Eisenmangel: Symptome erkennen, Ursachen verstehen & ausgleichen

Eisenmangel: Ursachen, Symptome und Behandlung

Müdigkeit, Konzentrationsschwierig­keiten oder brüchige Nägel: Dahinter steckt oft ein Eisenmangel. Denn das Spurenelement spielt eine zentrale Rolle im Körper und ist unter anderem an Blutbildung und Sauer­stofftransport beteiligt. Erfahren Sie, was ihn auslöst und wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Häufige Fragen zu Eisenmangel

Wozu braucht der Körper Eisen?

Eisen ist ein lebenswichtiges Spuren­element. Im Körper übernimmt es zentrale Funktionen: Es wird insbesondere für die Bildung des Blutfarbstoffs Hämoglobin benötigt, welcher den Sauerstofftransport mit Körper sicherstellt. Zudem unterstützt Eisen die Immunabwehr sowie die Bildung bestimmter Botenstoffe im Gehirn und weitere Prozesse des Nervensystems. Ein ausgeglichener Eisenhaushalt ist deshalb eine Grund­voraussetzung für Energie, Konzentration und ein funktionierendes Immunsystem.

Von Eisenmangel spricht man, wenn die Eisenvorräte im Körper unter ein bestimmtes Mass sinken. Dieser kann unterschiedlich ausgeprägt sein, die bekanntesten zwei Formen sind: 

  • Latenter Eisenmangel ohne Blutarmut (Anämie): Die Vorräte sind bereits reduziert, die Hämoglobinwerte sind aber noch unauffällig. Symptome treten hier nicht zwangsläufig auf.
  • Eisenmangelanämie: Der Eisenmangel ist so ausgeprägt, dass zusätzlich eine Blutarmut entsteht. Eisenmangel gilt als häufigste Ursache von Blutarmut.

Was sind Symptome von Eisenmangel?

Wie stark und wie lange der Mangel bereits besteht, beeinflusst, welche Symptome bei Eisenmangel auftreten können. Zu den häufigsten Erschei­nungen zählen unter anderem:

  • Muskelschwäche und eine verminderte Ausdauerleistung
  • Reizbarkeit und Schwindel
  • kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen oder verminderte Lernfähigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Appetit auf Lehm oder Erde
  • rillige, brüchige Nägel
  • trockene Haut, eingerissene Mundwinkel und Zungenbrennen
  • Haarausfall

Da diese Beschwerden unspezifisch sind und ebenso bei anderen Erkrankungen auftreten können, lohnt sich bei anhaltenden Symptomen ein Bluttest zur Abklärung. Erst eine Ursachenabklärung mit Messung des Ferritinwerts zeigt zuverlässig, ob tatsächlich ein Eisenmangel dahintersteckt.

Sind Blässe und Müdigkeit verlässliche Anzeichen eines Eisenmangels?

Blässe entsteht, weil bei einem Eisenmangel weniger roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebildet wird, der der Haut ihre Farbe verleiht. Allein ist Blässe aber kein verlässliches Zeichen für Eisen­mangel, da sie auch andere Ursachen wie Kälte, Kreislaufprobleme oder die individuelle Hautfarbe haben kann.

Müdigkeit entsteht bei Eisenmangel, weil weniger Sauerstoff im Körper transportiert wird. Allerdings hat Müdigkeit häufig auch andere Ursachen wie beispielsweise Depressionen, eine Nierenschwäche, eine Schilddrüsen­fehlfunktion oder eine chronische Hepatitis. Eine ärztliche Ursachen­abklärung ist deshalb wichtig, bevor eine Eisentherapie begonnen wird.

Leben mit chronischem Eisenmangel – Lena erzählt

Lena lebt seit Jahren mit chronischem Eisenmangel. Im Podcast erzählt sie, mit welchen Symptomen sie zu kämpfen hat, welche Untersuchungen sie durchlaufen hat und was ihr im Umgang mit der Erkrankung geholfen hat.
Lena – Patientin mit Eisenmangel
Ich war davor total erschöpft und ich hatte richtig depressive Zustände – aber ich dachte einfach, das liegt daran, dass ich zwei kleine Kinder habe, dass ich studiere, dass ich arbeite.
Lena Patientin mit Eisenmangel

Was sind die Ursachen von Eisenmangel?

