PCOS Symptome: Wie erkennt man das Poly­zystisches Ovarialsyndrom und wie wird es behandelt?

PCOS Symptome: Wie erkennt man das Polyzystisches Ovarialsyndrom und wie wird es behandelt?

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine Stoffwechselkrankheit bei Frauen im gebärfähigen Alter. Symptome sind beispielsweise Zyklusschwankungen, Akne, unerwünschte Behaarung sowie verminderte Fruchtbarkeit. Dr. med. Alina Staikov klärt über die Krankheit auf.

Was ist PCOS?

PCOS – auch PCO oder PCO-Syndrom – ist die Abkürzung für «polyzystisches Ovarialsyndrom» (manchmal auch Ovarsyndrom). Es bezeichnet eine Stoffwechselkrankheit bei Frauen im gebärfähigen Alter, die den Zyklus, die Hormone und die Eierstöcke betrifft.

Was bei PCOS im Körper passiert

In jedem Monatszyklus bilden sich in den Eierstöcken mehrere Eibläschen, sogenannte Follikel. Bei der gesunden Frau wächst nur eines dieser Follikel weiter, das dann den Eisprung auslöst, während sich die restlichen Eibläschen zurückbilden. Beim PCOS produziert der Eierstock übermässig männliche Hormone. Dadurch werden mehrere kleine Follikel (<10 mm) gebildet, die jedoch nicht oder selten so weit reifen, dass es zum Eisprung kommt. Die Krankheit ist weder selbstverschuldet noch lässt sie sich heilen und ist mit gewissen Langzeitrisiken verbunden. Allerdings können die Symptome recht gut behandelt werden, sodass auch eine Schwangerschaft möglich ist.

Kurze Antworten auf häufige Fragen rund um das PCOS

Beim PCOS handelt es sich um eine komplexe Stoffwechselkrankheit bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die häufigsten Symptome sind unregelmässige oder ausbleibende Monatsblutungen, unreine Haut, unerwünschter Haarwuchs, Gewichtszunahme und eine herabgesetzte Fruchtbarkeit. Häufig leiden die Betroffenen auch an einer Insulinresistenz. Dies, weil möglicherweise durch die Stoffwechselstörung am Eierstock gebildete Androgene (männliche Hormone) den Blutzucker-Metabolismus direkt angreifen.

Schwankende oder ausbleibende Regelblutungen, Akne, Haarwuchs im Gesicht, am Bauch und anderen für Frauen untypischen Stellen, Haarausfall, Gewichtszunahme, Müdigkeit und seelische Belastung, unerfüllter Kinderwunsch.

Wenn eine Frau im gebärfähigen Alter merkt, dass sich der Zyklus markant verändert hat oder von Anfang an sehr unregelmässig war, ist dies ein erstes Anzeichen. Treten darüber hinaus Symptome wie oben beschrieben auf, sollte sich die Frau gynäkologischen Rat holen.

Die Ursachen sind nach wie vor nicht ganz geklärt, wobei die Krankheit nie selbstverschuldet ist. Geklärt ist dagegen der Mechanismus. So liegt ein gestörter Hormonhaushalt vor, der häufig in Kombination mit einer Insulinresistenz auftritt.

Erfassung des Zyklus; Untersuchung des Köpers, der Eierstöcke (Ultraschall) und des Blutes (Bestimmung Hormonhaushalt) sowie Abklärung auf Insulinresistenz. Die definitive Diagnose erfolgt erst, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Für eine Diagnosestellung ist ein gewisses Ausmass an Symptomen ausreichend, also nicht unbedingt die Präsenz aller Symptome.

Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und sportlichen Aktivitäten kann die Symptome reduzieren. Manchmal lässt sich bereits mit einer relativ kleinen Gewichtsreduktion von 5 % der Zyklus stabilisieren und die Fruchtbarkeit verbessern. Der Abbau von Stress und ein intaktes Sozialleben sind wichtig für das emotionale Wohlbefinden und wirken sich ebenfalls positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Grundsätzlich ja. Die Medizin bietet verschiedene erfolgversprechende Therapien an, auf die die Patientinnen gut ansprechen.

Typische Symptome: woran PCOS häufig auffällt

Die Symptome des polyzystischen Ovarialsyndroms sind vielfältig und unterscheiden sich in der Ausprägung. Anhand der nachfolgenden Symptom-Liste können Frauen einen ersten Self-Check durchführen. Für eine genaue Abklärung ist jedoch der Gang in die gynäkologische Praxis unerlässlich.

