Was das Wunderwerk Haut alles kann

Was das Wunderwerk Haut alles kann Was das Wunderwerk Haut alles kann

Antenne zur Aussenwelt, Spiegel der Seele, Objekt der Begierde: Die Haut ist viel mehr als nur die äussere Hülle, welche innere Organe schützt. Was die Haut alles kann und warum wir auf sie aufpassen sollten.

Zahlen und Fakten zur Haut

  • Mit rund zwei Quadratmetern ist die Haut das grösste Organ des Menschen. Sie macht zirka 15 Prozent des Körpergewichts aus.
  • An den Händen und Füssen ist die Haut mit bis zu vier Millimetern am dicksten. Die Augenlider hingegen sind mit 0,03 Millimetern am dünnsten.
  • Die Haut erneuert sich alle 28 Tage. Jeden Tag verlieren wir bis zu 15 Gramm Hautzellen. Hausstaub besteht zur Hälfte aus diesen abgestorbenen Zellen. 
  • Ausgestattet ist unsere Körperhülle mit zwei bis vier Millionen Schweissdrüsen, mit besonders vielen sind die Fusssohlen bestückt – bis zu 700 Stück pro Quadratzentimeter. 
  • Schweissdrüsen produzieren bei Schwerstarbeit oder extremer Hitze bis zu 10 Liter Schweiss pro Tag.

Ein Multitalent mit vielfältigen Funktionen

Sinnlich:

Unsere Körperhülle ist mit Sinneszellen, Rezeptoren, ausgestattet und sehr empfindsam. Sie nimmt Berührungen, Schmerzen, Wärme und Kälte wahr. Besonders viele Rezeptoren befinden sich an den Fingerspitzen, den Lippen und den erogenen Zonen.

Begehrenswert:

Fürs äussere Erscheinungsbild und die körperliche Attraktivität eines Menschen spielt die Haut eine grosse Rolle.

Wasserabweisend:

Die Haut schützt vor einem Wasserverlust von innen und sorgt dafür, dass von aussen kein Wasser ins Gewebe eindringt.

Temperaturausgleichend:

Mit einer eigenen Klimaanlage ausgestattet, ist die Haut in der Lage, den Körper vor Überhitzung (durch Schwitzen) und Unterkühlung (durch verstärkte Durchblutung der inneren Organe) zu bewahren.

Drei Schichten, drei Aufgabenbereiche

Jede Hautschicht hat ihre speziellen Aufgaben: Die sicht- und fühlbare Oberhaut ist Schutzschild nach aussen und innen. Sie wehrt unter anderem Chemikalien sowie Erreger aller Art ab.

 Die Lederhaut ist mit Bindegewebsfasern ausgestattet. Diese sorgen dafür, dass die Haut stabil und gleichzeitig elastisch ist. Während die Fettschicht der Unterhaut dazu dient, Knochen und Sehnen zu polstern und vor Unterkühlung zu schützen.

Wie dicke Hornschichten entstehen

Die oberste Epidermis-Schicht enthält abgestorbene Hornzellen (Keratin), die normalerweise abgestossen werden. Bei Druck, Reibung oder Fehlbelastung, beispielsweise durch schlecht sitzende Schuhe, legt sich die Haut jedoch eine dicke Schutzschicht zu – es entsteht Hornhaut. An stark beanspruchten Stellen ist diese Schicht besonders dick, etwa an den Fersen oder den Fusssohlen. Wer Hornhaut loswerden möchte, sollte sachte vorgehen: Haut im Fussbad aufweichen, Hornhaut mit Bimsstein vorsichtig entfernen, danach gründlich eincremen.

Sprachbilder rund um die Haut

Wie wichtig die Haut für uns ist, verrät unsere Sprache», schreibt Dermatologin Yael Adler in ihrem Buch «Haut nah». Es gebe Tage, da fühle man sich unwohl in seiner Haut, manchmal sei es sogar zum Aus-der-Haut-fahren. Im Job ist ein «dickes Fell» gefragt, wer keines hat, gilt als dünnhäutig. Die Coolen juckt nichts, die Ängstlichen können nicht aus ihrer Haut. Und wer vor Ungemach flüchtet, will seine Haut retten. Der berühmte Dirigent Nikolaus Harnoncourt sagte einmal, dass er sich nach einem Konzert wie «ohne Haut» fühle.

