Beckenbodentraining: Übungen für Frauen

Eine junge Frau liegt entspannt auf der Trainings-Matte, dehnt sich und hat die Augen geschlossen.

Erfahren Sie, welche Übungen und Hilfsmittel den Beckenboden von Frauen wirksam stärken: Einfache Anspannungsübungen bis zu Pilates, Yoga und Trainings mit Geräten für zu Hause. Das Training kann individuell an Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahre angepasst werden.

Häufige Fragen zum Beckenbodentraining für Frauen

Beckenbodentraining für zu Hause: Welche Übungen gibt es?

Für das Beckenbodentraining zu Hause gibt es verschiedene Übungen, Methoden und Hilfsmittel, die sich für Frauen in jeder Lebensphase eignen. Im Vergleich zu anderen Muskeln lässt sich der Beckenboden zwar weniger leicht wahrnehmen, er kann aber ebenso wirksam trainiert werden. Wichtig ist dabei immer das Wechselspiel aus bewusster Anspannung und vollständiger Entspannung.

Einfache Beckenbodenübungen für den Einstieg

Für den Einstieg in das Beckenbodentraining benötigen Sie weder Vorkenntnisse noch Hilfsmittel. Diese einfachen Beckenbodenübungen können Sie sowohl im Bett als auch im Stehen durchführen und bequem in Ihren Alltag integrieren.

Eine Frau in Sportkleidung liegt im Park auf einer Matte und macht Yoga-Übungen.
Beim Beckenbodentraining für Frauen lernt man, die Beckenbodenmuskulatur bewusst anzuspannen und wieder zu entspannen.

Durchführung: Winkeln Sie im Liegen die Beine an. Wenn Sie die Übung im Stehen durchführen, stehen Sie locker und hüftbreit. Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur 3 bis 5 Sekunden lang an. Orientieren Sie sich dabei am Gefühl des Zurückhaltens von Urin; führen Sie die Übung aber niemals während des tatsächlichen Wasserlösens aus, da dies die Blasenfunktion stören und das Risiko für Restharn und Infektionen erhöhen kann. Entspannen Sie sie anschliessend wieder für 6 bis 10 Sekunden.

Wiederholen Sie die Übung 8 bis 10 Mal. Bauch-, Gesäss- und Oberschenkelmuskulatur sollten dabei unbedingt entspannt bleiben.

Pilates-Übungen für den Beckenboden

Beim Pilates werden die Beckenboden- und die Rumpfmuskulatur – das sogenannte «Powerhouse» des Körpers – gemeinsam trainiert: Sie spannen beim Ausatmen den Beckenboden sanft an und lösen die Spannung beim Einatmen wieder.

Wie das genau funktioniert, zeigt dieses begleitende Video in einer kurzen, alltagstauglichen Trainingseinheit von 7 Minuten. Neben der Kräftigung steht dabei auch die bewusste Entspannung der Muskulatur im Mittelpunkt.

Gabrielle führt durch die Übungen

Sportwissenschaftlerin & Pilates-Trainerin Gabrielle zeigt, wie Sie den Beckenboden mit Pilatesübungen trainieren.

Yoga für Anspannung und Entspannung

Yoga verbindet Kräftigung und Entspannung: Intensivere Stile wie Ashtanga Yoga können den Beckenboden gezielt kräftigen, während ruhigere Stile wie Yin Yoga die Entspannung fördern. Denn ein verspannter Beckenboden kann ebenso Beschwerden verursachen wie ein geschwächter.

Gerade in den Wechseljahren empfinden viele Frauen Yoga-Übungen für den Beckenboden als besonders wohltuend für den gesamten Körper.

Eine sportliche Frau in Fitnesskleidung macht in einem Raum auf der Matte Yoga.
Mit der Brückenpose (Setu Bandhasana) können Frauen ihren Beckenboden ganzheitlich stärken.

