Nabelschnurblut spenden & einlagern: Alles Wichtige im Überblick

Nabelschnurblut einlagern: Alles Wichtige im Überblick

Mit der Geburt eines Kindes geht ein bislang unterschätzter Schatz einher: das Nabelschnurblut. Es enthält wertvolle Stammzellen für spätere Transplantationen. Wann das Einlagern von Nabelschnurblut sinnvoll sein kann – und welche Unterschiede es bei der Aufbewahrung gibt.

Stammzellen aus Nabelschnurblut

Stammzellentherapien helfen bei gewissen schwerwiegenden Erkrankungen wie Leukämie, die Blutbildung und die Immunabwehr wieder aufzubauen. Stammzellen sind in unserem Knochenmark enthalten, wo sie bei optimalen Passungen bereits seit Längerem für Spenden entnommen werden. Was bislang weniger bekannt ist: Es gibt auch im Blut der Nabelschnur wertvolle Stammzellen. Dieses Feld entwickelt sich aktuell stark, weil Transplantationen mit Nabelschnurblut gegenüber der herkömmlichen Variante entscheidende Vorteile aufweisen.

Ist Nabelschnurblut einlagern sinnvoll?

Nabelschnurblut kann im Gegensatz zur Stammzellenentnahme aus dem Knochenmark ohne Eingriff entnommen werden. Nach der Geburt entnimmt eine Fachperson das Blut aus Schnur und Plazenta unter höchststerilen Umständen. Nach anschliessender Prüfung wird es in einer Datenbank tiefgefroren und so für den späteren Bedarf haltbar gemacht.

Weniger Abwehrmechanismen im Körper

Nabelschnurblut führt seltener zu Abwehrmechanismen im Körper, weil die Zellen noch unreifer sind als im Knochenmark. Vereinfacht gesagt, sind sie somit noch flexibler. Auch das potenzielle Spendenfeld erhöht sich durch eine Nabelschnurblut-Transplantation enorm, was Menschenleben retten kann: Heute benötigen Fachleute Monate, bis eine Knochenmark­spende gefunden und vorbereitet ist. Nicht selten ist es dann für die Transplantation zu spät, wie Dr. Prof. Daniel Surbek vom Inselspital Bern im Interview mit Swissmom ausführt. Im Gegensatz dazu sei das Transplantat aus einer Nabelschnurblutbank jederzeit abrufbar. Das Einlagern von Nabelschnurblut ist also aus medizinischer Warte sinnvoll.

Nachteile der Einlagerung von Nabelschnurblut

  1. Ein grosser Nachteil ist die begrenzte Menge der Stammzellen, die im Nabelschnurblut verfügbar sind. In den meisten bisherigen Fällen waren Kinder Empfänger von Stammzelltransplantaten aus Nabelschnurblut, weil bei Kindern geringere Mengen ausreichen.
  2. Zudem gibt es nur eine gute Chance für eine Passung, wenn viele Spenden in den Stammzellbanken vorhanden sind. Es braucht also grosse Stammzellbanken, um den Bedarf zu decken.
  3. Dadurch und aufgrund der Lagerung sind Nabelschnurbanken mit hohen Kosten verbunden.

Embryonale und adulte Stammzellen

Stammzellen entstehen aus der Teilung der befruchteten Eizelle. Durch weiteres Teilen können sie unterschiedliche Funktionen entwickeln. Man unterscheidet zwischen embryonalen Stammzellen, die sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden und somit noch fast alle Körperzellen bilden können, und adulten Stammzellen, die für den Körper eine wichtige regenerative Funktion haben. Stammzellen aus dem Nabelschnurblut stehen irgendwo dazwischen.

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Nabelschnurblut spenden

Nabelschnurblut zu spenden, ist im Prinzip recht einfach. Werdende Eltern können sich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen darüber informieren und sich bis kurz vor der Geburt dafür entscheiden. Einen umfassenden Überblick verschafft ein Ratgeber des Europarates. Während private Spenden praktisch überall entnommen werden können, sind öffentliche Spenden zurzeit jedoch nur in ausgewählten Kliniken möglich.

Wie funktioniert eine Nabelschnurblutspende?

Spätestens bei Eintritt in den Gebärsaal, idealerweise jedoch schon früher, müssen Sie sich für oder gegen eine Spende entscheiden. Nach der Geburt wird eine Blutprobe aus der Nabelschnur und der Plazenta entnommen. Im Labor werden die Blutstammzellen isoliert und die Probe nummeriert. Nach durchgeführten Sicherheitstest wird die Probe in flüssigem Stickstoff eingefroren und gelagert (Kryokonservierung). Befindet sich die Probe in einer öffentlichen Stammzellbank, wird sie verwendet, sobald ein Patient mit gleichen Gewebeeigenschaften eine Stammzelltransplantation benötigt.

Blutstammzellen aus Nabelschnurblut sind dank Kryokonservierung nahezu unbegrenzt haltbar.

Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Nabelschnurbanken

Doch was ist überhaupt der Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Spendenbanken? Wer das Nabelschnurblut seines Kindes öffentlich spendet,

  • gibt es für beliebige künftige Transplantationen frei.
  • hat keinen Anspruch mehr darauf.
  • gibt die Kosten in die Obhut der öffentlichen Hand.

Spenden sind allerdings nur in etwa 20% der Geburten möglich, da die öffentlichen Banken aus ökonomischen Gründen einen recht hohen Stammzellgehalt fordern.

Kosten einer privaten Einlagerung

Private Spenderbanken bewahren das Nabelschnurblut gegen eine Entschädigung, für welche die Eltern selbst aufkommen und stellen es zur Verfügung, wenn das Kind oder die Familie Bedarf anmeldet. Fast alle Blutspenden sind hier zulässig, weil der Stammzellgehalt bei innerfamiliären Transplantationen niedriger sein darf. Die Kosten belaufen sich für die Familien je nach Datenbank auf rund CHF 3'000 bis CHF 5'000. Wie das BAG auf einer Übersichtsseite zum Thema schreibt, schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit, dass privat aufbewahrte Blut-Stammzellen jemals für eine Therapie verwendet werden können, als sehr gering ein.

Hybride Nabelschnurbanken

In jüngster Zeit sind in der Schweiz auch sogenannte hybride Spenderbanken im Test, wie es sie in England oder in Deutschland bereits gibt. Hybride Datenbanken lagern die Spende für den Eigengebrauch ein, registrieren sie aber auch anonym im öffentlichen Stamm­zellen­spenden­register. Im Fall eines öffentlichen Anspruchs können die Eltern entscheiden, ob sie das Nabelschnurblut freigeben und eine Entschädigung für ihre Kosten erhalten, oder ob sie es weiterhin aufbewahren möchten.

Risiken für eine Nabelschnurblutspende

Nabelschnurblut wird nur nach normal verlaufender Schwangerschaft entnommen, wenn Mutter und Kind gesund sind. Je nach Verlauf der Geburt und Menge an Blut kann eine Entnahme auch nicht immer gewährleistet werden. Bei Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften wird darauf verzichtet. Weitere Risiken sind Krebsfälle in der Familiengeschichte oder Infektionskrankheiten wie HIV. Um Risiken auszuschliessen, füllen Spendereltern einen Fragebogen aus und die werdende Mutter macht einen Bluttest.


Quellen:

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