Kreidebleich oder knallrot

Der momentane Gefühlszustand eines Menschen lässt sich an der Haut und vor allem an der Gesichtsfarbe ablesen. Dass wir in Schock- und Schreckensmomenten kreidebleich werden, ist ein Überbleibsel aus der Urzeit. Waren Kampf oder Flucht angesagt, wurden die dafür notwendigen Muskeln und Organe automatisch mit mehr Blut versorgt, während die unwichtigeren Bereiche wie die Haut weniger durchblutet waren. Ergebnis: Man wird weiss wie eine Wand. Wird hingegen jemand rot, können dafür ebenfalls unangenehme Gefühle wie Scham, Nervosität oder Wut die Auslöser sein. Nervenimpulse lassen dann die Hautgefässe weiten – neben knallroter Farbe sind «hektische Flecken» im Gesicht oder auf dem Hals typisch.

Wohlige Schauer und...

Ein zarter Windhauch oder ein sanftes Streicheln: Gänsehaut kann schön sein. Dass Dermatologen sie «Haarerektion» nennen, kommt nicht von ungefähr, erklärt Yael Adler. Gesteuert vom vegetativen Nervensystem, richten sich die eigentlich schräg in der Haut steckenden Härchen auf, «und die sie umschliessenden Hautschichten wölben sich bucklig nach oben.» Dies gelinge, weil an jedem Haarbalg in der Tiefe ein kleiner Zugmuskel sitze.

...eisige Kälte

Bei Kälte eine Gänsehaut mit aufgerichteten Härchen zu bekommen, auch dies kannte bereits der Urmensch. Das Aufplustern des «Fells» schützte vor Wärmeverlust. Mit demselben Mechanismus wurden damals Feinde abgeschreckt. Man erschien mit gesträubten (Nacken)haaren grösser und breiter. Warum einen emotionale Momente (Liebesfilme schauen, Lieblingsmusik hören) erschauern lassen, ist nach Yael Adlers Angaben nicht abschliessend geklärt. Zeige aber einmal mehr, wie eng Haut und Nervensystem zusammenspielen.

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So geht's

Warum wir welche Hautfarbe haben

Von weiss und rosa über gelb und orange bis braun und schwarz: Die menschliche Haut hat eine ganze Palette von Farbtönen. Diese Vielfalt ist genetisch und geographisch bedingt. Denn je nach «Anstrich» gelingt es besser, sich den unterschiedlichen Lebensbedingungen anzupassen. Verantwortlich dafür sind Melanine, Pigmente in der Epidermis.

Melanin gibt es beim Menschen in zwei Varianten: als braun-schwarzes Eumelanin und als gelb-rotes Phäomelanin.

Deren Mischverhältnis bestimmen Haut-, Augen- und Haarfarbe mit. Und sie haben, je nachdem, wo jemand zu Hause ist, Vorteile und Nachteile. In nordischen Ländern macht Phäomelanin die sehr helle Haut der Einwohner durchlässiger für die spärlichen UV-Strahlen, was wichtig ist für die Vitamin-D-Bildung. Unter intensiver südländischer Sonne muss der helle Hauttyp aber aufpassen. Er holt sich schnell einen Sonnenbrand. Dunklere Hauttypen sind davor besser gefeit.

Gute Bakterien, schlechte Bakterien

Eine optimale Mischung aus Mikroorganismen, die vor Krankheiten schützen und das Immunsystem unterstützen: Das sogenannte Mikrobiom des Darms ist bislang am besten erforscht. Doch was sich auf der Haut alles tummelt, rückt vermehrt ins Blickfeld. Auch hier schützt das Mikrobiom vor schädlichen Eindringlingen und wehrt diese ab. Ist die Besiedlung hingegen aus dem Gleichgewicht geraten, kann sich die Haut entzünden und krank werden. Deshalb ist es wichtig, für gute Bedingungen sorgen – mit einem intakten Fettstoffe- und Säureschutzmantel. Dermatologe Severin Läuchli empfiehlt: «Übertreiben Sie es nicht mit dem Waschen, wählen Sie ein Pflegemittel, das je nach Hauttyp nicht zu fettig ist, und am besten eines ohne Duft-, Farb- und Koservierungsstoffe.»

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