Die häufigsten Ursachen für Eisenmangel sind ein erhöhter Eisenbedarf, ein wiederkehrender Blutverlust, etwa durch die Menstruation, sowie eine unzu­reichende Eisenzufuhr durch eine einseitige Ernährung. Ein erhöhter Bedarf besteht zum Beispiel in Wachstums­phasen und in der Schwangerschaft, wenn der Körper vermehrt Eisen für die Blutbildung benötigt. Auch bei intensivem Sport steigt der Bedarf, da über Schweiss und Mikroverletzungen mehr Eisen verloren geht. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Chronisch-entzündliche Darm­erkrankungen
  • Chronische Krankheiten, die die Eisenverfügbarkeit beeinflussen
  • eine verminderte Eisenaufnahme bei Zöliakie

Täglicher Eisenbedarf

Der Körper kann Eisen nicht selbst herstellen und nimmt es über die Nahrung auf. Der Bedarf an Eisen unterscheidet sich je nach Geschlecht und Lebensphase deutlich:

  • Männer (18–65 Jahre): 11 mg pro Tag
  • Männer (66 Jahre und älter): 8–10 mg pro Tag
  • Frauen (18–65 Jahre): 16 mg pro Tag – der höhere Bedarf entsteht durch den regelmässigen Blutverlust während der Menstruation
  • Frauen (66 Jahre und älter): 8–10 mg pro Tag – nach der Menopause sinkt der Bedarf, da die Menstruation wegfällt
  • Schwangere: 30 mg pro Tag
  • Stillende: 20 mg pro Tag

Wichtig: Der erhöhte Bedarf an Eisen in der Schwangerschaft lässt sich über die Ernährung allein kaum decken. Daher werden bei Schwangeren und Stillenden häufig Eisenpräparate verschrieben.

Warum Frauen eher betroffen sind – Dr. Rosemann erklärt

Im Gespräch ordnet Dr. Rosemann ein, wie Eisen im Körper wirkt und weshalb Frauen aufgrund der Menstruation ein höheres Risiko für Eisenmangel haben.
Dr. Thomas Rosemann
Es braucht ein Gleichgewicht aus Aufnahme und Verlust – und es gibt halt Menschen, die mehr verlieren; menstruierende Frauen beispielsweise.
Dr. Rosemann Lehrstuhl für Hausarztmedizin, Universität Zürich und Leiter Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich

Weitere Risikogruppen

Auch unabhängig von Geschlecht, Alter und Schwangerschaft gibt es Personengruppen mit einem erhöhten Eisenbedarf oder einem grösseren Risiko für einen Mangel:

  • Kinder und Jugendliche im Wachstum, da der Körper während dieser Phase vermehrt Eisen für die Blutbildung benötigt.
  • Menschen, die intensiven Leistungssport betreiben, weil durch Schweiss, Mikroverletzungen und einen gesteigerten Stoffwechsel mehr Eisen verloren geht.
  • Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, da pflanzliches Eisen vom Körper schlechter aufgenommen wird als tierisches.
  • Personen, die regelmässig Blut spenden, weil mit jeder Spende auch Eisen verloren geht, das der Körper erst wieder aufbauen muss.

Wer zu einer dieser Gruppen gehört, sollte seinen Eisenspiegel besonders im Blick behalten und bei Bedarf ärztlich abklären lassen.

 

Eisenmangel testen

Um den Eisenwert im Körper zuverlässig zu bestimmen, wird in einer Blutunter­suchung das Ferritin geprüft. Dieses Eiweiss zeigt an, wie hoch die Eisenreserven sind. Einheitliche Grenzwerte gibt es zwar nicht, als Richtwert gilt jedoch: Liegt der Ferritinspiegel unter 50 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml), kann es bereits zu Beschwerden kommen. Liegt er unter 15 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml), ist der Eisenstand zu niedrig. Welcher Ferritinwert gefährlich ist, lässt sich zwar nicht pauschal beziffern – grundsätzlich gilt aber: Je niedriger der Wert ausfällt, desto ausgeprägter ist in der Regel der Mangel.