Durchführung: Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie die Füsse auf. Spannen Sie den Beckenboden an und heben Sie gleichzeitig das Becken an. Halten Sie die Position einige Atemzüge lang und senken Sie das Becken anschliessend wieder ab.

Hula-Hoop-Reifen – Chancen und Grenzen

Das Kreisen mit einem etwas schwereren, gepolsterten Hula-Hoop-Reifen aktiviert den Beckenboden auf spielerische Weise. Bei akuten Beschwerden wie starker Blasenschwäche oder Schmerzen ist diese Übung jedoch nicht empfehlenswert, da die Belastung die Beschwerden verstärken kann.

Durchführung: Stellen Sie sich hüftbreit hin und kreisen Sie das Becken 1 bis 2 Minuten in jede Richtung. Beginnen Sie in einem lockeren Tempo.

Kugeln als Trainingshilfe

Beim Beckenbodentraining mit Kugeln werden kleine, meist zweiteilige Kugeln vaginal eingeführt. Diese Trainingsmethode eignet sich vor allem für Frauen, die bereits ein gutes Gefühl für ihren Beckenboden haben. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen beim Einführen oder Entzündungen im Beckenbereich sollte auf diese Methode verzichtet werden.

Durchführung: Tragen Sie zum Einstieg eine leichtere Kugel wenige Minuten lang im Liegen oder Sitzen. Steigern Sie Gewicht und Tragedauer anschliessend langsam. Leichte Bewegungen oder eine gezielte Anspannung fordern die Muskulatur zusätzlich. Bei Unsicherheiten kann eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut die fachgerechte Anwendung erklären.

Biofeedback- und Elektrostimulations-Geräte

Eine Sonde wird in die Vagina oder den Anus eingeführt und geben beispielsweise über eine App Rückmeldungen zur Anspannung des Beckenbodens. Viele Modelle bieten zusätzlich geführte Trainingsprogramme. Elektrostimulationsgeräte geben zusätzlich Impulse ab, um die Muskulatur zu stimulieren.

Für die Durchführung sollten Sie eine Einführung durch eine Fachperson der Beckenboden-Physiotherapie in Anspruch nehmen.

Sitzmatte mit Sensor

Als Alternative gibt es für das Beckenbodentraining auch Geräte in Form einer Sitzmatte mit Sensor. Beim Sitzen erfasst der Sensor die Muskelaktivität und gibt Rückmeldung, ohne dass ein Gerät eingeführt werden muss.

Da bei diesem Trainingsgerät unbewusst mit den Gesässmuskeln geschummelt werden kann, sollten Sie sich von einer Fachperson der Beckenboden-Physiotherapie beraten lassen.

Training mit dem Gymnastikball

Übungen mit dem Gymnastikball eignen sich für ein schonendes Training und haben sich insbesondere beim Beckenbodentraining in der Schwangerschaft, bei Inkontinenz nach der Geburt sowie bei Blasenschwäche bewährt. Gleichzeitig trainieren Übungen mit dem Ball den gesamten Körper.

Durchführung: Setzen Sie sich aufrecht auf den Ball. Kreisen Sie das Becken 2 bis 3 Minuten lang langsam in beide Richtungen. Spannen Sie dabei den Beckenboden bewusst an und entspannen Sie ihn anschliessend wieder.

Weitere schnelle Übungen für den Alltag

Neben diesen gezielten Trainingsmethoden lassen sich weitere, einfache Übungen in den Alltag integrieren, die den Beckenboden zusätzlich entlasten und stärken:

  • Beim Husten oder Niesen den Oberkörper leicht abdrehen, um den Beckenboden zu entlasten.
  • Beim Wasserlösen aufrecht sitzen und die gesamte Fussfläche auf dem Boden aufsetzen. Beim Stuhlgang die Füsse auf eine Erhöhung stellen und das Becken leicht kippen.
  • Vor dem Heben von Gewichten (z.B. einer Einkaufstasche, einem Wäschekorb oder einem Kind) den Beckenboden bewusst anspannen.
  • Nicht bei jedem leichten Harndrang sofort die Toilette aufsuchen, sondern die Blase gezielt trainieren. Stuhldrang sollte hingegen nicht unterdrückt werden.
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Was braucht es für ein wirksames Beckenbodentraining?