Symptome von Akne bis Zyklus

Diese Symptome können auf das Syndrom polyzystischer Ovarien hinweisen:

  • Veränderungen im Zyklus
  • Unreine Haut, Akne
  • Haarausfall
  • Gewichtszunahme
  • Energiemangel und Müdigkeit
  • emotionale Schwankungen
  • Problem, schwanger zu werden bis hin zu Unfruchtbarkeit
  • weitere, durch die hormonelle Dysbalance ausgelöste, unspezifische Symptome

Wie verändert das PCOS den Zyklus und den Eisprung?

Da zu viel männliches Hormon gebildet wird, ist das hormonelle Gleichgewicht gestört. Dies zeigt sich in deutlichen Zyklusschwankungen, manchmal bleibt die Regelblutung ganz aus. Bei den Betroffenen kommt es nur selten oder gar nicht zu einem Eisprung. Deshalb haben sie es schwerer, mit dem PCOS schwanger zu werden. Allerdings lässt sich die Krankheit dank den heutigen Therapiemöglichkeiten meist gut behandeln.

PCOS ist nicht selbstverschuldet und nicht heilbar, lässt sich aber dank moderner Therapiemöglichkeiten recht gut behandeln.
Dr. med. Alina Staikov

Auswirkungen des PCOS auf Haut und Haare

PCOS-Betroffene klagen oft über Akne, eine verstärkte Körperbehaarung im Gesicht, am Rücken, am Bauch und in der Schamgegend sowie über einen typischen, durch männliche Hormone bedingten Haarausfall. Eine gezielte medikamentöse Behandlung und ein gesünderer Lebensstil haben sich bewährt.

Übergewicht beeinflusst die Krankheit

Die Mehrheit der Betroffenen hat grosse Probleme, das Körpergewicht zu halten oder ist bereits übergewichtig, wobei vor allem das Bauchfett ins Gewicht fällt. Auch besteht die Gefahr, dass die Patientinnen eine Fettleber bilden. Empfohlen wird eine ausgewogene, gesunde Ernährung in Kombination mit Bewegung.

Wenn es an Energie mangelt

Da PCOS den betroffenen Frauen einiges abverlangt, sind sie oft müde und erschöpft. Aktivität ist der beste Weg, um die leeren Batterien aufzufüllen. Wie wäre es mit Yoga, Aquafit oder Salsa? Und warum nicht mit Freundinnen einen Kochkurs für gesunde Ernährung besuchen?

Das PCOS und die Psyche

Die körperlichen Veränderungen oder auch der emotionale Stress, womöglich nie ein Kind austragen zu können, kann auf die Seele drücken. Nicht selten reagieren Patientinnen mit Selbstzweifeln, sind seelisch angeschlagen und können sogar eine Depression entwickeln. Hier bietet sich das Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen an.

Wie gehen Betroffene mit dem PCOS um?

Patientinnen mit dem PCO-Syndrom geben an, dass die Diagnose eine gewisse Selbstdisziplin verlangt. So habe sich ihre Lebensqualität dank einer Kombination aus Medikamenten, einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und einem regelmässigen Sportprogramm deutlich verbessert. Um den Stress zu reduzieren, besuchen Betroffene auch Yoga- oder Meditationskurse. Nicht zuletzt helfe auch eine positive Einstellung, um das körperliche und emotionale Wohlbefinden zu stabilisieren.

Ein gesunder Lebensstil verringert die Symptome und somit den Leidensdruck.
Dr. med. Alina Staikov

PCOS: Ursache und Wirkung

Die genaue Ursache für das polyzystische Ovarialsyndrom ist nicht abschliessend geklärt. Genetische Faktoren und Übergewicht mit einer sekundären Insulinresistenz dürften eine Rolle spielen. Möglich ist auch, dass bereits beim weiblichen Fötus die hormonellen Weichen für eine spätere Erkrankung gestellt werden. Uneinig ist sich die Wissenschaft auch, ob die Eierstöcke, die Insulinresistenz oder beides für das PCO-Syndrom verantwortlich ist.

Hormone aus dem Gleichgewicht

Damit die Zeichen für eine Befruchtung gutstehen, müssen das Luteinisierende Hormon (LH) und das Follikelstimulierende Hormon (FSH) das richtige Verhältnis zueinander aufweisen. Ist dieses Gleichgewicht nicht mehr vorhanden, spricht die Medizin von hormoneller Dysregulation.