Für eine zuverlässige Diagnose sollte zusätzlich auch der CRP-Wert bestimmt werden. Dieses Eiweiss zeigt akute Entzündungen und Infektionen an, welche den Ferritinwert künstlich erhöhen und das Testergebnis verfälschen können.

Wie zuverlässig sind Selbsttests aus der Apotheke?

Ein kleiner Stich in die Fingerkuppe und zehn Minuten später liegt das Ergebnis vor: Eisen-Selbsttests aus der Apotheke sind nach wie vor im Trend. Die meisten dieser Tests bestimmen den Ferritinwert und geben damit einen Hinweis auf die Eisenspeicher im Körper. Allerdings erkennen sie in der Regel nur einen ausgeprägten Mangel zuverlässig. Auch entzündliche Erkrankungen können das Ergebnis verfälschen, da der Ferritinwert dabei unabhängig vom tatsächlichen Eisenstatus ansteigen kann.

Selbsttests liefern deshalb nur einen ersten Anhaltspunkt und ersetzen keine gründliche Diagnose durch eine ärztliche Fachperson. Wer wiederkehrende Symptome bemerkt oder sich unsicher ist, sollte das weitere Vorgehen deshalb immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und den Eisenstatus mit einem Bluttest abklären lassen.

Wie wird Eisenmangel behandelt?

Grundsätzlich gilt: Nicht jeder Eisenmangel muss auch behandelt werden. Eine Behandlung wird in erster Linie dann empfohlen, wenn eine diagnostizierte Blutarmut (Anämie) vorliegt, also die Konzentration an Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu gering ist. Wichtig ist zu beachten, dass niedrige Eisenwerte nicht zwingend mit Symptomen einhergehen. Liegt ein Eisenmangel ohne Blutarmut vor, ist eine Behandlung vor allem dann sinnvoll, wenn Beschwerden bestehen. Für die Behandlung kommen in der Regel Tabletten oder Infusionen infrage.

Betroffene sollten Eisenpräparate nie in Eigenregie, sondern nur unter ärztlicher Kontrolle und für eine begrenzte Zeit einnehmen.

Eisentabletten

Eisentabletten sind für den Körper meist verträglicher, da sich die Eisenzufuhr über einen längeren Zeitraum auf mehrere kleine Portionen verteilt, statt die Speicher in einer bis zwei Sitzungen komplett aufzufüllen.

Eisen-Infusionen

Eisen-Infusionen gelten eher als zweite Wahl und kommen erst dann infrage, wenn die Tabletten Magen-Darm-Beschwerden auslösen oder der Ferritinwert unter der Tabletteneinnahme nicht ausreichend ansteigt. Eine Eiseninfusion sollte stets ärztlich überwacht werden, da es in sehr seltenen Fällen zu einer allergischen Reaktion kommen kann.

Eisen-Überdosis: Geht das?

Über Lebensmittel allein ist eine Überdosierung sehr unwahrscheinlich. Werden jedoch Eisenpräparate versehentlich in grösseren Mengen als verschrieben eingenommen, kann es zu einer akuten Eisenvergiftung kommen. Diese äussert sich unter anderem durch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall und kann auch bei Erwachsenen gefährlich sein. Diese kann für Kinder lebensbedrohlich sein. Eisentabletten sollten deshalb stets so aufbewahrt werden, dass Kinder keinen Zugriff darauf haben. Wird über einen längeren Zeitraum zu viel Eisen aufgenommen, kann es zudem zu einer chronischen Eisenüberladung kommen: Dabei lagert sich Eisen in Organen wie Leber, Herz oder Bauchspeicheldrüse ab und kann diese langfristig schädigen.

Kontrolle nach der Behandlung

Um den Erfolg einer Behandlung zu überprüfen, untersucht die ärztliche Praxis das Blut erneut. Nach Tabletten wird der Hämoglobinwert bereits nach vier Wochen kontrolliert, die Eisenspeicher (Ferritin) frühestens nach sechs bis acht Wochen. Nach Infusionen erfolgt die Kontrolle erst nach zwölf Wochen, da der Ferritinwert direkt nach der Behandlung zunächst stark ansteigt.