Damit die gezeigten Übungen wirken, kommt es auch auf die korrekte Ausführung, Regelmässigkeit und bei Bedarf eine professionelle Anleitung an.

Anspannung und Entspannung richtig verstehen

Ein wirksames Training umfasst sowohl die bewusste Anspannung als auch die vollständige Entspannung der Muskulatur. Ein dauerhaft angespannter Beckenboden kann ähnliche Beschwerden verursachen wie ein geschwächter Beckenboden, zum Beispiel Schmerzen oder ein Verspannungsgefühl im Unterbauch oder Blasen-/Darmprobleme.

Richtig an- und entspannen

Sportwissenschaftlerin Gabrielle zeigt, wie Sie den Beckenboden richtig anspannen.

Regelmässigkeit als Erfolgsfaktor

Fortschritte zeigen sich vor allem, wenn die Übungen regelmässig durchgeführt werden. Es lohnt sich daher, Übungen mit fixen Routinen in den Tagesablauf einzubauen oder sie einfach beiläufig mehrmals täglich auszuführen. Dazu beanspruchen Alltagsbewegungen wie zügiges Gehen mit langen Schritten sowie Treppensteigen den Beckenboden auf natürliche Weise und ergänzen ein gezieltes Training sinnvoll.

Wann professionelle Anleitung sinnvoll ist

Wer die Muskulatur nicht sicher spürt, anhaltende Beschwerden hat oder den Körper mit Sport nach der Geburt gezielt aufbauen möchte, profitiert von fachlicher Unterstützung. Dabei kann die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut die Übungen individuell anpassen und kontrollieren. Ausserdem kann es in solchen Situationen sinnvoll sein, die Bauchwand auf eine Rektusdiastase (Bauch nach der Geburt, wenn sich zwischen den geraden Bauchmuskeln eine Lücke bildet) untersuchen zu lassen, da Bauchwand und Beckenboden eng zusammenarbeiten.

Warum ist Beckenbodentraining bei Frauen so wichtig?

Der Beckenboden erfüllt im Alltag mehrere zentrale Aufgaben, die häufig erst auffallen, wenn sie eingeschränkt sind.

Funktionen des Beckenbodens im Alltag

Die Muskelgruppe stützt die inneren Organe, sorgt für eine kontrollierte Blasen- und Darmfunktion und trägt zur aufrechten Körperhaltung bei. Der Beckenboden der Frau besteht aus 3 übereinanderliegenden Muskelschichten, die jeweils eigene Aufgaben übernehmen:

  1. Äussere Schicht: verläuft um Harnröhre, Vagina und Anus und lässt sich gezielt öffnen und verschliessen.
  2. Mittlere Schicht: stützt bei plötzlichem Druck auf den Bauchraum, etwa beim Husten oder Niesen.
  3. Innere Schicht: liegt wie eine Hängematte im Becken, hält die inneren Organe an ihrem Platz und beugt so einer Blasen- und Gebärmuttersenkung vor.

Wann Training besonders sinnvoll ist

Relevant wird das Beckenbodentraining für Frauen vor allem in Phasen erhöhter Belastung: Während der Schwangerschaft wird der Beckenboden besonders wichtig, da er zusätzliches Gewicht trägt. Nach der Geburt muss er sich von der Dehnung erholen und wieder an Kraft gewinnen. In den Wechseljahren verändert sich das Gewebe hormonell bedingt und kann an Elastizität verlieren.

In all diesen Phasen kann ein gezieltes Training dabei helfen, Beschwerden vorzubeugen oder ihnen entgegenzuwirken.

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