Nährstoffen versorgt werden müssen. Cholin wird für den Aufbau neuer Zellmembranen sowie für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem des Kindes benötigt. Studien deuten darauf hin, dass eine gute Cholinversorgung der Mutter vor und während der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit die Gehirnentwicklung des Kindes unterstützen kann. Deshalb ist in dieser Lebensphase eine ausreichende Zufuhr über cholinreiche Lebensmittel besonders wichtig.
Wann macht eine zusätzliche Einnahme von Cholin Sinn?
Insbesondere in Zeiten erhöhten Bedarfs, wie während des Wachstums, in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei intensiver körperlicher Aktivität, kann die körpereigene Produktion und die Zufuhr über Lebensmittel nicht ausreichen, um den Cholinbedarf zu decken. Schwangere sollten besonders darauf achten, ausreichend Cholin über die Nahrung aufzunehmen. Wer keine Eier und nur wenige oder keine tierischen Lebensmittel isst, kann die persönliche Versorgung mit einer Ernährungsfachperson, einer Ärztin oder einem Arzt überprüfen und klären, ob eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist. Bislang gibt es keine Empfehlung, Cholin in der Schwangerschaft zu grundsätzlich zu supplementieren. Trotzdem werden bereits Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere mit Cholin angeboten.
Der Cholinbedarf muss nicht mit einem einzelnen Supplement gedeckt werden. Lebensmittel wie Eier, Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch können sich im Alltag sinnvoll ergänzen.
Wann sind Nahrungsergänzungsmittel mit Cholin kritisch zu betrachten?
Besonders wichtig ist eine ausreichende Cholinversorgung während der Schwangerschaft. Hier kann die Einnahme eines Cholin-Supplements in Absprache mit einer Ärztin/ einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin/ einem Ernährungsberater Sinn machen. Gleichzeitig werden Cholin-Supplemente zum Abnehmen, für die Psyche oder zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit beworben. Was davon ist wissenschaftlich belegt und was macht Sinn? Cholin wird in Nahrungsergänzungsmitteln häufig als «Fatburner» vermarktet. Die Begründung: Der Nährstoff ist am Transport und Stoffwechsel von Fetten beteiligt. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass zusätzliches Cholin Körperfett abbaut. Auch für eine Verbesserung von Stimmung, Psyche oder Schlafstörungen durch Cholin-Supplemente fehlen überzeugende Belege. Auch die Forschung zu Cholin und Demenz oder kognitiver Leistungsfähigkeit liefert bislang keine ausreichende Grundlage für allgemeine oder höhere Einnahmeempfehlungen.
Was passiert, wenn ich zu viel Cholin einnehme?
Eine Überdosierung von Cholin ist durch normale Ernährungsweise kaum möglich. Kritisch kann es erst bei exzessiver Einnahme von hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln werden. Dabei ist viel Cholin ist nicht automatisch besser für unseren Körper: Sehr hohe Mengen (mehr als 3,5 g Cholin täglich, Upper Level, UL) können unter anderem einen fischartigen Körpergeruch, Magen-Darm-Beschwerden, starkes Schwitzen und einen niedrigen Blutdruck verursachen oder sogar die Leber schädigen.