Eine Frau und männliche Hormone – was bedeutet das?

Beim PCO-Syndrom wird mehr LH als FSH ausgeschüttet, was die Ausbildung eines Leitfollikels und somit den Eisprung behindert. Die nicht rupturierten Follikel sind hormonaktiv, weshalb die männlichen Hormone im Körper zunehmen.

Das hormonelle Ungleichgewicht behindert den Eisprung.
Dr. med. Alina Staikov

Das PCOS und Insulinresistenz

Wenn die Körperzellen nur unzureichend auf das Hormon Insulin reagieren, können sie weniger Zucker aus dem Blut aufnehmen, was den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Dies versteht die Bauchspeicheldrüse als Signal, noch mehr Insulin zu produzieren. Doch was bewirkt ein chronisch erhöhter Insulinspiegel im Zusammenhang mit dem Syndrom polyzystischer Ovarien?

Auswirkung

Da statt nur eines mehrere Eibläschen heranreifen, ist die Produktion männlicher Hormone (Androgene) bereits stark anregt. Die Androgene haben eine bremsende Wirkung, weshalb noch mehr Insulin ausgeschüttet wird, um den Transport des Blutzuckers in die Zellen zu ermöglichen. Die überschüssigen männlichen Hormone führen zu einer verstärkten Behaarung an unerwünschten Stellen (Hirsutismus), zu Akne und weiteren Symptomen. Da viele Frauen mit dem polyzystischen Ovarialsyndrom insulinresistent sind, steigt das Risiko für Diabetes Typ 2.

Keine gute Verbindung: Das PCOS und Stress

Wer dauernd unter Strom steht, schüttet Stresshormone wie etwa Cortisol aus, was sich negativ auf die PCO-Betroffenen auswirken kann. Stressreduktion durch bewusste Pausen, Spaziergänge in der Natur, ein gutes Zeitmanagement und etwas mehr Gelassenheit hilft.

Eine mögliche Mitspielerin: Die Darmflora (Darmmikrobiom)

Es konnte zwar noch nicht schlüssig beantwortet werden, aber eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien (Dysbiose) könnte ebenfalls Einfluss auf das Gewicht/Übergewicht und in diesem Zusammenhang auf das polyzystische Ovarialsyndrom nehmen. Die Darmgesundheit steigern PCOS-Patientinnen, indem sie mehr Gemüse und Früchte sowie probiotische Lebensmittel wie ungesüssten Joghurt auf den Speiseplan setzen und auf Fastfood verzichten.

PCOS und Schwangerschaft: Welche Möglichkeiten gibt es?

Die gute Nachricht vorab: Die meisten betroffenen Frauen können trotz des PCOS schwanger werden. Am Anfang stehen folgende Massnahmen: Dokumentation des Zyklusverlaufs und eine gynäkologische Untersuchung, eine ausgewogene Ernährung, Sport sowie das richtige Timing für eine Befruchtung. Kommt es nur selten zu einem Eisprung, bieten diverse Medikamente zur Ovulationsauslösung eine wertvolle Unterstützung. Eine Begleitung durch regelmässige Ultraschalluntersuchungen ist angezeigt. Sowohl mit Medikamenten, die den Blutzuckerstoffwechsel beeinflussen, als auch mit Inositol wurden verschiedene erfolgversprechende Studien durchgeführt. Bleibt der Kinderwunsch trotz allem unerfüllt, ist eine Konsultation in einem Kinderwunschzentrum angezeigt.

Auch Frauen, die am PCO-Syndrom leiden, können schwanger werden.
Dr. med. Alina Staikov

Gute Zukunftsaussichten trotz PCO-Syndrom

Wer am polyzystischen Ovarialsyndrom leidet, stellt sich viele Fragen zum weiteren Verlauf der Krankheit, zum Umgang mit einer Insulinresistenz oder Diabetes. Es gibt Langzeitrisiken. Dazu gehören Auswirkungen auf die Schleimhaut des Uterus. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Therapie, Beratung und Betreuung dieser Patientinnen. Doch grundsätzlich stehen die Aussichten gut. Moderne Medikamente, regelmässig Kontrollen in der gynäkologischen oder hausärztlichen Praxis, periodische Ultraschall- und Blutanalyse-Checks sowie eine ausgewogene Ernährung und Bewegung steigern nicht nur die Lebensqualität, sie helfen auch entscheidend mit, dass trotz eines PCOS der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

Behandlung des PCOS im Alltag

Weniger zucker- und fetthaltige Lebensmittel, der Verzicht auf Süssgetränke sowie regelmässige Aktivitäten wie beispielsweise Radfahren, Schwimmen oder Wandern helfen nicht nur bei der Gewichtsreduktion, sondern stärken auch den Herz-Kreislauf, fördern den Stoffwechsel und verringern den Leidensdruck bei PCOS.