Eisenmangel mit der richtigen Ernährung vorbeugen

Wer bereits an Eisenmangel leidet, kann diesen nicht allein mit eisenreichen Lebensmitteln beheben, in der Regel sind zusätzliche Präparate notwendig. Zur Vorbeugung leistet die Ernährung jedoch einen wichtigen Beitrag, denn Eisen kommt in unterschiedlicher Menge in fast allen Lebensmitteln vor.

Dabei gilt:

  • Eisen aus tierischen Lebensmitteln nimmt der Körper besonders gut auf; aus pflanzlichen Lebensmitteln hingegen etwas schlechter. Zu den besonders eisenhaltigen Lebensmitteln zählen rotes Muskelfleisch und Leber, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Sojabohnen, Nüsse und Samen wie Sonnenblumenkerne sowie Gemüse und Kräuter wie Brunnenkresse oder Petersilie.
  • Ascorbinsäure (Vitamin C) verbessert die Eisenaufnahme. Eine frische Frucht zur Mahlzeit ist deshalb empfehlenswert. Auch gegärte Lebensmittel wie Sauerkraut sowie organische Säuren aus Zitrusfrüchten wirken sich günstig auf die Eisenaufnahme aus.
  • Eisen lässt sich problemlos mit Vitamin B12 als Nahrungs­ergänzungsmittel kombinieren. Besonders bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung lohnt es sich, auf eine ausreichende Zufuhr beider Nährstoffe zu achten.

Eisenhaltige Lebensmittel im Überblick

Wie viel Eisen ein Lebensmittel liefert, unterscheidet sich teils deutlich. Die folgende Übersicht zeigt den Eisengehalt ausgewählter Lebensmittel pro 100 Gramm:

  • Kakaopulver, ohne Zucker (49 mg)
  • Blutwurst (30,0 mg)
  • Leber (Durchschnitt aus Rind, Kalb, Schwein) (11 mg)
  • Kürbiskerne (8,2 mg)
  • Sesamsamen (7,7 mg)
  • Miesmuscheln, gekocht (4 mg)
  • Haferflocken (3,5 mg)

Diese Werte zeigen: Eisen kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Wichtig zu wissen: Der Körper nimmt nie das gesamte in einem Lebensmittel enthaltene Eisen auf, sondern nur einen Bruchteil davon. Wie viel genau, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um Häm-Eisen (aus tierischen Quellen, ca. 15–35% Aufnahme) oder Nicht-Häm-Eisen (aus pflanzlichen Quellen, ca. 2–15% Aufnahme) handelt. 

Zudem reguliert der Körper die Aufnahme aktiv: Bei einem bestehenden Eisenmangel wird deutlich mehr Eisen aus der Nahrung aufgenommen als bei gefüllten Speichern. Der tägliche Eisenbedarf liegt je nach Alter und Geschlecht bei etwa 10 bis 15 Milligramm. Wer regelmässig eine ausgewogene Mischung davon isst, kann seinen täglichen Bedarf je nach individueller Situation über die Ernährung decken.

Diese Lebensmittel hemmen die Eisenaufnahme

Bestimmte Inhaltsstoffe beeinflussen zusätzlich, wie viel Eisen der Körper tatsächlich aufnehmen kann. Einige Lebensmittel enthalten Substanzen, die die Eisenaufnahme im Darm hemmen:

  • Tannine (Gerbsäuren) aus Kaffee, Tee oder Wein binden Eisen und erschweren dessen Aufnahme.
  • Phytate aus Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Nüssen können Eisen im Darm binden und so die Aufnahme verringern.
  • Sojaproteine, etwa aus Tofu oder Sojamilch, hemmen die Eisenaufnahme ebenfalls.
  • Calciumreiche Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte können die Eisenaufnahme bei gleichzeitigem Verzehr beeinträchtigen.
  • Hühnereier enthalten Phosvitin, ein Eiweiss, das die Eisenaufnahme zusätzlich reduziert.

Wichtig: Ein einzelnes hemmendes Lebensmittel muss nicht gemieden werden. Entscheidend ist der zeitliche Abstand: Wer eisenreiche Mahlzeiten nicht direkt mit Kaffee, Tee oder grossen Mengen Milchprodukten kombiniert, kann die Eisenaufnahme deutlich verbessern. Auch hier gilt: Eine abwechslungsreiche Ernährung gleicht hemmende Effekte einzelner Lebensmittel in der Regel gut aus.

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