Tipps 1: Gesunde Ernährung macht happy

Denn sie wirkt sich positiv auf das Gewicht und das Allgemeinbefinden aus. Wer Mühe mit der Umstellung hat, dem hilft eine Ernährungsberatung.

Tipp 2: Das bringt den Stoffwechsel in Schwung

Regelmässige sportliche Aktivitäten tragen zu einem gesunden Gewicht bei und mindern die PCOS-Symptome.

Tipp 3: Gute Nacht trotz des PCOS

Spätes Essen, Koffein, Alkohol und das blaue Licht des Handys sind nicht nur bei einer PCOS-Erkrankung Störfaktoren. Etwa sieben Stunden Schlaf zu festen Zeiten sorgen für süsse Träume.

Tipp 4: Stress reduzieren

Verfügbarkeit, Überforderung und andere Stressfaktoren belasten zusätzlich. Ein geregelter Tagesablauf, Ruhepausen und Zeit für Familie und Freunde helfen, die Balance zu finden.

Tipp 5: PCOS und Mönchspfeffer

Das Heilmittel soll die Hirnanhangdrüse beeinflussen, den Prolaktinspiegel senken und das Gleichgewicht zwischen LH und FSH verbessern. Nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt.

Was gibt es für Therapiemöglichkeiten?

Neben einer Anpassung der Ernährungsgewohnheiten, mehr Bewegung und einer allgemeinen Verbesserung des Lebensstils kommen in Absprache mit der Gynäkologin oder dem Gynökologen spezifische Medikamente zum Einsatz. Das Ziel dieser Medikamente ist es, die männlichen Hormone zu reduzieren, die Insulinresistenz zu behandeln und den Eisprung zu fördern.

Anspruchsvoll: Die PCOS-Diagnose

Erste Voraussetzung ist, dass mindestens zwei der zentralen PCOS-Merkmale auf eine Patientin zutreffen. Dies sind:

  • ein gestörter Zyklus
  • ein Überschuss an männlichen Hormonen
  • polyzystische Ovarien/Eierstöcke

Um eine sichere Diagnose zu stellen, sind diverse medizinische Untersuchungen notwendig:

  • Aufnahme der Krankheits- und Familiengeschichte (besteht eine erbliche Vorbelastung?)
  • Auswertung der Zyklusdaten
  • körperliche Untersuchung vor allem im Hinblick auf die Behaarung
  • Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
  • Blutanalyse

Blutuntersuchung als Bestandteil der Diagnose

Die Blutanalyse gibt Aufschluss über die weiblichen und männlichen Hormone im Körper und deren Derivate, über die Schilddrüsenhormone, die Hormone der Nebennierenrinde und der Hirnanhangdrüse, darunter auch Prolaktin. Einen weiteren Richtwert liefert das Anti-Müller-Hormon (AMH), das in den Eierstöcken gebildet wird und anzeigt, wie viele Eizellen vorhanden sind. Diese sogenannte Ovarielle Reserve ist ein wichtiger Marker bei der Diagnose eines PCOS. Ergänzend zu diesen Diagnoseschritten wird abgeklärt, ob Diabetes oder andere Stoffwechselstörungen vorliegen.

Weshalb ist eine frühzeitige ärztliche Abklärung so wichtig?

Wird die Krankheit nicht behandelt, steigen die Risiken für eine Diabetes Typ 2, für Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Unfruchtbarkeit. Hinzu kommt, dass die Betroffenen weiterhin unter Symptomen wie Akne und Körperbehaarung leiden, was ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Deshalb ist es wichtig, dass sich Frauen bei einem Verdacht auf das PCO-Syndrom Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anvertrauen.

Fachstellen, an die sich Betroffene wenden können

Diese Stellen sind auf die Behandlung von PCOS-Patientinnen spezialisiert: Universitätsspitäler, gynäkologische Praxen mit einem breiten Behandlungsspektrum oder mit Schwerpunkt Endokrinologie sowie Kinderwunschkliniken.


Quelle

Frau Dr. med. Alina Staikov, Gründerin, CEO und medizinische Leiterin von gynpoint.
Universitätsspital Zürich: PCO-Syndrom

 

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